Im ersten Teil dieses Artikels haben wir den Höhepunkt der Skelettmuskelhypertrophie in unserer evolutionären Vergangenheit betrachtet: den Neandertaler. Im vorliegenden zweiten Teil werden wir einen Blick auf uns selbst, den Homo Sapiens werfen und versuchen einige bedeutungsvolle Einblicke in die Evolution, das Gehirn, die Muskeln, das Fett und Krankheiten herauszuarbeiten.

Evolutionärer Antrieb

Beginnen wir mit einer Cliff Notes Version der menschlichen Evolution. Während unser Familienstammbaum weit davon entfernt ist, kristallklar zu sein, gibt es Tonnen von Fossilien, die Millionen von Jahre zurück reichen. Diese Fossilien, übersäht mit Überbleibseln aus unserer Vergangenheit, geben uns eine sehr gute Idee davon, wo wir herkommen.

Für diejenigen, die von den Lehren der Evolution nicht wirklich begeistert sind, werden wir eine Konzession machen. Wie die kleinen Beweisstücke, die clevere Spurensicherer verwenden, um Ereignisse aus der Vergangenheit zu rekonstruieren, geben Fossilien Hinweise – und keine schlüssigen Beweise – auf unsere eigene menschliche Vergangenheit.

Es gibt also Raum für Interpretationen. Und ja, das ist wahrscheinlich der Grund dafür, dass einige Menschen, deren einzige anthropologische Ausbildung aus dem Betrachten des Discovery Channel Höhlenmenschen Specials besteht, das Gefühl haben, dass sie mehr als jeder Archäologe mit Jahren der Ausbildung wissen. Im Endeffekt basiert jedoch das, was wir hier über unsere evolutionäre Vergangenheit präsentieren, streng auf der Wissenschaft. Darüber hinaus sind die vorherrschenden Theorien im Bereich der Archäologie das beste Arbeitsmodell, welches alle Hinweise, die man bis heute gefunden hat, erklärt, was bedeutsam ist.

Sprechen wir also basierend auf diesem Verständnis über das, was uns die fossilen Aufzeichnungen über uns erzählen. Zuerst einmal gibt es im Augenblick nur eine einzige menschliche Spezies (auch wenn man glauben könnte, dass bestimmte Menschen eine Unterspezies des Menschen darstellen – ein typisches Beispiel hierfür ist der haarige Idiot im Umkleideraum, der darauf besteht, sein Bein auf das Waschbecken zu legen und seine unteren Regionen trocken zu föhnen). Diese einzige Spezies – unsere Spezies – hat sich aus einem Hauptgrund durchgesetzt. Überraschenderweise hatte dieser Grund nur wenig mit dem menschlichen Genom zu tun.

Stattdessen ist die moderne menschliche Population aufgrund unserer Kultur groß und federführend. Wir sprechen hier nicht von Kultur im Sinne von Teepartys oder im Sinne von Reality Shows. Wir sprechen vielmehr über erlerntes Verhalten, Traditionen und Ideologien, die von unseren Vorfahren entwickelt wurden – alles Dinge, die Mitglieder einer Gesellschaft formen müssen, um erfolgreich zu sein – sowohl im konventionellen als auch im evolutionären Sinn des Wortes.

Man sollte also, wenn man das nächste Mal über die Evolution nachdenkt, im Hinterkopf behalten, dass unser Verhalten und nicht unsere Physiologie das Überleben des modernen Menschen sichergestellt hat. Natürlich hatte auch unsere Physiologie etwas damit zu tun, doch in den meisten Fällen definiert unsere Physiologie nur die oberen und unteren Grenzen unseres Überlebenspotentials.

Zwischen diesen Grenzen ist die Kultur das, was die darwinschen Nullen von den darwinschen Helden trennt.

Bist Du das, Mama?

Nachdem dies gesagt wurde, ist es wichtig einen Schritt zurück zu gehen und zu betrachten, wo wir herkommen. Um dies zu tun, werfen wir einen Blick auf unsere nächsten lebenden Verwandten – unseren Cousin, den Schimpansen. Nun, genauso wie unsere Cousine Betty nicht unsere Mutter sein kann (zumindest in den meisten Staaten), sind Schimpansen nicht unsere Vorfahren.

Mit anderen Worten ausgedrückt, haben wir uns nicht aus den Schimpansen entwickelt. Wir besitzen jedoch einen gemeinsamen Vorfahren und interessanterweise haben sich Schimpansen genauso lange wie wir weiterentwickelt. Vor etwa 6 Millionen Jahren haben sich der Ast, aus dem sich schließlich der Homo Sapiens entwickelt hat und der Ast, aus dem sich die Schimpansen entwickelt haben, von einer anderen Spezies abgespaltet.

Seit dieser Abspaltung war unsere Evolution anders als beim Affenzweig alles andere als gradlinig. Es gab mehrere Verästelungen in unserem Familienstammbaum, von denen sich einige zu toten Enden entwickelten, während sich andere möglicherweise kreuzten, um den modernen Menschen hervorzubringen. Die Abbildung unten zeigt eine vereinfachte Form unseres evolutionären Stammbaums. Um das Ganze übersichtlicher und einfacher zu machen, sind viele Verzweigungen nicht in dieser Abbildung enthalten. preview
Neanderthal
Abbildung 1: Der evolutionäre Stammbaum des Menschen

Steh gerade!

Der definierende Moment, der Menschen von Affen trennte, war der Zeitpunkt, an dem sich unsere Fortbewegung von vierbeinig auf zweibeinig veränderte. Dies war ein allmählicher Prozess, der im Lauf von vielen Jahrtausenden und nicht über Nacht ablief. Es war nicht das große Gehirn oder die Intelligenz, die unserer evolutionären Bahn ein Schub gab, sondern unsere Fortbewegung.

