Nach über 25 Jahren beim Sport des Bodybuildings, von denen er viele in der obersten Region der Eisenwelt als Elitechampion verbracht hat, hat der Mr. Olympia Dorian Yates alles gesehen und gehört. Was die Ernährung anbetrifft hat er alles an Wissen aufgesogen, das er in die Finger bekommen konnte und mit Hilfe dieses Wissens seine eigenen Ernährungsstrategien für optimale Bodybuilding Masse und Konditionierung entwickelt.
Im folgenden Interview teilt Dorian viel dieses Wissens mit dem Leser und liefert wertvolle Hinweise für all diejenigen, die entweder neu in diesem Sport sind oder sich im Morast der widersprüchlichen Ansichten verlaufen haben. Aus diesem Interview kann der Leser außerdem lernen, wie sich der Mr. Olympia auf seine Wettkämpfe vorbereitet hat! Des Weiteren geht er auf das kontroverse Thema der Bodybuilding Drogen (Steroide) ein.
Das Interview
[ F ] Ich werde damit anfangen, die Grundlagen abzudecken, Dorian. Gibt es einen spezifischen Bereich der Proteinzufuhr, auf den eine Person, die Muskelmasse aufbauen möchte, abzielen sollte? Sind die alten zwei Gramm pro Kilogramm Körpergewicht immer noch ein guter Zielbereich?[ A ] Zwei Gramm pro Kilogramm Körpergewicht oder ein bisschen mehr sind eine gute Richtlinie. Doch das sollte das absolute Minimum sein. Wenn man diese Menge zu sich nehmen kann, dann befindet man sich auf der sicheren Seite. Man kann sogar bis auf 3,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht hochgehen. Es hängt immer von der Intensität des Trainings ab, doch ich würde sagen, dass zwei Gramm pro Kilogramm Körpergewicht das Minimum sind und alles bis 3,5 Gramm einen guten Bereich darstellt.
[ F ] Im Bereich des Bodybuildings – insbesondere im Profibereich – hört man häufig, dass Leute bis zu 600 Gramm Protein pro Tag zu sich nehmen. Ist so viel Deiner Ansicht nach notwendig?
[ A ] Eine Menge hiervon wird verschwendet und belastet außerdem den Körper. Man kann Aminosäuren in Glukose umwandeln, was bedeutet, dass der Körper Protein in Energie umwandeln kann, was besonders bei einer exzessiven Proteinzufuhr der Fall sein wird. Dies ist jedoch ein teurer Weg die Energie zu steigern und darüber hinaus ist Protein eine ineffiziente Energiequelle. Und der Körper muss all die Abbauprodukte eliminiere, wodurch er stärker belastet wird. Im besten Fall ist eine so hohe Proteinzufuhr unnötig.
[ F ] Ist an der Ansicht, dass eine exzessive Proteinzufuhr die Nieren schädigen kann, etwas Wahres dran?
[ A ] Ich bin kein medizinischer Experte, doch ich glaube, dass die Nieren Proteinabbauprodukte eliminieren müssen, so dass sie im Grunde genommen härter arbeiten müssen. Wenn man nicht bereits unter medizinischen Problemen leidet, stellt dies kein wirkliches Problem dar. Jeder, der unter einer Erkrankung oder Funktionsstörung der Nieren leidet, sollte sich jedoch nicht proteinreich ernähren, da seine Nieren mit dieser zusätzlichen Belastung unter Umständen nicht zu Recht kommen werden. Doch ich glaube, dass es keine Hinweise darauf gibt, dass eine exzessive Proteinzufuhr gesunde Nieren schädigen kann. Die Nieren werden lediglich härter arbeiten müssen.
[ F ] Wie würdest Du Deine Ernährungsphilosophie beschreiben?
[ A ] Wie alles andere ist sie im Grunde genommen recht systematisch und vernünftig. Wenn ich die Ernährung von jemandem organisieren müsste, dann würde ich als erstes sicherstellen, dass diese Person genug Protein bekommt und dass dieses Protein die richtige Qualität aufweist und sich primär aus erstklassigen Proteinen zusammensetzt. Wir reden hierbei von Eiern, unabhängig davon, ob man sich dazu entschließt das Eigelb mitzuessen oder nicht.
Ich würde immer empfehlen, dass man, wenn man das Eiklar mehrerer Eier isst, auch ein paar Eidotter mit isst, da es einige in den Eidottern enthaltene Aminosäuren gibt, an denen es dem Eiklar etwas mangelt. Man erreicht also ein besseres Aminosäureprofil, wenn man Eiklar und Eidotter kombiniert. Andere gute Proteinquellen sind Hühnchenbrust, Truthahnbrust, mageres Rindfleisch, Fisch und andere Meeresfrüchte.
Und dann sind da natürlich auch noch Proteinsupplements. Wenn man diese verwendet, dann würde ich eine Kombination unterschiedlicher Proteine – micellares Kasein und Wheyprotein mit vielleicht auch etwas Eiprotein – anstelle einer einzigen Proteinquelle wie reines Wheyprotein empfehlen. Durch diese Kombination erreicht man eine zeitversetzte Freisetzung, da unterschiedliche Proteine unterschiedlich schnell verdaut werden. Wheyprotein gelangt sehr schnell in den Blutkreislauf und es wird viel hiervon verschwendet, weshalb dieses für sich alleine in den meisten Fällen nicht ideal ist.
[ F ] Das Kasein wird sicherstellen, dass der Körper eine kontinuierliche Aminosäurezufuhr über einen längeren Zeitraum erhält.
[ A ] Ja, da das Kasein langsamer verdaut wird. Man muss sich jedoch darüber im Klaren sein, welchen Typ von Kasein man verwendet. Es muss micellares Kasein sein, welches natürliches Kasein darstellt, das nicht durch Hitze beschädigt wurde. Es gibt billigere Kaseine wie Kalzium Kaseinat, das im Körper nur sehr schlecht in die Aminosäuren aufgebrochen werden kann und eine schlechtere Qualität aufweist. preview
[ F ] Ein idealer Zeitpunkt für den Verzehr von micellarem Kasein wäre vor dem zu Bett gehen?
[ A ] Ja, aber jeder Zeitpunkt ist ein guter Zeitpunkt. Und der einzige Zeitpunkt, zu dem Wheyprotein für sich alleine nützlich ist, wäre nach dem Training.
[ F ] Was würdest Du noch beachten, wenn Du einen Ernährungsplan zusammenstellst?
[ A ] Als erstes würde ich die Proteinzufuhr bestimmen und sicherstellen, dass diese Menge aus Gründen, die den meisten Menschen bekannt sein dürften, richtig über den Tag verteilt wird: Aminosäuren aus Protein bleiben nicht den ganzen Tag über im Körper, da sie innerhalb weniger Stunden verbraucht werden, weshalb man diese konstant ersetzen muss, so dass der Körper die ganze Zeit über eine positive Stickstoffbilanz aufweist.
