Er ist der Inbegriff von Bodybuilding: Arnold Schwarzenegger, die "Steirische Eiche", der Mann, der unseren Sport wohl mehr geprägt hat, als irgendjemand sonst und der ein Paradebeispiel für den "American Way of Life" ist. Nun gab er bekannt, dass er künftig als Chefredakteur der beiden Schwestermagazine Flex und Muscle & Fitness tätig sein wird, die Zeitschriften, auf denen die Gebrüder Weider ihr Imperium aufbauten und somit auch unter anderem Arnolds Weg ebneten. Dass Arnold journalistisch tätig wird, ist nicht neu. Schon früh in seiner Karriere erkannte er das Potential journalistischer Tätigkeit und kam so zu erstem Wohlstand. Im letzten Jahr veröffentlichte er seine Biographie, welche wir anlässlich dieser Neuigkeit noch einmal beleuchten wollen.

Kindheit

Arnold wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Geboren 1947 in einem kleinen österreichischen Dorf, wuchs Arnold zusammen mit seinem Bruder Meinhard als Kind eines Gendarmeriekommandanten auf. Seine Eltern erzogen Arnold streng und mit der zeitgenössischen Härte. Trotz der schweren Umstände beschreibt Arnold seine Kindheit als durchaus glücklich. Der Wunsch nach einem muskulösen Körper entstand einige Jahre später, als der sportliche Junge im Jahre 1961 die Rettungsschwimmer am Thaler See beobachtete. Dieser Lifestyle war es, den er auch für sich wollte: durchtrainierte Körper, Mädchen, Partys. Schnell freundete er sich mit den Jugendlichen an, eiferte ihnen nach und betrat so auch schon bald das erste Mal ein Fitnessstudio und war sogleich fasziniert von dem Gefühl, dass ihm das Training mit dem Eisen gab. Er beschäftigte sich intensiver mit dem Sport und fand schnell ein Vorbild in Reg Park, Mr. Universum und erfolgreicher Schauspieler.

Aus der Steiermark nach Los Angeles

Arnold war gerade 14, da setzte er sich ein klares Ziel: Mr. Universum werden und in die USA auswandern. Bei den meisten Jugendlichen wären solche Ideen schnell vergessen, nicht so bei Arnold. Strebsam und gegen alle Widerstände verfolgte er sein Ziel. Weder die widrigen Umstände zu Hause, noch die Zeit beim Bundesheer, die aufgrund einiger tollpatschiger Aktionen beinahe im Militärgefängnis geendet hätte, brachten ihn von seinem Weg ab, so dass er noch während seiner Militärzeit heimlich nach München reiste um dort als Junior an einer Meisterschaft teilzunehmen. Dort lernte er einige Menschen kennen, die für seine weitere Karriere von entscheidender Bedeutung sein sollte, wie Albert Busek, der schnell das Potential Arnolds erkannte. Mit nur 19 Jahren trat Arnold bei der NABBA WM an und wurde 2., ein Jahr später wurde er an gleicher Stelle zum jüngsten Mr. Universum aller Zeiten. Seine Erfolge in Europa machten Joe Weider auf ihn aufmerksam, der ihn letztendlich in die USA holte.

Der Aufstieg zur Legende

In den USA angekommen, verfolgte Arnold weiter seinen Weg, auch wenn ihn die Vorzüge des freizügigen Kaliforniens durchaus zusagten. Trotz aller anfänglichen Sprachschwierigkeiten war er schnell ein fester Bestandteil der Bodybuildingszene der Westküste. In den USA lernte er auch seinen größten Konkurrenten kennen: Sergio Oliva. Nachdem er sich 1969 noch Oliva geschlagen geben musste, holte er sich im Jahr darauf seinen ersten Mr. Olympia Titel und stieg zu dem Gesicht des Bodybuildings auf und dominierte die Szene in den folgenden Jahren. Neben dem Wettkampfsport erkannte Arnold aber früh, dass er mehr schaffen musste, als ein umjubelter Bodybuilder zu sein, wollte er seinen Traum vom gefeierten Schauspieler verwirklichen. So begann er früh sich fortzubilden, verdiente sein Geld mit allerlei Geschäften, u.a. Versandhandel und Immobiliengeschäften, sowie dem Ausrichten von Meisterschaften, zusammen mit Jim Lorimer. 1975 trat er vom Wettkampfsport zurück, 1980 kehrte er in einer bis heute diskutierten Aktion zurück, holte sich seinen 7. Mr. OIympia Titel um dann endgültig von der Wettkampfbühne zu verschwinden.

