Wenn man denkt, dass "Roid Rage" etwas Schlimmes ist, dann sollte man einmal versuchen einem gewohnheitsmäßigen Kaffeetrinker seinen morgendlichen Kaffee wegzunehmen und schauen, was passiert! Man kann mir glauben, ich habe es gesehen und es ist kein schöner Anblick. Man schätzt, dass 80% der Erwachsenen auf der Welt Koffein in der einen oder anderen Form konsumieren, wobei Kaffee die am weitesten verbreitete Koffeinquelle ist. Man schätzt außerdem, dass der durchschnittliche tägliche Koffeinkonsum in Nordamerika bei 300 mg pro Tag liegt. Man kann die menschliche Liebesbeziehung zu Koffein nicht abstreiten, insbesondere in Form von Kaffee oder Erfrischungsgetränken.

Was an diesem magischen Elixier macht die Leute so verrückt danach? Nun, die anregenden Wirkungen einer starken Tasse Kaffee können nicht bestritten werden, insbesondere dann, wenn der Wecker morgens um 5:00 Uhr klingelt und das Gehirn "nur noch 10 Minuten" schreit. Wie sagt der Kaffee Gigant in der Webung so schön, "Das beste am Aufwachen ist Folgers in Ihrer Tasse." Zusätzlich hierzu ist ein starker Kaffee vor einem großen Meeting, einer großen Trainingseinheit oder einer langen Nacht auf Achse genug, um jegliche zerebrale Spinnweben zu entfernen, die Denkprozesse anzuregen und ein recht nettes Hochgefühl zu schaffen.

Doch wir sollten dieses Thema nicht noch stärker romantisieren, als dies die Kaffeehersteller bereits tun. Trotz seiner allgemeinen Akzeptanz ist Koffein immer noch eine Droge, ein extrem abhängig machender Stoff mit potenten pharmazeutischen Aktionen. Deshalb habe ich, genauso wie ich dies bei Protein und Fett bereits in der Vergangenheit getan habe, einen runden Tisch mit einigen cleveren Leuten zusammengestellt, um darüber zu diskutieren, ob diese Chemikalie ein Freund oder ein Feind ist.

Warum ein kompletter Roundtable Artikel über Koffein? Nun, in eine Kolumne habe ich kürzlich eine bescheidene Diskussion bezüglich der neusten Daten zum Thema Koffein und Insulinsensibilität platziert. Zu meiner Überraschung waren die Reaktionen auf diesen Artikel überwältigend! Hassmails trafen ein und das ganze Forum wurde mit Argumenten für oder gegen Koffein überschwemmt und der Artikel startete sogar in mehreren Ernährungsnewsgroups Diskussionen. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Leute ihren Kaffee lieben und alles in ihrer Macht stehende tun werden, um ihre Gewohnheiten (positiv oder negativ) zu rechtfertigen.

Nach all diesem Trubel haben Dr. Lonnie Lowery, Doug Kalman, und ich entschlossen, dass wir eine Expertenrunde zu diesem Thema einberufen sollten.

John Berardi: Zur Eröffnung möchte ich mit ein paar Informationen über Koffein um mich werfen, so dass jeder auf dem Laufenden ist. Hier ist ein schneller Crashkurs. Zuerst einmal wird Koffein in unseren Kreisen als 1,3,7 Trimethylxanthin bezeichnet und gehört zu einer Gruppe, die als Methylxanthine bekannt ist. Einige andere Methylxanthine mit ähnlichen Wirkungen sind Theobromin (3,7 Dimethylxanthin) und Theophyllin (1,3 Dimethylxanthin). Auch wenn man es weiterhin als Koffein bezeichnen kann, möchte ich hervorheben, dass die tri- und di-Methylxanthine potente Chemikalien sind, die über mehrere getrennte physiologische Mechanismen wirken, wie man im Folgenden noch sehen wird.

  1. Mechanismus Nummer eins: Koffein erhöht aufgrund der Hemmung eines Enzyms namens Phosphodiesterase die zellulare Konzentration einer Verbindung, die als zyklisches AMP bekannt ist. Zyklisches AMP ist das Substrat der Phosphodiesterase, weshalb man mehr dieses Substrats erhält, wenn man das Enzym hemmt. Mehr zyklisches AMP bedeutet eine gesteigerte neuronale Erregung (cAMP ist ein sekundärer Botenstoff für das Neurotransmitter Rezeptorsystem, was bedeutet, dass wenn ein Neurotransmitter seinen Rezeptor bindet, die cAMP Konzentration in der Zelle steigt). Je mehr cAMP man zu Beginn hat, desto weniger Neurotransmitter werden benötigt, um ein zellulares Ereignis/eine zellulare Veränderung einzuleiten. In dieser Hinsicht erhöht Koffein die Empfindlichkeit der Neuronen für Stimuli. Aus diesem Grund werden nach dem Konsum von Koffein interne und externe Stimuli verstärkt, was auch für die Antwort auf diese Stimuli gilt.

  2. Mechanismus Nummer zwei: Koffein hemmt außerdem die Aktion des Chloridkanals. Chloridkanäle hemmen die neuronale Reizweiterleitung. Wenn Koffein ins Spiel kommt, dann enthemmt es die neuronale Reitzweiterleitung/Signalübertragung und lässt die Nerven mit größerer Wahrscheinlichkeit feuern.

  3. Mechanismus Nummer drei: Koffein hemmt die Adenosinrezeptoren. Adenosin selbst kann wirken, indem es an die präsynaptischen Nervenenden anbindet, um eine Neurotransmitter Ausschüttung zuhemmen Zusätzlich hierzu kann es an die postsynaptischen Rezeptoren anbinden, um zu verhindern, dass die Neurotransmitter ihre Aufgabe erfüllen können. Da Koffein diese Aktionen von Adenosin blockieren kann, ist es dazu in der Lage die Funktionalität der Neurotransmitter zu steigern.


Okay, ich hoffe dass klar ist, dass Koffein ein ziemlich potenter pharmakologischer Wirkstoff mit mehreren Aktionsmechanismen ist. Nur weil die Menschen es jeden Tag trinken und niemand direkt danach tot umfällt, ist es mit Sicherheit nicht akzeptabel seine Verwendung auf die leichte Schulter zu nehmen. An diesem Punkt möchte ich direkt mit der Diskussion beginnen. Reden wir über Koffein, das Gute, das Schlechte und das Hässliche.

Zuerst das Schlechte und das Hässliche. Denkt ihr Jungs nach einer Durchsicht der korrelationalen oder experimentellen Daten, dass es irgendwelche negative Auswirkungen eines gewohnheitsmäßigen Koffein oder Kaffee Konsums gibt? Mit anderen Worten ausgedrückt möchte ich euch fragen, ob es irgendwelche Gründe gibt, dieses Zeug zu meiden?

preview Doug Kalman: Ja und nein. Hier sind die wichtigsten Bedenken:

Zuerst einmal wissen wir, dass etwa zehn Gramm Koffein an einem Tag tödlich sein können. Das ist natürlich ein akutes Problem! Da die Halbwertszeit recht kurz ist, scheinen chronische, nicht tödliche Dosierungen keine toxische Wirkung zu besitzen.

