Ein Interview mit dem dreimaligen Mr. Olympia Frank Zane
Von David Robson
Ich habe kürzlich mit Frank gesprochen und mit Ihm sein Leben als eine der größten Karrieren im Bodybuilding, seine neuerlichen Aktivitäten und seine Gedanken über den aktuellen Stand des Eisenspiels diskutiert. Lass Dir das nicht entgehen und lies weiter!
Wann auch immer die großartigsten Körper unserer Zeit diskutiert werden, wird immer ein Athlet hervorgehoben, dem der wünschenswerteste Look, die schönsten Proportionen und die ästhetischste Form von allen zugesprochen wird.
Dieser Mann ist Frank Zane und dieser Look, immer prächtig in Schau gesetzt und wie aus poliertem Marmor gehauen, ist seit seinem ersten größeren Auftritt in der Szene im Jahr 1965, als er die Medium Klasse des IFBB Mr. Universe gewann, bei Fans wie professionellen Bodybuildern der Dekaden nach ihm, sehr populär.
Breite Schultern, schmale Taille, eine wunderschöne Linie, volle Muskelentwicklung und anmutige Präsentation charakterisieren den Körper von Zane. Dieser komplette Look, eine perfekte Verschmelzung von Masse und Ästhetik, versinnbildlicht wie ein Bodybuilding-Champion aussehen sollte.
In einer kürzlich erfolgten Umfrage gab eine große Mehrheit der Bodybuildingfans an, dass der Körper von Frank Zane, von allen Bodybuildern des 20. Jahrhunderts der ist, den sie am ehesten anstreben. Trotz der Tatsache, dass Frank eine Physis besaß, die mit Sicherheit zu den besten aller Zeiten gezählt werden kann, musste er sich gegen Bewertungskriterien durchsetzen, die massivere Körper bevorzugen, ein Phänomen, das auch heute noch existiert.
Ausgestattet mit einem schmaleren Körper musste Frank etwas extrem spektakuläres präsentieren um die Anerkennung, aber vor allem um die Belohnung, in Form von drei Mr. Olympia-Titeln (77, 78 und 79) zu bekommen. Und mit 185 ausdefinierten Pfund (84kg) bei 5,9ft Körpergröße (175cm) schaffte er genau das – mit einem ganz eigenen Stil.
Wenn die Menschen heute über Frank Zane sprechen, fallen Ausdrücke wie "Meisterposer" oder "perfekte Proportionen". Aber man darf auch nicht vergessen, wie Frank Intellektualismus in den Sport brachte.
Seine Texte zur Geist-Muskel-Verbindung und Gedankenprozesse und wie sie die körperliche Entwicklung beeinflussen, spielten, wie sein Körper, in einer eigenen Klasse. Er war ein wortgewandter Sprecher des Sports, den er in den späten 70ern dominierte.
Beharrlichkeit ist ein anderes Wort, das man verwenden könnte, will man Frank Zane beschreiben. Nach 10 Jahren harten Trainings gewann er seinen ersten großen Titel, den Mr. America und den Mr. Universe im Jahr 1968. In letzterem besiegte er einen aufsteigenden österreichischen Hulk namens Arnold.
Heute noch trainiert und ernährt sich Zane mit dem beeindruckenden Fokus, für den er bekannt ist und ist in fantastischer Form. Er trainiert regelmäßig Menschen von überall her in seinem Zentrum "The Zane Experience" in Palm Springs in Kalifornien und betreibt ein erfolgreiches Versandhandelgeschäft.
Ich habe kürzlich mit Frank gesprochen und mit Ihm sein Leben als eine der größten Karrieren im Bodybuilding, seine neuerlichen Aktivitäten und seine Gedanken über den aktuellen Stand des Eisenspiels diskutiert.
[ Q ] Was machst Du aktuell geschäftlich Frank?
[ A ] Primär zwei Dinge. Ich habe ein Programm mit dem Namen "The Zane Experience" entwickelt. Ich habe ein privates Gym, zu dem Menschen von überall auf der Welt kommen und ein 3 Tage-Programm absolvieren – das umfasst drei dreistündige Einheiten in denen ich ihnen beibringe, wie man mit Gewichten trainiert und ich trainiere mit ihnen.
Ich zeige Ihnen alles, was sie in diesem Zusammenhang wissen müssen, so dass sie, wenn die abreisen, genau wissen, was zu tun ist. Sie können sich natürlich auch gerne für Updates jeder Art wieder an mich wenden. Ich führe dieses Programm seit 1981 durch. preview
[ Q ] Es begann als "The Zane Haven" richtig?
[ A ] Ja, ich begann in Palm Springs. Damals war es eine andere Idee. Wir hatten ein Center mit Übernachtungsmöglichkeit, ein kleines Hotel, wo die Menschen blieben und so machten wir das jahrelang. Wir hatten Gruppen von 6-8 Personen, aber es war einfach zu viel Arbeit die Leute unterzubringen und ihnen das Training beizubringen.
Daher änderten wir 1988 unsere Vorgehensweise. Die Leute kommen und wohnen in einem Hotel in der Nähe. Ich habe ein Gym und die Leute können wohnen wo immer sie wollen, wir nennen es "The Zane Experience". Ich trainiere die Menschen persönlich.
[ Q ] Wie würdest Du Dein Leben jetzt im Vergleich mit dem Leben zu Deiner aktiven Wettkampfzeit bewerten?
[ A ] Es gab verschiedene Phasen während meiner Wettkampfzeit. Die meiste Zeit war ich Vollzeit als Lehrer tätig – ich unterrichtete Mathe – also hatte ich einen sehr hektischen Tag, in dem ich bis 15 Uhr unterrichtete und dann trainierte. Natürlich hatte ich während der Sommerferien frei, so dass ich mich auf die Wettkämpfe vorbereiten konnte.