Vor etwa 6 Millionen Jahren begann die Welt zu einem sehr viel trockeneren und kälteren Ort zu werden und die weitläufigen Wälder, die den gesamten afrikanischen Kontinent einmal dominiert hatten, wurden schrittweise durch offene Savannen verdrängt. Unsere Vorfahren waren diejenigen, die dadurch überlebten, dass sie aus den Bäumen kamen und in den Savannen umherzogen.

Erst nachdem sich unser aufrechter Gang entwickelt hatte, begann unser Gehirn zu wachsen. Das Gehirn des ersten aufrecht gehenden Hominiden hatte dieselbe Größe wie das Gehirn eines Schimpansen und das Gehirn wuchs für etwa eine Million Jahre nicht. Schließlich begann das Gehirn damit, mit unserem menschenähnlichen Körper gleichzuziehen und mit einer zunehmenden Größe des Gehirns kamen Fortschritte im Bereich der Technologie (erst Steinwerkzeuge und später Waffen).

Dieses große Gehirn ermöglichte außerdem die mentale Flexibilität, die notwendig war, um das raue Leben in der Savanne zu überleben und mit einigen großen pleistozänen Räubern mitzuhalten. Wenn man denkt, dass das Leben in der Serengeti heute rau ist, dann sollte man sich diese Landschaft einmal mit Säbelzahntigern und Leoparden auf Steroiden vorstellen.

Unsere Vorfahren waren jedoch in keinerlei Hinsicht böse Raubtiere. Mit einer aufrecht stehenden Größe zwischen 130 und 150 Zentimetern, waren sie den großen Jungs der Savanne nicht gewachsen. Bevor wir die Technologie und die Fähigkeiten entwickelt hatten, die uns zu Jägern machten, verbrachten wir Millionen von Jahren als Aasfresser.

Anstatt zu jagen wurden wir gejagt und viele unserer unglücklichen Vorfahren starben zwischen den Kiefern großer afrikanischer Raubtiere. Woher wissen wir dies? Man hat Schädel von Homoniden mit Bissspuren gefunden, die dem Gebiss ausgestorbener Leoparden entsprachen. Wir waren Leopardenfutter – kein nettes Bild!

Trotzdem bekamen einige unserer Vorfahren ihre Rache und lernten schließlich, wie man die Beute von Leoparden ausnutzen konnte, indem man auf die Bäume kletterte, auf denen Leoparden ihre Beute versteckten und sich mit den Überresten davon machte.

Es war während dieser Zeit des Diebstahls von Leopardenbeute, zu der frühe Homoniden damit begannen, eine fleischhaltigere Ernährungsweise zu entwickeln. Diese Ernährung war offensichtlich reicher an Protein und Fett als die ihrer Früchte fressenden Primaten Cousins. Es ist kein Zufall, dass der zunehmende Verzehr von Fleisch mit der dem Gehirnwachstum in unserer evolutionären Vergangenheit einherging.

Verwende Deinen Kopf

Als unser Gehirn schließlich wuchs, erlaubte dieses größere Gehirn die Entwicklung und Verbesserung von Strategien und Technologien, die notwendig waren, um auf regelmäßiger Basis zu jagen zu beginnen. Wenn wir jagen sagen, dann sprechen wir an dieser Stelle nicht über das opportunistische Jagen kleiner Tiere. Schimpansen wurden z.B. in der Wildnis dabei beobachtet, wie sie Stummelaffen jagen. Nein, wir sprechen von geplantem, regelmäßigem, technologisch unterstütztem Jagen. Die meisten Archäologen glauben, dass das regelmäßige Jagen vor etwa 1, 6 Millionen Jahren mit dem Homo Erectus begann – dem ersten Homoniden, der von Afrika aus nach Europa und Asien auswanderte. Für diejenigen, die mitzählen, bewegten sich unsere Vorfahren vor 6 Millionen Jahren noch auf allen Vieren und aßen Obst in den Bäumen. Dann, nach etwa 4,4 Millionen Jahren des Herumwanderns und des Suchens nach Nahrung und dem Versuch zu verhindern, von etwas größerem gefressen zu werden, begannen unsere Vorfahren schließlich damit, regelmäßig Fleisch zu essen.

Unsere Höhlenbehausung ist besser als eure Höhlenbehausung

Wir müssen jedoch im Hinterkopf behalten, dass im Lauf dieser 4+ Millionen Jahre unterschiedliche Populationen geografisch voneinander getrennt wurden und diese Trennung führte zu unterschiedlichen evolutionären Entwicklungen. Während sich die Homoniden in der alten Welt verbreiteten, wurden unterschiedliche Populationen in unterschiedlichen Bereichen von dem, was heute Europa, Asien und Afrika sind, voneinander isoliert. Diese unterschiedlichen Populationen begannen sich an unterschiedliche Umweltbedingungen anzupassen.

Als die Eiszeit begann, fanden es Homoniden in Europa notwendig, mit einer arktischen Umgebung zurecht zu kommen, die durch raue Winter und wütende Säugetiere wie Wollnashörner und Mammuts, die als Megafauna bekannt sind, charakterisiert wurde. Es war dieser europäische Zweig, der sich zu den Neandertalern entwickelte. Andere Homoniden Populationen, die sich in Asien und Afrika entwickelten, wurden zu anderen Versionen des archaischen Homo Sapiens, der sich an andere, weniger bedrohliche Umstände angepasst hatte.

Wie wir bereits im ersten Teil besprochen haben, sind Neandertaler so interessant, da sie unsere jüngsten Verwandten waren UND weil sie zu den robustesten Mitgliedern der Familie der Homoniden gehörten. Auch das wissen wir aufgrund von Fossilienfunden. Neandertaler hatten dicke Knochen. Da die Aktivität die Knochenentwicklung genauso wie die Muskelentwicklung festlegt, erlaubt uns die Analyse von Skelettelementen – insbesondere langer Knochen wie Oberarm- und Oberschenkelknochen – eine Rekonstruktion der Muskeln. Dies ermöglicht Rückschlüsse auf die Belastung oder wie häufig und wie viel diese Homoniden hoben und trugen.