Eine andere Sorge innerhalb der Ernährungsgesellschaft besteht darin, dass Koffein eine Auswaschung von Kalzium aus den Knochen bewirken könnte, was möglicherweise zu Osteoporose führen, oder zumindest zu Osteoporose beitragen könnte. Die Daten sind jedoch gemischt. Eine Untersuchungslinie aus dem Jahr 1994 zeigte, dass die durchschnittliche Koffeinzufuhr bei Frauen (300 mg) mit einem Knochenabbau korreliert. Später folgende Studien zeigten jedoch, dass bereits ein Glas Milch (250 ml) dieses Problem lindert.

Es gibt außerdem einige Daten, die darauf hin deuten, dass Koffein bei schwangeren oder stillenden Frauen Fehlentwicklungen des Fötus verursachen könnten, wobei diese Studien nur mit Ratten und einer Dosis, die 70 Portionen Koffein pro Tag entsprach, durchgeführt wurden. Weiterhin wurde eine Verbindung zwischen Koffeinkonsum und dem plötzlichen Kindstod Syndrom gefunden, auch wenn diese Verbindung nicht gut belegt ist. Die meisten Ärzte sagen ihren schwangeren Patientinnen, dass ein oder zwei Tassen Kaffee pro Tag in Ordnung sind.

Ein paar weitere Bedenken: bei Männern kann gewohnheitsmäßiger Koffeinkonsum die Beweglichkeit der Spermien reduzieren, doch da Seattle keine Nachwuchsprobleme hat, bezweifle ich, dass dies ein wirklicher Grund zur Sorge ist.

Kardiologen streiten immer noch darüber, ob für Herzpatienten ein Risiko besteht, wenn diese eine Tasse Kaffee pro Tag trinken, doch sie stimmen darin überein, dass mehr als diese Menge nicht ratsam ist. Im Bezug auf die diuretischen (entwässernden) Wirkungen von Koffein kam eine aktuelle Studie zu der Schlussfolgerung, dass es keine wissenschaftliche Grundlage dafür gibt, den Leuten zu sagen, dass sie koffeinhaltige Getränke nicht bei ihrer täglichen Flüssigkeitszufuhr mit einrechnen dürfen. Koffein könnte also nicht das starke Diuretikum sein, für das man es lange gehalten hat.

JB: Das war wirklich gründlich, Doug. Ich stimme Deiner Zusammenfassung zu. Ich möchte die Tatsache hinzufügen, dass kürzlich von Vlachopoulos und Kollegen durchgeführte Untersuchungen zeigen konnten, dass 250 mg Koffein (zwei 200 ml Tassen) eine Steifheit der Arterien induzieren und zu kurzfristigem Bluthochdruck führen können. Diese Resultate konnten im Rahmen anderer Studien dupliziert werden, es handelt sich also nicht um einen einmaligen Effekt, wenn auch dies nur eine akute Wirkung sein könnte. Alles in allem sind die Daten bezüglich einer Korrelation von Koffeinkonsum und Bluthochdruck gemischter Natur. Hast Du dem irgendetwas hinzuzufügen, Lonnie?

Dr. Lonnie Lowery: Nun, Jungs, soviel ich weiß ich bin weder schwanger noch stille ich, weshalb ich mir keine zu großen Sorgen um Nebenwirkungen mache. Ich weiß, dass in den Medien gerade über eine Studie berichtet wird, die zeigt, dass Koffein eine Anomalie der Melatoninfunktion verursacht. Dies verstärkt die adrenerge Wirkung und führt zu Schlaflosigkeit. Die Empfehlung bestand darin, ab dem späten Nachmittag auf Koffein zu verzichten, doch versteht sich die nicht von selbst?

Und bezüglich der Gunst der kurzen Halbwertszeit von Koffein stimme ich nicht ganz zu. Wenn man genügend Kaffee trinkt, dann kann man die Fähigkeit des Körpers Koffein zu verstoffwechseln sättigen und mit chronisch erhöhten Blutkonzentrationen enden. Dies kann je nach Betrachtungsweise gut oder schlecht sein. Über die erwähnten Themen hinaus sind im Allgemeinen alle Versuche Koffein (aus Nahrungsmittelquellen) mit Krankheiten (Herzerkrankungen, Krebs, Osteoporose, usw.) in Verbindung zu bringen gescheitert.

JB: Was ich heraushöre ist, dass Koffein wahrscheinlich nur von Herzpatienten, schwangeren Frauen, vielleicht Frauen, die anfällig für Osteoporose sind und vielleicht Männern, die ihre "Kaulquappen" befreien möchten, gemieden werden sollte. Wenn es das ist, was ihr sagen möchtet, dann stimme ich voll und ganz zu.
Trotzdem, und ihr wusstet, dass dies kommen würde, wurde diese Expertenrunde durch meine Sorge über die Auswirkungen von Koffein auf die Insulinsensitivität und die Glukoseeinlagerung angeregt. Wie könnt ihr die potentiell negativen Auswirkungen von Koffein in diese Richtung ignorieren? Versucht ihr Jungs den alten JB anzustacheln oder was?

Es wurden elf Humanstudien unter Verwendung unterschiedlicher Methodologien durchgeführt, die zeigen, dass Koffeinkonsum eine negative Auswirkung auf die Glukosebeseitigung und die akute Insulinsensitivität besitzt. Lasst mich euch einen kurzen Überblick über diese Studien geben:

  • In Diabetes (2002), verabreichten Thong und Kollegen einer Gruppe gesunder gewohnheitsmäßiger Koffeinkonsumenten nach zwei Tagen des Koffeinentzugs eine große Dosis Koffein (5 mg/kg oder etwa 350 mg bei einer 70 Kilo schweren Person). Im Rahmen dieser Studie sollten die Auswirkungen von Koffein auf die Glukoseaufnahme im trainierten vs. dem untrainierten Bein untersucht werden. Für euch Wissenschaftstypen sei erwähnt, dass die euglykämische, hyperinsulinämische Klammertechnik verwendet wurde und die Glukoseaufnahme über 100 Minuten gemessen wurde. Diese Messung wurde drei Stunden nach dem Training und eine Stunde nach der Verabreichung des Koffeins durchgeführt. Hier sind die Resultate:
    Beeinflussung der Glukoseaufnahme durch Koffein

    Auch wenn Training die Glukoseaufnahme/Entsorgung in beiden Gruppen erhöhte, stumpfte Koffein diese Wirkung ab. Wenn man über Prozentsätze redet, dann reduzierte Koffein die Glukoseaufnahme im ausgeruhten Bein um 55% und im trainierten Bein um 51%. Zusätzlich hierzu fiel die ganzkörperweite Glukoseeinlagerung um 30% niedriger aus. Auch die Muskelglykogen Synthase (das Enzym, das die Einlagerung von Glukose fördert) Aktivität wurde reduziert.