So machte ich das 13 Jahre lang und als ich Mr. Olympia wurde, quittierte ich den Schuldienst und trainierte Vollzeit. In der Zwischenzeit hatte ich einen Versandhandel aufgezogen, den ich seit 1970 betreibe. Aktuell teile ich mir meine Zeit also zwischen dem Versandhandel und "The Zane Experience" auf.
[ Q ] Vermisst Du die Zeit als professioneller Bodybuilder?
[ A ] Nein. Es ist eine Menge Arbeit. Ich bin froh, dass ich damit abgeschlossen habe. Ich sehe nun Menschen, die mit 50 Jahren zu mir kommen und das tun wollen, weil sie es nie getan haben. Das ist ein gigantisches Ziel – als Bodybuilder einen Wettkampf zu bestreiten.
Die stärkste Motivation die Du haben kannst, ist dass Du auf die Bühne gehen und dort gut aussehen möchtest. Das ist eines der härtesten Dinge der Welt. Ich habe es 23 Jahre lang gemacht, vielleicht war das zu lang. Auf jeden Fall war es lang genug. Ich hörte auf, als ich 41 Jahre alt war.
[ Q ] Ich habe gehört, dass Du immer noch hart trainierst und in guter Form bist. Was sind aktuell Deine Ziele im Training?
[ A ]Nun ich habe immer noch meine Ziele, ähnlich als es damals war, als ich noch Wettkämpfe bestritt und jedes Jahr in Topform kam. Und auch dieses Jahr kam ich in Topform. Auf meiner Website sind aktuelle Bilder von mir – geh auf Tipps des Monats.
Ich bringe auch mein eigenes Magazin raus, es heißt "Building the Body". Es wird vierteljährlich herausgegeben und enthält keine bezahlte Werbung – es besteht rein aus Information. Ich schreibe das meiste selbst und das tue ich nun seit ungefähr neun Jahren.
[ Q ] Wie oft trainierst Du aktuell?
[ A ]Viele meiner Workouts absolviere ich im Rahmen des Drei Tage-Programmes mit meinen Klienten. Wenn ich drei Tage am Stück trainiere, pausiere ich danach mindestens einen Tag, meist zwei. Am liebsten trainiere ich aber jeden zweiten Tag oder an drei von fünf Tagen mit Gewichten.
Aktuell trainiere ich nach einem Plan, nach dem ich die meiste Zeit trainiere: am ersten Tag Brust, Schultern und Trizeps, also die Druckmuskeln, am nächsten die Beine, dann pausiere ich einen Tag, trainiere am fünften Tag Rücken, Bizeps und Unterarme und pausiere wieder einen Tag. Danach beginne ich von vorne.
Wenn ich alleine trainiere, tendiere ich dazu so zu trainieren. Wenn man älter wird, kann man nicht mehr so häufig trainieren. Die Idee ist schlicht weniger häufig, aber dafür härter zu trainieren. Ich trainiere immer noch hart, aber mit weniger Sätzen. An den Oberkörpertagen mache ich vielleicht 20-24 Sätze, beim Unterkörper etwa die Hälfte.
[ Q ] Wie baust Du Cardiotraining in Dein Programm ein?
[ A ] Ich mache mehr und mehr davon, je näher ich meiner Topform komme. Normalerweise erreiche ich meine Topform im Herbst, genauso wie zu meiner Wettkampfzeit. Je näher der Zeitpunkt rückt, desto mehr mache ich davon. Normal mache ich etwa insgesamt eine Stunde Cardio pro Woche, aber je besser meine Form wird, desto mehr Cardio mache ich, bis hin zu 3-4 Stunden.
[ Q ] Du hast also einen Ablauf bestimmter Trainingsphasen wie zu Wettkampfzeiten?
[ A ] Ja. Im Grunde ist es ein 2 Phasen-Programm – die ersten drei und die letzten drei Monate.
[ Q ] Wenn Du mit Deinen Klienten trainierst, unterweist Du sie dabei?
[ A ] Ja, aber in meinen eigenen Workouts mache ich eigentlich immer nur zwei Sätze pro Übung. Wenn die Leute zu mir kommen, sind sie normalerweise durchschnittliche Bodybuilder – sie haben schon Trainingserfahrung, brauchen aber noch Führung. Für sie ist es eine große Chance mit mir zu trainieren. Sie mögen es, weil sie sehen, wie es ist mit mir zu trainieren.
Die Geschwindigkeit ist etwas langsamer, da ich viel Zeit damit verbringe die richtige Technik zu unterrichten. Wenn ich langsamer trainiere, trainiere ich schwerer. Wenn ich schneller trainiere, trainiere ich etwas leichter, da man einfach weniger Kraft hat, wenn man mit kürzeren Pausen trainiert.
[ Q ] Kommt in der ersten Phase Deines eigenen Programmes das schwere Training und später dann die leichteren Sachen?
[ A ] Nicht unbedingt, aber meistens sieht es so aus. Mein Ziel in der ersten Phase ist es meine Arbeitsgewichte konstant zu steigern und das in der zweiten Phase die maximale Definition zu erreichen ohne dabei Muskelmasse zu verlieren.
[ Q ] Wenn es darum geht definiert zu werden, wie sieht Deine Ernährung dann aus?
[ A ] Meine Ernährung ist im Grunde immer sehr strikt. Ich werde in ein paar Wochen 65, daher esse ich nicht mehr so viel. Die Studien zeigen, dass Du, wenn Du länger leben willst, weniger essen solltest. Daher esse ich eigentlich nie mehr als 2000 Kalorien am Tag. Ich führe etwa 1g Eiweiß pro Pfund Körpergewicht zu. Ich wiege normalerweise zwischen 170 und 175 Pfund, etwas weniger als früher.
