Das Original findet man unter Class I and Class II Androgens
Autor ist Bill Roberts, Ph.D.

Eine Methode, die sich in der Praxis bewährt hat um die Wirkung eines Stacks verschiedener anaboler Steroide voraussagen zu können, ist die systematische Gruppierung von anabolen Steroiden als "Klasse I" oder "Klasse II" Androgene. Androgene, die in Kombination keine oder nur eine geringe synergistische Wirkung aufweisen, werden hierbei der selben Klasse zugeordnet. Androgene, die sich gut ergänzen und damit synergistisch wirken, werden unterschiedlichen Klassen zugeordnet.

Die Zuordnung des ersten Wirkstoffes erfolgt willkürlich zu einer der beiden Klassen. Wir ordnen beispielsweise Trenbolon in Klasse I ein. Somit müssen Metenolon (Primobolan), Nandrolon (Deca), Boldenon (Equipoise) und Oxandrolon derselben Klasse zugeordnet werden, da keiner diese Stoffe synergistisch mit Trenbolon zusammenwirkt. Denn durch die Kombination von einem dieser Wirkstoffe mit Trenbolon wird keine bessere Wirkung errreicht, als durch eine entsprechend hohe Dosierung von Trenbolon alleine.

Und es gibt keine Kombination innerhalb der Gruppe der Klasse I-Wirkstoffe, mit der eine nennenswerte synergistische Wirkung erzielt werden kann. Somit ist unser Klassifizierungssystem bis zu diesem Punkt logisch konsistent. preview

Dianabol dagegen wirkt sehr gut synergistisch, wenn man es mit Trenbolon oder anderen Wirkstoffen der Klasse I kombiniert. Somit muss Dianabol nach unserer Logik der Klasse II zugeordnet werden. Andere Steroide in dieser Klasse wären Anadrol (Oxymetholon) und Winstrol.

Der Vollständigkeit halber sollte hier nicht unerwähnt bleiben, dass es zwischen Winstrol und Dianabol bzw. Winstrol und Oxymetholon auch gewisse synergistische Wirkungen gibt, obwohl all diese Stoffe zu Klasse II gehören. Diese Synergien sind jedoch nicht annähernd so stark wie die Synergien zwischen einer dieser Substanzen und einer beliebigen Substanz der Klasse I. Während sich alle Substanzen der Klasse II in ihrer Wirkung grundsätzlich von denen der Klasse I unterscheiden, gibt es auch Unterschiede hinsichtlich der Wirkungsweise zwischen einzelnen Wirkstoffen der Klasse II: Winstrol könnte z.B. eine Wirkung haben, die Dianabol nicht oder nur in geringerem Umfang besitzt.

Wenn man sich die Bindefähigkeit anaboler Steroide an den Androgenrezeptor näher anschaut (soweit diese bekannt ist), wird ein Zusammenhang zu unserem Klassifikationssystem sichtbar. Alle Wirkstoffe, die eine starke Binde-Affinität (= Bindefähigkeit) zum Androgenrezeptor besitzen, befinden sich definitiv in Klasse I, wohingegen die Wirkstoffe mit schlechter Binde-Affinität (auch wenn sie unabhängig davon eine gut ausgeprägte anabole Wirkung besitzen) in Klasse II zu finden sind.

Man könnte unser Klassifizierungssystem somit auch wie folgt definieren:
  • Klasse I: Steroide mit starker Binde-Affinität zum Androgenrezeptor

  • Klasse II: Steroide mit schwacher Binde-Affinität zum Androgenrezeptor

Eine detaillierte Betrachtung der Tatsache, dass Androgene auch auf anderen Wegen als über den Androgenrezeptor wirken können, ist im Artikel Pharmacological Differences Among Anabolic/Androgenic Steroids zu finden. (Anmerkung des Übersetzers: auch bald im Portal unter dem Titel "Pharmakologische Unterschiede zwischen verschiedenen Anabolen Steroiden" zu finden). Man kann davon ausgehen, dass es hierbei unterschiedliche, vom Androgenrezeptor unabhängige Wirkungsweisen gibt, die von Steroid zu Steroid variieren können. Und daher so dass die Kombination unterschiedlicher Wirkstoffe Synergien erzeugen kann.