Die Idee besteht also darin, die Aminosäuren kontinuierlich im Blutkreislauf zirkulieren zu lassen, da die Reparatur der Muskeln und anderer Zellen einen kontinuierlichen Prozess darstellt. Die Muskelreparatur findet nicht innerhalb von zwei Stunden nach dem Training statt. Der Körper repariert ständig seine Zellen, weshalb man die ganze Zeit über eine positive Stickstoffbilanz aufrechterhalten muss.
Dies bedeutet, dass man keine Mahlzeiten auslassen sollte und die Pausen zwischen den Mahlzeiten nicht zu lange andauern sollten. Alle zweieinhalb oder drei Stunden sollte man eine kleine Mahlzeit mit einer ausreichenden Menge qualitativ hochwertigem Protein zu sich nehmen.
[ F ] Und wo passen Kohlenhydrate in Deinen Plan? Sie sind proteinsparend, nicht wahr?
[ A ] Ja, sie wirken proteinsparend und lassen das Protein die Aufgabe erfüllen, die es erfüllen soll – die Reparatur von Körpergewebe. Wenn man hingegen nicht genügend Kohlenhydrate und Fett zu sich nimmt, um den Energiebedarf des Körpers zu decken, dann kann der Körper damit beginnen, Protein zum Zweck der Energieversorgung heranzuziehen, was nicht wirklich das ist, was man möchte. Nehmen wir z.B. einen 90 Kilo schweren Bodybuilder, der 3,3 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nimmt (300 Gramm auf sechs Mahlzeiten aufgeteilt: 50 Gramm pro Mahlzeit).
Er wird seine Kohlenhydratzufuhr abhängig von seinem Stoffwechsel (d.h. abhängig davon, wie schnell sein Körper Kalorien verbrennt, ein guter Zeitraum dies zu bestimmen ist die Off-Season) strukturieren, wobei diese Menge im Allgemeinen bei der doppelten Menge des verzehrten Proteins liegt – bei unserem hypothetischen Bodybuilder wären dies 600 Gramm Kohlenhydrate.
Wenn er Körperfett aufbaut, dann ist diese Kohlenhydratmenge zu groß und man würde sie auf sagen wir 500 Gramm reduzieren und so lange weiter anpassen, bis man einen Wert erreicht, der einem genügend Energie liefert.
[ F ] Und die Off-Season wäre ein guter Zeitraum, um zu bestimmen, wie viel ausreichend ist?
[ A ] Ja. Und ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass die Zahlen, die ich genannt habe, nur einen Richtwert für den Anfang darstellen. Es kann sein, dass man für sich selbst herausfindet, dass dies zu viel ist oder dass der Körperfettanteil zu hoch ist oder dass man im umgekehrten Fall nicht über genügend Energie verfügt oder kein Gewicht aufbaut, was darauf hindeuten würde, dass die Kohlenhydratmenge zu niedrig ist. Doch für die meisten Menschen wird diese Menge wahrscheinlich ausreichen.
[ F ] Wir werden in Kürze auf das Fett eingehen. Zuerst würde ich jedoch gerne wissen, ob aus Deiner Sicht eine Reduzierung der Kohlenhydrate vor dem Wettkampf auf Mengen, die unterhalb von dem liegen, was man während der Off-Season gewöhnt ist, eine gute Idee darstellt. Wird dies in einem Muskelabbau resultieren?
[ A ] Nicht notwendigerweise. Wie bereits erwähnt wurde, könnte der Körper auch Protein als Energiequelle heranziehen. Man wird die Kohlenhydrate definitiv reduzieren müssen, wenn man Gewicht verliere will, doch man muss bedenken, dass man Gewicht zum Teil dadurch verliert, dass man weniger Energie Kalorien – Kohlenhydrate – zu sich nimmt und seine körperlichen Aktivitäten steigert und beides über einen längeren Zeitraum tut. Auf diesem Weg verliert man langsam überschüssiges Gewicht.
[ F ] Wären komplexe Kohlenhydrate während der Vorwettkampfphase die beste Option?
[ A ] Komplexe Kohlenhydrate sind immer die beste Option, wenn es sich nicht gerade um den Zeitpunkt nach dem Training handelt, zu dem man einfache Kohlenhydrate (Zucker) zu sich nehmen könnte, um eine Insulinausschüttung zu erreichen. Zu anderen Zeitpunkten ist dies jedoch nicht besonders hilfreich, da Insulin ein Speicherhormon ist und alles in Muskeln schleusen wird.
Nach dem Training ist dies eine Priorität, da der Muskel beschädigt ist, doch wenn man auf der Couch sitzt und spät am Abend fernsieht, dann wird der Verzehr von Zucker auch eine Insulinausschüttung bewirken, welche jedoch mehr dazu beiträgt Nährstoffe in die Fettzellen zu schleusen.
[ F ] Wo passen Fette in Deine ernährungstechnische Gleichung?
[ A ] Nun, Fette sind für die Produktion einiger Hormone und die Gesundheit der Nerven essentiell, weshalb man etwas Fett braucht. Ich habe in der Vergangenheit den Fehler gemacht, meine Fettzufuhr während der Diät zu stark zu senken und ich habe die Auswirkungen hiervon bemerkt: meine Haut und mein Haar waren gesünder, wenn ich mehr Fett zu mir nahm. Und ich wurde mit den zusätzlichen Fetten genauso schlank wie ohne sie.
Ein gutes Verhältnis für Fette wären etwa 30 Prozent der täglichen Proteinzufuhr (in Gramm), was also etwa 100 Gramm Fett pro Tag bedeuten würde. Und ganz offensichtlich wird man einige Fette mit seinen Proteinquellen zu sich nehmen: primär Rindfleisch, Hühnchen und Eier. Weiterhin nehmen einige Bodybuilder Supplements zu sich, die Omega 3, 6 und 9 Fettsäuren – die essentiellen Fettsäuren – enthalten. Bei Fett kommt es mehr auf Qualität als Quantität an. Ganz offensichtlich möchte man keine großen Mengen an gesättigten Fetten zu sich nehmen.
[ F ] Man kann die Fettzufuhr also zu einem großen Teil abdecken, indem man viele tierische Produkte zu sich nimmt, die geringe Mengen an Fett enthalten?
[ A ] Ja, und auch Nüsse, und um sicher zu gehen auch Supplements, die essentielle Omega Fettsäuren enthalten.
[ F ] Ist Kohlenhydratladen etwas, das Du während der letzten Woche vor einem Wettkampf tun würdest? Und würdest Du anderen empfehlen dies zu tun?
