Buffet: Der Feind auf deinem Teller
Es ist mir unverständlich, wie manche Menschen bewusst Vollpension in ihren Hotels buchen. Selbst bei Halbpension fallen Frühstück und vor allem Abendbrot heutzutage oftmals so reichhaltig aus, dass man im Anschluss an die Mahlzeit versucht ist, die übergewichtigen Urlauber am Nachbartisch nach einem Blutzuckertest für den Eigengebrauch zu fragen.Junge, sporttreibende Menschen sorgen sich im Internet um ihre Insulinsensivität, wenn sie in die glutenhaltige Stulle beißen? Ich fordere die medizinische Anerkennung von Diabetes Typ III, die bei zu langem Urlaubsaufenthalt ganz sicher entstehen würde.Wer dann noch Strandurlaub gebucht hat, sollte sich ranhalten, am ersten Tag sich wie ein Supermodel in möglichst verschiedenen Posen und Situationen in Badehose abzulichten, da man spätestens am dritten Tag einen Zustand erreicht hat, bei dem man sich fühlt, wie vor der Anmeldung zum Biggest Looser. - Ich weiß jetzt schon beim Schreiben dieser Zeilen, dass ich mindestens zwei bis drei Wochen ohne gezielte Diät brauchen werde, die Völlerei wieder vergessen gemacht zu haben.
Gute Tipps, wie kleine Teller oder die erste Buffet-Runde mit einem Salat zu beginnen, helfen mir genauso gut, wie mich das Vortrinken früher vor zu großen Ausgaben in Discos bewahrt hätte. Es war immer genug Geld vorhanden, nicht Tanzen zu müssen. Schon Yoda wusste, dass große Auswahl am Buffet mit großer Verantwortung verbunden ist. Mich verschlägt es zu solchen Gelegenheiten immer auf die dunkle Seite der Macht, denn diese hat nicht nur Kekse im Überfluss.
Da beruhigt es nur wenig, dass augenscheinlich kein Team Andro User zur gleichen Zeit wie ich seinen Badeurlaub am gleichen Ort zu verbringen schien. Während im Internet alles und jeder shredded, Verzeihung, shrddd zu sein scheint, traf ich die letzten Tage vor allem Glutengeschädigte, Personen mit schlechten Säure-Basen-Haushalt und genetisch vollkommen Benachteiligte. Ich dachte immer, ich hätte schon nicht sonderlich laut "HIER!" geschrien, als der Topf mit der guten Genetik auf den Tisch gestellt wurde, aber offenbar war mein Urlaubsort das Sammelbecken der genetischen Überbleibsel. – Oder das Internet lügt…

An Bratwurst, Sangria, Pizza, Eis, Burger King und der Bewegungsbeschränkung auf stündliches Rollen um die eigene Achse kann es schwer gelegen haben. Sonst schließlich nicht so viele erfolgreiche Ernährungsratgeber mit derartigen Themen, die sich bei dem Anführen der Bestseller-Listen gegenseitig die Hand reichen.
Ein Fitnessbereich, der den MacGyver in dir weckt
Aber auch, wenn man sich (für das gute Gewissen) im Urlaub körperlich betätigen will, stößt man schnell an infrastrukturelle Grenzen. Hoteleigene Fitnessbereiche sind manchmal kaum größer als das angemietete Zimmer und bieten neben dem obligatorischen Radergometer und der Flachbank oft kaum mehr als das "Homegym" eines 14-Jährigen.Während Christian Thibaudeu vor Jahren bereits eine Art ► Mac Gyver Training vorschlug, das man erst so richtig versteht, wenn man tatsächlich die ersten Fitnessbereiche hochwertiger Hotels von innen gesehen hat, arrangiere ich mich mit ► BWE-Zirkeltrainings, die nur halb so katabol sind, wie manch Leser nun vielleicht befürchten wird.
Dennoch ist es vielleicht auch ein Zeichen der Zeit, dass es für ein Hotel sinnvoller zu sein scheint, fünf weitere Liegestühle für den sowieso bereits überfüllten Poolbereich zu erwerben, anstatt eine Langhantel. – Wohlbemerkt bei einem Hotel, das keine 100 Meter entfernt zum Badestrand liegt!
Aber die Enttäuschung darüber wird man kaum mit anderen teilen, denn dafür bräuchte man schließlich Internet...
WIFI: Bin ich schon drin?
Auch im Jahr 2015 gehört schnelles Hotelinternet nicht selten immer noch ins das Reich der Mythen und Märchen. Wenn man sich ins W-LAN des selbstgewählten Hotels einloggt, ist es gefühlt oft so, als ob man zu Hause in den Flugmodus gehen würde.Nun könnte man als Leser argumentieren, dass man im Urlaub gefälligst entspannen sollte und die Zeit schließlich auch anders investieren kann, doch wenn man sein Geld damit verdient, im Internet zu arbeiten, kann schon das dauerhafte Fehlschlagen des Email-Abrufens für große Frustration sorgen.
Zeitnahes Laden von Webseiten oder gar das Schauen von Videos, um bei gewissen Entwicklungen auf dem aktuellen Stand zu bleiben, rücken in unerreichbare Ferne und müssen auf die Zeit nach der vermeintlichen Erholung verschoben werden.
Wenn ich von der Zivilisation abgeschnitten sein möchte, miete ich mir eine Strohhütte in Afrika und kein Zimmer in einem Hotel, das sich mit diversen Sternen schmückt. Der Fitnessbereich wäre da vermutlich genauso gut ausgebaut, nur das Buffet würde nicht so reichhaltige Probleme bereiten.
Und was nervt euch so im Urlaub?
Hinweis: Der Autor dieses Artikels bietet individuelle Trainings- und Ernährungsberatung und -betreuung an. Weiteres erfahrt ihr unter ► become-fit.de oder schaut einfach auf seinem ► Instragram-Account vorbei.