Alkoholkonsum in Deutschland
Die Daten des Jahrbuchs der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen für das Jahr 2011 zeigen folgendes: Jeder fünfte Deutsche zwischen 18 und 64 Jahren hat ein Alkoholproblem. Die jährlich konsumierte Menge an Alkohol geht dabei leicht zurück. In den 90er Jahren betrug der Konsum noch ca. 12 Liter reinen Alkohol pro Bürger im Jahr. Im Jahre 2010 liegt dieser Wert bei ca. 9,7 Litern pro Bürger. Betrachten wir den hohen Konsum, dann schaden neun Millionen deutsche Bürger ihrer Gesundheit durch übermäßigen Alkoholkonsum, bis hin zur Abhängigkeit. Die angesprochene zurückgehende Alkoholmenge pro Kopf sind leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn vom Jahr 2000 – 2009 ergab sich eine prozentuelle Steigerung der Alkoholvergiftungen um ca. 113%. Dabei ist im Alter zwischen 19-25 Jahren sogar ein Plus von 194% zu verzeichnen. Es mussten im Jahre 2010 ca. 4200 jugendliche stationär, wegen einer Alkoholvergiftung behandelt werden. Allgemein lässt sich sagen, dass die Alkoholmengen abnehmen, jedoch Krankheitsbilder und Vergiftungen im Zusammenhang mit Alkohol immer häufiger auftreten. Rechnet man die Alkoholmengen auf den Tag um, so nimmt jeder Bürger ca. 24g Alkohol pro Tag zu sich, dass entspricht ¼ Liter Wein oder ½ Liter Bier pro Tag. Es wird in Deutschland von 1,4-1,6 Millionen Alkoholabhängigen ausgegangen, wobei die Dunkelziffer sehr hoch sein sollte. Die Zahl von 73000 Todesopfern durch alkoholbezogene Gesundheitsstörungen spricht eine deutliche Sprache. Im Gegensatz zur Rückläufigkeit beim Tabakkonsum und dessen Krankheitsbildern, findet beim Alkohol nur eine Verschiebung in die Extreme statt. Die Schwellendosis eines Erwachsenen ist dabei sehr variabel und stützt sich auf sehr viele Faktoren wie Geschlecht, Gewicht, Alter, Begleiterkrankungen, Trinkmuster, Art der Getränke, Dauer des Konsums und vieles mehr. Das Risiko in den Alkoholismus zu fallen oder durch Konsum Krankheiten zu erleiden ist sehr schwer zu kalkulieren. Die Schwellendosis der DGE und des Bundesministeriums beläuft sich für Männer auf 20g und für Frauen auf 10g reinen Alkohol pro Tag. Der Durchschnittswert liegt von 24g liegt somit schon über der Schwellendosis. Gehen wir davon aus, dass die Verteilung der Konsumenten sehr ungleich ist, wird klar - warum jährlich ca. 20 Milliarden Euro in direkt alkoholinduzierte Erkrankungen fließen. Diese belasten durch den hohen Kostenfaktor unser Gesundheitssystem. Im Zusammenhang mit diesen Zahlen ist es ebenfalls interessant zu sehen, dass der Staat rund 2 Milliarden Euro durch Steuergelder aus alkoholischen Getränken gewinnt. [1]Was ist Alkohol?
Alkohol oder auch Ethanol ist ein einwertiger Alkohol, welcher in reiner Form eine durchsichtige Flüssigkeit darstellt, welche leicht entzündlich ist. Alkohol entsteht durch die Vergärung von Zucker oder stärkehaltigen Stoffen. Meistens wird Ethanol im Zusammenhang mit Nahrungsmitteln und der typischen Alkoholgärung, durch Bakterien oder Hefen gewonnen. Viele Nahrungsmittel enthalten von Natur aus geringe Mengen an Ethanol. Alkohol kann jedoch auch synthetisch durch Ethan oder anderen Stoffe hergestellt werden. [2]Alkoholstoffwechsel
Alkohol wird nach dem Konsum sehr schnell absorbiert. Dabei wird er nicht nur wie der Großteil unserer Nahrung im Dünndarm resorbiert, sondern ebenfalls ein Teil direkt im Mund durch die Schleimhaut ca. 2% und durch den Magen bis zu 20%. Der Großteil wird jedoch im Dünndarm resorbiert. Die Resorptionsdauer ist von vielen verschiedenen Einflussgrößen wie Geschlecht, Alter, Magenentleerungsgeschwindigkeit und vielen anderen Faktoren abhängig. [3] Im Magen wird der meiste Alkohol durch Alkoholhydrogenasen (ADH) oxidiert. Im Gegensatz dazu findet im Dünndarm eine Oxidation durch drei Enzymsysteme statt. Zum einen ADH, aber auch durch das mikrosomale Ethanol-oxidierende System (MEOS) und durch Katalase. Dabei werden