[ A ] Ich tat dies für gewöhnlich während der letzten Woche vor einem Wettkampf und es hat auch bei Leuten, die ich auf einen Wettkampf vorbereitet habe, recht gut funktioniert. Doch es unterscheidet sich etwas von der Art und Weise, wie es andere tun. Ich würde nicht auf null Kohlenhydrate herunter gehen, sondern die Kohlenhydratzufuhr im Vergleich zur bisherigen Zufuhr - welche offensichtlich niedriger als während der Off Season ausfällt - nur um 50 Prozent senken.
Und ich würde weiterhin den Protein und Fettanteil der Ernährung während der Entladephase erhöhen. Man befindet sich ja bereits in einem Kaloriendefizit und wenn man die Kohlenhydratzufuhr um 50 Prozent senkt, geht man ansonsten mit den Kalorien zu weit nach unten und riskiert einen Muskelverlust. Man erhöht also die Protein- und Fettzufuhr etwas, um die Kohlenhydratkalorien zu ersetzen.
Kohlenhydratladen:
Im Bereich des Sports ist das Laden mit Kohlenhydraten eine Strategie, die von Ausdauersportlern wie Marathonläufern verwendet wird, um die Glykogenspeicherung innerhalb der Muskeln zu maximieren.
[ wikipedia.org ]
[ F ] Wie würdest Du Dein Training während dieser Phase verändern und wie würdest Du laden?
[ A ] Ich würde mehr hochvolumiges Training ausführen, um die Glykogenspeicher zu entleeren. Dann würde ich vor dem Wettkampf drei Tage lang mit Kohlenhydraten aufladen. Doch während eine Menge Leute die Kohlenhydratzufuhr weiter erhöhen, je näher der Wettkampf kommt, würde ich es genau anders herum machen: Ich würde am ersten Tag, nachdem die Kohlenhydratspeicher stark entleert wurden, sehr viele Kohlenhydrate zu mir nehmen, da der Körper in diesem Zustand Kohlenhydrate effizienter speichert.
Doch all dies sind nur Richtlinien, da das Kohlenhydratladen von Person zu Person variiert. Ich für meinen Teil würde die Kohlenhydrate zu Beginn der Ladephase im Vergleich zu dem, was ich vor der Kohlenhydratentladephase zu mir genommen habe, wahrscheinlich verdoppeln.
Wenn ich also während der letzten Wochen vor dem Wettkampf 300 Gramm Kohlenhydrate pro Tag zu mit genommen hätte, dann würde ich während der Entladephase auf 150 Gramm herunter gehen und zumindest zu Beginn der Ladephase 600 Gramm Kohlenhydrate oder mehr zu mir nehmen: die doppelte Menge im Vergleich zur vorhergehenden Diätphase.
[ F ] Einige Leute verwenden die Ladephase, um zu essen, was immer sie wollen. Würdest Du von einer solchen Vorgehensweise abraten?
[ A ] Ich würde bei den Kohlenhydraten bleiben, die man gewohnt ist. Ich verwendete für gewöhnlich Haferflocken, Reis, Süßkartoffeln und geringe Mengen unterschiedliches Obst. Und ich würde, wie ich bereits erwähnt habe, am ersten Tag der Ladephase sehr viele Kohlenhydrate zu mir nehmen. Am zweiten Tag würde ich diese Menge (abhängig davon, wie ich im Spiegel aussehe) wahrscheinlich aufrecht erhalten und am dritten Tag würde ich die Kohlenhydratzufuhr während der ersten Tageshälfte hoch halten, während ich später am Tag nur noch Protein und Fett zu mir nehmen würde.
Der Grund hierfür besteht darin, dass ich zu diesem Zeitpunkt – hoffentlich – vollständig mit Kohlenhydraten aufgeladen bin. Eine reine Protein und Fettzufuhr während der zweiten Tageshälfte neigt dazu, eine entwässernde Wirkung zu zeigen, wenn noch überschüssiges Wasser im Körper gespeichert ist. Zu diesem Zeitpunkt wird man kein Wasser in den Muskeln verlieren, da man nicht trainiert oder sich anderweitig anstrengt, weshalb man auch keine Energie verbraucht.
[ F ] Würdest Du an diesem Punkt die Wasserzufuhr erhöhen, um mehr Wasser auszuschwemmen?
[ A ] Ja, ich trinke bis zum Abend vor der Show eine Menge Wasser und eliminiere die Wasserzufuhr dann zum größten Teil. Wenn ich also eine Menge Wasser trank, dann verwendete es mein Körper entweder dazu, um es an die Kohlenhydrate zu binden und Glykogen in den Muskeln zu bilden oder es wurde ausgeschwemmt.
Wenn ich für einen kurzen Zeitraum mit dem Trinken aufhörte, dann neigte der Körper weiterhin dazu, Wasser auszuschwemmen. Und die hohe Proteinzufuhr hat in Verbindung mit der niedrigen Kohlenhydratzufuhr eine leichte diuretische Wirkung, weshalb Leute bei dieser Art von Diät schnell Gewicht verlieren.
[ F ] Ab wann würdest Du das Natrium eliminieren, wenn Du Dich auf einen Wettkampf vorbereitest?
Wenn man das Natrium zu lange vor dem Wettkampf eliminiert, dann wird der Körper Hormone ausschütten, um mehr Natrium einzubehalten. Aus diesem Grund sollte man Natrium nicht länger als die letzten 48 Stunden vor dem Wettkampf eliminieren. Man benötigt Natrium auch für das Kohlenhydratladen, da es beim Transport der Kohlenhydrate in die Muskeln hilft.
[ F ] Es dreht sich also alles um die Aufrechterhaltung des perfekten Gleichgewichts, während man bestimmte Nährstoffe manipuliert, um die gewünschten Resultate zu erzielen.
[ A ] Der Körper versucht immer ein Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Wenn man also das Natrium aus der Nahrung eliminiert, dann wird der Körper dies bemerken und da er Natrium benötigt ein Hormon namens Aldosteron ausschütten, welches bewirkt, dass der Körper Natrium zurückhält.
Was ist Aldosteron?
Aldosterone ist ein Hormon, das bewirkt, dass die Tubuli der Nieren Natrium und Wasser zurückhalten. Es erhöht das Flüssigkeitsvolumen im Körper und bringt den Blutdruck nach oben.
Deshalb mache ich mir über eine Reduzierung der Natriumzufuhr erst zwei Tage vor dem Wettkampf Gedanken. Ab diesem Zeitpunkt würze ich mein Essen nicht mehr und verzichte sogar auf Eiklar, da dieses recht viel Natrium enthält. Stattdessen esse ich mehr Hühnchen.
[ F ] Einige haben das Gefühl, dass sie am Tag nach dem Wettkampf noch besser aussehen. Könnte dies damit zusammenhängen, dass ihre Kohlenhydratspeicher am Wettkampftag noch zu stark entleert waren?