Ich habe herausgefunden, dass ich eine bessere Definition bei weniger Körpergewicht erreiche. Normalerweise esse ich nicht viele Kohlenhydrate, die Hälfte bis hin zu drei Viertel der Proteinmenge. Wenn ich in Topform kommen will, halte ich die Kohlenhydratzufuhr drei Tage niedrig und erhöhe sie am vierten Tag auf die gleiche Menge wie die Proteinzufuhr.
[ Q ] Wie sind Deine Mahlzeiten aufgebaut?
[ A ] Das variiert. Ich glaube nicht daran, dass man alle paar Stunden essen muss, da ich einfach nicht so viel esse. Ich habe normalerweise ein Frühstück und ein frühes Abendessen, zwei Hauptmahlzeiten und zwei Snacks.
Es gibt ein Proteinshake, den ich entwickelt habe, daher nehme ich normalerweise zwei Mal am Tag einen Shake mit etwas Glucosamin, Chondroitin und MSM mit etwas Obst zu mir. Und meine beiden anderen Mahlzeiten: eines davon gibt es gegen 15-16 Uhr und das ist immer etwas Fleisch mit einer Art Gemüse und einem Salat.
Abends bevor ich ins Bett gehe, habe ich noch einen Snack gegen 20 oder 21 Uhr. Gestern Abend hatte ich dort ein Stück Huhn und das war es. Bevor ich ins Bett gehe, nehme ich etwas Tryptophan und etwas Obst zu mir und das war es.
[ Q ] Du hast gesagt Dein Ernährungsplan variiert. Kannst Du das etwas näher erklären?
[ A ] Ich habe herausgefunden, dass es für mich am besten funktioniert, das Hungergefühl zu kultivieren. Ich glaube die meisten Menschen essen viel zu viel und wenn man eine gute Definition haben will, sollte nicht so viel essen. Also warte ich bis ich hungrig werde. Und wenn ich zum ersten Mal hungrig werde, esse ich immer noch nicht.
Ich bleibe eine Weile hungrig bevor ich esse. Du verlierst nicht gleich Muskeln, wenn Du hungrig bist, erst nach ungefähr acht Stunden fangen die Muskeln an zu schrumpfen. Meistens ist es so, dass das erste Hungergefühl ein Anzeichen dafür ist, dass Du Fett verbrennst. Ich bevorzuge es, dieses Gefühl eine Weile zu ertragen und empfehle den Leuten es mir nachzumachen. Wenn sie Gewicht verlieren wollen, müssen sie wissen, wie es sich anfühlt hungrig zu sein. Du musst nicht hungrig bleiben, aber wenn Du schlank werden willst und Körperfett verlieren willst, bleibe länger hungrig.
[ Q ] Du würdest in diesem Stadium aber kein Krafttraining machen?
[ A ] Nein, ich denke Du solltest nicht trainieren, wenn Du hungrig bist. Aerobes Training ja; es ist gut das in diesem Zustand zu tun, weil Du Körperfett verbrennst, aber für Krafttraining solltest Du eine Mahlzeit im Magen haben. Achte jedoch darauf, dass diese bereits verdaut ist.
[ Q ] Denkst Du, dass Deine Meinung zum Thema Ernährung sehr radikal ist? Immerhin lautet der allgemeine Konsens, dass man alle zwei bis drei Stunden essen sollte, sowohl zum Aufbau von Muskelmasse als auch zur Fettreduktion.
[ A ] Ich kümmere mich wenig darum, was andere Menschen denken. Ich halte mich an meine eigene Erfahrung. Ich orientiere mich nicht an Theorien. Ich habe einen Master in experimenteller Psychologie und kann Experimente durchführen und verstehen und bin auch in der Lage, Studien zu lesen und dennoch ist es für mich völlig irrelevant, was die Theorie sagt, wenn das für mich nicht funktioniert.
Vielleicht könnte ich es testen, aber ich habe nun über 50 Jahre Trainingserfahrung und ich weiß was für mich funktioniert und dabei bleibe ich. Daher interessiert es mich wenig, was andere Leute sagen. Wäre das nicht meine Erfahrung, würde ich das nicht praktizieren.
[ Q ] Es gibt also keine generellen Regeln im Bodybuilding? Was für Dich funktioniert, muss nicht auch für mich funktionieren?
[ A ] Ich habe herausgefunden, dass viele Dinge funktionieren. Es gibt nicht nur den einen Weg. Alles funktioniert, wenn man es zulässt. Was Du nicht tun solltest, sind Dinge, die gefährlich sind und Dich verletzen könnten. Ich glaube ja beispielsweise auch nicht daran, bis zum Versagen zu trainieren, erzwungene Wiederholungen zu machen und solche Dinge. Ich mache das nie.
Der Punkt ist, dass das Verletzungsrisiko steigt, wenn Du älter wirst. Und ich hatte sicher meine Erfahrungen mit Verletzungen und trainiere einfach um sie herum. Es gibt viele Übungen, die ich nicht mehr mache, weil ich es nicht kann. Sie schmerzen. Und dennoch habe ich einen Weg gefunden, die Muskelgruppe zu trainieren und habe immer noch großartige Workouts indem ich spezielles Equipment verwende, dass ich meinen Bedürfnissen angepasst habe. Und ich mache kein gefährliches, dummes Zeug.
[ Q ] Was ist Dein Ziel in jedem Satz einer Übung?
[ A ] Mein Ziel in jedem Satz ist es, ein leichtes Gewicht schwerer erscheinen zu lassen. Ich bewege es sehr strikt und konzentriere mich auf langsame negative und kontrollierte und explosive positive Bewegungsphasen. Ich lege da sehr viel Kraft rein. Ich glaube nicht daran, die positive Bewegungsphase langsam auszuführen, ich halte das für Zeitverschwendung. Daher verwende ich genug Kraft darauf, die positive Bewegungsphase vollständig auszuführen um dann in der negativen Phase gegen das Gewicht anzukämpfen.
