Einleitung von Mike Mentzer

Es ist beeindruckend, welchen Einfluss Bruce Lee´s Stärke und körperliche Entwicklung auf Athleten, Bodybuilder und Durchschnittspersonen weltweit hatte. Als ich zur Schule ging, hatten meine Freunde und ich sehr oft über den großen Bruce Lee gesprochen. Jeder kannte seine Filme bis ins kleinste Detail und es wurden nicht nur seine Martial Arts Fähigkeiten diskutiert, sondern auch seine unglaubliche Kraft und Definition.

Wie Mr. Little in diesem Bericht schreiben wird, war selbst eine Person wie Joe Weider von Bruce Lee`s muskulärer Entwicklung und Definition beeindruckt. Im speziellen, von des Master´s Bauchmuskeln. Mr. Little wird ebenfalls erklären, welche bemerkenswerte Auswirkung Bruce Lee´s Körperbau auf Top Athleten der heutigen Zeit hat. Koryphäen des Bodybuilding, wie z.B. Lou Ferrigno, Lee Haney, Dorian Yates, Rachel Mclish, Lenda Murray, Flex Wheeler und Shawn Ray haben alle beschrieben welchen enormen Einfluss Bruce Lee´s Körperbau auf ihre eigene Entwicklung hatte. Wieso? Wie kann es sein, dass der Körperbau dieses "mächtigen Winzlings", der so überhaupt nicht dem Ideal des Bodybuildings entspricht, einen so großen Einfluss auf die Größen des Bodybuildings hat? Sein Körper wurde zwar von manchen als die "bestdefinierteste Körperform weltweit" beschrieben, aber ich überlasse die Antwort auf diese Frage dem Autor, John Little. Er wird uns eine treffende und eloquente Antwort geben.

Einige Sektionen des Artikels werden mit Sicherheit die Heerschar von Lee Fanatikern erfreuen, und auch denjenigen Appetit machen, die das erste Mal mit diesem Thema in Berührung kommen. Stichworte wie funktionelle Kraft, unglaubliche Kraft, eine Schlacht in San Francisco, die Verbindung zum Bodybuilding und der Trainingsplan, werden den Leser auf eine Art und Weise fesseln, dass er den Artikel in einem Stück durchlesen wird und ihn wieder und wieder lesen will.

Ich bin seit einigen Jahren extrem beeindruckt, wie viele Bodybuilder zusätzlich hochtalentierte Martial Arts Künstler sind. In der Tat, habe ich über die Jahre hinweg das Training einiger Martial Arts Künstler beaufsichtigt. Viele meiner Telefon- Klienten sind bereits Lee Fans, denn Martial Arts scheint das effizienteste Training für Kraft und Geschwindigkeit zu sein. Und genau das war Bruce Lee´s Ziel. Zusätzlich erhielt ich mehr E-Mails, Briefe und Telefonanrufe von Marital Arts Kämpfern, als von jeder anderen Art von Athleten. Dies ist das Resultat von Lee´s weitbekannter Überzeugung, dass sich mit Gewichttraining viel Kraft und Effizienz entwickeln lässt.

Ich bin überaus Stolz zu verkünden, dass einer meiner besten Freunde (und das seit 22 Jahren) diesen Artikel geschrieben hat. Der Artikel ist ein Ausschnitt von einem der 11 Bücher, die er zum Thema Bruce Lee verfasst hat. Ich traf John Litte das erste Mal im Jahre 1979 in Eaton's Department Store in Toronto, wo Arnold, Franco und ich einen Auftritt für Weider bei der IFBB hatten. Wir verstanden uns von Anfang an gut, da John philosophisch interessiert war und eine Leidenschaft fürs Bodybuilding hatte. Nach diesem ersten Treffen, sahen wir uns in Lou Hollozi's Gym in Toronto im Jahre 1980 wieder. Ich gab damals ein Seminar, und durch dieses erneute Treffen wurde die Freundschaft zwischen uns weiter gefestigt. Später kam John einige Male nach Los Angeles, wo er für gewöhnlich mit mir in meiner Wohnung in West Hollywood wohnte. Der Hauptgrund für seine Reisen nach Kalifornien waren die Objekte über die er Bücher schrieb, wie z.B. Steve Reeves und Lou Ferrigno.

Im Jahre 1992 wurde John dann endgültig von Joe Weider nach L.A geholt, um für die Flex zu schreiben. Dieses Abkommen hielt nur für drei Jahre an, da John viel lieber frei über seine Leidenschaften schrieb, die da wären: Philosophie, Martial Arts und Bruce Lee´s Philosophien. Lee selbst war leidenschaftlich an Philosophie interessiert. In seiner persönlichen Bibliothek stapelten sich die Philosophiebücher vom Boden bis zur Decke. Auf der Suche nach der Wahrheit, studierte er die Philosophien von Krishnamurti, bis hin zum meistverehrten, Ayn Rand.

Das Leben von Bruce Lee war am interessantesten, da er sich von einem hungernden, armen Jungen aus Hong Kong, zum größten Hollywood Filmstar entwickelte. Sein Einfluss auf die Menschen war größer als der von Elvis Presley, James Dean und Marilyn Monroe zusammen.