[ A ] Das liegt daran, dass sie mit zu wenig Kohlenhydraten, Natrium oder Wasser oder einer Kombination aus allen drei Faktoren am Wettkampf teilnehmen. Einige Leute essen nach dem Wettkampf eine Menge Kohlenhydrate und Natrium, wodurch die Muskeln regelrecht aufgeblasen und auch besser durchblutet werden, was ihnen zu einem vaskuläreren Aussehen verhilft und sie in der Tat besser aussehen lässt.
Doch zwischen diesem Zustand und zu starken Wassereinlagerungen ist nur ein schmaler Grat. Die letzten paar Mal, als ich nach der Vorrunde damit begann etwas Natrium zu mir zu nehmen, sahen meine Muskeln etwas voller aus, was bedeuten könnte, dass meine Natriumspeicher zu diesem Zeitpunkt zu stark entleert waren. Doch zwischen diesem Zustand und zu viel Natrium verläuft nur eine dünne Linie, weshalb ich recht vorsichtig war.
Ich würde lieber etwas flacher aber dafür extrem definiert als voller und aufgeschwemmter aussehen. Meiner Meinung nach ist dies der Look (voller), nach dem die meisten Bodybuilder heute streben – man sieht heute Jungs bei Amateurwettkämpfen, die in besserer Form als die Profis sind, was in meinen Augen nicht richtig ist, da man, wenn man ein Profi ist, in jeder Hinsicht besser aussehen sollte.
[ F ] Ein aufgeschwemmtes Aussehen ist also das Resultat des Versuchs, mit einer zu starken Muskelfülle auf die Bühne zu kommen?
[ A ] Ja, es resultiert aus dem Versuch eine maximale Muskelfülle zu erreichen. Ich denke auch, dass man weniger Muskelteilungen aufweist, wenn man voller aussieht. Wenn man ins Fitnessstudio geht und seine Arme aufpumpt, dann sehen diese aufgrund des Blutvolumens voller und massiger aus, aber die Muskelteilungen sind nicht so ausgeprägt.
[ F ] Dieses Aussehen wird also, auch wenn es im Fitnessstudio beeindruckend aussehen mag, auf der Bühne nicht notwendigerweise beeindrucken?
[ A ] Ja, genau.
[ F ] Würdest Du den Konsum von Nährstoffen während des Trainings sowohl während der Off-Season als auch während der Wettkampfvorbereitung empfehlen?
[ A ] Meine Trainingseinheiten waren eigentlich nie länger als 45 bis 50 Minuten und für diesen Zeitraum verwendet man sowieso gespeichertes Glykogen als Energiequelle. Durch den Konsum eines zuckerbasierten Energiedrinks, was für fast alle gilt, riskiert man sogar die entgegengesetzte Wirkung, da es durch diese Getränke zu einer Insulinausschüttung kommen kann, welche den Blutzuckerspiegel noch weiter absenkt.
Das einzige, das ich während des Trainings getrunken habe, war Wasser. Nach dem Training trank ich einen einfachen Kohlenhydrat- und Proteindrink. Ich denke nicht, dass es notwendig ist Energiedrinks vor oder während dem Training zu konsumieren, da diese die entgegengesetzte Wirkung besitzen können. Nach dem Training macht es Sinn, einen zuckerbasierten Proteindrink zu sich zu nehmen, um Nährstoffe, Aminosäuren und Kohlenhydrate in die Muskeln zu schleusen, welche zu diesem Zeitpunkt entleert sind.
[ F ] Was wäre die beste Art von Zuckergetränken, die man zu diesem Zeitpunkt zu sich nehmen könnte?
[ A ] Ein Einfachzucker, der eine Insulinausschüttung bewirkt. Fruchtsaft ist hierfür nicht geeignet, da dieser zum größten Teil aus Fructose besteht. Man sollte stattdessen Glukose, Dextrose und ähnliche Zuckerformen verwenden. Dies kombiniert man mit Wheyprotein oder Wheyprotein Isolat oder einem Aminosäureprodukt oder Kreatin, falls man dieses zu diesem Zeitpunkt zu sich nehmen möchte.
Es gibt nach dem Training, wenn der Körper Reparaturen benötigt, ein perfektes Zeitfenster der Gelegenheiten und dies ist der schnellste Weg, um den Regenerationsprozess zu starten.
[ F ] Kann die Verwendung von synthetischem Insulin beim Versuch eine größere Menge von Nährstoffen in den Muskeln zu speichern, zu einer übermäßigen Speicherung von Wasser führen?
[ A ] Dies ist nichts, was ich selbst getan habe, doch es würde die Art von Körpern erklären, die wir heute sehen und die bei einem großen Volumen fast etwas weich und aufgedunsen aussehen. Es ist definitiv möglich, dass man durch Insulin Wasser einlagert.
[ F ] Was geschieht genau, wenn ein Profibodybuilder während der Wettkampfvorbereitung Insulin verwendet?
[ A ] Ich schätze, dass die Grundidee darin besteht, Insulin während des Kohlenhydratladeprozesses zu verwenden. Dies ist nichts, mit dem ich übereinstimme. Ich weiß nicht genau, was diese Jungs tun, doch dies ist das, was ich vermute.
[ F ] Wie wichtig sind ernährungstechnische Supplements für den Erfolg beim Bodybuilding während der Off Season und während der Wettkampfvorbereitung und warum sind sie wichtig?
[ A ] Sie sind sehr wichtig, doch sie sind trotzdem nur eine Ergänzung – eine Ergänzung für etwas anderes, das im Fall des Bodybuilders Nahrung ist. Sie sind keine Schnellreparatur. Man kann nicht einfach Kreatin verwenden und erwarten, dass Kraft und Muskelvolumen zunehmen, wenn man nicht zusätzlich genug Kalorien und Protein zu sich nimmt.
Man muss zuerst eine vernünftige Basis sicherstellen, bevor zusätzliche Supplements hilfreich sein können. Ich beginne immer mit den Grundlagen und arbeite mich von hier aus nach oben. Ein qualitativ gutes Vitamin- und Mineralstoffsupplement mit zusätzlichem Vitamin C, sowie ein gutes Proteinsupplement sind praktisch essentiell und danach beginnt man damit, weitere Dinge zu dieser Mischung hinzuzufügen. Man kann nun eine Kreatin und Glutamin Supplementation ausprobieren. Man sollte immer eine Sache auf einmal ausprobieren und auf das Feedback dieses Produkts achten.
[ F ] Viele Leute neigen heute dazu mit anderen Kreatinformen als Kreatin Monohydrat zu experimentieren. Ist Kreatin Monohydrat immer noch ein sinnvolles Produkt?
[ A ] Ich denke, dass der Nachteil von Monohydrat darin besteht, dass es zu stärkeren Wassereinlagerungen unter der Haut und zu Verdauungsproblemen führen kann. Die neueren Kreatinformen werden weitaus effektiver transportiert. Kre-Alkalyn bedarf z.B. einer sehr viel geringeren Dosierung und wird schneller aufgenommen. Dann gibt es da auch noch Ethyl Ester Kreatin.
