von G. Douglas Andersen, DC, DACBSP,CCN
Wenn man als Arzt einen Patienten hat, der Zigaretten raucht und nicht bereit ist, damit aufzuhören, wäre es meiner Ansicht nach unethisch diesen Patienten nicht darauf hinzuweisen, dass er zusätzliche Antioxidantien einnehmen sollte. Dasselbe gilt für einen Patienten, der Steroide einsetzt und damit nicht aufhören möchte. Der erste Schritt ist die Ausarbeitung eines Programms, mit dem die Nebenwirkungen der Steroide minimiert werden, wobei dem Patienten jedoch verdeutlicht werden sollte, dass die zusätzliche Einnahme von Supplements die Steroidanwendung nicht sicher macht. preview
Steroide bewirken ohne eine kalorien- und proteinreiche Ernährung nicht die vom Anwender erwünschte Muskelhypertrophie. Dies ist den meistern Anwendern anaboler Steroide bekannt. Es ist für einen Arzt natürlich verlockend, die Proteinzufuhr bei einem Patienten zu reduzieren, dem dies nicht bewusst ist, denn wenn anabole Steroide nicht die gewünschte Wirkung zeigen, ist es leichter einen Patienten davon zu Überzeugen, deren Anwendung zu beenden. Was hierauf jedoch fast unweigerlich passiert, ist dass der Patient die Ausbleibenden Fortschritte mit seinem Steroiddealer oder einem Freund im Fitnessstudio bespricht, welcher erkennen wird, dass dem Problem ein inadäquater Proteinkonsum zugrunde liegt.
Diese Kontaktpersonen werden dann versuchen, den Patienten davon zu überzeugen, den Mediziner nicht mehr zu konsultieren, da dieser falsche Informationen und Ratschläge gegeben hat. Im Endeffekt wird eine solche Manipulation meist zu einem Bumerang. Aus diesem Grunde sollte man als behandelnder Mediziner lieber darauf achten, dass der Rest der Ernährung des Patienten fettarm, reich an komplexen Kohlenhydraten und arm an Zucker, Koffein, Salz und stark verarbeiteten Nahrungsmitteln ist.
Ich konnte in der Fachliteratur keine Studie finden, welche die Zufuhr von Mikronährstoffen für Steroidkonsumenten betraf. Wir wissen, dass die Gefahr für Nebenwirkungen steigt, wenn Sportler höhere Dosierungen anaboler Steroide einsetzen. Wir wissen auch, dass die Gefahr für Nebenwirkungen steigt, wenn Steroide über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden. Schließlich wissen wir noch, dass orale Steroide die Leber mehr belasten, als injizierbare Steroide und dass C-17 alkalysierte injizierbare Steroide mehr Nebenwirkungen verursachen, als nicht alkalysierte Varianten.
Unglücklicherweise gibt es keine magische Steroidunterstützungsformel. Ich empfehle eine gute, hoch dosierte Mulivitamin/Multimineral Formel, die zusätzlich zur normalen Ernährung eingenommen wird. Zusätzlich sollten weitere Mikronährstoffe eingenommen werden, die speziell auf die symptomatischen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten sein sollten. Die Dosierungsbereiche, die ich im Folgenden aufliste, stammen zum größten Teil aus Studien. Je mehr Nährstoffe man zu einem Multisupplement hinzufügt, desto niedriger kann die die verwendete Dosierung sein, da ähnliche Nährstoffe oft synergistisch zusammenwirken.
Ich werde nun einen kurzen Überblick über die unterschiedlichen Arten von Mikronährstoffen geben, die unter verschiedenen Umständen eingesetzt werden können und die theoretisch bei den typischen Symptomen von Steroidkonsumenten anwendbar sind.