  • In Diabetes Care (2002), verabreichten Keijzers und Kollegen Koffein an zwölf gesunde Personen und sie fanden heraus, dass Koffein die Insulinsensitivität um 15% reduzierte. Die Autoren dieser Studie erwähnten, dass die Erhöhung der Epinephrin Spiegel, die mit der Verabreichung von Koffein einherging, wahrscheinlich für diesen Effekt verantwortlich war. Zusätzlich hierzu hypothetisierten die Autoren, genau wie bei vielen der anderen Wirkungen von Koffein, dass gewohnheitsmäßiger Koffeinkonsum dieses Phänomen unter Umständen nicht reduziert.


Um die Vermutung zu bekräftigen, dass die Epinephrinausschüttung für diese Auswirkung des Koffeins auf die Insulinsensitivität verantwortlich ist, wurden mehrere Studien ausgeführt:

  • In JAP (1996), zeigten Van Soeren und Kollegen, dass Koffein bei Menschen mit beeinträchtigter Epinephrinausschüttung die Glukoseeinlagerung und die Insulinausschüttung nicht beeinflusst.

  • In JAP (2002), zeigten Thong und Kollegen, dass wenn 5 mg/kg Koffein verabreicht wurde und die Epinephrinausschüttung gefördert wurde, im Vergleich zur Placebogruppe der Insulinbereich unter der Kurve um 42% größer war und die körperweite Insulinsensitivität um 25% sank. Die Wissenschaftler verwendeten anschließend einen Betablocker, Propanolol, um die Wirkungen von Epinephrin im Körper zu reduzieren. Nachdem eine solche Reduzierung der Epinephrinwirkung erreicht wurde, verschwand die Insulinresistenz, was darauf hindeutet, dass Epinephrin die Insulinresistenz verursachte. Bei dieser Studie wurde ein einfacher, mit 75 Gramm oral verabreichter Glukose durchgeführter Glukosetoleranztest in Verbindung mit Messungen der Insulin- und Glukosewerte verwendet.

  • In The Journal of Clinical Investigation (1980), zeigten Deibert und Kollegen, dass Epinephrin in der Tat die Gewebesensibilität gegenüber Insulin um 50% reduzierte. Wenn die Epinephrinspiegel im Blut hoch waren, stimulierte Insulin keine Glukoseeinlagerung oder verhinderte die hepatische Glukoseproduktion (Glukoseproduktion in der Leber).
    Somit ist klar, dass es nicht notwendigerweise der Adenosin Antagonist ist, der diese Wirkung hervorruft, sondern die Epinephrinausschüttung.

  • In Diabetes (2001), verabreichten Greer und Kollegen gesunden und schlanken, aber körperlich inaktiven Menschen 5mg/kg Koffein und beobachteten eine Reduzierung der Glukoseentsorgung um 25% und eine Reduzierung der Kohlenhydratspeicherung um 35%.


DK (unterbricht): Okay, ich habe genug gehört! Ich denke, dass hier mehrere Themen in Betracht gezogen werden müssen. Zuerst einmal gibt es mit Ratten durchgeführte Studien, die darauf hinweisen, dass Koffein die Glukoseaufnahme hemmt. Dies tritt jedoch im Fettgewebe und nicht im Muskelgewebe auf. Wenn man mir zustimmt, dass die Mehrheit der Leser hier mehr Muskeln als Fett besitzen, dann kann ich mit Sicherheit sagen, dass die Auswirkungen von Koffein auf die stoffwechseltechnisch inaktive Fettzelle keine Rolle spielt, da Betaoxidation (Fettverbrennung), Glykolyse (das Aufbrechen von Kohlenhydraten) und andere Zyklen, die Energie produzieren, in den Muskelzellen ablaufen (abhängig vom Zyklus im Zytoplasma und den Mitochondrien).

JB: Das sind an Ratten durchgeführte Untersuchungen. Was ist mit den Humanstudien? Da das Skelettmuskelgewebe der größte Ort der Glukoseeinlagerung im Körper ist, muss es zur Resistenz beitragen. Schließlich ist Epinephrin, welches bei einer Koffeinanwendung ausgeschüttet wird, dafür bekannt, dass es die Glukoseeinlagerung im menschlichen Skelettmuskelgewebe reduziert und eine Insulinresistenz verursacht!

DK: Bei den Humanuntersuchungen sehe ich ein paar methodologische Probleme. Ein methodologisches Thema, mit dem ich Probleme habe, ist die Menge von Koffein, die den Probanden verabreicht wurde. In der Keijzers Studie erhielten die Testpersonen eine Ladedosierung von 3 mg/kg (~210 mg bei einer 70 Kilo schweren Person) über 15 Minuten, gefolgt von weiteren 0.6 mg (~42 mg) pro Stunde für weitere 2 Stunden (was sich auf etwa 290 mg innerhalb eines Zeitraums von 2 Stunden aufsummiert).

Wenn man sich daran erinnert, liegt die durchschnittliche Koffeinzufuhr über die Nahrung (kein reines Koffein) bei 300 mg innerhalb von 24 Stunden. Ohne die ganze Studie durchzugehen, berechneten die Autoren nur während der letzten 30 Minuten der Studie basierend auf der Rate der Glukosezufuhrrate geteilt durch die Plasma Insulinspiegel einen 15-prozentigen Unterschied bezüglich der Insulinsensitivität. Aus diesem Grund könnte es meiner Meinung nach sein, dass ihr berechnetes Ergebnis nicht für die realen Begebenheiten repräsentativ ist.

Ein besserer Weg zur Auswertung, ob eine typische tägliche Koffeindosis die Insulinspiegel und die Glukoseeinlagerung beeinflusst, hätte darin bestanden, die Studie im Modus eines typischen Glukosetoleranztests durchzuführen, bei dem zu vorbestimmten Zeitpunkten (0, 15, 30, 45, 60, 90, 120, 180, 240 Minuten) die Glukose- und Insulinspiegel gemessen werden. Man führt zwei Studien durch, eine mit dem OGTT (oraler Glukose Toleranztest) Drink alleine und eine weitere mit dem OGTT Drink plus Koffein und vergleicht die Ergebnisse bei nicht diabetischen Personen. Wenn es hier zu einer signifikanten Veränderung oder Unterschieden kämme, dann hätte dies Auswirkungen auf die reale Welt. Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich mir keine Gedanken darüber machen, ob eine Tasse Kaffee die Insulinspiegel oder die Körperfettspeicher in dieser Richtung beeinflusst.

JB: Du willst OGTT Daten? Hier hast Du sie:

  • In The Canadian Journal of Physiological Pharmacology (2001), zeigten Graham und Kollegen, dass bei Verabreichung von 5mg/kg Koffein an 18 junge, fitte Männer bei der Koffeingruppe der Bereich unter der Kurve für Insulin um 60% größer und der Bereich unter der Kurve für Glukose um 24% größer ausfiel. Diese Daten wurden unter Verwendung – Du wist es erraten haben – eines OGTT ermittelt.