Ich bin mir sicher, dass der verehrte Leser viel Wissen aus John Little´s Artikel ziehen wird, und zusätzlich eine Inspiration erfahren wird, die dabei hilft das eigene Training mit mehr Inspiration und Motivation durchzuführen.

Darüber hinaus wünsche ich mir, dass ihr John Littles´s brillanten Artikel aus purer Freude lest.

Mike Mentzer preview
________________________________________

"If you're talking about combat - as it is - well then, baby you'd better train every part of your body!" - Bruce Lee (Aus dem Video, Bruce Lee: The Lost Interview)
Übersetzung: Baby, wenn Du von einem echten Kampf sprichst, dann solltest Du jeden Teil deines Körpers trainieren.

Es gibt eine Anekdote, die bereits seit 28 Jahren besteht, bezüglich der Beschaffenheit der Muskulatur die den Martial Arts Pionier/Philosophen, Bruce Lee, schmückte. Es geht hierbei um eine Dame namens Ann Clouse. Sie ist die Frau von Robert Clouse, dem Direktor von Lee´s letztem Film "Enter the Dragon", produziert von Warner Bros. Clouse´s Ehefrau hatte sich auf das Set des Films gewagt und war von Lee´s unglaublichem Körperbau fasziniert, da er gerade die Choreographie der Filmszenen, halbnackt und unter der brennenden Sonne Hong Kongs, durcharbeitete.

Zwischen den "takes" ging Ann auf den jungen Superstar zu und fragte, ob sie seinen Bizeps anfassen dürfe. "Natürlich", antwortete Lee. Dasselbe wurde er bereits in vielen anderen Situationen gefragt. Er spannte also seinen Arm an, und forderte sie auf sich selbst von den Muskeln zu überzeugen. "Oh mein Gott", schrie sie und zog ihren Arm zurück, "Das fühlt sich ja an wie warmer Marmor".

Es ist faszinierend, dass die Leute selbst nach drei Jahrzehnten noch immer über Bruce Lee´s Körper sprechen. Genau genommen, ist das aber keineswegs überraschend. "Der Lee Körperbau", der von keinem geringeren als dem Bodybuilding Magnat Joe Wieder persönlich, als "der definierteste Körper den ich je gesehen habe" beschrieben wurde, hat zu einer Anhängerschaft geführt, die Größen wie Elvis Presley, James Dean und Marilyn Monroe nicht nur Konkurrenz macht, sondern sie weit übertrifft. Und das sogar, wenn man deren Anhängerschaften zusammen rechnet.

Seine Anhängerschaft war größer als die eines jeden Bodybuilders in dieser Zeit. Und das faszinierendste überhaupt, ist, dass fast jeder etwas anderes aus Bruce Lee zieht. Martial Art Künstler verehren seine Geschicklichkeit/Beweglichkeit, Kraft, Geschwindigkeit und die Genialität mit der er die Wissenschaft in die Welt des Martial Arts einbrachte. Kinobesucher sind von seiner Bildschirmpräsenz, seiner animalischen Anziehungskraft, und der Tatsache dass er selbständig ein neues Filmgenre einführte, welches die Türen für Stallone, Schwarzenegger, und Jackie Chan öffnete, beeindruckt. Philosophen sind von Lee´s Fähigkeit, die philosophische Kluft zwischen Ost und West zu schließen und aus jeder Kultur die besten Punkte darzustellen, beeindruckt. Es gibt aber noch eine weitere menschliche Gruppierung, welche in Lee etwas komplett anderes sieht - wenn auch nicht gänzlich ohne Bezug - die Bodybuilder. Bodybuilder, egal ob jung oder alt, wissen schon beim ersten Anblick von Lee´s Körperbau, wieviel Arbeit in dieser Erscheining steckt, und sie sind allesamt sehr beeindruckt.

Paradoxerweise, sind es keine geringeren Koryphäen als Flex Wheeler, Shawn Ray, Rachel McClish, Lou Ferrigno, Lee Haney, Lenda Murray und der ehemalige Mr. Olympia Dorian Yates (und damit die besten im Feld), die über den Einfluss von Lee´s Körperform auf ihre eigene Karriere im Bodybuilding, sprechen. Ich kann Dich fast schon ungläubig fragen hören: "Wie kann das sein?"

Schließlich war Lee nur 5'7" groß und trat mit einem Gewicht zwischen 126 und 145 Pfund an. Was sollte beispielsweise einen Giganten wie Dorian Yates an der Form von Bruce Lee inspirieren? Die Antwort besteht aus nur einem Wort: Qualität.

Eine solch unglaubliche Körperform, sehnig und "ripped" bis auf die Knochen, wie Bruce Lee sie hatte, wurde selten gesehen. Er war "ripped" an Stellen, von denen heutige Bodybuilder (28 Jahre später) erst jetzt lernen, wie man sie überhaupt trainiert. Jeder Muskelgruppe seines Körpers war klar von der Nachbargruppe trennbar, und zwar nicht aus optischen Gründen (Show) wie bei vielen Bodybuildern, sondern aus Gründen der Funktionalität. Laut einem Zitat seines ersten Lehrlings aus den USA, Seattles´s Jesse Glover, hat sich Lee "mehr als alles andere mit der Funktionalität beschäftigt". Es war nicht nur eine Sache von immenser Anmut und Schönheit Lee´s Körper in Aktion zu sehen, es ging dabei auch um die Funktionalität.

