Es gibt einige Personen oder Gruppen, mit denen man sich besser nicht anlegen sollte. Man möchte nicht wirklich die Mafia, den Klu Klux Klan oder die Crips anpissen und todsicher keine Witze über den Haarschnitt von Kim Jong Il machen.

Doch diese Personen oder Personengruppen verblassen im Vergleich mit der nachtragenden Natur der meisten Ernährungswissenschaftler und zertifizierter Ernährungsexperten. Okay, okay, ich übertreibe, doch diese beiden letzten Gruppen – und ich schätze mal, dass ich zumindest peripher zu einer dieser beiden gehöre – haben euch verarscht. Vielleicht geschah dies nicht mit Absicht, verarscht wurdet ihr aber auf jeden Fall.<--! preview -->

Ich wette, dass die meisten Leser nicht einmal irgendetwas zu essen auch nur anschauen können, ohne sich bewusst oder unterbewusst mit dem vermeintlichen Nährwert zu quälen und abzuschätzen, ob dieses Nahrungsmittel die richtige Menge an Ballaststoffen, das richtige Verhältnis der Makronährstoffe, ausreichend lebensspendende Vitamine, Antioxidanten und Fettsäuren enthält.

Oh ihr armen Trottel! - Wir blähen unsere Brust auf und erzählen euch welche Nahrungsmittel ihr essen sollt, welche Vitamine ihr konsumieren sollt und welche Antioxidantien ihr zu euch nehmen sollt, um Krebs vorzubeugen.

Und dann, wenn eine Studie veröffentlicht wird, so wie es letzte Woche im JAMA geschah, die zeigt, dass hohe Dosen bestimmter Antioxidantien (Vitamin A und E) in der Realität sogar Krebs auslösen können, hüsteln wir nervös, räuspern uns und murmeln etwas von den Launen der Wissenschaft.

Man sollte sich folgende Liste von Chemikalien einmal ansehen. Hierbei handelt es sich ausschließlich um Antioxidantien:
4-Terpineol, Alanin, Anethol, Apigenin, Ascorbinsäure, Beta Karotin, Kaffeesäure, Camphen, Carvacrol, Chlorogensäure, Chrysoeriol, Eriodictyol, Eugenol, Ferulic Acid, Gallensäure, Gamma-Terpinen, Isocholorgensäure, Isoeugenol, Isothymonin, Kaempferol, Labiatic Acid, Laurinsäure, Linalyl Acetat, Luteolin, Methionine, Myrcene, Myristic Acid, Naringenin, Oleanolic Acid, P-Coumoric Acid, P-Hydroxy-Benzoesäure, Palmitinsäure, Rosmarinsäure, Selen, Tannin, Thymol, Tryptophan, Ursolic Acid, Vanillic Acid

Das muss das Etikett des neusten Vitaminpräparats von den Leuten bei Centrum sein, oder? Nein, das sind die Antioxidantien, die in einem einfachen Stück Thymian enthalten sind. (Thymian ist das Zeugs, dass eure Mutter über die Sparerips streut, um etwas mehr Aroma zu bekommen).

Und ihr solltet nicht einmal eine Sekunde denken, dass Thymian ein wahres Wundernahrungsmittel ist. Ich habe es einfach nur als Beispiel verwendet, um zu zeigen, dass Antioxidantien überall sind und dass es unzählige unterschiedliche Antioxidantien gibt. - Und trotzdem glauben diese Feld-, Wald- und Wiesenernährungswissenschaftler, dass es ausreicht eine handvoll dieser Antioxidantien zu untersuchen und dann ein paar pauschale Empfehlungen herauszugeben. Sie ignorieren hierdurch die möglichen komplexen Interaktionen dieser Stoffe untereinander und mit anderen Chemikalien. Sie berücksichtigen nicht, dass die mutmaßlichen gesundheitlichen Vorzüge eines jeden dieser Antioxidantien vom gleichzeitigen Konsum eines, zweier oder einem Dutzend anderer Antioxidantien und Phytochemikalien abhängig sein könnten. Diese Wissenschaftler ignorieren das, worüber ich mir seit Jahren öffentlich Sorgen mache – dass die Einnahme großer Mengen von Antioxidantien diese zu Oxidantien machen könnte, welche dann die Entstehung freier Radikale fördern würden, anstatt diesen entgegen zu wirken.