[ F ] Wie effektiv ist eine Supplementation bei jemandem, der sich bereits gut ernährt?
[ A ] Einige Produkte liefern eine sofortige Wirkung, während andere bei allgemeinen Prozessen helfe. Ein Protein Supplement wird z.B. sicherstellen, dass man eine adäquate Zufuhr an qualitativ hochwertigem Protein bekommt. Ich glaube, dass viele Leute nach einer leichten Antwort suchen. Sie werden Fragen "Wenn ich Kreatin einnehme, wird es dies oder jedes tun?" Nun, es kann dies tun, doch es muss durch eine korrekte Ernährung unterstützt werden.
[ F ] Wie ist Deine Meinung zu Bodybuildern, die während der Off Season exzessive Kalorienmengen zu sich nehmen und als Resultat hiervon beim Versuch Muskeln aufzubauen bis an die Grenze zur Fettleibigkeit stoßen? So etwas klingt für mich seltsam.
[ A ] Nun, jedes Mal, wenn man Gewicht verliert, riskiert man auch Muskelmasse zu verlieren. Wenn man während der Off Season also zu schwer wird und dann eine Menge an Gewicht verlieren muss, werden die Netto Zuwächse vielleicht nicht so gut sein. Man muss sich nicht selbst einschränken – wenn man dies ständig tut, ist dies nicht gesund – doch wenn man sich vernünftig ernährt und genug isst, um Muskeln ohne so viel Körperfett aufzubauen, dann ist dies der beste Weg. Natürlich wir man nicht das ganze Jahr über in Wettkampfform bleiben – dies ist kein natürlicher Zustand.
[ F ] Ist aus Deiner Sicht etwas Wahres an dem Glauben, dass ein Kalorienüberschuss zu der Masse beitragen kann, die notwendig ist, um schwerere Gewichte zu bewegen und man deshalb als Resultat indirekt mehr Muskelmasse aufbaut?
[ A ] Ich denke nicht, dass dies der Fall ist, aber sagen wir einmal, dass es funktionieren würde. Es wird sowieso wieder negiert werden, wenn man als Resultat davon, dass man so viel Fett abbauen muss, all diese Muskeln wieder verliert. Es wäre den Versuch also selbst dann nicht wert, wenn etwas Wahres an diesem Glauben wäre, wobei ich nicht denke, dass dies der Fall ist.
Man sollte bei einem ungesunden Körperfettanteil nicht dehydriert sein. So lange man ausreichend hydriert ist und die Kalorienzufuhr nicht einschränkt, wird alles darüber hinaus gehende nicht wirklich helfen.
[ F ] Wenn wir gerade von der Hydration sprechen – es ist allgemein anerkannt, dass Bodybuilder viel Wasser für die Aufnahme der Nahrung und als Ersatz für das während des Trainings verlorene Wasser benötigen. Wie viel Wasser würdest Du einem Bodybuilder pro Tag empfehlen?
[ A ] Ich trinke ganz einfach so viel Wasser, wie ich meines Gefühls nach benötige. Ich habe von diesen enormen Mengen gehört, die man heute zutage trinken sollte – mehr als 6 Liter pro Tag. Dies erscheint mir wirklich übertrieben und vielleicht wird man die Nährstoffe nicht so effektiv absorbieren, wenn man zu viel Wasser trinkt.
Ich gehe das Ganze ziemlich einfach an. Ich trinke einfach, wenn ich das Gefühl habe, dass ich etwas trinken muss. Ich kontrolliere das nicht wirklich. Es ist ganz einfach gesunder Menschenverstand. Einige Menschen machen die Dinge gerne komplizierter als sie wirklich sind, um klüger zu erscheinen, obwohl sie es nicht sind.
[ F ] Wenn es um neue Supplements geht, die zurzeit auf den Markt kommen, würde mich Deine Meinung zu den Stickstoffoxyd Boostern, die während der letzten Jahre sehr beliebt geworden sind, interessieren.
[ A ] Ich habe eines dieser Produkte in meiner europäischen Produktlinie und es ist sehr effektiv, doch es ist eine Kombination unterschiedlicher Verbindungen. Die Stickstoffoxydprodukte helfen bei der Weitung der Adern und führen zu einem besseren Pump während des Trainings. In meinem Produkt sind noch weitere Inhaltsstoffe enthalten, die Konzentration und Energiespiegel positiv beeinflussen. Wenn man mental optimiert ist, dann wird das Training effektiver sein. Diese Produkte müssen also hilfreich sein.
[ F ] Welches wären die drei wichtigsten Supplements, die Du einem Bodybuilding Anfänger empfehlen würdest??
[ A ] Wenn man nur drei Supplements verwenden könnte, dann wäre ein Protein Supplement die Nummer eins. Nummer zwei wäre ein Vitamin Supplement, vielleicht mit zusätzlichem Vitamin C. Vitamin C ist beim Regenerationsprozess recht hilfreich und es wird häufig unterbewertet, da es so billig ist. Nummer drei wäre wahrscheinlich Kreatin oder eine Stickstoffoxydformel.
[ F ] Hast Du jemals positive Resultate durch eine Kreatin Supplementation erlebt?
[ A ] Wenn ich ehrlich bin, dann muss ich zugeben, dass ich bei Kreatin Monohydrat nicht viel gespürt habe, obwohl ich es mehrfach ausprobiert habe. Bei Kreatin Ethyl Ester und Kre-Alkalyn hatte ich mehr Power und baute ein paar Pfund auf, was bedeutet, dass diese beiden Kreatinformen bei mir definitiv eine Wirkung gezeigt haben. Auf Kreatin Monohydrat schien ich jedoch nicht zu reagieren, was aber vielleicht auch eine individuelle Sache sein könnte.
Ein Protein und Vitamin Supplement solle als Basis verwendet werden, die man die ganze Zeit über benötigt. Und wenn man Kreatin ausprobieren möchte, dann sollte man es für einen Monat verwenden und darauf achten, welche Wirkungen man verspürt. Man sollte nicht fünf unterschiedliche Dinge auf einmal ausprobieren.
Man sollte Kreatin für einen Monat ausprobieren und schauen was passiert. Danach sollte man Stickstoffoxyd für einen Monat ausprobieren und schauen, ob es einem etwas bringt. Wenn man zu viele Dinge auf einmal ausprobiert, dann wird man nicht wirklich wissen, was hiervon eine Wirkung zeigt.
[ F ] Könnte derselbe Ansatz für die Ernährung im Allgemeinen verwendet werden?
[ A ] Ja, dies ist mehr ein analytischer Weg, den man einschlagen kann. Man kann versuchen die Proteinzufuhr für einen Monat auf über 3,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht zu erhöhen und schauen, ob dies einen Vorzug mit sich bringt.
[ F ] Kommen wir zu einem anderem Thema. Sind Wachstumshormone Deiner Meinung nach für aufgeblähten Bäuche verantwortlich, die man gelegentlich bei Bodybuildern sieht oder sind es die exzessiven Kalorienmengen vor dem Wettkampf, wie einige glauben?
