Schlägt man das Vorwort zu Arnold Schwarzenegger – Die Biographie auf, so liest man als ersten Satz: "Ich hatte mich nie besonders für Arnold Schwarzenegger interessiert."

"Na toll!" dachte ich. "Das beginnt ja schon gut. Das ist so, als ob ich einen Artikel über peruanisches Synchronschwimmen schreiben würde."

Doch weit gefehlt. Marc Hujer wollte keineswegs als Außenstehender einen weiteren zeitgenössischen Bericht über eine Welt verfassen, die er in keiner Facette kannte noch verstand. Nach den üblichen Recherchen begann Hujer vielmehr Schwarzeneggers Autobiographien, seine Bodybuilding-Bibel The Education of Bodybuilding zu lesen, schaute all seine Filme, von denen er bisher nur die Terminator-Reihe kannte und interviewte nach langen Bemühungen die Bodybuildinglegende mehrfach selbst. - Und verfasste letztendlich (s)eine Biographie.

Schwarzenegger, Österreicher, Bodybuilder und Ziehsohn Joe Weiders, der als schillernde Figur des Actionfilmgenres die Aufmerksamkeit auf sich zog. Gouverneur von Kalifornien und Herrscher über Arnieland, seine eigene Welt, in die er sich außerhalb des politischen Geschehens zurückzieht und den engen Kreis seiner langjährigen Freunde wie eine Mauer um sich herum hochzieht, die er auch selbst sein kann. Hujer schaffte es letztendlich nicht nur Schwarzenegger, die Figur des öffentlichen Lebens, zu erleben, sondern Blicke hinter die Kulissen zu werfen und diese anekdotenhaft wiederzugeben.

Arnold Schwarzenegger


Dabei verzichtet Hujer auf großartige Schnick-Schnacks. 48 mehr oder weniger große Bilder zieren die Biographie auf wenigen Seiten in der Mitte, was ohne Frage Produktionsgründe hat und zu den jeweiligen Textpassagen deutlich passender gewesen wären. Über 300 Seiten hat der ehemalige Redakteur der Süddeutschen Zeitung verfasst und teilt sein Buch dabei nach einem kleinen Appetitmacher in Form einer Beschreibung von Arnieland und seinen Bewohnern (also Arnolds engstem Freundeskreis) in die ersten zwei Drittel über Arnolds Lebenslauf und einige Schwerpunkte in Arnolds Leben im letzten Drittel. - Ausgeklügelte Trainings- und Kurpläne? Ein Best of Golden Age of Bodybuilding? - Wer dies erwartet, würde von Hujers Buch enttäuscht werden.

Doch dafür weiß die Biographie Arnold Schwarzenegger durch andere Punkte zu begeistern. Unter dem passenden Titel Auf dem Weg arbeitet Hujer Schwarzeneggers Stationen chronologisch ab und beginnt dabei ganz am Anfang im kleinen österreichischen Thal, in dem Arnold nicht nur seine Kindheit verbrachte, sondern welches auch prägend für sein gesamtes späteres Leben sein sollte.

Von dort aus wird das Lebenskapitel München beschrieben, das sich nicht nur durch eine Art zweite Pubertät und Lebensphasen auszeichnet, die Arnold gerne unerwähnt lässt, sondern auch mit zwei Mr. Universum Titeln in London bei der NABBA seinen Sprung ins internationale Bodybuildinglicht bedeutet. Der erste Europäer mit über 50cm Oberarmumfang wurde der neue Stern am europäischen Bodybuildinghimmel und sollte Joe Weider und dem Bodybuilding von nun an auch in Amerika einen neuen Glanz verleihen.

Denn dieses war zur damaligen Zeit als Schwulenzeitvertreib verschrien. Bereits in München kam Schwarzenegger mit Männern mit zur damaligen Zeit fragwürdigen sexuellen Neigungen in Berührung und anfangs sollte sich daran auch in Amerika nicht viel ändern. Was sich dagegen änderte, war sein bisheriger Superstarstatus. Ein Rückschritt, den Schwarzenegger nur noch verbissener als Grund sah mit neuem Anlauf immer weiter zu kommen. Am Ende sollte er sechs mal den Mr. Universe der NABBA und sechs Mal den Mr. Olympia von Weiders IFBB gewonnen haben. preview

Hujer stellt Schwarzenegger dabei vor allem als ehrgeizigen Außenseiter dar, dem die Menschen oft Mittel zum Zweck sind. Der aus Fehlern lernend jegliche Handlungen berechnet und sich selbst Schritt für Schritt ein Image nach seinen Vorstellungen erstellt, das die Öffentlichkeit wahrnehmen und glauben soll.

Ob einige detaillierte Momente von vor über 30 Jahren dabei oftmals vielleicht mehr journalistische Freiheit als Wahrheit sind, mag ein jeder Leser für sich selbst entscheiden. Doch schafft es Hujer ohne Zweifel ein lebhaftes Bild des Menschen Schwarzenegger zu jeder Zeit beim Leser zu erwecken, welches einige Male an Interviews und anekdotenhafte Berichte rund um Joe Weider, Dan Lurie, Vince Gironda und andere Größen der damaligen Zeit erinnert. - Schwarzenegger bekommt Respekt für seine Leistungen, doch Hujer betet ihn keinesfalls auf einem Podest aufgestellt an.

Viel mehr beschreibt er Schwarzenegger als den klassischen one-issue-man, der sich mit voller Konzentration und Kraft auf sein aktuelles Ziel stürzt, dabei jedoch nie einen weitgehenden Masterplan besitzt. Und so eröffnen ihm das Kennenlernen und die spätere Hochzeit mit Maria Shriver aus dem Kenedy-Clan zwar aus heutiger Sicht ohne Frage Tür und Tor in der Politik, was jedoch zur damaligen Zeit dem aufstrebenden Actionstar Schwarzenegger, der lieber Conan der Barbar oder der Terminator war, sicherlich nicht in dem Sinn kam.

Und dennoch schaffte der one-issue-man, was ihm vermutlich niemand zugetraut hätte: Er wurde durch zugegeben glückliche Umstände der Gouvernator von Kalifornien, der achtgrößten Volkswirtschaft der Welt. Der Gouvernator.

Arnold Schwarzenegger – Die Biographie ist ein lesenswertes Buch für alle Bodybuildingfans, die mehr über den wohl berühmtesten Mann des Bodybuildings erfahren wollen und dabei nicht nur über vergangene Zeiten sinnieren möchten. Arnold Schwarzenegger war Bodybuilder, Filmstar und ist ein großer amerikanischer Politiker. Stoff, der zweifelsfrei für drei Biographien gereicht hätte und von Hujer gekonnt unter einen Hut gebracht wurde und von jedem Arnold-Fan gelesen werden sollte.

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