  • In The European Journal of Clinical Nutrition (1998), zeigten Pizziol und Kollegen, dass die Verabreichung von 200mg Koffein an Probanden im Altersbereich zwischen 20 und 30 Jahren die Glukosereaktion auf einen OGTT während der zweiten, dritten und vierten Stunde des Tests erhöhte. Interessanterweise konnte keine Auswirkung auf das Insulin beobachtet werden.

  • In der zuvor erwähnten Thong Studie (die mit dem Betablocker) wurde ein OGTT verwendet um den um 42% größeren Insulinbereich unter der Kurve und die Reduzierung der körperweiten Insulinsensitivität nach der Gabe von 5mg/kg Koffein zu zeigen.

  • In The Canadian Journal of Applied Physiology (1999), zeigten Battram und Kollegen mit Hilfe eines OGTT eine gesteigerte Insulinausschüttung aber keine Vergrößerung des Glukosebereichs unter der Kurve nach der Verabreichung von Koffein.

  • Zu guter Letzt wurden in einer noch nicht veröffentlichten Studie (die Arbeit, die ich in meiner Kolumne erwähnt hatte) vier Gruppen normaler gesunder Probanden verwendet, um die Auswirkungen von Koffein und glykämischem Index auf die Insulinsensitivität auszuwerten (unter Verwendung eines OGGT). Die erste Gruppe bekam entkoffeinierten Kaffe und ein Frühstück mit niedrigem GI (glykämischer Index). Bei dieser Gruppe konnte eine normale Blutglukose- und Insulinreaktion beobachtet werden. Die zweite Gruppe erhielt entkoffeinierten Kaffe und ein Frühstück mit hohem GI. Hier konnte eine stärkere Glukose- und Insulinreaktion im Blut beobachtet werden.

    Als die Gruppe mit niedrigem GI Frühstück jedoch normalen Kaffee zum Frühstück bekam, war ihr Blutprofil schlechter als bei der Gruppe mit hochglykämischem Frühstück und entkoffeiniertem Kaffee. Somit kann Kaffee/Koffein eine niederglykämische Mahlzeit in eine hochglykämische Mahlzeit verwandeln! Die Gruppe, die regulären Kaffee trank und ein hochglykämisches Frühstück zu sich nahm, endete mit Blutwerten, die an Diabetiker erinnerten.


Ich gebe zu, dass die meisten dieser Studien relative hohe Koffeindosierungen (3 bis 5 mg/kg) verwendeten. Man sollte sich aber daran erinnern, dass es nicht allzu schwer wäre, diese Dosierungen mit den typischen Kaffee und Cola Trinkgewohnheiten vieler Nordamerikaner (insbesondere den Kanadiern, die ich jeden Tag sehe) zu akkumulieren. Eine 250 ml Tasse Kaffe enthält bis zu 175 mg Koffein. Bei einer Halbwertszeit von 4 Stunden können zwei große Kaffee im Verlauf des Vormittages zu den Typen von Blutspiegeln von Methylxanthinen führen, die in diesen Studien verwendet wurden.

LL: Ich möchte ein paar Sachen hinzufügen, bevor JB seine Tirade fortsetzt. Der Fairness halber möchte ich zuerst erwähnen, dass ich morgens meinen Kaffee trinke. Und zwar eine Menge davon. Auch mein Ritual vor dem Training umfasst Kaffee. Ich denke, dass die Leser meine persönlichen Gefühle zu diesem Thema kennen sollten, bevor sie mein klugscheißerisches Geplänkel lesen. Es ist es mir wert meine Zähne mit Weißmacher Zahncreme zu putzen und mit den seltenen Entzugskopfschmerzen umgehen zu müssen, um ballistisch im Fitnessstudio trainieren zu können. Man wird von mir keine Entschuldigungen hierfür hören.

Um auf die eigentliche Frage zurück zu kommen sei erwähnt, dass es einige wenige methodologische Themen gibt, die ich ansprechen möchte. Um ehrlich zu sein zeigt ein schneller Blick in die Fachliteratur, dass so ziemlich alles die Glukosetoleranz auf die eine oder andere Art und Weise beeinflusst. Ich bin geneigt "Insulinsensitivität" zu sagen. Es gibt einen ernsthaften Unterschied zwischen statistischer und biologischer Signifikanz. Ich würde empfehlen, dass sich Sportler nicht zu viele Sorgen darüber machen, dass sie ihre Insulinsensitivität oder Glukosetoleranz mit Koffein durcheinander bringen könnten.

Unabhängig von den aktuellen Entdeckungen und dem Hype hierum habe ich genügend orale Glukosetoleranzteste durchgeführt, um zu sehen, wie variabel Individuen von Tag zu Tag sind. Diese Unterschiede sind enorm, etwa 20% laut den Angaben anderer Wissenschaftler. Und ich habe bis jetzt noch keinen Koffein verwendenden Bodybuilder mit glykosyliertem Hämoglobin über 5% gesehen (wünschenswert sind unter 7%, normal sind meist 6%).

Wenn das tägliche "Rauschen" dutzender (hunderter?) sich verändernder Variablen so groß ist und Bodybuilder sowie niedrige glykosylierte Hämoglobinwerte (d.h. gesunde Langzeitblutzuckerspiegel) aufweisen, bezweifele ich, dass Koffein in deutlichem Umfang zu ihren Gesundheits- oder Körperproblemen beitragen wird.

JB: Ich stimme mit Deinen Kommentaren über die täglichen Variationen von Glukosemessungen überein, aber bei den konsistenten Ergebnissen, die ich oben präsentiert habe, muss hier irgendetwas vor sich gehen. Man kann statistisch signifikante Ergebnisse, die gesteigerte Glukose- und Insulinwerte sowie eine reduzierte Glukoseeinlagerung bei gesunden jungen Probanden zeigen, nicht einfach verleugnen.

DK: Und was ist mit den Ratten Daten? Ich denke, dass das, was geschieht, eine Hemmung der Glukoseaufnahme im Fettgewebe und nicht in der Muskulatur ist.

LL: Ich bin größtenteils bei Dir, Doug. Ich bin sicher, dass die meisten Leser schon einmal etwas über die "Nährstoffpartitionierung" gehört haben. Was wäre, wenn etwas wie eine Adenosin Hemmung (durch Koffein) unterschiedliche Gewebetypen unterschiedlich beeinflusst? Wartet, hier ist ein hübsches Zitat:

"Einige Studien berichten davon, dass Adenosin den insulingesteuerten Glukosestoffwechsel im Fettgewebe steigert und ihn in der Skelettmuskulatur reduzieren." (Keijzers, 2002)

Dies klingt so, als ob eine Blockierung von diesem Zeug (durch Koffein) nicht so schlecht ist. Doch alles in Allem sind die Untersuchungen bezüglich „differentieller Sensitivität“ recht gemischt. Und um fair zu sein denke ich, dass das Zusammenspiel zwischen verzehrten Kohlenhydraten und hepatischer Produktion von Blutzucker und Muskel- vs. Fett Aufnahme Techniken bedarf, die weit über eine Blutzuckermessung oder einen OGTT hinaus gehen.