Der Hauptgrund dafür, dass diese Jungs solch dicke Knochen und eine stark ausgeprägte Muskulatur aufwiesen, waren wahrscheinlich ihre Jagdstrategien. Es war kein Zuckerschlecken ein Eiszeitjäger zu sein. Die Megafauna legte sich nicht einfach hin und ergab sich. Diese Viecher mussten getötet werden.

Hat der Leser je eine südafrikanische Zeitung gelesen? Wenn nicht, ist hier eine typische Story: Ein Arbeiter in der nördlichen Hluhluwe Sektion des südafrikanischen Umfolozi Wildparks wurde schwer verletzt, als er von einem schwarzen Nashorn durchbohrt wurde.

Wenn man denkt, dass die Nashörner von heute wild sind, dann sollte man bedenken, dass ihre pleistozänen Vorfahren fast doppelt so groß waren. Man stelle sich einen Kampf auf Leben und Tod mit einem dieser Biester mit nichts als einem Speer und den bloßen Händen bewaffnet vor. Kann irgendjemand den Begriff funktionale Kraft buchstabieren?

Befinden sich Neandertaler unter uns?

Wie wir bereits erwähnt haben, haben wir uns weder aus Schimpansen noch Neandertalern entwickelt. Der Neandertaler ist lediglich ein Cousin, auch wenn er ein engerer verwandter Cousin als der Schimpanse ist. Anatomisch moderne Menschen haben sich erstmals vor etwa 200.000 Jahren in Afrika aus den dort lebenden archaischen Homo Sapiens entwickelt.

Die frühesten modernen Menschen waren größer und schlanker als Neandertaler (unsere Cousins waren mit etwa 160 Zentimetern Körpergröße relativ klein) und andere archaische Menschen auf der Welt. Wie wir noch besprechen werden, variierten die Körpertypen basierend auf vielen Faktoren des Lebensstils deutlich – genau wie dies auch heute der Fall ist. Es ist wichtig dies im Hinterkopf zu behalten, wenn einige Evolutionsernährungsexperten oder Fitness Gurus sehnsüchtig vom noblen, schlanken, muskulösen Wilden sprechen und dann versuchen, ihr eigenes Buch zu verkaufen, um dem Leser dabei zu helfen, seine Fitnessziele zu erreichen.

Um auf unsere Evolutionsgeschichte zurück zu kommen, sei erwähnt, dass anatomisch moderne Menschen schließlich mit Neandertalern interagierten. Es dauerte ein paar tausend Jahre, doch letztendlich begannen anatomisch moderne Menschen sich von Afrika aus in Europa und Asien auszubreiten, wo sie mit archaischen Populationen (inklusive der Neandertaler) in Kontakt kamen. So viel zum Thema Kulturschock!

Doch wie kamen wir bei all diesen Subspezies und ihrem schicksalsbestimmten Aufeinandertreffen von diesen divergenten menschlichen Spezies zu lediglich einer – dem Homo Sapiens?

Nun, dies ist im Bereich der Archäologie eines der am heißesten diskutierten Themen. Es gibt hierbei zwei Lehrmeinungen bezüglich der Evolution des modernen Menschen:
  1. Die "Out of Africa" Hypothese (alias. "Eva" Hypothese)
  2. Die multiregionale Hypothese
Man sollte im Hinterkopf behalten, dass beide Lager darin übereinstimmen, dass sich der moderne Mensch zuerst in Afrika entwickelt hat. Die "Eva"-Leute sagen jedoch, dass der moderne Mensch aus Afrika auswanderte und jede andere Population von staunenden archaischen Tölpeln ersetzte, da er bei der Jagd erfolgreicher war und sich schneller vermehrt. Die Anhänger der multiregionalen Hypothese behaupten hingegen, dass es in unterschiedlichen Bereichen der Welt zu einer unabhängigen Evolution zum modernen Menschen kam, wobei es zu einem gewissen Fluss der Gene kam.

Die Anhänger der "Eva"-Hypothese verwenden die mitochondrielle DNA (mtDNA), um ihre Behauptungen zu unterstützen und behaupten, dass all die Diversität der heutigen mtDNA (welche sich über hunderte von tausenden von Jahren überraschend gut gehalten hat) über die mütterliche Linie 200.000 Jahre zurück zu einer kleinen Gruppe in Afrika zurückverfolgt werden kann. Ausgehend von diesem Szenario sind die Neandertaler ein toter Zweig im unserem evolutionären Stammbaum, da sie kein Basenpaar zur modernen DNA beigetragen haben.

Im Gegensatz hierzu behaupten die Anhänger der multiregionalen Hypothese, dass es zumindest etwas Techtelmechtel zwischen Neandertalern und modernen Menschen gab, die zur Geburt von hybriden Höhlenbabys und einer Vermischung archaischer und moderner Gene führte.

Die Argumente beider Lager haben ihre Stärken und Schwächen und das Thema ist weit von einer endgültigen Klärung entfernt. Doch verheddern wir uns nicht zu sehr in dieser Debatte. Für diesen Artikel ist folgendes wichtig: es ist klar, dass es sowohl bei archaischen als auch modernen menschlichen Populationen eine deutliche Variabilität gibt. Nicht alle Neandertaler waren schlank und muskulös und nicht alle frühen modernen Menschen waren dünn und groß. Dies macht Sinn.

I Don't Do Dodo

An alle möchte gerne evolutionären Ernährungsexperten – wenn es um die Evolution geht, ist die Diversität einer Spezies eine sichere Wette. Wenn es etwas gibt, auf das man zählen kann, dann ist dies, dass sich das Klima und somit die Umwelt verändern werden. Wenn eine Spezies sich körperlich darauf spezialisiert hat, eine bestimmte Umweltnische auszunutzen, geht sie den Weg des Vergänglichen, wenn diese Umwelt verschwindet.