Die negative Bewegungsphase sollte immer etwas langsamer sein als die positive. Und ich dehne mich zwischen den Sätzen. Nach jedem Satz dehne ich mich unverzüglich 15-20 Sekunden. Und ich habe in jedem Workout einen enormen Pump. Mein Ziel in jedem Workout ist ein großartiger Pump. Und ich bekomme einen guten Pump in jedem Satz.
[ Q ] Hast Du genauso trainiert, als Du noch aktiv Wettkämpfe bestritten hast?
[ A ] Nun, da habe ich anders trainiert.
[ Q ] Ich vermute einmal, dass mit dem Alter mehr Verständnis dafür kam, was am besten für Dich funktioniert. Wenn Du damals gewusst hättest, was Du heute weißt, hättest Du irgendetwas anders gemacht?
[ A ] Ich weiß es nicht. Die Leute fragen mich das immer, aber ich kann keine richtige Antwort geben, weil ich es nicht weiß. Vielleicht. Aber da es niemals passieren wird, spielt es da eine Rolle? Was ich weiß ist, dass das, was ich getan habe, funktioniert hat, sogar sehr gut. Ich habe viel Volumentraining gemacht, sehr viele Sätze.
Nebenbei erwähnt habe ich ein Buch geschrieben, dass das beschreibt, es heißt Frank Zane: Mind, Body, Spirit. The Personal Training Diaries. Das ist eine Zusammenfassung von 40 Jahren Training verdichtet in 180 Workouts. Das Buch enthält meine typischen Workouts, Satzschemata, Wiederholungsschemata, alles.
Es ist ein wirklich interessantes Buch. Es ist nicht wie andere Bodybuildingbücher. Die Workouts sind sortiert, darunter einige der härtesten Einheiten, die ich jemals absolviert habe. Einige davon sind sehr anspruchsvoll. Es ist im Stile eines Tagebuchs verfasst, das mit dem ersten Tag des Jahres beginnt und mit dem letzten endet.
Wenn Du aber nun das Buch nimmst und sagst "Okay, ich mache nun ein Jahr lang alle Workouts von Frank und dann sehe ich aus wie er.", das funktioniert nicht. Darum geht es in dem Buch nicht. Ich glaube, dass die Workouts eine normale Person umbringen würden, wenn man sie alle so ausführen würde. Ich mache heute viel weniger Volumentraining als damals.
[ Q ] Und diese Leute sind eben nicht Frank Zane. Sie haben nicht Deine Regenerationsfähigkeiten und Deinen Stoffwechsel.
[ A ] Das ist richtig. Jeder Mensch ist einzigartig. Gewisse Generalisierungen funktionieren bis zu einem gewissen Punkt, aber dann muss man spezifische Wege finden. Das ist, wie ich Bodybuilding gelernt habe – durch meine eigenen Erfahrungen im Wettkampf und dadurch einen bestimmten Status Quo zu erreichen, dadurch andere Leute zu treffen und von ihnen zu lernen.
Eine Sache, die ich nie getan habe, ist zu jemandem zu gehen und ihn zu fragen, mir zu zeigen, wie ich trainieren soll, wie es viele mit Vince Gironda oder Bill Pearl getan haben, als sie zu ihnen gingen und sagen "Unterrichte mich, nimm mich unter Deine Fittiche.". Ich habe das niemals mit niemandem getan. Es geschah immer auf Augenhöhe.
Ich habe in den 70ern einige Jahre mit Arnold trainiert und wir waren immer auf Augenhöhe. Wir waren Konkurrenten, aber wir waren auch Freunde und jeder war ein Freund des anderen. Das war unser soziales Leben – wir hingen gemeinsam ab, wenn wir nicht trainierten und lernten voneinander.
[ Q ] Die Bodybuilder mit denen Du trainiert hast, hatten also keine Gurus, die ihnen sagten, was sie tun sollen?
[ A ] Das ist richtig. Wir lernten voneinander.
[ Q ] Gab es da einen bestimmten Wettkampf, den zu gewinnen Du mehr genossen hast, als die anderen?
[ A ] Von den drei Mr. Olympias würde ich den letzten wählen. Ich denke 1979 hatte ich meine absolute Bestform. Ich hatte einige wirklich gute Jahre, aber ich denke 1979 war das beste Jahr im Hinblick auf die Kombination von Masse und Form. Ich hatte beides zusammen.
[ Q ] Warst Du 1979 am massivsten?
[ A ] Ich war 1979 wirklich sehr massiv. Aber ich war auch sehr muskulös und in großartiger Form. Es gibt einige wirklich gute Videos von meinen Posings bei den Olympias auf Youtube. Eines ist besonders gut, ein Video in schwarz-weiß, das meine Form von 1979 sehr gut zeigt.
Ich war massiv und gleichzeitig hart. 1982 war ich massiver, aber nicht so gut in Form und war ich etwas schmaler, aber extrem muskulös – genauso 1976. 1978 war ich etwas schlanker, aber sehr muskulös. Ich hatte in den verschiedenen Jahren verschiedene Looks.
[ Q ] Wenn Du diese unterschiedlichen Looks mit der Form vergleichst, mit der Du Arnold 1968 bei der Mr. Universe in Miami, Florida besiegt hast, wie würdest Du die Form beschreiben, die Du damals auf die Bühne gebracht hast?
[ A ] Ich war in guter Form in diesem Jahr und hatte gerade eine Woche zuvor die Mr. America gewonnen. Ich war sehr muskulös als ich die Woche darauf nach Miami reiste um da an dem Wettkampf teilzunehmen. Damals war ich ein großer Fan von Kniebeugen. Meine Beine waren immer sehr gut entwickelt. Aber ich glaube ich hatte mehr Volumen in den Beinen in den späten 60ern als in den frühen 70ern.