JB: Die erste Wirkung, die ich beschreibe, ist mehr eine Epinephrin Sache als eine Adenosin Sache. Reden wir Klartext. Untersuchungen haben gezeigt, dass Epinephrin eine Insulinresistenz verursacht, die unter anderem in der Skelettmuskulatur vorhanden ist. Da Koffein die Epinephrinausschüttung anregt, wird es zu einer gewissen Insulinresistenz kommen.

Wenn Koffein nun die Wirkung von Adenosin blockieren kann (die Daten hierzu sind mehrdeutig), dann könnte es in der Tat einen Teil der Glukoseintoleranz verhindern und außerdem einen Teil der Glukoseaufnahme in den Fettzellen verhindern. Somit sind die Epinephrin Wirkungen von Koffein im Bezug auf die Insulinsensitivität und die Glukoseeinlagerung nicht so gut. Der Adenosin Antagonismus scheint etwas Gutes zu sein. Im Endeffekt führt die Kombination der beiden immer noch zu weniger Skelettmuskel Glukoseeinlagerung und höheren Blutzucker- und Insulinreaktionen auf einen OGTT.

LL: Nun, niemand wird bestreiten, dass Epinephrin den Wirkungen von Insulin im Allgemeinen entgegenwirkt. Doch es gibt noch etwas anderes, das an dieser Stelle diskutiert werden sollte. Auf Dougs Punkt zurückkommend, möchte ich erst sehen, dass die "Koffein Kontroverse" bei Bodybuildern untersucht wird. Die große Muskelmasse, die diese relativ zu ihrer Fettmasse besitzen, macht sie im Vergleich zu jedem anderen anormal. Da Fett- und Muskelgewebe wie John bereits hervorgehoben hat unterschiedliche Insulinsensitivitäten aufweisen, stellen Bodybuilder eine völlig andere Gruppe von Probanden dar.

Ich denke, dass wir ähnliche Untersuchungen und chronische Glukoseintoleranzdaten bei Koffein verwendenden Sportlern brauchen. Wie könnten wir sonst zur Schlussfolgerung kommen, dass Koffein sie entsprechend beeinflusst? Wir sind uns noch nicht einmal sicher, ob Koffein bei der Glukoseintoleranz, unter der 10% der amerikanischen Männer leiden, eine große Rolle spielt. Und das sagt nichts über Bodybuilder per se aus. Wir sind eine andere Bevölkerungsgruppe mit deutlich unterschiedlichen physiologischen Charakteristika.

DK: Bei den Studien, an denen ich beteiligt war (alle im von Experten begutachteten Format veröffentlicht), haben wir nie irgendwelche signifikanten Veränderungen der Blutzuckerwerte beobachtet (die meisten dieser Studien verwendeten pflanzliches Ephedrin, Koffein und/oder andere thermogene Substanzen). Somit bezweifle ich im Hinblick auf Gewichtsabbauwirkstoffen, die Koffein enthalten, dass es einen negativen Einfluss auf die Insulinfunktion gibt.

Bei der allgemeinen Bevölkerung wissen wir mit Sicherheit, dass Übergewicht und Fettleibigkeit zu einer peripheren Insulinresistenz führen, welche zu Fettsucht und darüber hinaus auch zur Entwicklung von Diabetes vom Typ II, Herzerkrankungen und Bluthochdruck (alias Syndrom X) beiträgt. Bezüglich der übergewichtigen Bevölkerungsschicht ist Insulinresistenz somit etwas, auf das man testen sollte. Nicht alle übergewichtigen Menschen weisen eine Insulinresistenz auf. Wir wissen, dass insulinresistente Menschen sehr gut auf eine Diät mit kontrollierter Kohlenhydratzufuhr (wie z.B. 40% Kohlenhydrate) ansprechen. Wir wissen auch, dass Diäten, die reicher an gesunden Fetten sind, dabei helfen die Insulinsensitivität bei diesen Personen zu erhöhen. Der Vater des Syndrome X, Gerald Reaven M.D. an der Stanford University, hat dies wieder und wieder bewiesen.

Bei diesen übergewichtigen/fettleibigen Menschen, die nicht insulinresistent sind, ist die Kohlenhydratqualität (niedriger GI, hoher Ballaststoffanteil) wichtiger als die Kohlenhydratmenge. Bei leicht aktiven Erwachsenen reduziert Sport recht häufig das Problem der Insulinresistenz. Wenn diese trotzdem weiterhin ein Problem darstellt, dann wird eine Kombination aus Ernährungskontrolle und sportlicher Betätigung eingesetzt. Die Mainstream Medizin ist sich "Glukoseeinlagerungswirkstoffen" oder "die Insulinsensitivität steigernder Verbindungen" noch nicht auf so breiter Front bewusst, dass diese in das traditionelle Gesundheitsmodell eingebaut werden können.

JB: Guter Punkt, Dough. Bevor wir weitermachen möchte ich etwas klarstellen. Ich möchte in keinster Weise nahelegen, dass die Verwendung von Koffein oder das Trinken von Kaffee klinische Diabetes oder eine klinische Insulinresistenz verursachen wird. Was ich sagen möchte ist, dass es dutzende von Faktoren gibt, die die Insulinsensitivität beeinflussen (sowohl akut als auch chronisch). Hierzu gehören unter anderem Timing und Art des Trainings, Gesamtkalorienzufuhr, Makronährstoffverteilung der Ernährung, die Nahrungsmittelauswahl, Drogen und Medikamente sowie die Tageszeit.

Während einige dieser Faktoren eine stärkere Auswirkung als andere haben, denke ich, dass es wichtig ist zu erkennen, welche Faktoren die Insulinsensitivität steigern und welche Faktoren sie senken. Sobald wir diese Faktoren kennen, können wir danach streben gute Entscheidungen bezüglich Lebensstil, Training und Ernährung zu treffen, um die Insulinsensitivität und die Glukoseeinlagerung in den Muskeln zu optimieren. Da ich denke, dass die Daten bezüglich der Tatsache, dass hohe Koffeindosierungen die Insulinsensitivität bei gesunden jungen Menschen reduzieren, recht klar sind, müssen wir uns alle darüber im Klaren sein, dass Kaffee für einige Personen ein Problem darstellen könnte, was insbesondere für diejenigen gilt, die anfällig für Diabetes sind, die nicht regelmäßig trainieren oder die schlechte Ernährungsgewohnheiten haben.

