Nachdem die letztjährige Arnold Classic pandemiebedingt nur zwei Wochen vor dem Mr. Olympia in deutlich reduzierter Form stattfand, kommt man 2022 wieder zu gewohnten Bedingungen zurück. Werfen wir einen Blick auf das Teilnehmerfeld.

Brandon Curry: Nur der Sieg zählt


Brandon geht klar als Favorit ins Rennen. 2019 holte er sich bereits den Sieg in Columbus, um später im Jahr auch den Mr. Olympia-Titel zu gewinnen. Nun plant er, genau diese Erfolgsgeschichte noch einmal zu schreiben.

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Nicht nur die Platzierungen der letzten Jahre – darunter neben den großen Erfolgen 2019 auch zwei zweite Plätze beim Mr. Olympia 2020 und 2021 – sprechen klar für Brandon. Er hat längst den Ruf als ewiges Talent abgelegt. War er in früheren Jahren zumeist nicht in wirklich guter Form, so lieferte er zuletzt souverän ab. Sein Oberkörper ist nahezu perfekt, die Beine werden sicherlich nie seine Stärke werden, aber in dem Maße wie früher fallen sie längst nicht mehr ab. Plus: Er hat mittlerweile die Attitüde eines Champions.

Kommt Brandon in Form, wird es vermutlich nahezu unmöglich, ihn zu schlagen.

Holt Brandon Curry seinen zweiten Sieg bei der Arnold Classic nach 2019?


William Bonac: Der Griff nach dem dritten Titel


Bereits 2018 und 2020 konnte sich William den Sieg in Ohio holen und zog damit bei der Anzahl der Siege mit den Legenden Branch Warren und Kevin Levrone gleich. Daher muss sein Anspruch auch in diesem Jahr klar der Sieg sein, wenngleich das keine leichte Aufgabe werden dürfte.

William hat eine beeindruckende Karriere hingelegt: vom 202-Athlet bis in die absolute Weltspitze der offenen Klasse. Seine unglaubliche Muskeldichte machten ihn lange Zeit zum wohl besten pound by pound-Bodybuilder der Welt. Zuletzt merkte man aber auch, dass Williams Stern langsam am Sinken zu sein scheint. Beim Mr. Olympia 2021 musste er die aufstrebenden Hunter Labrada und Nick Walker vorbeiziehen lassen und wurde erstmals seit Jahren außerhalb der Top 5 platziert. Da William nicht mit Gesamtmasse punkten kann, sind für ihn jeglicher Verlust von Fülle oder auch kleine Schwächen in der Form „tödlich“. Daher scheint fraglich, ob er mit knapp 40 Jahren noch einmal den Hebel umlegen kann.

William Bonac konnte bereits zweimal in Columbus siegen.


Steve Kuclo: Schlägt die Stunde von King Snake?


Steve ist nun schon lange im Geschäft und doch glaubte niemand so wirklich daran, dass er noch einmal sein volles Potenzial würde ausschöpfen können. Doch in den letzten Jahren hat Steve eine positive Entwicklung genommen und wurde somit zu einem ernstzunehmenden Siegesanwärter auch bei Topshows wie der Arnold Classic, was er mit einem dritten Platz im Vorjahr deutlich unterstrich.

Steve besticht durch massive ausladende Muskeln und einen enormen Frame. Zuletzt bekam er auch die in den Jahren zuvor häufigen Formschwächen in den Griff. Auch wirkte er trotz der nunmehr zehn Profijahre frisch und hochmotiviert. Gut vorstellbar, dass er jede Schwäche, die sich Brandon oder William leisten, eiskalt ausnutzen wird.

Nach seinem dritten Platz im Vorjahr will Steve Kuclo mehr.


Samson Dauda: In der Weltspitze angekommen


Samson zählt zu den Athleten, die weniger durch schiere Muskelmasse als vielmehr durch eine ansprechende Linie und vor allem eine top Präsentation überzeugen können. 2021 lieferte er sich im Herbst einige spannende Duelle mit dem verletzungsbedingt ausfallenden Nathan de Asha, von denen er eines für sich entscheiden konnte.

Seine Stärken könnten bei einer Show, deren Namengeber vehement für eine stärkere Berücksichtigung der Linie und des Posings kämpft, durchaus dafür sorgen, dass Samson eine der großen Überraschungen des Wettkampfs wird.



Regan Grimes: Hat er das Rezept gefunden?


Regan sorgte 2018 für Furore, als er zwischenzeitlich von der offenen Klasse in die classic Physique und später wieder zurück wechselte. Dass dieser Wechsel überhaupt möglich war, zeigt, dass auch Regan nicht in die Kategorie Massemonster einzuordnen ist, sondern vielmehr zu den Athleten, deren Linie ihr wertvollstes Kapital ist.

Nach zwei enttäuschenden Abschneiden beim Mr. Olympia 2020 und 2021 konnte er im Spätjahr 2021 in deutlich verbesserter Form in Ägypten gewinnen und später in Prag den dritten Platz hinter Nathan und Samson holen. Für die ganz vorderen Plätze wird es vermutlich nicht reichen, aber die Top 5 könnten durchaus drin sein, wenn die Form passt.



Maxx Charles: Das Kampf um das Finale!


Maxx ist ein beeindruckender Athlet, der jedoch strukturell sichtbar limitiert ist. Dennoch will er nach zwei achten Plätzen in den beiden Vorjahren, diesmal sicherlich endlich den Sprung in die Top 5 schaffen. In Anbetracht des starken Teilnehmerfeldes stehen die Chancen hierfür jedoch wohl eher schlecht.



Justin Rodriguez: An 2021 anknüpfen!


Justin hat sich in den letzten Jahren zu einem respektierten Athleten entwickelt, der durchaus in der Lage ist, kleinere Shows wie die Indy Pro 2021 zu gewinnen. Im Vergleich mit der Weltelite konnte er bislang aber noch nicht überzeugen, sodass eine Finalplatzierung doch eher verwunderlich wäre.



Brett Wilkin: Das Dark horse


Ein richtiger Rookie ist Brett Wilkins nicht und doch dürfte er den weniger bewanderten Lesern kaum ein Name sein. Brett gewann 2018 die Pro Card in der Classic Physique und nahm 2019 an zwei Shows in der 212 teil, jedoch ohne nennenswerte Erfolge. Dann tauchte Brett ab, um 2021 Fans und Experten bei der Chicago Pro zu schocken, wo er in absoluter Topform nicht gänzlich unumstritten von Hunter Labrada geschlagen wurde. Danach verabschiedete sich Brett wieder in die Offseason.

Wenn es Brett gelungen ist, an den richtigen Stellen, vor allem im Oberkörper, ein paar Pfund Muskelmasse draufzupacken, ist er ganz sicher ein Kandidat für die Top 5, wenn nicht sogar mehr. Sicherlich fehlt ihm der große Name, den andere haben, aber als Underdog hat er durchaus alle Trümpfe in der Hand, wenn er die Form von Chicago wiederholen kann.



Fabio Giga Rezende: Der Sieger der Arnold Amateur 2020


Der Brasilianer holte sich 2020 den Gesamtsieg bei den Amateuren und war damit traditionell für das darauffolgende Jahr bei den Profis qualifiziert. Wohl vor dem Hintergrund der Coronapandemie darf er nun in diesem Jahr neben der Weltelite auf der Bühne stehen, wohl aber ohne große Aussichten auf eine Topplatzierung.



Wir berichten wieder das ganze Wochenende und freuen uns auf einen regen Austausch!