Vom Bodybuilder zum Filmstar

Nach anfänglichen Pleiten, machte ihn der legendäre Dokumentarfilm Pumping Iron berühmt, der richtige Durchbruch gelang ihm aber Anfang der 80er mit Conan der Barbar und Terminator. In den folgenden zwei Dekaden war Arnold der Inbegriff eines Actionheldens. Es war die Zeit der Actionstars; Silvester Stallone, Chuck Norris, Jean-Claude van Damme und Dolph Lundgren waren allgegenwärtig und doch war es wieder einmal Arnold, der herausstach.

Der Weg zum Gouvernator

Arnold genoss die Gesellschaft bedeutender und einflussreicher Menschen. So berichtet er u.a. von Treffen mit Andy Warhol, Ronald Reagan u.v.m., besonderen Eindruck hinterließ auf ihn aber der Kennedy-Clan, insbesondere die Nichte John F. Kennedys Maria Shriver hatte es ihm angetan. 1983 wurde Arnold US-Bürger, 1986 heiratete er Maria, mit der er in der Folge vier Kinder zeugte. Trotz der unterschiedlichen politischen Lager (Arnold ist überzeugter Republikaner, Maria entspringt dem berühmtesten Clan der demokratischen Partei), unterstützte Maria seine politische Karriere, so dass er 2003 seine Kandidatur für das Amt des Gouvernors Kaliforniens bekannt gab. Anfänglich belächelt, gelang ihm dann doch ein überzeugender Wahlerfolg und er wurde zum 38. Gouvernor Kaliforniens. 2006 wiederholte er seinen Wahlerfolg und trat 2007 seine zweite Amtszeit an. 2010 musste er nach zwei Perioden aus dem Amt scheiden und fokussierte in der Folge wieder seine Aktivitäten als Schauspieler.

Rezension

Arnold hat das Talent Menschen zu fesseln und das gelingt ihm auch mit diesem Buch (auch wenn es ein Ghostwriter geschrieben hat). Die unzähligen Anekdoten bringen einen immer wieder zum Schmunzeln, sein Werdegang ermutigt einen nie den Glauben an sich zu verlieren und strebsam seinen Traum zu verfolgen.

In der Presse wurde das Buch größtenteils positiv aufgenommen.

"Dieses amerikanische Märchen liest sich flüssig und farbig. Effektvoll ist der Text, wo er in knappen Strichen die Enge und Bitterkeit des Nachkriegs-Österreichs schildert, aus dem sich Schwarzenegger befreit hat." (Die Zeit, 04.Oktober 2012)

"In Total Recall steckt viel Spannendes. [...] Auch sonst lohnt die Lektüre, dieses Buch eines Mannes, dessen Leben wie ein Film war, den sich keiner hätte ausdenken können." (Süddeutsche Zeitung, 05. Oktober 2012)

"Arnold Schwarzenegger hat den Bildungsroman seines Lebens geschrieben, zu sehen, wie sich dieser Arnold danebenbenimmt, ist entwaffnend. Er schreibt ein paar wirklich schöne Sachen über die Leute mit denen er im Laufe der Jahre zusammengearbeitet hat. Am Ende des Buches wirkt Arnold Schwarzenegger wie der Held einer Welt, die an ihr Ende kam, als er sie erobert hatte." (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14. Oktober 2012)

"Die größte Ego-Erfolgsgeschichte der Welt ist wahr geworden." (Bild am Sonntag, 14. Oktober 2012)

Back to the roots

Schon früher war Arnold als Autor für die Weider/AMI-Magazine tätig, doch seine politische Karriere erforderte einen Rückzug, auch wenn er retrospektiv keinen Interessenkonflikt sieht. Beginnend mit den Mai-Ausgaben wird er nun wieder fortfahren den Menschen einen gesunden und fitten Lifestyle zu predigen. "Nicht jeder will Mr. Olympia sein, aber jeder will stark, fit und schnell sein, darum geht es", so begründet Arnold sein Engagement.

Wir dürfen gespannt auf seine erneute journalistische Tätigkeit sein. Jedem geneigten Leser kann ich nur seine Biographie ans Herz legen, herrlich erfrischend und interessant zu lesen.

Er ist und bleibt einfach der Größte!