die niedrigen Alkoholkonzentrationen meist über ADH oxidiert und die höher konzentrierten durch MEOS. Durch diese Oxidation entsteht Acetaldehyd (AA), welches eine hochtoxische Substanz darstellt. AA wird weiter abgebaut, schädigt jedoch einige Zellstrukturen und Organellen wie zum Beispiel Mitochondrien, welche die Kraftwerke der Zelle darstellen und zur Energiegewinnung unerlässlich sind. Durch zugeführten Alkohol kann es zu Störungen in den Zellen kommen. Es können freie Radikale geschaffen werden und zur Hemmung der Proteinbiosynthese kommen. [4] Es entstehen Redoxäquivalente in Form von NADH, diese verändern das Redoxpotential der Leberzellen, was zu folgenden Veränderungen führen kann: Fettleber, Hyperlipoproteinämie (negative Veränderung, in Form einer Erhöhung der Cholesterinwerte, Triglyceride und der Lipoproteine), Hypoglykämie (Absinken des Blutzuckerspiegels), Hyperlaktazidämie (Übersäuerung des Blutes durch Laktat), Hyperurikämie (Erhöhung der Harnsäure im Blut). Alkohol wird durch den sehr individuellen Einsatz der körpereigenen Enzyme ADH und ALDH sehr unterschiedlich abgebaut. Die verschiedenen Genotypen dieser Enzyme führen zu starken Schwankungen beim Abbau. Das beste Beispiel in diesem Bereich ist der Asiate. Sehr viele Asiaten weisen eine Mutation der ALDH2 auf und können deshalb AA gar nicht oder nur sehr schlecht abbauen. Dies führt dazu, dass schon kleinste Mengen Alkohol zu Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit führen können. [4] Eine gesunde Person verstoffwechselt durchschnittlich zwischen 5-7g Alkohol pro Stunde. Dies ist natürlich wiederum abhängig von vielen Faktoren, plus die individuellen Schwankungen. Kann ich den Abbau von Alkohol beschleunigen? Den Abbau zu beschleunigen ist sehr schwierig und oft auch nicht wirklich effektiv umsetzbar, was ebenfalls auf die individuellen Reaktionen zurück zu führen ist. Ein Ansatz hat gezeigt, dass sehr hohe Dosen an Fructose, durch die entstehende Reoxidation von NADH, den Abbau von Alkohol beschleunigen kann. Diese Mengen werden jedoch meist nicht gut vertragen und können eine stark abführende Wirkung haben.Alkohol und Ernährung
Durch übermäßigen Alkoholgenuss, welcher schnell zum Alkoholismus führen kann, kommt es zu verschiedenen Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten und somit zu verschiedenen klinischen Zeichen. Die alkoholbedingte Mangelernährung, welche entstehen kann, hängt ebenfalls von Stadium des Alkoholismus, Grad der sozioökonomischen Integration und Erkrankungen ab. Die Einflussfaktoren sind sehr umfangreich und eine Mangelernährung muss auch bei schweren Trinkern nicht immer gegeben sein. Es treten je nach Dauer des Alkoholmissbrauchs verschiedene Veränderungen auf. Hierzu möchte ich einige Beispiele nennen:- Es kann zu Knochenfrakturen an den Rippen kommen und zur Osteoporose
- Es können Ödeme auftreten
- Es kann zu zentralneurologischen Störungen kommen
- Gestörte Dunkelsichtadaption
- Minderung der Arm- und Beinmuskulatur – ausgelöst durch Muskelatrophie
- Trockene Haut durch Zinkmangel
- Typische Mangelerscheinungen von Vitaminen und Mineralstoffen
- …und vielen weiteren
Alkoholismus
Die eigentliche Gefährlichkeit von Alkohol ist durch die Bezeichnung "Alltagsdroge" schon lange eingeschränkt worden. Alkohol hat auch aus diesem Grund und wegen der guten Verfügbarkeit, ein sehr hohes Missbrauchspotential. Die charakteristischen Merkmale von Alkohol sind die psychische Abhängigkeit und die große Potenz. [5] Alkoholiker sind stark gefährdet an einer Mangelernährung zu erkranken, nicht nur weil sie ein hohes Pensum an aufgenommenem Alkohol zu sich nehmen müssen und so wichtige Nährstoffe verdrängt werden, sondern auch weil der viele Alkohol starke Auswirkungen auf Stoffwechselvorgänge im Körper hat. Ein Alkoholiker nimmt dabei bis zu 50% der aufgenommenen Energie durch Alkohol auf. Der psychische Aspekt der Krankheit ist oft sehr dramatisch und die Therapien leider oft erfolglos oder nur begrenzt wirksam.Alkohol und der Energiestoffwechsel