Später, als mein Oberkörper mehr wuchs, versuchte ich das Wachstum meiner Beine zu begrenzen um einen besser proportionierten Look zu erreichen. Meine Beine waren dem Rest immer ein Stück weit voraus. Meine Waden waren hingegen immer etwas zurück. Heute sind meine Oberschenkel immer noch sehr muskulös und meine Waden sind etwas dicker. Sie reagieren auf fast keine Trainingsmethode.
[ Q ] Wie trainierst Du Deine Waden?
[ A ] Ich mache drei verschiedene Übungen für die Waden. Mein Ziel ist es in jedem Satz die Waden zum brennen zu bringen. Ich trainiere sie alle fünf bis sieben Tage und sie wachsen davon.
[ Q ] Zurück zur 1968er Mr. Universe. Was war der entscheidende Faktor, der es Dir ermöglich hat diese Show gegen den aufstrebenden Arnold zu gewinnen?
[ A ] Ich war in Form und er nicht. So einfach ist das. Ich war definiert und sehr muskulös und zeigte eine großartige Posingkür und eine gute Farbe. Arnold war groß, weiß und glatt und er poste nicht gut. Im darauffolgenden Jahr, als er erstmals an der Mr. Olympia teilnahm, hatte er sich deutlich verbessert. Er war völlig verändert. Danach wurde er immer besser. Aber 1968 war das keine Konkurrenz zwischen uns.
Der Punkt ist…die Judges bei diesem Wettkampf waren Chuck Sipes und andere Bodybuilding Champions. Für sie stand nichts auf dem Spiel. Sie waren nicht da um irgendetwas zu verbessern; sie waren nur aufrichtig und deshalb habe ich gewonnen. Ich war der klare Sieger.
[ Q ] Glaubst Du wir werden eine Rückbesinnung zu einem proportionierteren Look erleben?
[ A ] Nein, ich denke es ist eine Freakshow. Es geht nur darum, wie breit Du werden kannst und wie freaky Du aussehen kannst. Du bekommst Punkte dafür, freaky auszusehen. Es gibt nur einige Kerle, die wirklich einen eher ästhetischen Look haben. Jemand wie Dexter Jackson hat in meinen Augen einen Körper, von dem ich denke, dass er gewinnen sollte. Aber das wird er nicht, da er nur 210 Pfund wiegt.
[ Q ] Mit seiner Definition erscheint er größer, als sein Gewicht vermuten lässt.
[ A ] Er sieht neben Jungs wie Ronnie Coleman nicht so massiv aus. Dexter ist sehr gut entwickelt und detailliert. Wenn ich er wäre, würde ich mich noch intensiver um meine Posingkür bemühen um die Linie noch besser zu präsentieren. Er hat einen großartigen Körper. Ich würde es ein klein wenig anders machen, weil ich es müsste.
Die Leute wissen nicht wirklich, was einzelne Dinge bedeuten. Zum Beispiel heißt die erste Runde "Symmetrie-Runde". Niemand weiß wirklich, was Symmetrie bedeutet. Symmetrie meint einfach nur, dass Deine rechte und linke Seite gleich sind. Und niemand hat eine absolut perfekte Symmetrie. Wovon sie reden sind die Proportionen, ob alles balanciert ist.
Es geht nicht um Symmetrie. Das ist ein Teil davon, aber es ist nicht der Kern. Die Leute sagen, ich hatte den symmetrischsten Körper der Welt. Nichts könnte weiter entfernt von der Wahrheit sein als das, denn mein Körper ist in Wahrheit sehr asymmetrisch. Der Punkt ist, dass ich asymmetrisch gepost habe. Es ist sehr viel interessanter Deinen Körper asymmetrisch zu präsentieren.
In anderen Worten: Zeig nicht beide Seiten auf die gleiche Weise. Das ist langweilig. Heute hast Du diese breiten Jungs und wenn sie posen, ist es immer das Gleiche – Latissimus Pose, Doppel Bizeps, Most Muscular und so weiter. Dann laufen sie auf der Bühne herum, machen eine Most Muscular, laufen zum anderen Ende der Bühne und machen eine Doppel Bizeps. Das ist langweilig.
Ich kümmere mich nicht darum, ob ich noch eine weitere dieser Shows sehe um ehrlich zu sein. Es ist eine Freakshow und ich finde es widerwärtig, auch wenn ich diese Jungs dafür bewundere, dass sie diese Form erreichen. Das ist dermaßen verdammt viel Arbeit. Ich respektiere das.
Aber ich mag den Weg wie sie aussehen nicht. Ich glaube nicht, dass das dem Bodybuilding hilft. Bodybuilding ist nicht mehr sehr beliebt. Es wurde nur mit dem Steroid-Image belegt und das ist alles. Du siehst heute einen Bodybuilder und sagst "Steroide", das ist schon ein Automatismus.
[ Q ] Jeder Athlet Deiner Ära schien eine persönliche Pose zu haben, die nur er ausführte, die ihn vom Rest der Athleten unterschied. Warum sehen wir das heute nicht mehr? Sollte es Posingtrainer zwischen den etablierten Training- und Ernährungsgurus geben?
[ A ] Ja, aber wer soll es ihnen beibringen? Ich glaube, dass die Leute, die ihnen sagen, wie sie posen sollen, keinen blassen Schimmer davon haben. Die Judges heutzutage und die Art wie sie den Leuten sagen, dass sie posen sollen und die Posen, in die sie sie stellen. Das sieht so plump aus.
Zum Beispiel: Sie sagen ihnen, dass sie ein Bein vor das andere stellen und das Knie anwinkeln sollen. Das sieht sehr unbeholfen aus. Leute, die wissen, wie man post, sind da gar nicht involviert und sie sind auch gar nicht daran interessiert. Wie bei mir: Ich interessiere mich nicht mehr wirklich dafür. Es ist so weit in die entgegengesetzte Richtung abgewandert, ich denke das ist hoffnungslos.