Lee hat seinem Körper bemerkenswerte Bewegungen und Reflexe antrainiert. Er konnte beispielsweise 8 Fuß Hoch in die Luft springen, eine Glühbirne auskicken (gezeigt in Lee´s Büroszene des MGM Films "Marlow"), innerhalb von fünf-hundertstel Sekunden einen Faustschlag an einem 5 Fuß entfernen Ziel landen, sowie in die Luft geworfene Reiskörner mit Ess-Stäbchen auffangen. In der Tat, beschreibt Lee in seinem berühmten "Lost interview" seinen Ansatz "die Kunst des Ausdrucks des menschlichen Körpers" zu trainieren.

In der Tat, gab es wahrscheinlich nie zuvor ein menschliches Wesen mit vergleichbarem Zusammenfluss von körperlichen Eigenschaften- Blitzschnelle Reflexe, extreme Flexibilität, wahnsinnige Kraft und die Geschmeidigkeit einer Katze. Alles kombiniert in einem sehr tödlichen Paket.

Desweitern war Lee´s Körperform symmetrisch und aufeinander abgestimmt. Und auch wenn nicht jeder die massive Muskulatur unserer "Olympians" bewundert, so bewundert scheinbar jeder (inklusive der besten Bodybuilder der Welt) das "Gesamtpaket" Bruce Lee.

Die bereits erwähnten Bodybuilding Champions gaben an, dass Bruce Lee großen Einfluss auf ihre eigenen Karrieren im Bodybuilding hatte, was keineswegs eine kleine Errungenschaft ist, wenn man bedenkt dass Lee niemals in seinem Leben einem Wettbewerb beitrat bei dem es um die Körperform ging. Obwohl Lee selbst nie an der Entwicklung einer massiven Muskulatur interessiert war, fühlen sich die härtesten Bodybuilder der Welt durch ihn beeinflusst. Einer von Lee´s besten Freunden, der auch Trainer in Lee´s Jeet Kune Do war, erinnert sich, dass "Bruce hauptsächlich auf Kraft und Geschwindigkeit trainierte". Die Körperform, obwohl sicherlich willkommen, war fast nur ein Nebenprodukt von Lee´s Training.

Laut den Person die ihm Persönlich begegneten, von Hollywood Produzenten bis Martial Arts Kollegen, hatten Lee´s Muskeln einen gewaltigen Einfluss. Taky Kimura, einer von Lee´s besten Freunden (er war sogar der Trauzeuge bei Lee´s Hochzeit im Jahre 1964) erinnert sich, dass Lee nie wirklich abgeneigt war sein Shirt im Gym auszuziehen, um das Resultat seines Trainings zu präsentieren. Oft, wollte er nur die Reaktionen, der ihn umgebenden Leute, sehen. Kimura erinnert sich: "Er hatte den extremsten Lat, den ich je gesehen habe und sein größer Scherz war es so zu tun, als wäre sein Daumen ein Schlauch, den er zum Aufblasen seines Lats verwendete. Er sah aus wie eine Cobra wenn der das tat."

Lee´s Körperbau hält jeder Prüfung stand und hat bis heute überlebt, da er besaß was viele Menschen als den perfekten Körper ansehen: rasiermesserscharfe Kanten, wahnsinnige Muskularität, eine tolle Form, sowie eine nahezu Zwiebelhaut-Dünne Definition. Die Muskeln, die in Bündeln und Wellen seine Körperform bestimmten, waren dick, dicht, kantig, gut von der Nachbarmuskulatur abgrenzbar, und zusätzlich funktionell.

Funktionelle Kraft

Dan Inosanto, ein weiterer guter Freund von Lee und ebenfalls Trainer von Lee´s Kampfsport fügt hinzu, dass Lee nur an Kraft interessiert war, die schnell freigesetzt werden kann (Explosivkraft). (Anmerkung des Übersetzers: Im Originaltext wird zwischen "Strength" und "Power" unterschieden. Strength wird in der Regel als kontinuierliche Freisetzung von Energie angesehen. Power hingegen, hat eine zeitliche Komponente und bezieht sich auf die maximale Energiefreisetzung in einem Zeitintervall. Strength ist daher mit Kraft übersetzt, Power mit Explosivkraft). "Ich erinnere mich, als Bruce und ich am Strand von Santa Monica spazieren gingen, dort wo früher das Gym 'Dungeon' war", erinnert sich Inosanto, "als urplötzlich dieser riesige Bodybuilder aus dem Dungeon rauskam, und ich sagte zu Bruce er soll sich mal diesen Kerl anschauen. Ich werde aber nie seine Reaktion vergessen, denn er sagte: 'Ja, der Kerl ist muskulös, aber ist er auch leistungsfähig? Kann er seine Muskeln effizient einsetzen?'" Laut Lee, war Explosivkraft die Fähigkeit einer Person, seine im Gym aufgebaute Kraft schnell und effizient einzusetzen. In anderen Worten, Explosivkraft ist ein Maß dafür, wie schnell und effektiv man seine Kraft in einer "realen" Situation abrufen und koordinieren kann. Nimmt man dieses Kriterium als Basis, so war Lee mit seinem Körpergewicht, laut den Personen die mit ihm Martial Arts trainierten (z.B. Chuck Norris), einer der stärksten Männer der Welt.