Was für ein Unfug. Was für eine Selbstüberschätzung.

Und da wundern sich manche Leser, warum Firmen wie Biotest noch keine Vitamin- oder Antioxidantienformel auf den Markt gebracht haben. Die Ernährungswissenschaftler dieser Firmen sind etwas verantwortungsvoller. Auch wenn man seit Jahren daran arbeitet, ist es nicht einfach – insbesondere dann, wenn man versucht es richtig zu machen. Diese Angelegenheit ist mit Sicherheit etwas komplizierter als diese "Eine Tablette am Tag" Leute einem glauben machen wollen.

Doch alleine die Tatsache, dass Vitamin- und Mineralstoffsupplements überhaupt benötigt werden, ist schon ein Verbrechen - ein Verbrechen, an dem die Ernährungswissenschaft unterstützend beteiligt war, das aber ursprünglich durch das Big Business verübt wurde.

Laut einem Artikel von Michael Pollan aus dem New York Times Magazine (Unhappy Meals, 28. Januar, 2007) über den Zustand der amerikanischen Ernährung begann Nahrung in den Achtzigern aus den Regalen der Lebensmittelgeschäfte zu verschwinden, um nach und nach durch "Nährstoffe" ersetzt zu werden.

Während Pollan abgeneigt ist, ein einzelnes historisches Geschehnis anzugeben, welches den Beginn des "Zeitalters der Nährstoffe" einleitete, schiebt er einen nicht unbedeutenden Anteil der Schuld auf ein "wenig wahrgenommenes Staubaufwirbeln in Washington im Jahre 1977".

Als Reaktion auf die alarmierende Zunahme der Rate von Herz-Kreislauf-Erkrankungen veranstaltete ein vom Senat gewähltes Komitee unter der Führung des Senators von South Dakota, Georg McGovern, Anhörungen zu diesem Thema. Sie stellten das zusammen, was wie ein recht unverfängliches Dokument mit dem Titel "Ernährungsziele für die Vereinigten Staaten" aussah. Ihnen war ganz einfach aufgefallen, dass bei Kulturen, deren Ernährung hauptsächlich auf pflanzlicher Nahrung basierte, dir Rate chronischer Erkrankungen niedriger lag. Weiterhin war ihnen aufgefallen, dass während des 2. Weltkrieges zur Zeit der Nahrungsrationierung die Rate der Herzkrankheiten deutlich gesunken war. - Sie verfassten einige Richtlinien und empfahlen der amerikanischen Bevölkerung den Konsum von Fleisch und Milchprodukten zu reduzieren.

Großer Fehler! Wie mit den am Anfang des Artikels erwähnten Gruppen sollte man sich auch nicht mit der Fleisch- und Milchindustrie anlegen. Die Leute dort wurden ärgerlich und erzwangen eine Neufassung dieser Richtlinien. Ansonsten würden sie ihre Wahlkampfspenden einbehalten.

Die Regierung gab klein bei. Anstatt direkt zu sagen "der Verzehr von rotem Fleisch sollte reduziert werden" sagte man nun "Man sollte Fleisch, Geflügel und Fisch so auswählen, dass die Zufuhr gesättigter Fette reduziert wird". Es war auf einmal nicht mehr der exzessive Konsum von fettem Fleisch sondern das gesättigte Fett der Bösewicht.

Unglücklicherweise war es zu spät für den möchtegern Wohltäter McGovern. Man booteten ihn bei der nächsten Wahl aus und sandte so eine Warnung an alle anderen möchtegern Gesundheitsadvokaten, dass jeder, der es wagen würde an dem großen Stück Fleisch, das zum Mittelpunkt der amerikanischen Ernährung geworden war, zu rütteln, zusammen mit den bedauernswerten Tierkadavern auf Eis gelegt würde.

