
Androstadiendion

Boldenon
Der Unterschied zwischen Pro- und Zielhormon ist wieder der, dass das Prohormon an Position 17 eine Keto-Gruppe hat, während das Zielhormon dort eine Hydroxy-Gruppe besitzt.
Und das Enzym 17ß-HSD soll für die Umwandlung sorgen.
Androstadiendion kommt in Kühen natürlich vor, was der Grund ist, dass es gemäß DSHEA verkauft werden darf. Kühe spielen übrigens auch bei der Gewinnung dieses Prohormons eine wichtige Rolle, denn es wird aus deren Exkrementen extrahiert.
Androstadiendion ist wieder so ein Produkt, von dem sehr viel versprochen wird. So soll es:
- oral aktiv sein, also eine besonders gute Bioverfügbarkeit besitzen
- zu einem hohen Anteil in Boldenon umgewandelt werden
- die Ausschüttung von EPO steigern
- nur wenig aromatisieren und gleichzeitig noch als Anti-Östrogen wirken.
Bisher hat allerdings noch niemand die Muße gefunden zu analysieren, wie hoch dieser Anteil wirklich ist.
Stattdessen führt beispielsweise W. Llewellyn, dessen Firma Molecular Nutrition das Produkt Boldione vertreibt, zur Untermauerung dieser Argumentation eine Studie18 aus dem Jahr 1971 an. Deren Thema sind Metaboliten im Urin, unter anderem auch nach Gabe von Androstadiendion (vgl. http://www.bodybuilding.com/store/mn/bold.html). Über die Menge dieser Metaboliten im Urin schließt Llewellyn auf die Bioverfügbarkeit und suggeriert dem Leser so, dass diese bei 45 % liegt.
Ich halte diese Art der Argumentation für sehr wackelig - von den Mengen im Urin lässt sich kaum auf die Blutkonzentration schließen.
In der Pferde-Studie von Dehennin et al. (unter Norandrostendion und Norandrostendiol) fand man z.B. nach oraler Gabe von 0,1 mg Norandrostendion pro kg Körpergewicht (bei einem Wallach) eine maximale Konzentration von 360 ng/ml Nandrolon im Urin.
Bei dem Hengst, der 1 mg Nandrolondecanoat pro kg Körpergewicht erhalten hatte, waren dies im Maximum jedoch nur 162 ng/ml. Und das, obwohl der Nandrolonspiegel im Blut des Wallachs völlig unverändert bleib, während der des Hengstes deutlich gestiegen war und damit viel höher als der des Wallachs lag.
In diesem Zusammenhang drängen sich mir aber noch ein paar andere Fragen auf, wie z.B.:
- Warum wurde überhaupt ein leberschädigendes Produkt wie Dianabol (= Boldenon mit 17-alfa-Alkylierung) entwickelt, wenn die zwei Doppelbindungen ausreichen, um den Wirkstoff vor dem Abbau durch die Leber zu schützen? Denn stattdessen könnte man ja auch einfach Boldenon oral verabreichen, schließlich hat es ebenfalls die beiden Doppelbindungen.
- Warum gab es einmal ein Produkt namens Quinbolon, das eine Boldenon-Variante war, die nach dem Andriol-Prinzip funktionierte? Das Andriol-Prinzip wäre doch überflüssig, wenn die Doppelbindungen Boldenon ausreichend schützen.
Big Cat (wie van Mol auch genannt wird) führt dort eine Betrachtung der gängigen PH-Produkte durch, die mir aber inhaltlich ein wenig von der Tatsache beeinflusst zu sein scheint, dass bodybuilding.com einer der großen amerikanischen Supplement-Vertreiber im Web ist.
Wie Big Cat auf seine geschätzten 10 % Umwandlung kommt, verrät er dann auch nicht. Und auch die erhöhte EPO-Ausschüttung stellt er einfach mal so in den Raum, ohne eine Begründung zu liefern, warum das so sein sollte.
Für die Wirkung als Anti-Östrogen nennt er eine Studie19 aus dem Jahr 1995. Habe mir eben mal den Abstract angeschaut. Von 1, 4-Androstadiendienon steht da allerdings gar nichts, stattdessen geht es um die aromatasehemmenden Eigenschaften von 4-amino-, 4-alkoxy-, 4-aryloxy-, 4-alkyl- und 4-aryl-4-Androstendion.
Aber vielleicht tue ich ihm da auch Unrecht - um das genauer beurteilen zu können, müsste ich mir die Studie kommen lassen, was ich aber nicht tun werde, da die Wichtigkeit dieses Sachverhalts mir den Aufwand nicht zu rechtfertigen scheint.
Dass Androstadiendion nur wenig aromatisiert, ist wiederum ein Statement von W. Llewellyn. Nach einer Studie aus dem Jahr 1962 soll es nur zu einem Anteil aromatisieren, der halb so groß ist, wie der von Androstendion und Testosteron. Llewellyn scheint ein wahrer Meister zu sein, wenn es darum geht Studien auszugraben, die 40 Jahre und älter sind.
Online ist diese Studie nicht verfügbar (zu alt). Aber gut möglich, dass Llewellyn hier Recht hat, denn schließlich aromatisiert ja auch Boldenon zu einem geringeren Grad, als Testosteron.
Boldenon selbst ist übrigens ein AAS der netten Art. Es aromatisiert nur mäßig, wird nur in Spuren 5alpha-reduziert und belastet die Leber nicht.
Es hat daher wenig Nebenwirkungen und man kann damit eine solide Muskulatur von guter Qualität aufbauen.