Während dem Pleistozän wuchs die Weltbevölkerung bis zu dem Punkt, an dem Menschen um Ressourcen konkurrieren. Unter diesen Umständen hat eine Person mit weniger Muskeln, die mehr Fett speichert und körperliche Schäden durch technologisch unterstütztes Jagen minimiert, eine bessere Überlebenschance als eine stämmigere, körperlich eindrucksvollere Person. Und diese atrophierten, Fett mit sich herumtragenden, technologisch eingestellten Allesfresser sind wir.

An dieser Stelle sollte etwas klargestellt werden. Auch wenn anatomisch moderne Menschen im Allgemeinen atrophierter als archaische Populationen waren, waren die ersten anatomisch modernen Menschen (vor mehr als 30.000 Jahren) keine Waisenkinder – insbesondere nicht diejenigen, die sich in Europa mit den Neandertalern vermischten. Studien haben gezeigt, dass die frühsten europäischen modernen Menschen fast so robust wie Neandertaler waren und sie wurden erst vor 30.000 Jahren graziler. Wie im ersten Teil dieses Artikels erwähnt wurde, bedeuten mehr Muskeln einen höheren Energieverbrauch und während Zeiten des Hungerns sind Muskeln nicht ökonomisch.

Doch wie können wir die relative Größe unserer Vorfahren kennen? Ein guter Skelettindikator für die Lastschemata ist der Querschnitt des mittleren Bereichs des Oberschenkelknochens. Die Dicke und die Form des Oberschenkelknochens werden zum Teil dadurch bestimmt, wie viel Stress die Quadrizeps und die Beinbeuger auf den Knochen ausüben. Aus der Abbildung untern wird ersichtlich, dass der Querschnitt des Neandertaler Oberschenkelknochens halbkreisförmig und robust ist, während der Querschnitt des Oberschenkelknochens des modernen Menschen auch robust, aber tropfenförmig ist.

Dies legt ähnliche Level der Aktivitäten aber unterschiedliche Arten von Aktivitäten bei Neandertalern und modernen Menschen in Europa nahe. Mit mehr Knochensubstanz im seitlichen Bereich des Oberschenkelknochens waren Neandertaler besser für Bewegungen von einer Seite zur anderen ausgelegt. Wenn man die Robustheit der Knochen von Neandertalern, frühen modernen Menschen und modernen älteren Menschen vergleicht, dann erkennt man leicht, wie die Knochen den Grad der Aktivität und die Hypertrophie oder Atrophie von Muskeln widerspiegeln.
Neanderthal
Abbildung 2: Querschnitt des mittleren Bereichs des Oberschenkelknochens bei Neandertalern (links), frühen modernen Menschen (älter als 30.000 Jahre) (Mitte) und modernen älteren Menschen in ihren Achtzigern (rechts).

Moderne Menschen – vom harten Typen zum Fettarsch

Man sollte einmal zu Starbucks gehen und sich selbst fragen, wie viele der Grande, koffeinarmen, extra Karamell Mokka schlürfenden zweibeinigen Homoniden sich gegen ein Wollnashorn verteidigen könnten. Verdammt, wenn man dem modernen Menschen nur einen Lendenschurz und einen Speer geben würde, dann würde er wahrscheinlich von einem gereizten Eichhörnchen im eigenen Garten besiegt werden.

Oh diese Menschlichkeit!

Doch wenn man derselben Person ein Gewehr gibt, dann ist das Spiel vorüber. Mit einem durchschlagskräftigen Gewehr und etwas Training könnte diese Person ein schwarzes Nashorn aus sicherer Distanz erlegen. Nimm das, Du verdammtes Nashorn! Wie bereits zuvor erwähnt wurde, überleben Spezies häufig basierend auf ihrer Kultur und nicht ihrer Physiologie. Die Technologie ist zum Markenzeichen unserer Evolution als moderne Menschen geworden und hat es uns erlaubt, körperliche Fähigkeiten durch intellektuelle Investitionen in die Technologie zu ersetzen.

Man muss nicht weiter als bis nach Zentral Texas (wo wir beide leben, was beschämend ist, wenn wir den Fall unten besprechen) schauen, um die vollständige Trennung von aller körperlicher Gefahr und dem Akt des Jagens zu beobachten. Man muss seinen Hintern nicht einmal von seinem Computerstuhl weg bewegen. Live-Shot, das Geistesprodukt des texanischen Erfinders John Lockwood, erlaubt es uns, unsere Maus als Fernsteuerung für ein Gewehr mit einer montierten Kamera zu verwenden und alles von einer Hirschziegenantilope bis hin zu einem wilden Eber zu schießen.

Jetzt kann ein morbide übergewichtiger Vorstädter ein Remington .30-06 Gewehr verwenden, um einem Mähnenspringer Schaf aus Nordafrika, das nach Texas importiert wurde, bequem von seinem eigenen Hauses in Ames, Iowa, aus, das Gehirn wegzupusten.

Unsere ernährungstechnische Vergangenheit und Gegenwart

Hier ist eine hervorragende Frage für den Leser: wenn Neandertaler oder frühe Homo Sapiens einen so gut gebauten Körper hatten, warum sollte man dann nicht einfach wie sie essen, so dass man auch muskulös und definiert wird? Einen Moment, ist das überhaupt eine gute Frage? Ist man ernsthaft naiv genug zu glauben, dass es nur die Ernährung alleine war, die den Neandertaler so muskulös und definiert gemacht hat? Ist man wirklich so naiv (Bitte sagt nein, bitte sagt nein).