Von diesem Zeitpunkt an hörte die Regierung auf von vollständigen Nahrungsmitteln zu reden. Über Nahrung wurde jetzt in Form von Nährstoffen gesprochen. Begriffe wie gesättigte Fette und mehrfach ungesättigte Fette zusammen mit Cholesterin, Kohlenhydraten, Ballaststoffen und Karotinen begannen auf den Etiketten in großen, farbigen Buchstaben aufzutauchen und ob ein Nahrungsmittel gut oder schlecht war hing zum Großteil davon ab, ob es gewisse Stoffe enthielt oder nicht enthielt.

Währenddessen befanden sich vollständige natürliche Nahrungsmittel wie Karotten, Kartoffeln und Spinat unbeachtet wie ein fettes Mädchen beim Abschlussball in ihren Dosen. Einfache alte Nahrungsmittel wurden langsam immer mehr als gewöhnlich und ausgesprochen unwissenschaftlich angesehen.

Die Nahrungsmitteindustrie begann damit Nahrungsmittel zu überarbeiten und umzuarbeiten, so dass diese mehr der Nährstoffe enthielten, die von den Ernährungswissenschaftlern und der Regierung als gut erachtet wurden und weniger der Nährstoffe, die als schlecht angesehen wurden. Nahrung wurde zum Besseren oder zum Schlechteren völlig wissenschaftsorientiert.

Da Fett schlecht war (die Regierung hatte das ja gesagt!), wurde unser Nahrungsangebot so umgeformt, dass wir fettarme Snackwell Kekse und fettarme Nudeln bekamen. Schon bald stand uns der fruktosereiche Maissirup bis zur Bauchspeicheldrüse (Hey, es ist fettarm!). - Das Problem war, dass Amerika durch diese Art der Ernährung wirklich richtig fett wurde. Die Kohlenhydrate, die das böse Fett ersetzen sollten, machten uns Fett, was, wenn man einen beliebigen Viehzüchter fragt, keine Überraschung hätte sein sollen, da der Mensch, wie Pollan hervorhebt, seit Tausenden von Jahren Kohlenhydrate einsetzt, um Tiere zu mästen.
Rülps!

Mit all dieser Konzentration auf Kohlenhydrate wurde unsere Nahrung immer stärker raffiniert und verarbeitet. Man könnte sagen, dass diese Nahrungsmittel bereits vorverdaut beim Konsumenten ankommen. Die Ballaststoffe wurden entfernt, was bedeutete, dass man diese Nahrungsmittel mit Vitaminen anreichern musste, und zwar nur mit den Vitaminen, die von den Ernährungswissenschaftlern als wichtig und gesund angesehen wurden. Das Mehl wurde zu einem feinen Staub pulverisiert. Dieser Gips, der sich als Nahrung tarnt, kann vom Körper leichter verdaut werden als reine Glukose. Wenn man dieses Zeug Tag für Tag isst, führt dies zu wiederholten Mount Everest-hohen Insulinschüben, was wiederum oft Diabetes vom Typ II zur Folge hat. Wie in Pollans Artikel erwähnt wird, befindet sich Amerika "in der Mitte eines nationalen Experiments, bei dem Glukose gefixt wird."

Natürlich trugen die Ernährungsexperten und Wissenschaftler wenig zur Aufklärung bei, als sie im letzten Jahr die "Women's Health Initiative" veröffentlichten. Die Zeitungen klatschten es auf ihre Titelblätter: "Eine Studie beweist: Eine fettarme Ernährung reduziert die Gesundheitsrisiken nicht." - Diese Studie hatte die Ernährungsgewohnheiten von 49.000 Frauen (im Alter von 50 bis 70 Jahren zu Beginn der Studie) über einen Zeitraum von 8 Jahren untersucht und beobachtet. Diese Frauen sollten ihre tägliche Fettzufuhr auf 20 % der täglich zugeführten Kalorien reduzieren. Nach 8 Jahren hatten die fettarmen Frauen dieselben Gesundheitsprobleme wie ihre Gegenstücke mit normaler Fettzufuhr.