[ Q ] Vielleicht könntest Du Dich mit ein paar anderen Wettkämpfern Deiner Epoche zusammentun und den Leuten beibringen, wie man korrekt post. Ihr könntet Workshops anbieten.
[ A ] Oder auch nicht. (lacht) Weil es mich nicht wirklich interessiert – mein Interesse ist das Bodybuilding, aber nicht der Weg, den man aktuell einschlägt. Um Dir die Wahrheit zu sagen, kommen die Leute, die sich wirklich für Bodybuilding, wie es sein sollte, interessieren, zu mir um meinen Rat zu holen und das ist alles, worum ich mich sorge: diese Idee. Wenn Du wie ein Freak aussehen willst, gibt es genug Kerle da draußen, die Dir sagen können, wie das geht.
Jedes Bodybuilding Magazin auf dem Markt wird Dir sagen, wie Du das erreichen kannst, mit der Ausnahme eines Punktes: sie werden Dir nichts darüber sagen, was die Jungs an Drogen nehmen. Dazu werden sie Dir nichts sagen. Das ist das Schlüsselelement, dass sie unterschlagen.
Sie sagen "Wenn Du wie ein Freak aussehen willst, nimm diese Supplements, nimm MuscleTech. Wenn Du das tust, wirst Du so aussehen." Aber das ist einfach nicht wahr. Supplements helfen, aber worum es geht ist der massive Gebrauch von Drogen. Um ehrlich zu sein, verurteile ich die Bodybuilder nicht dafür. Im Grunde tun sie nur das, was nötig ist um zu gewinnen. Ich verurteile die Judges. Die Judges sind diejenigen, die sagen "Du bist der Beste.".
Im Bezug aufs Posing wäre meine Idee – die aber eh auf taube Ohren stoßen wird, aber ich denke, dass es eine sehr gute Idee ist – die Vakuumpose als Pflichtpose zu integrieren. Wenn Du willst, dass die Jungs wider mehr darauf achten, eine schmale Taille zu haben, mach die Vakuumpose verpflichtend.
Verpflichte sie das zusammen mit der Bauchpose zu machen. Man würde dieselbe Position der Hände hinter dem Kopf haben um das Vakuum zu präsentieren. Das würde definitiv das Feld lichten, da niemand es kann. In Wahrheit gibt es nur einen einzigen Kerl, der das kann und das ist Chris Cormier. Aber sonst kann das niemand, aufgrund der Größe Ihrer Bäuche, die einfach zu dick sind.
Ein anderer Punkt, der dazu geführt hat, dass Bodybuilding in diesen monströsen Bereich abgedriftet ist, ist dass sie die Trennung zwischen der unter und über 200 Pfund-Klasse aufgehoben haben. Jeder sagte, dass wir alle über 200 Pfund (90,7kg) haben sollten. Heute ist niemand mehr auf der Bühne, der weniger als 200 Pfund wiegt.
[ Q ] Das Problem hierbei ist, dass man so die kleineren Athleten nötigt, zu viel Masse aufzubauen?
[ A ] Ja, genau das bewirkt es. Jemand mit 5 Fuß (1,57m) sollte rund 170 Pfund (77kg) wiegen, wie Danny Padilla. Erinnerst Du Dich an Danny Padilla?
[ Q ] Ja, er war phänomenal.
[ A ] Ja und er hätte 1981 die Mr. Olympia gewinnen müssen.
[ Q ] Kannst Du uns Deine Gedanken bezüglich dieser Show mitteilen?
[ A ] So wie es lief, mit Franco als Sieger 1981, das war wohl die schlechteste Entscheidung, die jemals bei einer Mr. Olympia getätigt wurde. Padilla war unglaublich und ich denke, er hätte gewinnen müssen.
[ Q ] Wie konnten sie ihn dann so schlecht bewerten?
[ A ] Ich habe keine Ahnung. Ich sah ihn, kurz bevor er dorthin reiste. Ich ging gar nicht erst hin, da ich wusste, was passieren würde. Ich hätte eigentlich in diesem Jahr teilnehmen sollen, statt 1980. Ich sah Danny trainieren und ich sah Franco trainieren, genau wie Chris Dickerson. Ich sagte Chris, "Chris, wenn Du zu diesem Wettkampf gehst, bist Du bescheuert, Du wirst nicht gewinnen." Er sagte, "Nein, das ist mein Jahr.". Ich sagte ihm, dass er es herausfinden werde. Und ich behielt Recht, Danny wurde noch schlechter platziert.
[ Q ] Was ist mit Tom Platz, der Dritter wurde. War seine Platzierung in Deinen Augen richtig?
[ A ] Ich weiß es nicht. Ich habe mir nie Gedanken um den Körper von Platz gemacht. Wenn ich ihn angesehen habe, war alles was ich sah, Oberschenkel, die über die Bühne liefen. Wenn es so ist, dass es darum geht, nur eine gute Muskelgruppe zu haben um zu gewinnen, hätte er der Sieger sein müssen, denn alles was er hatte waren Beine.
Sonst hatte er nichts wohingegen Danny alles hatte. Und das war der einzige Zeitpunkt seines Lebens, wo er wirklich in Form war (bei der Olympia 1981). Er war unglaublich. Und da ist noch etwas: Wenn Du ihn aus sechs Fuß Entfernung anschaust, sieht er grandios aus. Wenn Du ihn aus 60 Fuß Entfernung anschaust, wird ein größerer Kerl genauso imposant aussehen, weil Du aus der Entfernung die Details nicht erkennen kannst. Und das war wohl ein Grund. Er ging verloren.
[ Q ] Wie denkst Du über die Abläufe des Judgings auf Profi-Ebene?