Natürlich ist der Leser nicht so naiv! Trotzdem haben so genannte Evolutionsernährungsexperten mit ihrer nachlässigen Interpretation unserer Vergangenheit damit begonnen, uns so genannte "Paleo-Diäten" zu verkaufen, die nahelegen, dass wir zu unseren Wurzeln zurückkehren und wie Höhlenmenschen essen sollten. Warum lassen sich die Leute so etwas verkaufen? Wir denken, dass sie sich so etwas verkaufen lassen, weil sie ganz einfach überhaupt nichts darüber wissen, was unsere Vorfahren gegessen haben oder warum sie es gegessen haben. Wir möchten von Anfang an etwas klarstellen: so etwas wie eine einzige einheitliche Paleo Ernährung gab es nicht.

Damals aßen die Menschen alles, was immer sie zwischen die Finger bekommen konnten. Das Leben während dieser Zeit war weit entfernt davon idyllisch zu sein. Die Menschen lebten ein kurzes, hartes, übelriechendes Leben. Sie konnten sich nicht zurücklehnen und sich ihre Nahrung gezielt aussuchen. "Darling, hast Du heute mehr Lust auf Tatar oder Hähnchen Cordon Bleu? "

Sie aßen das, was sie nicht aß. Und da ein Überschuss an Nahrung vor Beginn des Ackerbaus selten existierte, hing das, was sie aßen, davon ab, was in ihrer Umgebung verfügbar war. Kohlenhydratreich, proteinreich, fettreich, was auch immer. Wenn es da war, um gegessen zu werden, aßen sie es – und unterschiedliche Populationen hatten unterschiedliche Ernährungsschemata.

Es ist außerdem wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass es keinen "Paleo Körpertypen" gab. Es gab eine Tonne von Variabilität bezüglich Größe und Körperform unserer evolutionären Vorfahren, genau wie es heute viele unterschiedliche Menschen überall auf der Welt gibt. Natürlich hatten die Menschen in der Vergangenheit nicht so viele billig gesammelte Kalorien, wie wir sie heute haben. Aus diesem Grund wäre es schwer gewesen, viele fette Neandertaler oder frühe Homo Sapiens zu finden. Trotzdem steht es außer Frage, dass es auch in unserer evolutionären Vergangenheit einige fette Menschen gab.

Braucht der Leser Beweise? Nun, dann sollte er sich die Venusfiguren ansehen, die man überall in Europa und Asien findet. Diese Figuren wurden auf ein Alter von 25.000 Jahren datiert. Diese akkuraten Portraits von "fetten Mädels" lange vor dem Aufkommen der Agrarkultur deuten darauf hin, dass es bereits damals fette Menschen gab.

Nachdem wir diese archäologischen "Wahrheiten" aus dem Weg geräumt haben, können wir bei der Studie der Ernährungs- und Archäologie Daten etwas aufgeschlossener sein.

Was gesunde Vorfahren aßen

Man sollte sich nichts vormachen, Menschen in der Vergangenheit und der Gegenwart essen/aßen, was immer ihnen Kalorien liefert, wenn sie hungrig sind. Wenn man einen hungrigen paläolithischen Menschen in unsere Gesellschaft bringen könnte, dann würde er sich mit Twinkys und allem anderen, was er in die Finger bekommen könnte, vollstopfen – genau wie es jeder von uns heute tun würde, wenn er hungrig ist (natürlich nur dann, wenn man keine Selbstkontrolle hat).

Doch wie sah die Ernährung einer erfolgreichen paläolithischen Person aus? Hier sind die grundlegenden Elemente:

1. Proteinreich

Der Mensch hat sich seit seinen bescheidenen Anfängen in Ostafrika vor Millionen von Jahren mit einer proteinreichen Ernährung weiter entwickelt. Wie wir bereits erwähnt haben, waren unsere frühsten Vorfahren Aasfresser, die die Tatsache ausnutzten, dass das Knochenmark des Beinknochens eines einzigen großen Tieres etwa 1500 kcal in Form von Protein und Fett liefert.
Später, als sich das Jagen mehr etabliert hatte, stieg der Proteinkonsum, wie anhand eines bestimmten Stickstoffisotops, 15N, dessen Konzentration auf dem Weg der Nahrungskette von Pflanzen zu Tieren hin zunimmt, nachgewiesen werden konnte. Somit deuten große Mengen an N15 (welches sich im Kollagen der Knochen wiederfindet) auf einen Fleischkonsum hin. In einigen Fällen waren altsteinzeitliche Menschen offensichtlich Fleischfresser, die sich fast ausschließlich von Fett und Protein ernährten.

Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass auch wenn einem viele Paleo Ernährungsexperten dies als die ideale Ernährung verkaufen möchten, eine nahezu exklusive Protein-Fett Ernährung nicht die Norm darstellte und in Wirklichkeit weniger erstrebenswert als eine ausgeglichene Ernährung war. Es gibt in der Tat im Bereich der Archäologie eine Lehrmeinung, welche als "ernähungstechnische Ökologie" bekannt ist, die besagt, dass Menschen in der Vergangenheit, die dazu in der Lage waren, eine größere Vielfalt von Nahrungsmittelressourcen zu nutzen, gesünder und somit auch erfolgreicher als andere Menschen waren, die dieselbe Menge an Kalorien in Form von ernährungstechnisch minderwertigeren oder eingeschränkten Quellen zu sich nahmen.

Eine Ernährung mit einem breiteren Spektrum an Nahrungsmitteln stellt eine gute Versorgung mit Makro- UND Mikronährstoffen sicher. Mit anderen Worten ausgedrückt ist eine Kalorie nicht gleich einer Kalorie – weder damals noch heute.

2. Reich an vollwertigem Gemüse, Obst und Nüssen

Unsere Vorfahren waren große Fleischesser, doch sie waren in keinster Weise reine Fleischfresser. Sie aßen reichlich Pflanzen, worauf verkohlte Samen und Pflanzenrückstände, mikroskopisch kleine Pflanzenrückstände an Steinwerkzeugen, mikroskopisch kleine Pollen, Phytolithe, fossile Exkremente und indirekte Hinweise wie die Skelett Pathologie, das Abnutzungsschema der Zähne, künstlerische Darstellungen und ethnografische Beobachtungen hinweisen.