[ A ] Es könnte sein, dass es keines von beidem ist, denn ich denke, dass wenn es Wachstumshormone wären, ein Wachstum der inneren Organe hierfür verantwortlich sein müsste. Und das würde bedeuten, dass eine Person, wenn sie mit der Anwendung von Wachstumshormonen aufhört, immer noch einen aufgeblähten Bauch haben müsste. Ich habe jedoch viele Menschen gesehen, bei denen dies nicht der Fall war, nachdem sie mit den Wettkämpfen aufgehört hatten.
Und ich denke nicht, dass es eine exzessive Nahrungszufuhr ist, da so etwas während der letzten beiden Monate vor einem Wettkampf nicht geschieht. Ich denke, dass es innerliche Wassereinlagerungen sein könnten, die durch unterschiedliche Verbindungen hervorgerufen werden. Doch dies ist ein vorübergehender Zustand.
[ F ] Könnte dieses Aufblähen während der Kohlenhydratladephase geschehen, bei der nach vielen Wochen der niedrigen Kohlenhydratzufuhr die Kohlenhydratmenge während der letzten Tage vor dem Wettkampf erhöht wird?
[ A ] Dies könnte der Fall sein, es könnte jedoch auch in Verbindung mit chemischen Verbindungen stehen. Orale Steroide zerstören die gesunden Bakterien des Verdauungstrakts. Doch ich bin definitiv nicht der Ansicht, dass es sich hierbei um ein Wachstum der inneren Organe als Resultat der Verwendung von Wachstumshormonen handelt, da ich dies nicht erlebt habe.
[ F ] Nicht jeder erlebt dieses Aufblähen, doch wenn alle dieselben Sachen verwenden, wäre es dann nicht so, dass alle einen Wachsbauch haben müssten?
[ A ] Vielleicht ist es eine individuelle Reaktion. Einige Menschen reagieren allergisch auf Weizen und Nüsse und Milch und andere nicht. Es könnte also eine große Bandbreite von Reaktionen sein.
[ F ] Und es scheint mehr auf der Profiebene aufzutreten
[ A ] Ja, vielleicht hat auch das Insulin Laden etwas damit zu tun.
[ F ] Kommen wir zurück zum Protein. Eine Menge Menschen können die empfohlenen 3,5 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht aufnehmen und hierdurch wachsen, während andere durch solche Mengen fett werden. Was ist dafür verantwortlich, dass eine Person mit größerer Wahrscheinlichkeit all dieses Protein verwendet, während es bei einer anderen Person weniger wahrscheinlich ist?
[ A ] Nun, wenn man fett wird, dann ist das recht einfache Mathematik: man nimmt mehr Kalorien zu sich, als der Körper verbrennt. Es ist also nicht notwendigerweise das Protein, sondern eher die Gesamtkalorienzufuhr. Es könnte der Fall sein, dass eine Person mehr Protein zu sich nimmt und hierdurch die Kalorienzufuhr steigert. Wenn man 100 Gramm Protein zusätzlich zu sich nimmt, dann muss man unter Umständen 100 Gramm weniger an Kohlenhydraten zu sich nehmen.
[ F ] Würdest Du die fettreichen Ernährungsformen empfehlen, die heute wiederauferstehen?
[ A ] Es kommt immer auf den individuellen Stoffwechsel an. Einige Menschen reagieren nicht gut auf hohe Kohlenhydratmengen. Ich persönlich komme gut mit einer hohen Kohlenhydratzufuhr zurecht. Wenn ich nur wenige Kohlenhydrate zu mir nehme, dann kann ich kaum laufen. Ich benötige also offensichtlich mehr Kohlenhydrate. Während der Off Season habe ich 2000 Gramm Kohlenhydrate pro Tag zu mir genommen und auch während der Wettkampfvorbereitung waren es noch 400 bis 500 Gramm. Meine Wettkampform war trotzdem besser als bei den meisten anderen und mein Körperfettanteil war auch bei 400 Gramm Kohlenhydraten pro Tag sehr niedrig.
Und wenn ich eine fettreiche/kohlenhydratarme/proteinreiche Ernährung befolgte, dann hatte ich keine Energie, war sehr schwach und verlor an Muskelmasse. Ich denke also, dass dies bei den meisten Menschen nicht funktioniert. Wer kann schon die ganze Zeit über nur Protein und Fett essen? Das kann nicht gut für einen sein. Diese Art der Ernährung ist übrigens nichts Neues. Es gibt sie bereits seit hundert Jahren unter unterschiedlichen Namen in unterschiedlichen Formaten, doch im Endeffekt läuft es immer auf dasselbe hinaus.
[ F ] Ich erinnere mich noch, dass die inzwischen nicht mehr existente WBF (World Bodybuilding Federation) in die frühen Neunziger ihre Bodybuilder eine fettreiche Diät befolgen ließ und dass die meisten der Wettkämpfer nicht in Form waren.
[ A ] Sie war zumindest theoretisch anabol, diese fettreiche Diät. Doch diese Jungs waren es gewohnt eine Menge Testosteron zu verwenden, was sie jedoch nicht durften (bei diesen Wettkämpfen wurden Dopingtests durchgeführt). Deshalb hätte keine Art der Diät dieses spezifische Problem gelöst.
Wie ich bereits zuvor gesagt habe, ist es schwer diese Art von Ernährung die ganze Zeit über einzuhalten. Doch die Leute müssen experimentieren und herausfinden, was für sie selbst am besten funktioniert. Die Kohlenhydrattoleranz variiert bei Top Wettkämpfern.
Die World Bodybuilding Federation:
Die World Bodybuilding Federation (WBF) war eine Bodybuildingorganisation, die im Jahr 1990 von Vince McMahon gegründet wurde und bis 1992 bestand. Es war eine Tochterorganisation von Titan Sports, welcher die World Wrestling Federation gehörte.
[ wikipedia.org ]
[ F ] Die Atkins Diät gehört auch zu dieser Gruppe von Diäten.
[ A ] Ja, es gibt 101 Diäten wie diese, doch im Endeffekt laufen sie alle auf dasselbe hinaus. Es gab die alte anabole Diät, die von Dan Duchaine propagiert wurde. Es ist ganz einfach eine Diät, die recycelt und verkauft wurde.
Dan Duchaine:
Daniel "Dan" Duchaine (1952 - Januar 12, 2000) war ein früherer amerikanischer Bodybuilder, Autor, zweimal verurteilter Straftäter und Philosoph. Unter dem Spitznamen The Steroid Guru wurde Duchaine aufgrund seiner unverblümten Meinung zu leistungssteigernden Substanzen, deren Verwendung und Fernsehauftritten bei Diskussionsrunden zu diesem Thema weltbekannt.
