Phil, Kai oder vielleicht doch Dennis?
Wer die Sandow gewinnen will, muss am viermaligen Champion und amtierenden Titelträger Phil Heath vorbei. Doch kann Phil wirklich entthront werden? Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass Phil natürlich mit dem Bonus des Champions anreist. Konkret: Wer ihn schlagen will, muss für alle sichtbar besser sein. Im Falle einer engen Entscheidung wird das Pendel wohl zum Titelträger ausschlagen. Doch Phil sollte nach seiner enttäuschenden Performance im Vorjahr gewarnt sein: Schenken wird man ihm den Titel nicht. Es liegt letztlich an ihm selbst: Kann er an die Form von 2011 und 2012 anknüpfen, wird wohl kein Weg an ihm vorbei führen.Zeigt er erneut Schwächen, ist nicht ausgeschlossen, dass seine Verfolger diese nutzen werden. Allen voran natürlich Kai Greene, der darauf brennen dürfte Phil endlich den Titel zu entreißen. Ob dies gelingt, ist jedoch fraglich. Kai bringt ohne jeden Zweifel alle Voraussetzungen mit, um der vierzehnte Mr. Olympia zu werden, doch ließ er mit der Ausnahme von 2012 immer die optimale Form vermissen. Zu schwer, nicht hart genug, so die meisten Urteile über seine Leistung in den letzten beiden Jahren. Kann er seine Topform abrufen, die man unter anderem von ihm in New York und Columbus bereits sehen konnte, kann er Phil schlagen. Gelingt das nicht, muss er aufpassen nicht von hinten überholt zu werden. Denn Dennis Wolf wartet nur darauf einen Fehler der Top 2 auszunutzen. Nach dem erfolgreichsten Jahr seiner Karriere im Vorjahr, in dem er sowohl in Columbus als auch in Madrid siegreich war, hat Dennis Rückenwind. In seiner Heimatstadt wird er alles dafür geben, den Zweikampf der letzten Jahre zu stören. Die Voraussetzungen bringt Dennis mit. Seine Beine gehören zu den beeindruckendsten im Feld und dank seiner enormen Schulterbreite und der schmalen Taille wirkt sein Oberkörper immer sehr imposant. Zudem scheint es, als hätte Dennis endlich das passende Rezept für seinen Körper gefunden. War er früher am Wettkampftag häufig flach, war davon in den letzten Wettkämpfen nur noch wenig zu sehen. Und doch ist die O eine besondere Herausforderung für Dennis: Über zwei Tage die Form zu konservieren fiel ihm in der Vergangenheit oft schwer, meist verlor er am Freitag entscheidende Punkte. Im letzten Jahr profitierte davon Shawn Rhoden, den nicht wenige auch vor Kai sahen. Shawn überzeugt vor allem durch seine ästhetische Linie und Ausgewogenheit der Muskulatur. In den letzten Jahren lieferte er sich mit Dennis immer wieder spannende Duelle. Was Shawn jedoch meist vermissen ließ, war der letzte Kampfgeist. Häufig wirkt er etwas lethargisch. Nicht auszuschließen, dass ihm das die ein oder andere Platzierung gekostet hat. In jedem Fall ist er ein Athlet, der in der Lage ist die Top 2 ernsthaft zu gefährden, sollten diese sich eine Blöße geben.Wer komplettiert die Top 6?
Eine konstante Größe in den Top 6 ist Dexter Jackson. Der älteste Athlet im Feld beweist immer wieder aufs Neue, dass man ihn nicht vorzeitig abschreiben sollte. Zwar ist nicht davon auszugehen, dass ihm erneut ein Coup wie 2008 gelingt, als er sich völlig unerwartet den Titel schnappen konnte, doch muss man immer mit Dexter rechnen, denn seine Form bringt "The Blade" sicher wie ein schweizer Uhrwerk. Ein Platz in den Top 6 scheint gesetzt, leistet sich einer der genannten Athleten eine Schwäche, ist durchaus auch mehr möglich. Das "dark horse" wird auch in diesem Jahr Big Ramy sein. Ramy bringt eine unglaubliche Muskelmasse mit, insbesondere seine Beine scheinen von einem anderen Stern. Und auch strukturell kann Ramy punkten: Dank seiner enormen Schulterbreite und den ausladenden Beinen wirkt die Taille sehr schmal für einen Athleten seines Gewichtsklasse. Bei der Arnold Classic Brasil Mitte des Jahres zeigte Ramy sichtbare Fortschritte in Sachen Konditionierung. Kann er sich in diesem Punkt weiter verbessern, ist er eine Gefahr für jeden Athleten auf der Bühne. Ob er bereits in diesem Jahr die nötige Härte für die ganz vorderen Plätze bringen kann, erscheint fraglich, aber sollte ihm das gelingen, müssen sich die Herrschaften Heath, Greene, Wolf und Rhoden warm anziehen.Gelingt es ihm nicht, ist es aber auch nicht undenkbar, dass er außerhalb der Top 6 landen wird. Dafür sorgen wollen wird sicherlich Branch Warren, der allen körperlichen Widrigkeiten zum Trotz immer wieder Athleten schlägt, die ihm strukturell deutlich überlegen sind. So erst kürzlich in Atlantic City geschehen, wo er Cedric McMillan schlug. Cedrics Linie gehört mit der von Shawn sicherlich zu den besten im ganzen Feld. Was Cedric bislang jedoch immer vermissen ließ, war die letzte Härte. Sollte er endlich einmal das Rezept hierfür finden, kann er weit in die Topplatzierungen vorstoßen, andernfalls aber auch durchgereicht werden. Gleiches gilt für Roelly Winklaar, der im letzten Jahr enttäuschte. Roelly gehört zu den freakigsten Athleten im Feld mit einer unglaublichen Masse, hat jedoch häufig mit Problemen im Bereich der Mittelpartie zu kämpfen und ist oft am Wettkampftag zu schwer. Das Potenzial für die Top 6 bringt er aber auf alle Fälle mit.Junge Wilde oder alte Garde?