Pflanzliche Überreste sind in archäologischen Berichten unterrepräsentiert, da sie anfälliger für eine Verwesung als sagen wir Steine oder Knochen sind. Doch seltene Beispiele sehr gut erhaltener organischer Substanzen zeigen die Qualität und Vielfalt pflanzlicher Nahrungsmittel. Am Ufer des Sees Genezareth wurde z.B. vor Kurzem während einer Trockenperiode und sinkender Wasserspiegel ein 23.000 Jahre altes Fischerdorf (Ohalo II) freigelegt.

Wasser hatte dieses Dorf für die meiste Zeit seiner Existenz überspült und den größten Teil der organischen Überreste inklusive Knochen, Holz, Nüsse und Samen konserviert. Es mangelte damals mit Sicherheit nicht an Protein, wie die Überreste von Fisch, Schildkröten, Vögeln, Hasen, Füchsen, Gazellen und Rotwild zeigten. Es wurden jedoch auch die Samen zahlreicher Pflanzen, Früchte und Nüsse gefunden.

Die Bewohner dieses Dorfes aßen unterschiedliche Sorten essbaren Grases (wilde Gerste) und wilde Formen von Mandeln, Oliven, Pistazien und Trauben. Diese "Breitspektrumökonomie" ist für unsere paleolithischen Vorfahren charakteristisch – im Gegensatz zu den Ideen einiger Evolutionsernährungsexperten, die den Verzicht auf nahezu alle nicht Protein, Fett und Gemüse Nahrungsmittel inklusive Getreide Nüsse und Obst empfehlen, wobei diese Empfehlungen auf ihrem begrenzten Wissen über die archäologischen Daten basieren.

Natürlich wissen wir basierend auf dem augenblicklichen Stand der Wissenschaft auch, dass wilde Pflanzen Antioxidantien, Omega-3 Fettsäuren und Mikronährstoffe enthalten, die die ernährungstechnische Lücke unserer modernen Ernährung füllen und das Risiko für chronische Krankheiten reduzieren. Diese Nahrungsmittel füllten die Ernährungstechnische Lücke in der protein- und fettreichen Ernährung einiger unserer Vorfahren und bildeten bei anderen den Hauptbestandteil der Ernährung.

Unsere Vorfahren machten es richtig, indem sie eine große Bandbreite an Obst und Gemüse aßen. Aktuelle Studien haben eine direkte Korrelation zwischen der Vielfalt des verzehrten Obstes und Gemüses und den Vorzügen, die man aufgrund dieser Mikronährstoffe beobachten kann, gezeigt. Für diejenigen, die einen Mangel an Gemüse in ihrer Ernährung durch die Einnahme eines Multivitaminpräparats rechtfertigen, sei erwähnt, dass die Supplementierung mit individuellen Vitaminen nicht dieselben Vorzüge wie der Verzehr von Obst und Gemüse mit sich bringt.

3. Moderate Kohlenhydrate aus ihren natürlichen Quellen

Wenn man dies anhand der modernen Jäger und Sammler Völker beurteilen kann, dann liebten auch unsere paleolithischen Vorfahren ihre Kohlenhydrate. Moderne Jäger und Sammler sind dafür bekannt, dass sie mehrere Tage wandern, um Bienenwaben und Honig zu finden. Wenn Sie diese gefunden haben, dann verzehren sie häufig mehrere Pfund Honig und nehmen so tausende Kalorien in Form von Glukose und Fructose auf einmal zu sich. Es bleibt jedoch eine Tatsache, dass einfache Zucker während der meisten Zeit unserer Vergangenheit nur schwer zu finden waren.

Kohlenhydrate wurden von unseren prähistorischen Vorfahren primär in Form von Gemüse, Obst und Getreide verzehrt – ja, das ist richtig - bereits vor der Entwicklung des Ackerbaus. Die Meisten Paleo Experten möchten einen Glauben machen, dass Kohlenhydrate und Getreide in der paleolithischen Ernährung praktisch nicht vorkamen, was jedoch nicht den Tatsachen entspricht.

Die archäologischen Funde zeigen abhängig davon, wo die Menschen lebten, eine große Variabilität der Ernährung. Die Menschen in den Bergen von Mexiko aßen z.B. primär Kohlenhydrate und Fett – und das selbst vor Beginn des Ackerbaus. Zu Beginn des Holozäns nutzten sie das gesteigerte Wachstum wilder Pflanzen und verzehrten Eicheln, Speisekürbisse und andere wilde Pflanzen, während sie die Ernährung gelegentlich durch ihre Jagdbeute ergänzten.

Getreide wurde erst recht spät in der Menschheitsgeschichte von den ersten Bauern in einer Gegend, die auch als fruchtbarer Halbmond bezeichnet wird, vor etwa 10.000 Jahren angebaut, worauf recht bald auch andere fruchtbare Gegenden wie das Industal, China und Zentralamerika folgten.

Die Vorhersagbarkeit dieser Nahrungsmittelquellen machte sie zu einer attraktiven Alternative zum Kampf mit wilden Tieren. Die Menschen begannen also mehr hiervon zu essen. Und vielleicht ist dies der Zeitpunkt, an dem sich einige Probleme entwickelten. Eine Ernährung, die auf Kosten von anderen Nahrungsmitteln wie mageren Proteinquellen, gesunden Fetten, sowie Obst und Gemüse reich an verarbeitetem Getreide ist, stellt das perfekte Rezept für das Metabolische Syndrom dar, das die westliche Kultur heute plagt.