Ich stimme mit der Kernaussage von dem überein, worauf ihr beide hinaus wollt, nämlich dass unterschiedliche Personenkreise unterschiedlich auf bestimmte Behandlungen und Manipulationen reagieren. Darauf habe ich bereits zuvor Bezug genommen. In der Tat handelte es sich bei den Probanden in den von mir zitierten Studien nicht um Bodybuilder oder Elitesportler. Einige Studien umfassten sogar körperlich inaktive Probanden, andere umfassten Freizeitsportler und wieder andere machten keinerlei Angaben zu den Trainingsgewohnheiten der Probanden. Doch alle Testpersonen waren jung und gesund. Da alle drei von uns regelmäßig Daten von "jungen gesunden Menschen" auf Bodybuilder übertragen hoffe ich, dass ihr jetzt nicht selbstgerecht mir gegenüber werdet, nur um eure Liebe zu Kaffe zu unterstützen.

LL: Die Million Dollar Frage ist, ob diese Daten bei Bodybuildern, die in jeder Hinsicht wirklich einzigartige Monster sind, tatsächlich eine Rolle spielen. John, Du weißt wahrscheinlich bereits, dass ich hervorheben muss, dass exzentrische Übungen alleine bereits ausreichen, um die Glukosetoleranz bei Bodybuildern zu reduzieren. Meine Studenten und ich haben im letzten Jahr zweimal hierüber berichtet (ASEP National Conference, 2001, Ohio Academy of Science, 2001). Doch glaubt mir dies nicht einfach nur deshalb, weil ich es sage. Selbst Holloszys Gruppe und Sherman, und Kollegen (zu lesen als "Forschungsstudien") berichteten bereits in den frühen Neunzigern hiervon.

Auch wenn diese Intoleranz nur vorübergehender Natur ist, macht das rotierende Muskelgruppen Trainingsschema der meisten Kraftsportler dies zu einer chronischen Situation. Abgesehen hiervon sind Bodybuilder schlanker als die durchschnittliche Bevölkerung und besitzen ganz offensichtlich auch mehr Muskelmasse. Ich möchte hiermit sagen, dass das Training ein solch enormer Modifikator der physiologischen Funktion ist, dass all die Daten, die sich um die Glukosetoleranz drehen, zumindest im Bezug auf die Körperkomposition dieser Athleten sekundär sein könnten. Was das Gewicht eines einzelnen Faktors (d.h. Koffein) angeht, weiß dies niemand mit Gewissheit.

JB: Okay, jetzt machen Deine Aussagen Sinn. Ich bin zwar der Moderator dieser Runde und kann grantig werde, wenn die Leute die Dinge nicht aus meiner Sicht sehen, doch wenn ihr beide gewillt seid zuzugeben, dass Koffein in der Tat die Glukosetoleranz und die Insulinreaktion auf eine Mahlzeit erhöht (wie dies durch die von mir weiter oben zitierten Studien gezeigt werden konnte) sowie die Insulinsensibilität reduzieren könnte, bin ich gewillt den Fokus zu ändern und darüber zu diskutieren, ob dieses Phänomen tatsächlich eine Rolle spielt oder ob wir genug über die Insulinsensitivität wissen, um eine definitive Aussage zu treffen.
LL: Bevor wir weiter machen: nachdem ich an drei aktuellen Studien beteiligt war, die mit Koffein und dem Blutzucker in Zusammenhang standen, habe ich das Gefühl, dass ich hervorheben sollte, dass wir keine signifikanten Veränderungen bezüglich der Glukosekonzentrationen im Fastenzustand, nach einer Nahrungszufuhr, im Ruhezustand oder während des Trainings feststellen konnten. Es scheint also zumindest nichts Schreckliches zu geschehen. Natürlich reden wir in diesen Fällen nicht nur von Koffein, weshalb eine Extrapolation schwierig ist.

Und da ist etwas noch relevanteres. Es hat mit den Methoden zu tun, die häufig verwendet werden. Wir sollten nicht vergessen, dass sich das Ziel (erster Stock: Fettzellen, Muskelzellen und Leberzellen) der zirkulierenden Glukose ändern könnte und wir dies niemals mit einfachen Messungen von Blutzucker- oder Insulinspiegeln erkennen würden. Ein am Finger entnommener Blutstropfen ist so, als ob man am Straßenrand sitzt und die vorbeifahrenden Autos zählt. Natürlich bekommt man eine Zahl als Ergebnis, doch man weiß trotzdem nicht, wo diese Autos hinfahren. Dies ist ein Problem, da der Ort der Glukoseeinlagerung das ist, wofür sich der Bodybuilder interessiert.

JB: Ja, und die Studien, die ich erwähnt habe, konzentrierten sich nicht einmal auf die Werte im Fastenzustand. Sie haben sich die OGTT Werte nach einer Mahlzeit angesehen. Dies ist eine sehr spezifische Situation, doch gleichzeitig auch die am besten anwendbare. Schließlich trinken die Menschen Kaffee für gewöhnlich zusammen mit Mahlzeiten oder Snacks. Wie ich bereits gesagt habe, bin ich mir ziemlich sicher, dass die Werte im Fastenzustand intakt bleiben werden, falls das Koffein bis zum Morgen aus dem Blut verschwunden ist. Doch wie ich bereits bei meiner letzten Diskussion über dieses Thema gesagt habe, wird eine Person, wenn die ersten Mahlzeiten des Tages die Koffeinspiegel im Blut gegen Himmel steigen lassen, für einen Teil des Tages "diabetisch" sein, auch wenn morgens scheinbar alles in Ordnung ist. Aus diesem Grund sieht es so aus, als ob das Timing eine große Rolle spielt.

Das andere große Thema ist die Dosis. Viele Studien, die ich erwähnt habe, verwendeten recht hohe Dosierungen – mehr als in einem thermogenen Supplement oder einer täglichen Tasse Kaffe enthalten ist. Es könnte gut sein, dass eine niedrig dosierte Koffeinzufuhr eine nette anregende Wirkung ohne begleitende Insulinresistenz liefert. Das wird sich zeigen. Es gibt also bestimmte Dosierungs- und Timing Themen, die man berücksichtigen muss.

So oder so stimme ich beiden eurer Kommentare, das Koffein die Insulinsensitivität nicht chronisch beeinträchtigt, überein. Doch Koffein erhöht die Epinephrinspiegel und die Spiegel freier Fettsäuren akut, was eine schlechte Glukosetoleranz verursacht. Stimmt ihr mir zu, dass wenn die Hälfte der täglichen Mahlzeiten (die Mahlzeiten nach dem halben Liter Kaffee am Morgen) abnormale Erhöhungen der Glukose- und Insulinspiegel verursachen, dies schlecht für die Körperkomposition wäre, was insbesondere dann gilt, wenn diese Mahlzeiten reicher an Kohlenhydraten sind.

DK: Sir John, da ich gerade meinen Morgenkaffe getrunken habe und das Gefühl habe, dass ich auch noch Lonnies Kaffe trinken werde, habe ich eine Frage für Dich. Sagst Du, dass bei einer trainierenden oder aktiven Person eine akute Erhöhung der Menge freier (zirkulierender) Fettsäuren schlecht ist?