Unglaubliche Kräfte

Lee´s kräftemäßige Heldentaten sind legendär. Sie reichen von einhändigen Liegestütze, oder solchen auf den Daumen, bis hin zum horizontalen Heben einer 125 Pfund schweren Hantel, mit durchgestreckten Armen, vor seinem Körper für einige Sekunden. Er konnte auch Personen, die über 100 Pfund schwerer waren als er selbst, durch die Luft befördern, sodass diese erst 15 Fuß entfernt wieder auf dem Boden landeten. Und das mit nur einem einzigen, ein Inch entfernten, Schlag.

Mit einem Körpergewicht von nur 135 Pfund ist das absolute beängstigend. Ganz zu schweigen von einigen weiteren kleinen Angewohnheiten, wie beispielsweise das Durchdringen einer vollen Coladose mit seinen Fingern, oder das Befördern von 300 Pfund schweren Säcken an die Decke, und zwar mit einem einzigen Side-Kick.

Krafttraining war Lee´s primäres Ziel bei Widerstandsübungen. Später, wie wir bald sehen werden, entwickelte sich sein Training hin zu spezielleren Anwendungen, die mehr Vorteile für seine spezifischen Ziele als Martial Arts Künstler brachten. Aber bevor wir das besprechen, schauen wir uns an wie Lee zum Bodybuilding kam.

Ideale und Möglichkeiten

Für einige Jahre, studierte er umfassend die Trainingsphysiologie und Anatomie. Lee weigerte sich, die Tradition nur um der Traditions Willen zu akzeptieren. Diese Haltung ließ ihn zunehmend unbeliebter beim Großteil seiner Martial Arts Kollegen werden, welche in der traditionellen Martial Arts Kunst ausgebildet wurden, und nun dabei waren dieses Wissen, ohne etwas zu hinterfragen, an die neue Generation weiterzugeben. Lee´s Grundlagen in Physiologie und Kinesiologie, gaben ihm die Fähigkeit eine Nützliche von einer nutzlosen Übung zu unterscheiden, wodurch er eine Behinderung seines Trainings durch Zeitverschwendung verhindern konnte. Lee glaubte, dass der Student der Übungsphysiologie kein geringeres Ziel haben sollte, als die körperliche Perfektion mit allem was dazugehört: Er sollte große Kraft, Geschwindigkeit, Koordinationsfähigkeit, überschäumende Gesundheit, und die schönen muskuläre Formen welche einen körperlich perfekten Menschen abgrenzen, anstreben. Für Lee lag das ganze Geheimnis des Erfolges im Bodybuilding im Prinzip des progressiven Widerstandes, wobei er sich bewusst war, dass noch ein weiteres Wort einen Platz im Vokabular der Körperkultur verdient hat: Die Ausdauer (Im Sinne von Hartnäckigkeit).

Mit Sicherheit hätte es Bruce Lee nicht in dieser Form gegeben, wenn er nicht so ausdauernd in seinem Bestreben gewesen wäre, seinen Körper vollständig zu erforschen und das volle Potenzial aus seinem Körper herauszuholen. Ein Körper, der nicht nur auf dem Bildschirm phänomenal anzusehen war, sondern ein Körper dessen Muskeln auf Funktionalität ausgelegt waren. Angesichts der physiologischen Tatsache, dass ein starker Muskel auch ein größerer Muskel ist, war es nur natürlich dass Lee rechtzeitig die übergeordneten gesundheitsfördernden Nutzen des Bodybuildings zu schätzen lernte. Aber ich bin hier wohl etwas vorschnell mit meinen Aussagen.

Untersuchen wir nun die Situation, die Lee dazu brachte das Bodybuilding schätzen zu lernen. Anschließend werden wir uns darauf fokussieren welchen Trainingsplan er verwendete um Muskeln aufzubauen, die ihm mit einer so gewaltigen Effizient dienten. Obwohl Lee sich dem generellen Nutzen eines progressiven Bodybuilding Trainingsprogrammes bewusst war, benötigte es eine brutale Begegnung, um ihn vollständig die Vorzüge eines geregelten und engagierten Bodybuilding Trainings, erkennen zu lassen.

Eine Schlacht in San Francisco

Eines Abends, als ich gerade dabei war Vorbereitungen für zu treffen um eine Gruppe ausgewählter Schüler in seiner Schule in San Francisco Kwoon (Kung Fu School) zu unterrichten, öffnete sich plötzlich die Türe und eine Gruppe Chinesischer Martial Arts Künstler trat ein. Angeführt von einem Kämpfer der als der beste unter ihnen angesehen wurde, und auch der Anführer der Truppe war.

Laut Lee´s Ehefrau Linda, die sowohl vor Ort, als auch im achten Monat mit Brandon schwanger war, hatte Lee bereits zuvor eine Papierrolle erhalten, auf der in Chinesischer Schrift ein Ultimatum geschrieben stand: Unterlasse umgehend, Nicht-Chinesische Schüler in Gung Fu auszubilden (Cantonesische Aussprache für Kung Fu), andernfalls sei auf einen Kampf mit San Franciscos bestem Kung Fu Kämpfer vorbereitet. Der Tag der Abrechnung war gekommen!