[ wikipedia.org ]
[ F ] Du hast vorhin erwähnt, dass Du vor einem Wettkampf 400 bis 500 Gramm Kohlenhydrate zu Dir nimmst. Du hattest kein Problem damit, all diese Kohlenhydrate zu verwenden, während eine Menge Menschen von einer solchen exzessiven Menge Fett werden würden.
[ A ] Ja, das hängt mit meinem schnellen Stoffwechsel und damit, dass eine große Muskelmasse eine Menge Energie für ihre Aufrechterhaltung benötigt, zusammen. Und ich brauchte diese Kohlenhydrate für meine Trainingsenergie, während ich pro Woche weiterhin zwei oder drei Pfund abnahm.
[ F ] Vor Beginn der achtziger Jahre haben viele Wettkämpfer scheinbar Muskeln während der Off Season verloren und diese Muskelmasse wieder aufgebaut, wenn sich der Wettkampf näherte. Seit damals neigen Bodybuilder dazu, die Off Season produktiver zu nutzen, um so viel Muskelmasse wie möglich aufzubauen. Ist dieses bis an die Grenzen Gehen der beste Weg?
[ A ] Oh ja, es ist die Off Season, während der all die Muskelzuwächse erreicht werden und nicht vor dem Wettkampf, wenn man eine kalorienreduzierte Diät einhält. Da ist der Grund dafür, dass ich nicht so häufig an Wettkämpfen teilgenommen habe. Ich hatte das Gefühl, dass ich genug Zeit im Fitnessstudio benötigte, um zu trainieren und mich während der Off Season Phase zu verbessern. Bodybuilder, die ständig an Wettkämpfen ohne viel Off Season dazwischen teilnehmen, werden von Wettkampf zu Wettkampf schlechter, da sie immer mehr Muskelmasse verlieren.
[ F ] Sie halten zu lange einen sehr niedrigen Körperfettanteil aufrecht.
[ A ] Ja und sie haben keine Phase mit einer hohen Kalorienzufuhr. Jedes mal, wenn man sich auf einen Wettkampf vorbereitet, verliert man eine geringe Menge an Muskelmasse. Nach dem Wettkampf muss man diese Muskelmasse wieder aufbauen, weshalb man etwa einen Monat lange braucht, um wieder zurück zu Punkt A zu kommen, bevor man damit beginnen kann, neue Muskeln aufzubauen. Manchmal haben diese Jungs nicht einmal die Zeit dafür, wieder Punkt A zu erreichen, weshalb sie bei jedem Wettkampf schmaler sind.
[ F ] Wie weit würdest Du die Kalorien während der Off Season erhöhen?
[ A ] Das meiste, was ich je während der Off Season zu mir genommen habe, waren 6000 Kalorien pro Tag. Und im Allgemeinen bin ich für einen Wettkampf auf unter 4000 Kalorien gegangen.
[ F ] Und Du hast die Proteinmenge mit der Kohlenhydratmenge erhöht, um mehr Muskelmasse aufzubauen?
[ A ] Nein, die Proteinmenge blieb immer so ziemlich dieselbe. Während der Off Season waren es einfach mehr Kohlenhydrate und weniger Cardiotraining.
[ F ] Hast Du Dir ein bestimmtes Datum eine bestimmte Zeit vor einem Wettkampf ausgewählt, an dem Du mit der Diät angefangen hast oder hast Du Deine Körperform abgeschätzt und basierend auf Deinem Aussehen entschieden, wann Du mit der Diät anfangen solltest?
[ A ] Ich habe anhand meines Aussehens entschieden, wann ich mit der Diät beginnen sollte. Ich begann damit herauszufinden, wie hoch meine Erhaltungskalorienmenge lag und habe die Kalorienzufuhr dann unter diesen Wert gesenkt. Gleichzeitig habe ich meinen Kalorienverbrauch durch Cardiotraining erhöht. Während der ersten Woche erlebte ich in der Regel aufgrund der Wasserausscheidung einen recht schnellen Gewichtsverlust.
Während dieser ersten Woche verlor ich fünf bis sieben Pfund, wonach sich der Gewichtsverlust bei zwei bis drei Pfund pro Woche einpendelte. Und ich überwachte meine Gewichtsveränderung von Woche zu Woche. Ich begann mit 4000 bis 5000 Kalorien pro Tag und senkte diese Menge auf etwa 4000 Kalorien, wenn sich der Wettkampf näherte. Gelegentlich senkte ich die Kalorienzufuhr auch noch weiter, wenn sich mein Stoffwechsel verlangsamte.
[ F ] Hast Du, wenn Du Dich auf einen Wettkampf vorbereitet hast, die Mengen bestimmter Nährstoffe reduziert oder einfach nur die Gesamtkalorienmenge?
[ A ] Nur die Kohlenhydrate, ich nahm weniger Kohlenhydrate zu mir. Abgesehen hiervon blieb der Rest ziemlich unverändert.
[ F ] Mit einer reduzierten Kohlenhydratzufuhr geht häufig eine reduzierte Energiefreisetzung einher. Hast Du bewusst härter trainiert, um den auf der reduzierten Kohlenhydratzufuhr beruhenden niedrigeren Energiespiegeln entgegen zu wirken?
[ A ] Ich habe versucht härter zu trainiere, was letztendlich wahrscheinlich ein Fehler war. Ich hatte einfach nicht genug Energie und ich war stärker dehydriert und anfälliger für Verletzungen. Ich möchte hiermit nicht sagen, dass ich es leicht hätte nehmen sollen, doch ich hätte vielleicht mit der Intensität wie während der Off Season trainieren sollen, was insbesondere für die letzten vier bis sechs Wochen vor dem Wettkampf gilt.
[ F ] Mental warst Du offensichtlich sehr stark, doch der Körper wollte an diesem Punkt nicht mehr.
[ A ] Genau, der Geist war in der Tat stärker als der Körper, weshalb es der Körper war, der nachgeben musste. Während der Off Season trainierte ich bis zum Muskelversagen oder darüber hinaus und ich versuchte manchmal während der Wettkampfvorbereitung weiter dieselben Gewichte wie während der Off Season zu verwenden, auch wenn ich diese natürlich etwas reduzieren musste, was insbesondere für die letzten vier Wochen galt.
Wenn ich es noch einmal tun könnte, dann würde ich nur bis zum Muskelversagen und nicht darüber hinaus trainiere, da ich während dieser Zeit lediglich versuche meine Muskelmasse aufrecht zu erhalten, wofür es nicht dieses Grades der Intensität bedarf. Man verfügt während der Wettkampfvorbereitung nicht über die für den Aufbau neuer Muskeln notwendigen Kalorien, weshalb es einen bestimmten Punkt gibt, ab dem man Verletzungen riskiert, wenn man es übertreibt.
[ F ] Du hast also während der Wettkampfvorbereitung darauf abgezielt mehr Muskeln aufzubauen, während Du eigentlich den Fuß vom Gas hättest nehmen sollen?