JB: No, Sir Doug. Und ich bin froh, dass Du dieses Thema angesprochen hast, da es mit meinen Kommentaren bezüglich individueller Unterschiede und Timing zusammenhängt. Hier sind einige Szenarien, die wir erkennen müssen.

Bei körperlich inaktiven Menschen – insbesondere, wenn diese eine traditionelle westliche Ernährung, die reich an Zucker und gesättigten Fetten ist, einhalten – sind erhöhte Konzentrationen des zirkulierenden Epinephrins und der freien Fettsäuren nicht so gut, da sie die Glukosetoleranz beeinträchtigen und die Insulin- und Glukosekonzentrationen nach den Mahlzeiten nach oben treiben. Und auch wenn das Epinephrin bewirken kann, dass das Fettgewebe freie Fettsäuren freisetzt, werden diese Fettsäuren ohne Training wahrscheinlich einfach wieder vom Fettgewebe aufgenommen und zusammen mit der Glukose, die in die Fettzellen transportiert wird, erneut gespeichert. Niemand verliert Fett, nur weil er ein Koffeinsupplement verwendet.

Bei trainierenden Personen ist eine Erhöhung der zirkulierenden Menge an Epinephrin und freien Fettsäuren vor dem Training genau das, wonach was wir suchen, da diese Fettsäuren, die einst Teil der Fettdepots waren, in die Muskeln eskortiert und dort verbrannt werden. Das ist der Grund dafür, dass Kaffee/Koffein vor dem Training wahrscheinlich eine gute Sache ist. Es gibt einem nicht nur mehr Energie für das Training, sondern hilft auch dabei etwas Fett zu verbrennen.

Es könnte jedoch eine negative Nebenwirkung der Koffeinzufuhr vor dem Training geben, wenn es die Glukoseeinlagerung reduziert. Da Training die Insulinsensitivität deutlich erhöht, könnte es gut sein, dass die Auswirkungen von Koffein die bereits hohe Glukoseaufnahme nicht nennenswert reduzieren. Die oben zitierten Daten deuten jedoch darauf hin, dass hohe Koffeindosierungen die Glukoseaufnahme nach dem Training substanziell reduzieren können. Es werden weitere Studien benötigt, bevor wir wissen, was hier vor sich geht.

Trainierende Personen werden vielleicht im Gegensatz zu ihren bewegungsarmen Gegenstücken nicht unter den Auswirkungen einer koffeininduzierten Insulinresistenz leiden, ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass die erhöhten Insulin- und Glukosekonzentrationen nach den Mahlzeiten wünschenswert sind, wenn man schlanker werden oder den Fettaufbau während des Versuchs Muskeln aufzubauen minimieren möchte.

Dieser letzte Kommentar könnte aber makronährstoffspezifisch sein. Die Auswirkungen von Koffein könnten während kohlenhydratreicher Diäten negativ sein und eine schlechte Glukoseeinlagerung, eine Insulinresistenz sowie einen Fettaufbau verursachen. Koffein kann jedoch recht positiv sein, wenn man eine kohlenhydratarme Diät, die reich an Protein und Fett ist, einhält.

DK: Ich würde postulieren, dass es einen großen Unterschied zwischen und Bodybuildern und den Al Bundy oder Fat Albert Typen gibt. Wir wissen mit Sicherheit, dass Koffein für Training und Ausdauerereignisse eine leistungssteigernde Unterstützung darstellen kann, was alles andere als negativ ist. Im Bezug auf eure Bedenken (negative Veränderungen nach dem Verzehr einer Mahlzeit) möchte ich erwähnen, dass wird bei den Studien, die wir durchgeführt haben und in deren Rahmen thermogene Verbindungen (Koffein enthaltende Supplements) verabreicht wurden, die mit Mahlzeiten oder Snacks eingenommen wurden, keine negativen Veränderungen der Körperfettspiegel feststellen konnten. Bei den Studien, bei denen Koffein alleine verabreicht wurde (z.B. Koffein in Kapselform) konnten die Wissenschaftler im schlechtesten Fall keine Veränderungen des Körpergewichts oder der Körperkomposition feststellen, doch es wurden keinerlei negative Veränderungen beobachtet. Die Bevölkerungsgruppen, bei der Deine Theorie vielleicht anwendbar ist, umfasst lediglich körperlich inaktive oder bereits übergewichtige Personen.

LL: Wenn es eine Sache gibt, die ich während meiner zahlreichen Streberjahre gelernt habe, dann ist dies die Tatsache, dass der menschliche Körper erstaunlich anpassungsfähig ist. Menschen, die auf eine fettreiche Diät eingestellt sind (ein paar Wochen), werden meiner Meinung nach weniger Probleme mit Koffein/Kaffee haben. Sie weisen bereits erhöhte Spiegel von Katecholaminen und freien Fettsäuren im Blut auf. Es ist ganz einfach eine Verschiebung in Richtung eines andern "Brennstoffs".

Bei Personen, die sich kohlenhydratreich ernähren, mag das Ganze sehr gut ganz anders aussehen. Sie weisen chronisch höhere Insulinkonzentrationen auf und sind im Allgemeinen mehr von der ganzen Glukose-Insulin Geschichte abhängig. In diesem Fall könnten reale Probleme auftrete, weshalb ich mit John in dieser Hinsicht übereinstimme. Doch ob das Szenario mit hoher Kohlenhydrat- und Koffeinzufuhr beim der enormen Verbreitung von Fettsucht in diesem Land eine Rolle spielt, ist bis jetzt nichts als reine Spekulation. Es scheint jedoch mit ziemlicher Sicherheit dazu beizutragen.

Auch wenn ich dies vielleicht schon erwähnt habe, kann eine Erhöhung der Fettsäure- und Epinephrinspiegel abhängig vom Timing relative zum Cardiotraining gut oder schlecht sein. Ich trinke mit voller Absicht 60 bis 90 Minuten bevor ich morgens aufs Laufband steige zwei Tassen Kaffee. Dies hilft mir nicht nur dabei, meinen faulen Hintern aus dem Bett zu bewegen, sondern dient auch einem stoffwechseltechnischen Zweck. Ich möchte Körperfett mobilisieren und oxydieren. Zu dem Zeitpunkt, an dem ich mit dem Cardio fertig bin – 45 Minuten später –, sollte mein "Kohlenhydratfenster nach dem Training" immer noch geöffnet sein. Dann gehe ich zu Instanthaferflocken über. Ich bin der Ansicht, dass die Katecholamin- und Fettsäurespiegel durch das Cardiotraining sowieso erhöht sind und ich kann einfach nicht glauben, dass meine morgendliche Einheit auf dem Laufband eine signifikante Glukoseintoleranz induziert.