Der Kampf um die verbleibenden Plätze in den Top 10 ist spannend wie nie. Viele junge Athleten stehen bereit die alten Hasen abzulösen. Zu nennen sind in den Zusammenhang allen voran Steve Kuclo und Juan Morel. Steve überzeugt mit einer sehr ausgewogenen Muskulatur, für die vorderen Plätze fehlt ihm jedoch noch etwas Masse und oftmals auch die Form. Mit der hatte Juan in der Vergangenheit seltener Probleme, vielmehr gilt es für ihn sein Beindefizit auszugleichen.Dahinter wartet Brandon Curry auf seinen großen Durchbruch. Auch ihm fehlt es dafür jedoch an Beinmasse, zudem hat er bislang noch kein Rezept für eine Topform gefunden. Ihnen gegenüber steht mit Victor Martinez ein Athlet, der seine besten Zeiten hinter sich hat, jedoch immer noch für eine Platzierung in den Top 10 gut ist. Auch schon lange Jahre dabei sind Johnnie Jackson und Ronny Rockel. Johnnies Oberkörper gehört zu den besten im Feld, es gelang ihm aber nie die Beine diesem anzugleichen. Ronny hat sich in einem Wettkampfmarathon Ende vergangenen Jahres die Qualifikation für die O gesichert und den vollen Fokus auf seine Rückkehr nach Vegas gelegt. Bei seinem Comeback im Vorjahr überzeugte er mit einer starken Form. Diese wird er auch in Vegas brauchen, will er erneut die Top 10 knacken. Leicht wird es nicht, denn die Liste der Konkurrenten ist lang. Zu erwähnen ist sicherlich noch der junge Dallas McCarver, der mit reichlich Medienhype im Rücken angereist kommt. William Bonac erfreut die Fans Jahr für Jahr mit einer hervorragenden Form und sehr dichten Muskeln, jedoch fehlt ihm für die vorderen Plätze die Masse. Und vielleicht erleben wir ja auch eine Überraschung und einer der noch nicht genannten Athleten des 26-köpfigen Feldes schafft den Sprung in die Top 10.212: Der unschlagbare Flex?
In der 212 scheint Flex Lewis einfach nicht zu schlagen. Der Waliser ließ in den letzten Jahren keinen Zweifel daran, dass er die unangefochtene Nummer 1 in der "kleinen" Klasse ist. Und es müssten schon Wunder geschehen, damit er nicht auch in diesem Jahr mit der Trophäe in der Hand von der Bühne geht. Dennoch besticht die 212 durch eine unglaubliche Leistungsdichte, vor allem in den vorderen Rängen. Vor allem Eduardo Correa und Jose Raymond bekriegten sich in den vergangen Jahren ein ums andere Mal. Beide sind bekannt für ihre unglaubliche Konditionierung. Eduardo zeigt vor allem in den Beinen eine Teilung, die man selten zu sehen bekommt, Jose ist weniger für seine tiefen Teilungen, denn für seine unglaubliche Fülle und Vaskularität bekannt. Einer der ästhetischsten Athleten der 212 ist sicher Hidetada Yamagishi, der im letzten Jahr nach seinem Klassenwechsel einen sehr guten vierten Platz belegte und in Columbus an Eduardo und Jose vorbeiziehen konnte. Aufstrebend ist derzeit Aaron Clark, der zwar ohne Titelgewinn nach Vegas reist, dafür aber mit einem starken sechsten Platz im Vorjahr. Ob jedoch einer dieser Athleten Flex vom Thron stoßen kann, ist fraglich.Men's Physique: Klare Sache für Sadik?
Im Vorjahr setzte sich Jeremy Buedina noch gegen Sadik Hadzovic durch. Ob ihm das auch in diesem Jahr gelingen wird, ist keineswegs sicher. Nach seinem Sieg in Columbus hat Sadik enormen Rückenwind. Entscheidend wird sicherlich die Frage sein, welchen Körpertyp die Judges bevorzugen: Im Vergleich zu Jeremy ist Sadik der deutlich muskulösere Athlet. Auf jeden Fall wird es spannend. Jason Poston wurde im Vorjahr Dritter und musste sich in Columbus nur Sadik geschlagen geben, sodass er ein sicherer Kandidat für die Top 3 sein dürfte.Women's Physique: Juliana ohne Konkurrenz?
Schon vor der Absage von Dana Linn Bailey galt Vorjahressiegerin Juliana Malacarne als klare Favoritin. Julianas einzige Sorge muss ihre eigene Entwicklung sein, bewegt sie sich derzeit schon am oberen Limit dessen, wofür die Women's Physique laut Regelwerk steht. Ihre ärgste Verfolgerin dürfte Tycie Coppett sein, die sowohl in Las Vegas im Vorjahr als auch in Columbus Anfang des Jahres Dritte hinter Juliana und Dana wurde. In beiden Wettkämpfen auf Platz 4: Karina Nascimento.Qualifiziert ist nach ihrem Sieg in der Slowakei bei der Mozolani Pro auch Nathalie Falk, für die ein Platz in den Top 10 ein erreichbares Ziel sein dürfte.