Eine aktuelle Studie betrachtete zwei Gruppen von Shuar Frauen in Ecuador. Eine Gruppe praktizierte den Jäher und Sammler Lebensstil, während die andere Gruppe kurz zuvor auf einen landwirtschaftlichen Lebensstil umgestiegen war. Die Frauen aus der landwirtschaftlichen Gruppe wiesen höhere Leptin (ein Hormon, dass mit den Körperfettspeichern korreliert – mehr Fett, mehr Leptin) und Plasma Insulinspiegel sowie mehr Fettmasse auf. Im Gegensatz hierzu stellten die Leptin Konzentrationen der Jäger und Sammler Gemeinschaften die niedrigsten Werte dar, von denen je bei einer Population gesunder Frauen berichtet wurde.

Es besteht kein Zweifel daran, dass unsere Gene, wenn man so will, eine Ernährung, die reich an verarbeitetem Getreide ist, nicht mögen. Und dies ist für unsere Brot liebenden Freunde beschämend, da viele Experten inklusive der fehlgeleiteten ADA, die die immer noch getreidelastige Nahrungsmittelpyramide kürzlich überarbeitet haben, verarbeitetes Getreide immer noch als essentiellen Teil einer gesunden Ernährung ansehen, was jedoch nicht der Fall ist, auch wenn einige Getreidevarianten – die unverarbeiteten Sorten – Teil einer gesunden, die Körperentwicklung verbessernden Ernährung sein können.

Es ist natürlich wichtig, hierbei nicht in die Extreme zu gehen. Nur weil eine Ernährung, die reich an Getreide (auf Kosten von anderen Nahrungsmitteln wie Protein, Obst, Gemüse und gesunden Fetten) ist, für die meiste Menschen – insbesondere nicht trainierende Menschen – ein Albtraum ist, sollten wir nicht so weit gehen zu sagen, dass man niemals Kohlenhydrate essen sollte, die nicht aus Obst und Gemüse bestehen (wie dies einige Evolutionsernährungsexperten tun). Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass es Zeiten gibt, während denen unsere Gene Kohlenhydrate mögen, die nicht aus Obst und Gemüse stammen. Während und nach dem Training ist unsere Fähigkeit Kohlenhydrate zu tolerieren dramatisch erhöht – sogar bei Diabetikern vom Typ II!

Basierend auf der augenblicklichen wissenschaftlichen Literatur empfehlen wir, dass Nahrungsmittel wie Getreide – und sogar einfache Kohlenhydrate – während und nach dem Training für eine optimale Regeneration und optimale Muskelzuwächse verzehrt werden können und sollten. Während des restlichen Tages und an trainingsfreien Tagen ist es jedoch am besten, seine Kohlenhydrate in Form von langsamer absorbierbaren und vitaminreichen Quellen wie Gemüse und Obst zu sich zu nehmen.

Auch unverarbeitetes Vollkorngetreide, Nüsse und Hülsenfrüchte sind in moderaten Mengen als Teil einer ausgewogenen Nahrungszufuhr inklusive Protein, Obst, Gemüse und essentiellen Fettsäuren, akzeptabel. Man sollte es jedoch mit dem Getreide nicht zu sehr überreiben. Es ist am besten, die folgenden 10 Ernährungsgewohnheiten zu befolgen, die wir in unserem Gourmet Nutrition Buch beschrieben haben:
  1. Iss alle 2 bis 3 Stunden.
  2. Iss zu jeder Mahlzeit fettarmes, vollständiges Protein.
  3. Iss zu jeder Mahlzeit Gemüse.
  4. Iss andere Kohlenhydrate nur während und nach dem Training.
  5. Iss ein ausgewogenes Fettprofil, das je zu 1/3 aus den 3 Fetttypen besteht.
  6. Verzichte auf kalorienreiche Getränke.
  7. Verwende vollwertige Nahrungsmittel als primäre Nahrungsmittelquellen.
  8. Iss 10% Nahrungsmittel.
  9. Entwickle Strategien für die Nahrungszubereitung.
  10. Verwende eine ausgewogene Wahl der Nahrungsmittel mit einer gesunden Vielfalt.

4. Ein ausgewogenes Fettsäureprofil

Auch wenn der prähistorische Fettkonsum dem der modernen westlichen Ernährung im Bezug auf den Gesamtprozentsatz der Fettkalorien in Relation zur Protein- und Kohlenhydratzufuhr ähnelte, unterschied sich der Anteil der gesättigten, einfach ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren an der Gesamtfettzufuhr deutlich von der modernen Ernährung.

Im Allgemeinen war die prähistorische Ernährung reicher an einfach ungesättigten Fettsäuren und wies ein besseres Gleichgewicht von gesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren auf. Vor allem vom Überfluss an Omega-6 Fettsäuren auf Kosten von Omega-3 Fettsäuren, den wir bei der modernen Ernährung beobachten, konnte gezeigt werden, dass er ein Blutfettprofil fördert, bei dem das "schlechte" Cholesterin (LDL) erhöht ist.

Zusätzlich hierzu ist LDL Cholesterin anfälliger für eine Oxidation und fördert infolgedessen die Entwicklung koronarer Herzerkrankungen. Wenn man dies zur Tatsache aufaddiert, dass gezeigt werden konnte, dass Omega-6 Fette entzündungsfördernd wirken, hat man eine recht starke Verbindung zwischen unserem augenblicklichen unausgewogenen Fettkonsum und unserer weiten Verbreitung von Krankheiten.

Der primäre Schuldige für dieses Ungleichgewicht ist pflanzliches Öl (z.B. Maisöl), welches reich an Omega 6 Fettsäuren ist. Doch Moment, haben die prähistorischen Menschen in Amerika nicht auch Mais gegessen? Natürlich, man sollte sich jedoch daran erinnern, dass unverarbeiteter Mais pro Gewichtseinheit recht wenig Fett enthält. Maisöl ist ein extrem stark verarbeitetes Produkt der massiven Maisindustrie unserer Nation. Drücken wir es folgendermaßen aus: um die Menge an Fett zu erhalten, die in einem Esslöffel Maisöl enthalten ist, müsste man 4,5 Pfund Maiskörner essen. Wie viele prähistorische Menschen hatten wohl Zugang zu so viel Mais?