JB: Okay, ich glaube, dass wird alle zustimmen, dass Timing und Dosis der Koffeinzufuhr bei dieser Debatte entscheidende Faktoren sind. Zusätzlich hierzu ist es wichtig anzumerken, dass wir all darin übereinstimmen, dass körperlich inaktive Personen und diejenigen, die Anfällig für Diabetes sind, dem höchsten Risiko durch eine Koffein induzierte Insulinresistenz ausgesetzt sind. Auch wenn wir nicht schlüssig sagen können, ob eine Koffeinzufuhr bei trainierenden Personen zu Problemen bezüglich der Körperkomposition führen kann, besteht kein Zweifel daran, dass der Stoffwechsel bei dieser Personengruppe durch die Koffeinzufuhr verändert wird.

Okay, wir haben uns in dieser Expertenrunde hauptsächlich auf das Schlechte und das Hässliche konzentriert, doch wie sieht es mit dem Guten aus.

LL: Das ist richtig, Du Koffein-Nazi, lass uns die guten Sachen nicht vergessen. Von Koffein konnte wiederholt gezeigt werden, dass es das Muskelglykogen während des Trainings schützt und erhält, dass es die mentale Konzentration unabhängig vom Training und während des Trainings verbessert, dass es die Trainingsleistung steigert und dass es sogar dabei helfen könnte der Parkinsonschen Krankheit und bestimmten Krebsarten vorzubeugen.

JB: Ich stimme zu. Während wir eine Erhöhung der Stoffwechselrate durch Training und antioxidative Wirkungen durch andere Nährstoffe und Vitamine erhalten können, ist es wahrscheinlich eine gute Idee Koffein vor dem Training zu verwenden oder um wach zu bleiben, wenn man ein Nachtwächter die der Osgood Corporation ist. Man sollte sich jedoch daran erinnern, dass die durch Koffein erzielten Vorzüge bezüglich der mentalen Wachheit häufig bei einer gewohnheitsmäßigen Verwendung von Koffein nachlassen können. Aus diesem Grund sollte man Koffein nur dann verwenden, wenn es notwendig ist und man sich nach der Wohlfühlwirkung oder den Wirkungen bezüglich der mentalen Schärfe sehnt.

Um ehrlich zu sein, war ich in der Vergangenheit ein ziemlicher Kaffeejunkie – insbesondere vor dem Training. Ich machte mir einen großen Pott starken Kaffe und trank 600 ml dieser bitteren Mischung aus meinem Superman Becher. Nach dreißig Minuten machte ich mich auf den Weg ins Fitnessstudio und ich kann jedem versichern, dass meine Trainingseinheiten intensiv waren. Ich habe diese Praxis aufgegeben, da ich glaube, dass sie mir regelmäßig Kopfschmerzen bereitete. Trotzdem fehlt es mir. Aus diesem Grund glauben sogar angeblich Koffeingegner, dass es eine Zeit und einen Ort für die Verwendung von Kaffee gibt (so lange man sich nicht wie nach einem Tritt in die Zähne fühlt, wenn die Wirkung nachlässt).

DK: Hey Jungs, vergesst nicht, dass Kaffe auch gut schmeckt! Von einem medizinischen Standpunkt aus gesehen wird Koffein auch in Migränemedikamenten und bei bestimmten Kopfschmerzformeln verwendet, weshalb es in Kombination mit den angesprochenen Vorzügen für mich wie eine echte Siegerformel klingt. Zu viel von allem kann eine negative Wirkung besitzen, doch wenn man Maß hält, dann ist Koffein ein guter Freund.

JB: Wie wäre es mit ein paar abschließenden Bemerkungen, Jungs?

DK: Ich würde gerne hervorheben, dass ein Leser, der sich vielleicht Sorgen um die Insulinresistenz macht, einen Bluttest im Fastenzustand machen lassen sollte, bei dem Insulin und Glukose getestet werden. Wenn der Insulinspiegel im nüchternen Zustand oberhalb von 17 micro IU/ml liegt und der Glukosewert normal ist (<126 mg/ml), dann leidet man unter einer periphere Insulinresistenz. Wenn sowohl Insulin als auch Glukosewert hoch sind, dann kann eine Medikation indiziert sein und es sollte ein formaler Test auf Diabetes durchgeführt werden. Was uns anbetrifft denke ich, dass dieses ganze Koffeinthema wirklich überbewertet wird.

LL: Ich denke, dass die "Koffein-Konsequenzen" von einer Myriade von Lebensstilfaktoren abhängen. Ich weiß, dass diese Schlussfolgerung wie ein Rückzieher klingt, doch man sollte einmal näher darüber nachdenken. Training ist ein enormer Faktor, selbiges gilt für die Muskelmasse, die man mit sich herumträgt, sowie die Tageszeit (die Glukosetoleranz ist am Abend sowieso eher bescheiden) und ich würde wetten, dass auch das Makronährstoffprofil der Ernährung eine Rolle spielt. Alles in Allem gebe ich zu, dass ich Koffein, wenn es zu Fettleibigkeit beitragen oder das Muskelwachstum auch nur geringfügig verlangsamen würde, nicht missbrauchen würde.

Menschen mit einer Familiengeschichte von Diabetes oder Personen, die das Gefühl haben, dass sie Kohlenhydrate nicht gut verstoffwechseln können, sollten besonders vorsichtig sein. Und Johns erleuchtende Studienrecherche reicht aus, um mich während des Kreatin- und Kohlenhydratladens (wenn die Insulinfunktion wichtig ist) auf Koffein verzichten zu lassen. Gegenüber neuen Daten aufgeschlossen zu sein ist ein Teil des Spiels und diese Expertenrunde hat mich ein bisschen vorsichtiger gemacht. Danke Big John, Du allwissender (aber leicht paranoider) Hengst.

JB: Auch wenn ich es langsam aber sicher leid bin, bei diesen Expertenrunden mit Lonnie überein zu stimmen, muss ich dies erneut tun. Ich bin in der Tat ein allwissender Hengst! Abgesehen hiervon neige ich dazu, die Daten etwas ernster als Doug zu nehmen. Auch wenn Koffein vielleicht nicht der neue "stille Killer" ist, muss das Wissen über seine Wirkungen seinen angemessenen Platz bei der Planung eines jeden Ernährungsschemas haben.

Obwohl eine Koffeinzufuhr einen unabhängig davon, wer man ist, mit Sicherheit nicht fett oder zum Diabetiker machen wird, kann sie die Glukose- und Insulinreaktion auf Mahlzeiten erhöhen und somit den Wirkungen einer niederglykämischen Ernährung entgegenwirken. Man sollte sich jedoch daran erinnern, dass die Dosis wichtig ist. Niedrige Koffeindosierungen sind wahrscheinlich nicht schädlich. Auch das Timing ist wichtig. Direkt vor dem Training eingenommen könnte Koffein einige gute Dinge tun. Wie gewöhnlich werden weitere Daten benötigt, um alle Spezifika zu klären, doch in der Zwischenzeit werden wir den Leser bezüglich der neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse auf dem Laufenden halten.