Das Problem war jedoch, dass diese Studie mit Löchern gespickt war wie ein fettreduzierter Schweizer Käse. Pollan hebt hervor, dass der Fokus der Studie auf dem Fett anstatt bestimmter Nahrungsmittel wie Fleisch oder Milchprodukte lag. Somit konnten die Frauen sich dadurch an die Vorgaben halten, dass sie einfach auf fettärmere tierische Produkte umstiegen.

Außerdem gab es keine Unterscheidung zwischen unterschiedlichen Arten von Fett. Fett aus Olivenöl oder Fisch wurde mit dem Fett aus Fleisch- oder Milchprodukten in einen Topf geworfen. Schließlich logen die Frauen, dass sich die Balken bogen. Zu beginn der Studie wog die durchschnittliche Teilnehmerin 170 Pfund und nahm nur 1.800 Kalorien pro Tag zu sich. - Aber klar doch.

Als die Studie endete, hatte die Durchschnittsfrau nur ein oder zwei Pfund abgenommen, nach dem sie angeblich ihre Kalorienzufuhr auf 1.400 bis 1.500 Kalorien reduziert hatte. Was für ein Käse! Studien zur Nahrungszufuhr deuten darauf hin, dass die meisten Menschen durchschnittlich zwischen einem Fünftel und einem Drittel mehr essen als sie sich erinnern oder angeben und bei diesen Frauen war es wahrscheinlich nicht anders.

Wie auch immer, der durchschnittliche Fettsack sah diese Schlagzeile und feierte sie mit einem Cheeseburger. Der Durchschnittsmensch ging wieder dazu über tonnenweise Fett zusammen mit Tonnen stark verarbeiteter Kohlenhydrate zu essen. Dieser ernährungstechnische Nebel, den Ernährungsexperten und Wissenschaftlern erzeugt hatten, wurde von der Nahrungsmittelindustrie kontinuierlich verdichtet. All dieses Neugestalten und Umbauen von Nahrung hat zu dem geführt, was Pollan als Simplifizierung der Nahrungskette bezeichnet.

Chemische Dünger haben den Ackerboden ausgelaugt. Durch eine genaue Auswahl der Chemikalien und Nährstoffe, die dem Kunstdünger zugefügt wurden, wurde den Feldfrüchten Tausende von Spurenelementen, Chemikalien und Nährstoffe, die im guten alten natürlich gedüngten Boden vorkommen, entzogen. Als Resultat hiervon hat laut der USDA die Qualität der Nahrung in Amerika signifikant abgenommen. Die Tomate von heute ist nicht mehr wie die von früher. - Natürlich können Wissenschaftler bestimmte Nährstoffe wieder hinzufügen, doch auch hier findet wieder eine genaue Auswahl statt – es wird nur das wieder hinzugefügt, was als wichtig angesehen wird. Die Frage, die sich mir hierbei stellt ist, welche Nährstoffe diese Leute vielleicht vergessen?

Simplifizierung hat auch die Vielfalt der Nahrungsmittelarten negativ beeinflusst. Die Menschheit hat historisch gesehen etwa 80.000 essbare Arten gegessen, doch heute machen gerade einmal vier Feldfruchtarten zwei Drittel der Kalorien aus, die wir essen. Als Allesfresser benötigen wir zwischen 50 und 100 unterschiedliche chemische Verbindungen und Elemente zur Aufrechterhaltung unserer Gesundheit (ohne die möglichen gesundheitlichen Vorzüge von Tausenden bekannten oder unbekannten Phytochemikalien zu erwähnen).

Pollan findet es schwer zu glauben, dass wir alles, was wir brauchen durch eine Ernährung bekommen, die hauptsächlich aus verarbeitetem Mais, Sojabohnen, Weizen und Reis besteht.

Ein anderes ernsthaftes Problem ist die Umstellung von einer blattbasierten auf eine samen- und körnerbasierte Ernährung. Die vier zuvor genannten Feldfrüchte fallen alle in die Kategorie von Getreide. Getreide macht aus ökonomischer Sicht Sinn, da es Sonnenlicht sehr effektiv in Makronährstoffe transformiert. Diese Makronährstoffe können dann einfach in tierisches Protein transformiert werden, indem man sie an Tiere verfüttert. Sie können auch leicht in Kuchen, Flips und all die anderen kohlenhydratreichen Nahrungsmittel im Lebensmittelgeschäft um die Ecke transformiert werden.