[ A ] Ich wollte die Muskelmasse aufrecht erhalten und dachte, dass ich, wenn ich die Intensität und die Gewichte der Off Season beibehalten könnte, keine Muskelmasse verlieren würde. Das kann an diesem Punkt jedoch kontraproduktiv sein. Man schläft weniger, da man nicht so viele Kalorien zu sich nimmt, man führt zusätzliches Training und mehr Cardiotraining aus und man ist möglicherweise leicht dehydriert.
All diese Faktoren erhöhen das Verletzungsrisiko, weshalb ein Training bis zum Muskelversagen definitiv genug für die Aufrechterhaltung der Muskelmasse ist und wenn ich es noch einmal tun könnte, dann würde ich wahrscheinlich nicht über das Muskelversagen hinaus gehen.
[ F ] Was sind Deine Gedanken dazu, nachts vor dem zu Bett Gehen zu essen? Würdest Du das tun?
[ A ] Ja, ich habe das immer getan, selbst während der Diät, auch wenn meine Ernährung während dieser Zeit mehr protein- und fettbasiert war. Man wird für acht oder neun Stunden schlafen, weshalb es wichtig ist, hiervor noch etwas zu essen.
Ich bin niemand, der daran glaubt, dass man nach einer bestimmten Uhrzeit abends nichts mehr essen sollte. Ich halte so etwas für dumm. Ich habe vor dem zu Bett Gehen für gewöhnlich Haferflocken mit ein paar Eiklar und einigen Eidottern oder einen Proteinshake zu mir genommen.
[ F ] Es gibt Leute, die der Meinung sind, dass es für den Fettabbau am besten ist, wenn man ab einem gewissen Zeitpunkt – für gewöhnlich 18:00 Uhr abends – die Kohlenhydratzufuhr stark einschränkt oder ganz auf Kohlenhydrate verzichtet.
[ A ] Nein, es ist 5:55 Uhr. Warum 6:00 Uhr? Warum nicht 5:55 oder 6:04 Uhr? Man verbraucht nachts nicht so viel Energie, weshalb ich abends nicht so viele Kohlenhydrate wie während des Frühstücks oder nach dem Training zu mir nehmen würde, aber ich esse auch zu dieser Zeit noch Kohlenhydrate.
Wenn ich mich auf einen Wettkampf vorbereitet habe, dann bestand meine letzte Mahlzeit hauptsächlich aus Protein oder Fett, doch die Mahlzeit davor enthielt ein paar Kohlenhydrate. Ich senkte die Kohlenhydratzufuhr als im Lauf des Tages und nahm während des Abends weniger Kohlenhydrate zu mir, wenn ich versuchte Fett zu verlieren. Wenn ich mich in der Aufbauphase befand, aß ich den ganzen Tag über Kohlenhydrate.
[ F ] Natürlich sind Ernährung und Training die wichtigsten Bodybuilding Aspekte, die man in Betracht ziehen muss. Wenn Dich ein junger aufstrebender Bodybuilder fragen würde, ob er Steroide zu dieser Mischung hinzufügen sollte, was würdest Du ihm sagen?
[ A ] Ich würde mit Nein antworten, weil man am Anfang sowieso wachsen wird, da man noch über ein großes Potential verfügt. Der Körper ist das Training nicht gewöhnt. Man muss lernen, welche Auswirkungen die Ernährung auf den Körper hat und wie man richtig trainiert. Man wird diese Dinge nicht lernen, wenn man etwas nimmt, das die Arbeit für einen verrichtet.
Und wenn man ins Übertraining gelangt, werden Steroide dies maskieren. Man wird so oder so Resultate erzielen und man muss lernen, wie man richtig trainiert und wie man sich richtig ernährt, um das Meiste aus diesen Dingen herauszuholen. Während der ersten Jahre wird man sowieso wachsen. Außerdem scheinen Steroide besser zu wirken, wenn jemand bereits seit längerer Zeit trainiert, was vielleicht damit zusammenhängt, dass man dazu in der Lage ist, eine höhere Intensität zu generieren.
Es kommt zu einem Punkt, an dem es schwer wird, sich zu regenerieren, weshalb ich einem Anfänger definitive keine Steroide empfehlen würde. Ich würde niemandem Steroide empfehlen, doch wenn jemand gerade erst mit dem Training beginnt, können sie verheerende Auswirkungen besitzen. Sie würden demjenigen keinen Gefallen tun.
[ F ] Du würdest also empfehlen, dass man sich auf die fundamentalen Aspekte des Bodybuildings konzentriert, bevor man die Verwendung von Steroiden überhaupt in Betracht zieht?
[ A ] Richtig. Und warum sollte man Steroide verwenden, wenn man sie nicht braucht? Man wird sowieso wachsen. Sie werden nicht so gut bei einem funktionieren. Man würde wahrscheinlich eine Menge Wasser einlagern und an Gewicht zunehmen, doch dieses Gewicht wird nicht viel echte Muskelmasse umfassen.
[ F ] Wir leben in einer Zeit, in der die Leute sofort Fortschritte erzielen möchten und nicht gewillt sind zu warten.
[ A ] Nun, das ist die Zeit, in der wir leben. Alles ist schneller. Handys sind schneller, das Internet ist schneller und jeder will alles jetzt sofort. Doch man muss auf lange Sicht denken. Dies gilt insbesondere für junge Menschen: man sieht eine Menge Teenager, die Steroide verwenden. Einige sehen ein paar Jahre lang gut aus, doch danach sieht man nie mehr wieder etwas von ihnen. Ihre Körper hören einfach damit auf zu reagieren.
[ F ] Und sie verfügen unter Umständen nicht über die richtigen Grundlagen, bevor sie Steroide verwenden.
[ A ] Ja, die Muskulatur wird nicht auf einer soliden Basis aufgebaut.
[ F ] Da Steroide bei der Proteinverwendung helfen und hierdurch zu einem stärkeren Muskelwachstum führen, sind sie für viele, die mit dem Bodybuilding beginnen, eine attraktive Verlockung.
[ A ] Ja, doch man kann dieselben Resultate auch durch Training und die richtige Ernährung erzielen – zumindest für einige Jahre. Der Aufbau mag anfänglich schneller von statten gehen, doch man baut hierdurch keine solide Muskelbasis auf, weshalb man nach dem Absetzen der Steroide das, was man aufgebaut hat, schnell wieder verlieren wird. Es gibt kein grundlegendes Fundament. Und Steroide wirken bei einer bestehenden Muskelbasis besser als bei jemandem, der gerade erst mit dem Training angefangen hat. Das ist es einfach nicht wert.
[ F ] Danke für Deine Offenheit und die Einblicke, die Du uns gewährt hast. Es war wieder einmal ein Vergnügen mit Dir zu sprechen.
[ A ] Danke David, jederzeit.