[ A ] Das große Problem im Bodybuilding ist, dass man immer sagen kann, dass es am Ende eine Frage des Geschmacks und ein Werturteil ist. Die Judges stimmen für das, was sie mögen, was sie bevorzugen. Und was sie bevorzugen scheint dem zu entsprechen, wie sie aussehen oder aussehen möchten. Du kannst völlig unterschiedliche Ergebnisse haben, wenn Du unterschiedliche Judges einsetzt.
Es gibt keine objektiven Standards und deshalb ist Bodybuilding auch kein Sport. Das ist der Grund warum es das auch meiner Meinung nach nie sein wird. Dieses Gerede darüber Bodybuilding in die Olympischen Spiele aufzunehmen ist Unsinn. Es ist kein Sport. Sport ist etwas, wo man objektive Kriterien hat, die darüber entscheiden, wer gewinnt.
Auch bei Disziplinen wie Turnen gibt es objektive Kriterien. Es gibt bestimmte Dinge, auf die sie achten, wie Form, wie die Bewegungen ausgeführt werden. Was machen sie im Bodybuilding? Das tun sie nicht. Es geht nur darum ,wie sie entwickelt sind.
Wie in Runde 3, dem freien Posing. Hier sollte es bei der Bewertung wirklich um das Posing gehen. Nun dem ist nicht so. Der beste Poser bekommt nicht die beste Wertung in Runde 3. Dann sagen sie es geht darum, wie Du aussiehst, wenn Du post. Warum dann überhaupt diese Runde, wenn es nur darum geht.
[ Q ] Oft scheint es, als gäbe es unterschiedliche Bewertungskriterien für die kleineren Shows und für die großen Shows wie die Mr. Olympia. Gewisse Trends kann man von Show zu Show verfolgen.
[ A ] Nun ich denke, dass es darum gehen sollte, dass der, der in Form ist, gewinnen sollte. Du musst auf jeden Fall diese Definition haben, um zu gewinnen. Wenn Du schmaler bist, aber in besserer Form, solltest Du gegen einen Kerl, der massiver ist, aber weniger gut in Form, gewinnen. Wenn Du ein massiver Athlet bist, definiert bist und schöne Proportionen hast, dann solltest Du klar gewinnen, vorausgesetzt, die Judges mögen Dich.
Und oftmals passiert es, dass jemand in der Szene erscheint, jeden wegbläst und dennoch nicht gewinnt, da man ihn noch nicht so oft gesehen hat. Diese Jungs müssen erst einmal ein paar Mal auftreten um Ihren Sieg zu rechtfertigen.
[ Q ] Hattest Du während Deiner aktiven Karriere viel mit Joe Weider zu tun?
[ A ] Nun ja, Joe war so ziemlich der einzige Ansprechpartner, als ich aktiv war.
[ Q ] Hast Du Dich selbst als Weider-Athlet gesehen?
[ A ] Das würde ich nicht sagen. Im Grunde habe ich an den Weider-Magazinen mitgearbeitet, Artikel geschrieben und Fotos gemacht im Ausgleich für die Werbung. Das war der Deal.
[ Q ] Hattest Du jemals einen Vertrag mit Joe Weider?
[ A ] Ich hatte nie einen Vertrag und habe nie Geld von Joe bekommen. Ich habe ihn auch nie um Geld gebeten. Er hatte kein Problem damit, mir Platz in seinen Magazinen zu geben und tut es noch heute.
[ Q ] Hat Joe Weider Dein Training zu einem gewissen Teil überwacht?
[ A ] Nein. Ich will Dir eines sagen, es gab eine Sache, in der er wirklich gut war und das war das Posing. Er hat mir geholfen eine Reihe von Posen zu entwickeln, die ich verwendet habe. Was diese Geschichte mit dem Master Trainer angeht, denke ich nicht, dass das der Fall war.
Ich glaube, dass er ein geschultes Auge für die Physis und das Posing hatte. Er war immer da, wenn Posingsessions anstanden. Und das Beste, was Du vor einem Wettkampf tun konntest, war ein Fotoshooting mit Joe, weil er Dir Kleinigkeiten nannte, mit denen Du die Posen verbessern konntest. Und das war wohl das Beste, was ich von Joe bekommen habe. Er wusste jede Kleinigkeit im Bezug aufs Posen nur vom Zuschauen. Er hat den Sport wirklich geliebt und er lebt stellvertretend durch ihn. Ich denke es ging stark abwärts, seit er nicht mehr da ist.
[ Q ] Bekamen viele befreundete Athleten solche Hilfe von Joe?
[ A ] Ich weiß was ich getan habe, nicht was andere getan haben. Arnold tat in etwa dasselbe wie ich. Im Grunde willst Du, wenn Du in Topform bist, davon eine Reihe von Fotosessions haben. Joe ermutigte mich immer einen Haufen Fotos zu machen und das tat ich. Ich hätte noch mehr machen können, aber wenn Du Dich auf einen Wettkampf vorbereitest, ist das alles, was Du tun willst um danach an die Sonne zu kommen.
Mach lieber Dein Ding für Dich anstatt ins Studio zu gehen und Fotosessions zu machen. Aber das ist wirklich eines der besten Dinge, die Du tun kannst, denn wenn Du das nicht tust, wirst Du keinerlei Aufmerksamkeit oder Öffentlichkeit bekommen.
[ Q ] Hat Joe Deine Karriere auf anderem Wege angeschoben?
[ A ] Nur indem ich am Magazin mitgewirkt habe und gute Fotos bekommen habe. Zum Beispiel würde er nie schlechte Fotos von den Leuten verwenden. Er würde es mir sagen, wenn sie nicht gut wären und sie nicht verwenden. Das ist großartig, denn es ist wichtig für Dein Image. Aber ich glaube, das war alles. Er hatte das Fahrzeug (die Magazine) und es fand eine intensive Fluktuation statt. Obwohl Du nicht dafür bezahlt wurdest, half es Deine Bekanntheit zu steigern und somit waren alle zufrieden.
[ Q ] Joe war also versierter im artistischen Teil des Sports?