Ein Problem hierbei ist, dass Omega 3 Fettsäuren hauptsächlich in Blättern und nicht in Körnern vorkommen. Körner und Samen enthalten hingegen mehr Omega 6 Fettsäuren. Bei strengster Definition von Gesundheit sollte das Verhältnis von Omega 3 zu Omega 6 Fettsäuren in der Nahrung bei einem Verhältnis von 1:1 liegen. Da wir so viele Körner essen – und auch die Tiere die wir füttern und anschließend essen so viele Körner fressen – ist unser Omega Fettsäuregleichgewicht gestört. Das wünschenswerte 1 zu 1 Verhältnis ist mehr zu einem 1 zu 10 oder sogar 1 zu 20 Verhältnis zu Gunsten der Omega 6 Fettsäuren geworden. Dieses Ungleichgewicht könnte zu einem großen Teil verantwortlich für viele der chronischen Erkrankungen sein, welche die westliche Gesellschaft heimsuchen. Hierzu gehören insbesondere Herzerkrankungen und Diabetes.

Dies bringt mich zur ultimativen Absurdität. Die Medizin lernt, wie man die Menschen am Leben hält, die durch die westliche Ernährung krank gemacht werden. Wir machen große Fortschritte bei der Behandlung von Herzerkrankungen und auch bezüglich der Behandlung von Diabetes und Fettsucht geht die Arbeit voran. Cholesterin an sich ist die Grundlage für eine lukrative Industrie für sich alleine. Sicher, warum auch nicht? Es stellt die perfekte Krankheit dar: keine Symptome und das, was als "normal" angesehen wird, ist nahezu völlig willkürlich und ändert sich von Jahr zu Jahr.

Und es wird noch schlimmer anstatt besser.

Man kombiniere dies mit der Tatsache, dass Jährlich ungefähr 17.000 neue Nahrungsmittelprodukte auf den Markt kommen und die Entscheidung, ob man diese essen sollte oder nicht weniger von einer rationalen Entscheidung unsererseits abhängt sondern mehr von der kollektiven Macht der Marketingindustrie, der Rosinenpickerei der Wissenschaft und von Journalisten, die hauptsächlich darauf bedacht sind ihre Kolumnen zu füllen. Ein besonders absurdes Beispiel für ernährungstechnisch Unsinn und Business Opportunismus ist der Plan der Coca-Cola Company ihrem Flagschiffgetränk zukünftig ausgewählte Vitamine zuzufügen.

Ich kann es jetzt schon hören: "Trinke Coke, Liebling, es ist gut für Dich."
Oh mein Gott!

Pollans Artikel ging nicht unbeachtet an der Welt der konventionellen Ernährungsberater und Ernährungswissenschaftler vorbei. Stephanie Atkinson, die Präsidentin der American Society of Nutrition reagierte mit einem erbosten Brief:

"…Wissenschaftlern die Schuld an den schlechten Ernährungsgewohnheiten zu geben, passt vielleicht gut zu seinen Ansichten, dass das Alte gut und alles Neue schlecht ist, doch an dieser Stelle macht er sich genau der Übersimplifizierung und dem Reduktionismus schuldig, welche er angeblich verabscheut.
[...]Um ein aktuelles Beispiel für die Vorzüge der Nahrungsmittelforschung zu geben, sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Anreicherung von Mehl mit Fohlsäure in den USA und Kanada zu einer Reduzierung der Neugeborenen mit neuronalen Defekten auf ein Sechstel geführt hat."


Ironischerweise unterstützt Ms. Atkinson unbeabsichtigterweise Pollans Aussagen. Wenn man das Mehl nicht so stark verarbeitet hätte, dann müsste man es auch nicht mit Fohlsäure anreichern. Und während der Beschwerdebrief vielleicht noch nicht auf eine militante Haltung der American Dietetics Association (ADA) hinweist, haben mir einige zugelassene Ernährungsberater erzählt, dass sie, falls sie von den allgemein "akzeptierten" Dogmen abweichen und sich nicht im Gleichschritt mit der allmächtigen ADA befinden, ihre Zulassung, ihre Zertifizierung, ihre Zauberkräfte oder was immer sie erhalten haben, um sich zugelassener Ernährungsberater nennen zu dürfen, riskieren.