1. Das Herz-Kreislauf System
A. Antioxidantien
Es gibt viele unterschiedliche Arten von Mikronährstoffen mit antioxidativer Wirkung. Die nachfolgende Liste umfasst die gebräuchlichsten und am besten untersuchten Substanzen- Vitamin C: 1-5 gm
- Vitamin E: 400-800 IU
- Beta Caroten: 10-50 mg
- Coenzyme Z10: 30-120 mg
- Thiamin: 25-100 mg
- Zink: 30 mg*
- Kupfer: 2 mg*
- Mangan: 20 mg*
- Selen: 200-300 mcg *
B. Thrombozyteninhibitoren (der Verdickung des Blutes entgegen wirkend)
- Fischöl (EPA und DHA): 3-6 Gramm
- Gamma Linolsäure (GLA): 200-500 mg
- Knoblauchöl: 25 mg
C. Andere das Herz-Kreislauf System schützende Substanzen umfassen
- Pantethein: 900-1.200 mg pro Tag (erhöht den HDL Spiegel, senkt den LDL Spiegel und reduziert die Blutfettwerte)
- Taurin: 1-3 g pro Tag (Aufrechterhaltung myokardialer Elektrolyte, insbesondere Kalium (K+) )
- L-Carnitin: 0.5-2.0 Gramm pro Tag (reduziert die Blutfettwerte)
- Magnesium: 400-800 mg pro Tag (es ist nur eine Frage der Zeit, bis es von Kardiologen routinemäßig eingesetzt werden wird)
2. Bluthochdruck
- Kalzium: 1.000 – 1.500 mg pro Tag
- Magnesium: 800-1.200 mg pro Tag
3. Hepatische Unterstützung (Unterstützung der Leber): Lipotrophe Faktoren:**
- Glutathion: 250-1.000 mg (Antioxidans, das Lebertoxine (Gifte) bindet)
- Phosphatidylcholin: 2-5 Gramm (ein Bestandteil des Lezitins; man sollte ein Präparat mit einem Anteil von 75 % einnehmen)
- Silymarin: 50-150 mg (wird aus der Mariendistel gewonnen, besitzt starke die Leber regenerierende Eigenschaften)
4. Androgenbedingte Nebenwirkungen
Bei meiner Literaturrecherche bin ich auf eine sehr interessante Studie gestoßen, die zeigte, dass wenn Frauen Ballaststoffe in Form von Weizenkleie in einer Menge von über 30 Gramm pro Tag konsumierten, die Menge des im Blutkreislauf zirkulierenden Östrogens reduziert wurde(3). Auch wenn dies noch nicht mit Männern, die anabole Steroide verwenden, getestet wurde, kann eine Ernährung, die reich an nicht löslichen Ballaststoffen ist, nicht schaden und es besteht zusätzlich eine gute Chance, dass, wenn Weizenkleie den Östrogenspiegel bei Frauen senken kann, dies auch bei Männern der Fall sein könnte. Wie wir alle wissen, reagiert der Körper bei Männern auf den Konsum anaboler Steroide damit, dass er die körpereigene Testosteronproduktion stoppt(1) und die Östrogenproduktion steigert(2), um hierdurch ein homöostatisches Umfeld aufrecht zu erhalten. Unglücklicherweise kann ein hoher Östrogenspiegel bei Männern zu unerwünschten Nebenwirkungen führen, wovon Gynäkomastie die häufigste ist.Prostatavergrößerung und vorzeitigem Haarausfall bei Männern mit einer genetischen Veranlagung kann durch die Einnahme von Saw Palmetto (60 – 320 mg pro Tag) entgegengewirkt werden. Saw Palmetto blockiert die Enzyme, welche Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) umwandeln und an der Aufnahme von DHT beteiligt sind. Erhöhte Spiegel an DHT bei Steroidkonsumenten stehen mit diesen Nebenwirkungen in Verbindung. Alopecia (androgenetisch bedingter Haarausfall) bei Männern ohne Veranlagung zu Haarausfall kann in einigen Fällen durch Saw Palmetto und Ginseng verzögert werden.
Hodenatrophie und reduzierte Anzahl der Spermien kann durch 50 – 100 mg Zink pro Tag hinaus gezögert werden. Ich empfehle hierbei eine gut durch den Körper absorbierbare Form wie Picolinat. Um sicherzustellen, dass ein Mangel an Kupfer verhindert wird, sollte ein Steroide konsumierender Sportler viele Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und grünes Gemüse zu sich nehmen. Bei einer Zinkdosierung im Bereich von 100 mg ist ein Kupfersupplement zu empfehlen. Ich empfehle 4 mg einer gut absorbierbaren Form wie Kupfersebacat.
5. Agressivität
- Baldrian: (nicht giftiges, nicht abhängig machendes Beruhigungsmittel)
- Passionsblumenextrakt
6. Unterstützung der Nieren
- Es sollte viel Wasser getrunken werden
- Zink: 40-60 mg pro Tag (für die Umwandlung von Ammoniak in Harnstoff)
In den kommenden Jahren werden hoffentlich wirkungsvolle, sichere Alternativen zu Steroiden entwickelt werden und die Erforschung pflanzlicher schützender Stoffe wird weiter fortschreiten.
Quellen
- DiPasquale: Anabolic Steroid Side Effects, Facts, Fiction, and Treatment. M.G.D. Press, Ontario, Canada.
- Phillips: Anabolic Reference Guide, ed 6. Mile High Publishing Golden Color, 1991.
- Rose: High fiber diet reduces serum estrogen concentration in premenopausal women. American Journal of Clinical Nutrition, 54: 1991.
- Whitaker: Health and Healing. 2(3): March 1992.
- Wright, G: Nutritional therapy for the 1990s. Seminar notes, Los Angeles, September 1991.
- I would like to give my special thanks to Stewart Zweikoft, D.C. for providing resource materials.