Lee gab die Papierrolle verächtlich an ihren Anführer zurück. "Ich werde selbst bestimmen, wen ich ausbilde", sagte er ganz ruhig. "Die Hautfarbe interessiert mich nicht." Auch wenn Lee´s antirassistische Ansichten heutzutage in San Francisco begrüßt werden, so waren sie Mitte der 60er Jahre in Chinatown gleichbedeutend mit Hochverrat. Zumindest innerhalb der Chinisischen Gemeinschaft. In der Tat, wurde das Lehren von Kampfstrategien/Geheimnissen an nicht-chinesische Rassen als die höchste Form des Verrats angesehen.
Durch seine Worte und sein Benehmen forderte er den vermeintlichen Gegner heraus. Auch wenn er viele Tugenden hatte, so war es unter seinen Freunden, seiner Familie und seinen Schülern bekannt, dass er keine Geduld mit Dummköpfen und deren Ignoranz hatte.

Umgehend brach ein Kampf aus, und innerhalb einiger Sekunden sah man den ehemals wagemutigen und selbsternannten Kung Fu "Experten" zum nächstbesten Ausgang rennen. Letztendlich warf Lee seinen Gegner mit viel Beinarbeit zu Boden, und zwang ihn sich zu ergeben. In seiner Wut, warf Lee die gesamte Truppe aus dem Gebäude. Zu seinem Entsetzen wurde Lee bewusst, dass er sehr viel Energie für die Auseinandersetzung brauchte. Vor allem wenn man bedenkt, dass der Kampf gerade drei Minuten gedauert hat. "Er war überrascht und enttäuscht von seiner körperlichen Kondition", erinnerte sich Linda. "Er war der Meinung, dass der Kampf viel zu lange gedauert hatte, und gab seiner vermeintlich fehlenden Kondition die Schuld dafür." Er fühle sich übermäßig außer Atem.

Es war dieser Kampf, der Lee genügend Gründe lieferte, um sorgfältig nach alternativen Methoden zu besserer Kondition, zu suchen. Was war seine Schlussfolgerung? Falls er je der vollkommene Marital Arts Künstler werden wollte wie er es sich vorstellte, so war es notwendig beträchtlich mehr Kraft zu entwickeln, sowohl in seinen Muskeln, als auch in seinem kardiovaskulären System.

Die Bodybuilding Connection

Da Lee bewusst war, dass Muskelmagazine die einzig existierende Quelle für aktuelle Informationen zu Gesundheits- und Kraftfragen darstellten, abonnierte er alle Veröffentlichungen zum Thema Bodybuilding die er finden konnte. Er buchte Bodybuilding Kurse aus diesen Magazinen, und überprüfte dadurch deren Versprechen und Theorien. Er machte eine Gewohnheit daraus second-hand Bücherläden aufzusuchen, und Bücher rund ums Thema Bodybuilding und Krafttraining zu kaufen, inklusive einem Buch von Eugen Sandow mit dem Namen "Strength & How to Obtain It" (Übersetzung: Kraft, und wie man sie erlangt), welches im Jahre 1897 veröffentlicht wurde. Lee´s Durst nach Wissen im Bereich Bodybuilding wurde so stark, dass er jede verfügbare Literatur kaufte, egal ob druckfrisch oder Klassiker. Kein Preis war zu hoch für Fachwissen, insbesondere wenn das Wissen dahinter die Entstehung von Körperkraft, Explosivkraft und körperlicher Effizienz förderte.

Von diesem Zeitpunkt an, bis hin zu seinem Tod im Juli 1973 (Ursache: Hirnödem), verfügte Bruce Lee über eine riesige Büchersammlung, welche Bücher über Philosophie, Martial Arts, viele Bänder zum Thema körperliche Fitness, Bodybuilding, Physiologie und Gewichtheben umfasste. Lee unterstrich bestimmte, für ihn besonders bedeutsame, Textabschnitte und machte sich Notizen dazu wie diese Informationen auf Martial Arts angewendet werden können. "Bruce kam des öfteren mit einem Stapel Bodybuildingartikel unterm Arm in seine Schule in L.A´s Chinatown", erinnert sich Inosanto. Er sagte: "Schaut euch das an, die Bodybuilder sagen alle sie würde das machen um mehr Kraft aufzubauen. Es ist der gemeinsame Nenner in all ihren Schriften." Im Grunde, suchte er nach Beständigkeit wie dieser, um unnütze Informationen auszusortieren.

Das Trainingsprogramm

Nach all diesen Nachforschungen, und mit Hilfe von zwei Bodybuildern die gleichzeitig gute Freunde und Schüler in San Francisco waren, hatte Lee sich ein Trainingsprogramm ausgedacht, welches er drei Mal pro Woche ausführte und somit seine Bedürfnisse nach Stärkung und Bodybuilding befriedigte. Laut einem dieser Männer, Allen Joe, "führten James Lee und ich, Bruce Lee in die Grundlagen des Gewichttrainings ein. Wir trainierten Grundübungen wie Kniebeugen, Überzüge und Curls, jeweils ca. drei Sätze." Dieses Trainingsprogramm diente Lee vom Jahre 1965 bis 1970, und erfüllte geradezu hervorragend Lee´s Philosopie: Maximaler Effekt eines Trainings, bei minimalem Aufwand.