Es scheint, dass schlechte Nahrungsmittel das Blut vergiftet haben. Pollan versucht jedoch auch uns etwas Hoffnung zu geben. Er bietet uns einige "bewusst unwissenschaftliche" Faustregeln an, von denen viele dem aufmerksamen Leser von Artikeln wie diesem bekannt vorkommen dürften.

Unter ihnen befindet sich auch der Rat nichts zu essen, "was die eigene Großmutter nicht als Nahrung anerkennen würde". Ich befolge seit langem eine ähnliche, leicht modifizierte Version dieser Regel:
Iss nichts, was in einer Schachtel verpackt ist.

Dies ist natürlich ganz offensichtlich eine zu starke Vereinfachung, doch alles, was in einer Schachtel verpackt ist und in Wachspapier steckt ist im Allgemeinen zu stark verarbeitet.
Eine andere sinnvolle Idee besteht darin so viele Nahrungsmittel wie möglich direkt beim Bauern zu kaufen. Nahrungsmittel werden im Allgemeinen immer irgendwo in der Nähe angebaut und sind dort mit etwas Glück frei von all den Nachteilen, die von den Methoden landwirtschaftlicher Großbetriebe herrühren.

Auch wenn Pollan diesen Punkt nicht erwähnt hat, kann ich jedem nur empfehlen darauf zu achten, dass das Fleisch, welches man kauft von Tieren stammt, die mit Gras gefüttert wurden und artgerecht aufgezogen wurden. Auf diese Art und Weise kann man bis zu einem gewissen Grad sichergehen, dass Fleisch ein ausgewogenes Omega 3 zu Omega 6 Fettsäurenverhältnis aufweist.

Pollan empfiehlt weiterhin, dass man sich so oft wie möglich sein Essen selbst kochen sollte, doch das erklärt sich eigentlich von selbst. Nur dann kann man wissen, wo die verwendeten Nahrungsmittel herkommen und was das Essen genau enthält.

Zu guter Letzt (zumindest ist das die letzte seiner Empfehlungen, die ich an dieser Stelle mit aufnehme), sollte man wie ein Allesfresser essen. Dies bedeutet z.B., dass man so viele unterschiedliche Nahrungsmittel wie möglich in seine Ernährung mit aufnehmen sollte. Noch nie eine Steckrübe gesessen? Dann rein damit in den Einkaufswagen. Noch nie Grünkohl probiert? Dann sollte man diesen einmal essen. Was jedoch vielleicht am wichtigsten für die eine allumfassende Vielfalt der Ernährung ist: man sollte mehr Blätter essen. - "Je größer die Vielfalt der Nahrungsmittel ist, die man zu sich nimmt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man seinen kompletten Nährstoffbedarf deckt", empfiehlt Pollan.

Dies ist eine recht bodenständige und sinnvolle Empfehlung.

Offensichtlich, auch wenn die meisten Leser dieser Seite sich für die Gesundheit interessieren, sind wir daran interessiert die Grenzen der menschlichen Errungenschaften in körperlicher und ästhetischer Hinsicht zu verschieben. Somit werde ich auch in Zukunft nicht auf mein Proteinpulver verzichten, da es zu schwer ist, all das Protein in Form von Fleisch zu verzehren und es – basierend auf den in diesem Artikel aufgeführten Hinweisen - auch zu ungesund ist, all dieses Fleisch zu essen.

Genauso werde ich auch zukünftig Supplements einnehmen, um meine sportliche Leistungsfähigkeit zu steigern oder meine Körperzusammensetzung zu verändern, doch ich bin der Meinung, dass die gute alte Gesundheit nicht solch ein Geheimnis sein sollte. Die Aufrechterhaltung der Gesundheit sollte eigentlich etwas Leichtes sein und keine Echtzeitversion des Da Vinci Codes (Sakrileg) mit eigenen Verschwörungen und teuflischen Charakteren.