Pflanzenöl wird nicht nur zu den meisten Nahrungsmitteln während der Zubereitung hinzugefügt, sondern auch unser Schlachtvieh wird mit demselben Getreidefett gefüttert, welches im Fettgewebe dieser Tiere gespeichert wird und so in die Nahrungskette gelangt. Wilde Tiere und Weidetiere, die nur Grass fressen, haben ein sehr viel wünschenswerteres Fettsäureprofil und sind somit für den menschlichen Verzehr sehr viel gesünder. Darüber hinaus haben domestizierte Tiere einen allgemein sehr viel höheren Fettanteil – insbesondere gesättigtes Fett – als wilde Tiere.

Wildlebende Tiere zeigen fast immer eine saisonale Variation der Fettspeicherung und selbst die fettesten wilden Landsäugetiere enthalten 60-75% weniger Fett als domestizierte Tiere.

Sollte man wie seine Vorfahren essen?

Nachdem wir unsere Evolution sowie die Nahrungszufuhr unserer Vorfahren besprochen haben, ist hoffentlich klar geworden, dass die Einhaltung einer "Paleo" Ernährungsweise im Namen schlanker Körper, großer Muskeln und der Vorbeugung vor Krankheiten aus folgenden Gründen etwas irreführend ist:
  1. Zuerst einmal gab es so etwas wie eine einheitliche "Paleo" Ernährung nicht. Unsere Vorfahren aßen was sie bekommen konnten, wann sie es bekommen konnten und wo sie es bekommen konnten. Ihre (und unsere) Gene sind gut an eine große Vielfalt von Nahrungsmitteln angepasst. Wenn es eine gemeinsame "Paleo" Eigenschaft gab, dann war es diese – sie aßen keine verarbeiteten Nahrungsmittel oder Masttiere.
    Sie aßen Nahrungsmittel in ihrem natürlichen Zustand mit nur wenig Verarbeitung und sie profitierten mit Sicherheit von diesem Mangel an "manipulierten Nahrungsmitteln". Natürlich würden auch wir davon profitieren, wenn wir damit aufhören würden so faul zu sein und ein Interesse dafür entwickeln würden, mit was wir unseren Körper ernähren. Doch müssen wir wirklich unsere evolutionäre Entwicklung untersuchen um zu erkennen, dass Wonder Bread und McDonalds schlecht für uns sind?
  2. Zweitens gibt es keinen einzelnen, muskelbepackten, definierten, prähistorischen Prototypen. Die Körper waren damals fast genauso unterschiedlich, wie wir dies heute beobachten – Ausreißer wie Ronnie Coleman und den 450 Kilo Mann ausgenommen. Natürlich befanden sich die Körper in früheren Zeiten als Resultat zweier Dinge mehr am schlankeren Ende des Spektrums:
    1. Nahrungsmittelknappheit und
    2. die höheren Energiekosten, um die Nahrung zu bekommen.
    Wenn man den augenblicklichen Nahrungsüberschuss eliminieren und uns mehr Bewegung verschaffen würde, dann dürfte die Fettleibigkeit über Nacht verschwinden. Es bedarf keines Evolutionsexperten oder Jäger und Sammler, um uns zu lehren, dass der Verzehr von weniger Müll und mehr Training weniger Fetties bedeuten würde.
  3. Die geringere Verbreitung von Krankheiten bei unseren Vorfahren beruhte wahrscheinlich auf einer Kombination der folgenden Faktoren. Erstens konsumierten sie mehr Obst und Gemüse und es gibt eine Korrelation zwischen dem Konsum von Obst und Gemüse und dem Schutz vor Krankheiten.
    Zweitens waren Jäger und Sammler aktiver als der typische Sesselpupser und da die Aktivitätslevel mit dem Krankheitsrisiko in Verbindung gebracht werden, ist es einfach zu verstehen, warum unsere technologisch unterstützte Gesellschaft unter Herz-Kreislauf Erkrankungen, Übergewicht und Diabetes leidet.
    Zu guter Letzt lebten die frühen modernen Menschen nicht so lange wie wir. Viele unserer augenblicklichen Krankheiten des Alterns beginnen sich erst nach den Dreißigern zu zeigen. Da das Durchschnittsalter unserer paleolithischen Vorfahren bei 32 lag, lebten sie vielleicht einfach nicht lange genug, dass sich die Erkrankungen des Alterns manifestieren konnten. Die moderne Medizin erlaubt es uns sieben bis zehn Jahrzehnte lang zu leben, was unseren Vorfahren nicht möglich war.

    Ja, es gab einige paleolithische Menschen, die bis in ihre Vierziger oder Fünfziger lebten und ja, es gab einige paleolithische Menschen, die an zehrenden Krankheiten starben, doch dies war nichts Typisches.

    Im Endeffekt ist es bestenfalls eine allzu starke Vereinfachung und im schlimmsten Fall eine absichtliche Irreführung der Menschen, um ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen, wenn man der Ernährungsweise unsere prähistorischen Vorfahren magische, mystische, muskelaufbauende, Fett reduzierende, Krankheiten verhindernde Kräfte zuschreibt.

    Unsere prähistorischen Vorfahren lebten ein völlig anderes Leben – ein Leben, das nur wenige von uns heute wählen würden, wenn sie die Option hätten. Deshalb müssen wir, anstatt zu versuchen unsere Vorfahren nachzuahmen, Wege finden, gesunde Lebensstilschemata zu entwickeln, die für die Welt von heute relevant sind. Manchmal gibt es Überlappungsbereiche. Es besteht jedoch trotzdem nicht die Notwendigkeit zu versuchen, wie ein Höhlenmensch zu essen, wenn man stattdessen wie ein gesunder moderner Mensch essen kann.