Wenn man jeden zweiten Tag trainiert, dann gibt man dem Körper ausreichend Zeit für die Regeneration. Dieser Faktor wird des Öfteren ignoriert. Lee legte seine Bodybuilding Workouts so, dass sie auf Tage fielen an denen kein Ausdauertraining oder Martial Arts Training stattfand. Das Programm bewirkte wahre Wunder: Lee´s Körpergewicht stieg von anfänglichen 130 Pfund auf knapp über 165 Pfund an!

Laut Glover, war Lee nicht besonders erfreut über die zusätzliche Masse: "Ich stellte fest, dass er durch das Gewichttraining muskulöser wurde. Es gab eine Zeit, in der er sich bis auf 165 Pfund hochgearbeitet hatte. Ich glaube aber es hat ihn langsamer gemacht, da es für Bruce wirklich schwer war. Er schaute aus wie ein Bodybuilder. Später sah ich ihn dann wieder, und da war alles wieder verschwunden. Ich denke, Bruce war an Funktionalität interessiert, und wenn irgendetwas im Weg war, dann musste es weg. Bruce wollte durch sein Gewichttraining das Marital Arts Training vervollständigen. Bodybuilder sind nur daran interessiert größere Muskeln zu entwickeln. Besonders die großen Muskelgruppen sind hierbei interessant. Dem Bindegewebe, Bändern und Sehnen, bzw. deren Festigkeit, wird wenig Beachtung geschenkt. Bruce´s Philosophie war eher "Bauen wir die Verbindungen auf, dann brauchen wir uns nicht so sehr um die Größe des Muskels sorgen." Ich sage es nochmals: Bruce ging es um Funktionalität!

Wegen der Ausrichtung von Bruce´s Training auf Funktionalität, beinhaltete sein Trainingsprogramm alle drei Grundsätze der körperlichen Fitness: Dehnung für Beweglichkeit, Gewichttraining für Kraft, und kardiovaskuläre Aktivität für das respiratorische System. Im Prinzip der ursprüngliche Cross-Fiter.

Die Aufschlüsselung des Plans:


  1. Clean & Press: Lee began seine Bewegung mit einem schulterweiten Griff an einer olympischen Stange. Er ging vor dem Gewicht in die Hocke, und hob die Stange dann durch schnelles Reißen mit seinen Armen, und einer Beschleunigungsbewegung mit seinen Beinen, auf seine Brust. Nach einer kurzen Pause, hob Lee die Stange über seinen Kopf, pausierte kurz, und senkte die Stange wieder auf seine Brust ab. Nach einer weiteren kurzen Pause ließ er die Stange wieder auf den Boden ab (Ausgangsposition). Ohne jede Pause startete Lee seine zweite Wiederholung. Dies wiederholte er, bis er acht Wiederholungen absolviert hatte. Nach einer kurzen Erholungsphase (um sowohl von der kardio-respiratorischen, als auch kraftaufbauenden Effekten zu profitieren), absolvierte Lee einen zweiten, und damit letzten Satz.


  2. Kniebeugen: Diese Grundübung des Bodybuildings war der Eckpfeiler von Bruce Lee´s Langhanteltraining. Er hatte Duzende von Artikeln zur Mechanik und den Nutzen von Kniebeugen, und er praktizierte diese Übung in verschiedenen Variationen. In seinem Trainingsplan trainierte er jedoch ganz normale Kniebeugen. Er platzierte die Stange über seinen Schultern, und nahm einen in etwa schulterweiten Stand ein. Er stellte einen festen Stand sicher und ließ sich anschließend langsam in eine volle Kniebeugeposition ab. Ohne jegliche Pause in der untersten Position, beförderte er sich mit Hilfe seiner Hüfte, Glutei, Hamstrings, Waden und Quads zurück in die Ausgangsposition. Daraufhin begann er mit der zweiten Wiederholung. Lee führte im Normalfall 12 dieser Wiederholungen aus. Nach einer kurzen Verschnaufpause packte er die Stange wieder auf seine Schultern, und absolvierte erneut 12 Wiederholungen.


  3. Pullovers: Obwohl es keine direkten körperlichen Hinweise dafür gibt, dass Bruce Lee an seine Kniebeugen noch Supersätze mit Überzügen anhängte, gibt es einige Gründe dies dennoch anzunehmen. Wenn auch nur aus der Tatsache heraus, dass diese Methode in den Artikeln die er las vorgeschlagen wurde. Kniebeugen wurden als großartige Übung für den gesamten Körper angesehen, wohingegen Überzüge als "Brustkorberweiternde Übung", oder "Atemübung" betrachtet wurden. Infolgedessen, war es in den 60er und 70er Jahren Mode, Überzüge als "Abschlussübung" nach Kniebeugen durchzuführen. Lee absolvierte diese Übung auf die klassische Art und Weise: Er legte sich mit dem Rücken auf eine flache Bank, nahm eine Hantel in etwa schulterbreit, und hielt seine Arme gestreckt über seiner Brust. Anschließend senkte der die Hantel mit leicht angewinkelten Ellbogen ab, und überstreckte seinen Körper bis der Kopf leicht den Boden berührte und sein Lat angenehm gedehnt wurde. Aus dieser vollen Streckposition heraus, kehrte er seine Bewegung durch die Kontraktion seiner Lats, den Brustmuskeln und dem Trizeps, um. Diese Übung wiederholte er acht Mal, und trainierte zwei Sätze.