Durch die Aufnahme von Alkohol kann oft schnell eine positive Energiebilanz entstehen, denn die zugeführte Energie wird neben dem normalen Essverhalten konsumiert. Es entsteht durch Alkoholkonsum ein Hungergefühl, welches zu der sowieso schon übermäßigen Aufnahme an Alkohol mit einfließt. Alkoholkonsum kann in diesem Zusammenhang schnell zu Übergewicht führen. Wenn der Alkohol, wie oben beschrieben, durch ADH abgebaut wird, wird dieser komplett in ATP (Adenosintriphosphat) umgebaut. In der Kombination mit einer fettreichen Ernährung und der so entstehenden Hemmung der Lipidoxidation (Fettverbrennung), werden diese zusätzlichen Kalorien schnell angesetzt. Der schwere Trinker hingegen tauscht die Kalorien, welche er durch die Nahrung aufnehmen würde, gegen die des Alkohols aus. Dies hat zur Folge, dass andere Makro- und Mikronährstoffe nicht genügend aufgenommen werden. Ein weiteres schwerwiegendes Problem ist, dass bei hoher Alkoholzufuhr, der Alkohol über MEOS oxidiert wird. Hierbei wird die ATP-Gewinnung aus Alkohol teilweise blockiert und kann nicht vom Körper als Energie genutzt werden. Die Folge – Alkoholiker können den vermeintlichen Anteil an Energie, durch Alkohol teilweise nicht umsetzen. In Fachkreisen spricht man auch von leeren Kalorien. Aus diesem Grund kann es bei sehr hoher Alkoholzufuhr zu einer Mangelernährung kommen, die ein klares Kaloriendefizit aufweist. Es kommt zum Gewichtsverlust.Alkohol und der Kohlenhydratstoffwechsel
Alkohol kann Einfluss auf den Kohlenhydratstoffwechsel haben. Abhängig ist dies immer vom Ernährungszustand der Person und vor allem von der Dosis und der Dauer der Alkoholzufuhr. Bei schwerem Alkoholmissbrauch kann es zu einer Pankreatitis kommen und so zu einer Malabsorption (mangelhafte Aufnahme von Substraten). Vor allem bei chronischen Alkoholikern, welche sehr wenige Kohlenhydrate oral aufnehmen und oft Leberschädigung haben, müssen mit einer Störung im der Pyruvatverfügbarkeit bei der Glukogenese (Glucosegewinnung im Körper) rechnen. Resultat kann eine Hypoglykämie (Unterzuckerung) sein, weil zu viel Laktat produziert wird, jedoch zu wenig Pyruvat. Dieser Effekt wird durch die Einnahme von verschiedenen Medikamenten noch verschlimmert. Alkohol kann auch Einfluss auf Hormone haben, welche mit dem Kohlenhydratstoffwechsel in Verbindung stehen. Ebenfalls ist der Einfluss auf Wachstumshormone bekannt. Durch dauerhaften Alkoholkonsum kommt es zu einer Verminderung der Glykogenreserven in der Leber.Alkohol und der Fettstoffwechsel
Sobald Alkohol dauerhaft konsumiert wird, ist die Fettoxidation um ca. ¼ unterdrückt. Bei ständigem Alkoholkonsum sollten Mahlzeiten nicht mehr als 30% Fett beinhalten. Alkohol kann durch seine Einwirkungen auf die Fettverarbeitung auch alle Lipoproteinfraktionen beeinflussen. Des Weiteren kann das gestörte Redoxpotential der Leber zu einer sogenannten "Fettleber" führen. [6] Durch eine Fettleber oder den Ansatz, kann es zu einer Hemmung der Lipidoxidation kommen und die Triglyceridsynthese (Körperfettaufbau) kann gesteigert werden. Fette werden also nur noch teilweise zur Energiegewinnung genutzt und können großteilig als Fettpolster angelagert werden. Es findet außerdem ein vermehrter Abbau von VLDL statt, wobei es zu einer Hyperlipidämie (erhöhter Blutfettwert) kommen kann. Fettreiche Nahrung verschlimmert den ganzen Zustand noch. Ebenfalls wird der Anteil an HDL-Cholesterin im Blut erhöht, was im Verdacht steht koronare Herzkrankheiten mit zu verursachen. Alkohol kann somit viele negative Einflüsse auf den Fettstoffwechsel haben und neben den Verschlechterungen der Blutfettwerte auch Übergewicht fördern.Alkohol – Vitamine und Spurenelemente
Fettlösliche Vitamine