[ A ] Ich denke primär ist er ein Geschäftsmann, der weiß, wie ein top Körper aussehen sollte. Ich glaube Joe war ein Massefreak. Er liebte Kerle wie Arnold und Sergio.
Eine Sache, die er mir immer sagte (Frank versucht seine bestmögliche Joe Weider-Imitation): "Ach komm schon Frank, Du musst massiver werden. Na komm, iss etwas mehr. Verwende das Weider Cheating-Prinzip öfter. Du musst breiter werden." Weißt Du, das war sicher nicht der richtige Ratschlag für mich, weil ich nicht massiver werden musste. Aber das war genau das, was er wollte.
[ Q ] Wie kannst Du das mit der Tatsache, dass Du drei Mal die Mr. Olymia gegen all die großartigen massiven Kerle damals gewonnen hast, unter einen Hut bringen? Denn Weiders Magazine haben das Judging zu der Zeit durchaus beeinflusst.
[ A ] Nun, Joe hatte damit nichts zu tun. Ich denke er mied bewusst jede Verbindung zu dem Prozess des Judgings, was sehr clever war. Die Leute wurden auch so indirekt durch die Inhalte seiner Magazine und den dort propagierten Körperformen beeinflusst. Die menschliche Auffassung ist nie gradlinig.
Die Art wie Menschen Dinge wahrnehmen, ist nicht die Art, wie sie es gerne möchten. Wir nehmen Dinge im Grunde durch unser Glaubenssystem auf, welches sich auf verschiedene Wege ausbildet. Im Hinblick auf die Aussagen, dass die Inhalte der Magazine einen Einfluss darauf haben, wer wie bewertet wird, ja da glaube ich schon, dass das so ist. Aber im Hinblick darauf, dass jemand gesagt hätte, wer die Show gewinnen soll, damit hatte Joe nichts zu tun. Und ich glaube Ben Weider auch nicht. Ich glaube sie haben das den Judges überlassen.
[ Q ] Die Judges waren also vielleicht beeinflusst durch die Auswahl der Athleten, die in Joe Weiders Magazinen präsentiert wurden?
[ A ] Du weißt, dass es so ist. Bodybuilding war immer ein Sport, der durch Masse dominiert wurde. Die Grundformel lautet "Ein guter massiver Mann ist besser als ein guter weniger massiver Mann." Das ist die grundlegende Sicht auf die ganze Sache.
[ Q ] Mit der Betonung auf "gut"; wir haben einige fragwürdige Entscheidungen bei den Olympias 1980 und 1981 gesehen.
[ A ] Dem stimme ich zu. Wenn Du die Märchen der Gebrüder Grimm liest, dann ist dort ein Märchen über die neuen Kleider des Herrschers. Der Herrscher läuft nackt die Straße entlang und alle reden darüber, was für unglaublich schöne Kleider er trägt. Nur ein kleines Kind kann sehen, dass er in Wahrheit nackt ist. Und das ist ziemlich genau der Weg, wie Menschen Dinge wahrnehmen.
Sie sehen Dinge vor dem Hintergrund ihres Glaubenssystems oder dem, was sie gesagt bekommen. Es geht darum, was auf dem Spiel steht. Wenn alle es mögen, magst Du es auch. Wird also Jay Cutler dieses Jahr gewinnen? Ich glaube, dass er eine großartige Physis hat, besonders seine Beine als Beispiel. Sicher kann ich auch Schwachstellen finden. Ich wollte diesen Körper nicht haben. Er ist nur ein breiter, riesiger, kastenförmiger Kerl. Er ist nicht mal groß, sondern nur viel zu breit. Aber das ist der Standard der Entwicklung heutzutage.
[ Q ] Findest Du, dass Ronnie im Vergleich zu Jay eine bessere Taille hat? Er scheint eine mehr x-förmige Optik zu haben.
[ A ] Ronnie hat einen riesigen Hintern, auch wenn er ein Jahr mal nicht so riesig war. Das Ding ist doch: Wenn Du mit 700 Pfund 10 Wiederholungen Kniebeugen machst, wird Deine Taille breiter.
[ Q ] Was wäre Deine Empfehlung für die Kniebeugen?
[ A ] Ich denke Du solltest es nicht übertreiben. Wenn Du es tust, wird es Deine Taille breiter machen.
[ Q ] Würdest Du eventuell die Kniebeugen reduzieren, wenn ein Wettkampf vor der Tür steht?
[ A ] Das ist schwer zu sagen, da wir dann nach Generalisierungen suchen und in meinen Augen jede Situation einzigartig ist. Ich denke aber, dass in Colemans Fall dies nur ein Punkt ist, der zu der breiten Taille geführt hat. Es kann genauso an den unglaublichen Mengen an Essen liegen, die er verschlingt. Ein weiterer Faktor könnte die Kombination von Chemikalien und Pharmazeutika sein, die er einnimmt, aber dafür habe ich keine Beweise.
[ Q ] Dieser massive Wachstum, den wir heutzutage sehen, hängt also nicht unbedingt damit zusammen, dass genetische Gründe dies erlauben, sondern damit, dass die Leute bereit sind, mehr Risiken einzugehen?
[ A ] Ja, ich denke schon.
[ Q ] Es scheint schwer sich auf einen anderen Faktor zu beschränken, wenn man die Entwicklung eines bestimmten Athleten diskutiert.
[ A ] Du begibst Dich in den Bereich des Klatschs und das ist nicht fair diesen Jungs gegenüber, denn so sieht es aus. Aber wir haben eben keine Beweise. Wir haben keine Videos oder Fotos von ihnen, wo sie eine bestimmte Sache tun, also wie können wir das sagen? Aber sicher, es sieht so aus.
[ Q ] Es war toll mit Dir zu sprechen. Vielen Dank für Deine Zeit.
[ A ] Danke für das Interview David.