  4. Bankdrücken: Lee schaffte, es eine unglaubliche Brustmuskulatur zu entwickeln. Seine oberen Pectorali waren besonders beeindruckend, und unterteilten sich in Tausende Faserzüge. Laut seinen eigenen Berichten zu seinem Training, war das gute alte Bankdrücken die einzige Hantelübung die er ausführte um seine Brust zu entwickeln. Für die Übung legte er sich wieder mit dem Rücken auch eine flache Bank, und nahm einen schulterweiten Griff ein. Aus dieser "locked out" Position, begann Lee die Hantelstange langsam zu senken, atmete dabei aus, und drückte die Hantelstange anschließend wieder zurück in die Ausgangsposition. Er absolvierte sechs Wiederholungen, legte eine kurze Verschnaufpause ein und machte weitere sechs Wiederholungen.


  5. Good Mornings: Vorsicht bei dieser Übung. Lee trainierte diese Übung um seinen unteren Rücken zu kräftigen. An einem Tag, Anfang der 70er Jahre, belud er die Stange mit 135 Pfund (seinem damaligen Körpergewicht) und absolvierte acht Wiederholungen, ohne sich vorher aufzuwärmen. Während seiner letzten Wiederholung spürte er ein "Knacken". Später stellte sich heraus, dass er seinen vierten Sakralnerv im unteren Rücken beschädigt hatte. Das Resultat davon war, dass Lee für den Rest seines Lebens unbeschreibliche Rückenschmerzen ertragen musste. Es soll nicht heißen, dass diese Übung keinen Wert hat, man sollte aber sicherstellen dass man sich angemessen aufwärmt. Lee lud sich eine Hantelstange auf die Schulter, nahm einen in etwa drei inches breiten Stand ein und beugte sich über seine Hüfte nach vorne über. Er beugte sich über, bis eine 90 Grad Position erreicht war, und ging dann zurück in die aufrechte Haltung. Die Hände blieben die ganze Zeit an der Hantelstange. Später vertraute Lee Dan Inosanto folgendes an: "Du brauchst wirklich nur die leere Hantelstange auf deiner Schulter, Dan. Es ist mehr eine Lockerungsübung." Lee absolvierte zwei dieser Sätze, mit jeweils acht Wiederholungen.


  6. Langhantel Curls: Bruce Lee trainierte Langhantel Curls nicht nur in seinem Garagen Gym in Bel Air, sondern auch im Büro seines Studios. Sie waren fester Bestandteil seines Gewichttrainings, und waren für die Entwicklung eines sehr beeindruckenden Bizepspaares verantwortlich. Nicht zu vergessen, die wahnsinnige Zugkraft die er dadurch entwickeln konnte, und die er in jeder seiner Sparring Einheiten anwendete. Um diese Übung korrekt auszuführen nahm Lee einen bequemen schulterweiten Griff ein, wobei die Handinnenflächen zum Gesicht zeigten. Zur Stabilisierung ging er leicht in die Knie, um dann die Hantel bis auf Brusthöhe anzuheben. In dieser vollen Kontraktion pausierte er kurz. Anschließend, senkte er die Hantelstange wieder langsam ab. Sein Training bestand aus zwei Sätzen mit jeweils acht Wiederholungen.



Training abseits des normalen Plans:

Laut Inosanto, trainierte Lee nicht einfach nur die oben aufgelisteten Übungen. Er baute das Gewichttraining auch in seine Martial Arts Workouts ein. "Bruce führte sein Schattenboxen immer mit kleinen Gewichten in seinen Händen durch. Er absolvierte ein Programm, bei dem er 12 Schlagserien durchführte, wobei jede Serie aus 100 Einzelschlägen bestand. Er nutzte dabei ein Pyramidensystem von 1,2,3,5,7 und 10 Pfund Gewichten, welches anschließend umgekehrt angewendet wurde 10, 7, 5, 3, 2, 1 und letztendlich "Null" Gewicht. Ich war mal bei diesem Training dabei – Mann, das brannte in den Armen."

Damit war aber noch nicht genug. Wenn Lee nicht Martial Arts mit Gewichten trainierte, oder sein Ganzkörperkrafttraining absolvierte, dann konnte man ihn beim curlen einer Langhantel im Büro seines Hauses finden. "Er arbeitete ständig mit dieser Langhantel", sagt Linda, wenn sie sich an die Trainingsgewohnheiten ihres Ehemanns zurückerinnert. "Bruce hatte die einzigartige Fähigkeit, mehrere Dinge gleichzeitig machen zu können. Es war keine Seltenheit ihn zu sehen, wie er einen Boxkampf im Fernsehen verfolgte und parallel dazu im Spagat war, ein Buch las und mit einer Hantel trainierte."