Bei den fettlöslichen Vitaminen ist Vitamin A, D und E anzusprechen. Der Vitamin A-Gehalt ist bei Alkoholikern oder Personen, welche durch Alkoholeinwirkungen eine Lebererkrankung erleiden mussten niedriger. Eine Mehraufnahme von Vitamin A- ist empfehlenswert, jedoch muss beachtet werden, dass zu hohe Dosen an Vitamin A zu einer toxischen Reaktion in der Leber führen können. Es kommt bei Alkoholikern oft zum Vitamin E Mangel. Vitamin E hat viele Schutzfunktionen im Bereich des Immunsystems. Durch Alkohol werden, wie schon beschrieben, vermehrt freie Radikale produziert, deshalb ist Vitamin E auch in einem solchen Zusammenhang sehr wichtig für den Körper.Wasserlösliche Vitamine
Wasserlösliche Vitamine, welche im Zusammenhang mit Alkohol genannt werden müssen, sind Thiamin, Vitamin B6 und Folsäure. Thiamin kann durch den gestörten Transport im Darm und die häufig und wenig aufgenommenen Mengen nicht verwertet werden. Für diesen Prozess reicht eine einzige Alkoholdosis. [6] Es kann auch zu Störungen im Thiaminstoffwechsel kommen, dies kann zum Wernicke-Korsakow-Syndrom führen. Das Syndrom ist charakterisiert durch Veränderungen des Bewusstseins, bis hin zu Psychosen. In diesem Fall muss sofort mit intravenösem Thiamin behandelt werden. Durch Beziehung zwischen Thiamin und Magnesium sollte ebenfalls immer genügend Magnesium im Körper vorhanden sein. Das in der Leber gespeicherte Vitamin B6 und dessen aktive Formen können durch Alkohol reduziert werden, bis hin zur kompletten Blockade der Formen. Der häufigste Mangel bei Alkoholikern ist mit Abstand der Folsäuremangel. Folsäure kann bei starkem Alkoholkonsum nicht mehr gut resorbiert und gespeichert werden. Es kommt zu einem vermehrten Abbau und Ausscheidung von Folsäure und zur Verschlechterung des Blutbildes und starker Müdigkeit.Spurenelemente
Bei einem Alkoholismus kann es zu einem Mangel an sämtlichen Elektrolyten und Spurenelementen kommen, vor allem Zink, Magnesium und Selen sind hier betroffen. Besonders Zinkmangel wird bei Alkoholikern und bei übermäßigem Konsum festgestellt. Zinkmangel verstärkt nebenbei auch die Toxizität vom aufgenommenen Alkohol. Erklären lässt sich dies, indem das ADH ein zinkabhängiges Enzym ist, welches bei einem Zinkmangel wesentlich langsamer arbeitet und so der Alkohol länger im Körper verweilen kann.Zusammenfassung
Alkohol ist bei vielen Menschen nicht mehr wegzudenken, ob in Speisen oder Getränken – Alkohol ist allgegenwärtig. Wir sollten dabei nicht vergessen, dass Alkohol eine Droge ist und Körper und Geist, durch viele genannte Faktoren stark schädigen kann. Alkoholismus ist auch in Deutschland weit verbreitet! Oft ziehen sich Menschen mit dieser Krankheit aus dem sozialen Leben zurück und bemerken die Krankheit erst dann, wenn es für sie ohne Hilfe keinen Ausweg mehr gibt. Auch regelmäßiges Trinken und der entstehende Rausch ist für den Körper ungesund.Auch im Falle von Alkohol macht die Menge und Konzentration das Gift - ein verantwortlicher Umgang sollte Voraussetzung sein!
Quellen
- Pressemitteilung der Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. 2011. Jahrbuch Sucht 2011. Berlin. Hamm, 26. April 2011. Seite 2
- Thieme Chemistry (Hrsg.): Eintrag zu Ethanol im Römpp Online. Version 3.29. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2012, abgerufen am 29. Januar 2013.
- Seitz, HK. und Pöschl, G.: The role of gastrointestinal factors in alcohol metabolism. Alcohol 32. 1997. (5): 543-549
- Seitz, HK. und Suter, PM.: Alkohol In: Adler et al. (Hsg): Klinische Gastroenterologie und Stoffwechsel. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg. 1994. 9: 25-34
- Feuerlein, W.: Definition, Diagnose und Entstehung von Alkoholismus: Gerundzüge der Behandlung. In: Seitz, HK. et al. (Hsg): Handbuch Alkohol, Alkoholismus, Alkoholbedingte Organschäden. JA Barth, Leipzig Heidelberg, 2. Auflage, S. 55-74
- Suter, PM.: Alcohol ist role in health and nutrition. In: present knowledge in health and nutrition, 8. Auflage ILSI Washington DC S. 497-507.