Unbeschreibliche Bauchmuskeln

Bruce´s beeindruckendstes Körperteil waren seine Bauchmuskeln. Er trainierte sie jeden Tag. "Bruce war immer der Meinung, dass man ohne gut entwickelte Bauchmuskulatur nichts beim Sparring verloren hat", erinnert sich Wong. "Er war geradezu fanatisch, wenn es um Bauchmuskeltraining ging", fügt Lina hinzu. "Er trainierte Sit-Ups, Crunches, Roman Chair Movements, Beinheben, und V-Ups". Chuck Norris gab an sich zu erinnern, wie er bei einem Besuch bei der Familie Lee folgendes Bild antraf: Lee lag auf dem Boden, seinen Sohn Brandon auf dem Bauch, während er parallel fliegendes Hanteltraining für seine Brust trainierte. Obendrein schaute er auch noch fern.

Unterarme aus Stahl

Um seine Griffkraft und Schlagstärke zu verbessern, entwickelte sich Lee zu einem begeisterten Anhänger von Unterarmtraining. Obwohl viele Bodybuilding Champions vor einem reinen Unterarmtraining zurückschrecken, führte Lee dieses Training gezielt jeden Tag durch. "Er war eine Unterarm Fanatiker", lacht Linda im Nachhinein. "Falls jemals ein Bodybuilder, wie z.B. Bill Pearl, einen Kurs über Unterarme anbietet, dann muss Bruce ihn buchen." Bruce beauftragte sogar einen alten Freund aus San Francisco, George Lee (keine Verwandtschaftsbeziehung), ihm einige "Griff-Maschinen" zu bauen. Lee konnte diese mit Gewicht beladen, um den Widerstand zu erhöhen. "Er schickte mir seine ganzen Ideen zu diesem Trainingsequipment", erinnert sich George Lee. "Und ich habe dieses Equipment dann, entsprechend seinem Auftrag, gebaut. Dumm war das ganze aber nicht", sagt er und lacht. "Mir war klar, dass dieses Equipment effektiv ist, wenn selbst Lee es nutzt. Also baute ich immer gleich zwei Maschinen, eine schickte ich an ihn, die andere war für mich selbst zu Hause."

Allen Joe erinnert sich, dass Lee eine bevorzugte Hantelübung für seine Unterarme immer und immer wieder ausführte: "Bruce arbeitete immer an seinen Unterarmen. Er nahm also das Gewicht in seine Hände, ging zur Kante seines Sofas, und begann mit Curls während er parallel dazu Fern sah. Anschließend, führte er sein Bauchtraining, um dann das Training seiner Unterarme fortzusetzen. Seine bevorzugte Curl-Übung war der sogenannte Zottman Curl. Bei dieser Art des Curls wird das Gewicht mit einer Körperhälfte angehoben, gedreht, und auf der entgegengesetzten Körperhälfte wieder abgelassen. Das hat er die ganze Zeit trainiert."

Wissen ist Macht

In den vergangen Jahren hatte ich hart gearbeitet, und Bruce´s Trainingsprogramme, sowie Notizen und Kommentare zum Thema "körperliches Training" für seine Buchreihe, zusammengetragen (und damit meine ich ALLE). Die Notizen und Kommentare hatten sich, genau wie Bruce´s Trainigsmethoden, ständig weiterentwickelt. Das Trainingsmaterial wurde schließlich im Buch The Art of Expressing The Human Body, Tuttle Publishing, veröffentlicht. Beim Durchschauen seiner Materialien war ich erstaunt, wie vollständig sein Wissen zum Thema Training tatsächlich war. Lee hatte mehr als 140 Bücher über Bodybuilding, Gewichttraining, Physiologie und Kinesiologie, im Laufe seiner Lebenszeit gesammelt. Zusätzlich, besaß er noch mehr als 2000 Bücher über Philosophie und Martial Arts. Lee war der Meinung, man könne niemals "zu viel" über ein Thema wissen, welches der eigenen Gesundheit Nutzen bringt. Er verbrachte sein komplettes Leben damit, sich so viel Wissen als irgendwie möglich, zum Thema Fitness und Gesundheit, anzueignen.

Obwohl Lee nicht länger unter uns weilt, lebt er in seinen Lehren weiter. Dies trifft in jedem Fall für den Bereich der Trainingswissenschaften zu. Lee verkörperte athletische Ideale, wie z.B. Fleiß, harte Arbeit, unter allen Widrigkeiten standhaft bleiben, das Ablehnen sich selbst oder sein persönliches Potenzial zu betrügen. "Das größte Verbrechen eines Mannes, ist, wenn er seine Ziele im Leben zu niedrig steckt.", sagte er einst zu Tae Kwon Do Meister, Jhoon Rhee. "Der Weg ist das Ziel im Leben."

Der römische Philosoph Seneca sagte einst: "Das Leben ist lang, wenn man es zu gebrauchen versteht." Falls das stimmt, dann war Bruce´s Leben ausreichend lang um erfüllend gewesen zu sein. Wenn man bedenkt was er erreicht hat, bzw. welchen nachhaltigen Einfluss er als Vorbild auf die Menschen hat, dann könnte man sein Leben als eines der bedeutsameren Leben des zwanzigsten Jahrhunderts betrachten. Es war Lee´s Selbstverpflichtung zu Spitzenleistungen, sowie seine strikten Trainingsprinzipien, die eine der besten Körperformen der modernen Geschichte hervorbrachten.