Die Aromatase ist eine spezifische Form eines Cytochrome P-450 Enzymkomplexes (ein Produkt des CYP19 Gens). Sie ist das Schlüsselenzym der Östrogenbiosynthese, das Aromataseenzym bindet C19 Steroide, die sie durch drei Reaktionen in die entsprechenden Östrogene, im Falle des Testosterons also in Östradiol, umwandelt. Im Fall von Androstendion zu Östron.
Die Aromatase katalysiert in einer dreistufigen Synthese die
Umsetzung der C19 Steroide in die Östrogene (wie z. B. Estradiol). Für die Reaktion wird molekularer Sauerstoff und als Cosubstrat NADPH (Nicotinamidadenindinucleotid) benötigt. Letzteres liefert die für die Reaktion notwendigen Elektronen über eine zweites Protein, die P450 Reduktase (1)

Cytochrom bedeutet frei übersetzt Zellfarbstoff, es wirkt bei vielen biochemischen Vorgängen als Redoxkatalysator. Die biologische Funktion der Cytochrome besteht in der Elektronenübertragung

Aromatase

Abbildung: Katalytischer Zyklus der oxidativen Substratumsetzung durch Cytochrom P450 (nach Coon et al. 1992)
Fe = Häm-Eisen im katalytischen Zentrum, Fp = Flaviprotein (NADPH-Cytochrom P450-Reduktase); RH = Substrat, ROH = monooxygeniertes Produkt


Zu den C19 Steroiden gehört selbstverständlich Testosteron, Androstendion, aber auch Boldenon.
Das Aromataseenzym ist im Körper weit verbreitet, es kommt hauptsächlich im Fettgewebe, aber auch im Muskelgewebe, in der Leber und in der Brust vor.


Aromatasehemmer

Es gibt 3 Präparate, die zurzeit eine Rolle im Bodybuilding spielen, das wären Arimidex® (Wirkstoff Anastrozol), Femara®(Wirkstoff Letrozol) und Aromasin® (Wirkstoff Exemestane)
Wirkungsweise von Arimidex® (Wirkstoff Anastrozol) und Femara®(Wirkstoff Letrozol). preview

Anastrozol und Letrozol sind beides so genannte selektive nicht-steroidale Aromatasehemmer. Diese Wirkstoffe greifen in den Aromatisierungsprozess über eine Hemmung des Elektronentransportes ein, sprich sie gehen eine reversible Bindung an der P450 Reduktase ein.


Anastrazol (Arimidex)

Anastrozol hat eine Plasmaeliminationshalbwertszeit von 40 bis 50 Stunden, eine Nahrungsaufnahme beeinflusst zwar die Aufnahmegeschwindigkeit, hat aber keinen Einfluß auf die aufgenommene Menge. Steady-state wird nach etwa einer Woche mit 1mg ed erreicht, unter Steady-state versteht man das Gleichgewicht zwischen Zufuhr und Elimination eines Medikaments
Anastrozol ist von den hier behandelten Wirkstoffen der schwächste, seine Effektivität liegt bei etwa 50%(1)
1mg ed Arimidex reicht i.d.R. bis zu einer Wochendosis von 1g Testosteron aus, eine Erhöhung der Dosierung führt zu keiner stärkeren Unterdrückung.


Letrozol (Femara)

hat eine Plasmaeliminationshalbwertszeit von etwa 2 Tagen, wie bei Anastrozol hat eine Nahrungsaufnahme keinen Einfluß auf die aufgenommene Menge. Steady-state ist nach etwa 2-6 Wochen bei einer Dosis von 2,5mg ed erreicht. Letrozol ist um einiges stärker, als Anastrozol, die Effektivität liegt bei etwa 70%(2)
Letrozol sollte sehr vorsichtig dosiert werden, es ist so stark, dass man seinen Östradiolspiegel problemlos weit unter Referenz drücken kann, das kann sehr nachteilig für den Cholesterinspiegel sein. Abhilfe schafft hier eine Blutuntersuchung um seine persönliche Dosierung zu finden.


Exemestan (Aromasin)

Zur Wirkungsweise von Aromasin® (Wirkstoff Exemestan). Exemestan zählt zu der Gruppe der steroidale Aromatasehemmer es bindet irreversibel an die Substratbindungsstelle des Enzymkomplexes, das heißt dort, wo sonst das Androgen-Molekül andockt.
Die Plasmaeliminationshalbwertszeit von Exemestan bei Männern weicht sehr stark von der bei Frauen ab. Bei Frauen beträgt sie 27h, bei Männern hingegen nur knappe 9h(3) Bei Einzelgaben von 25mg Exemestan wurde nach 3-6 Tagen die Ausgangswerte der Östradiolkonzentration wieder erreicht. Die Einnahme von Exemestan sollte vorzugsweise nach einer Mahlzeit erfolgen, hier erhöht sich die Resorption des Wirkstoffes.
Die Effektivität von Exemestan liegt bei etwa 71%, bei einer Gabe von 25mg ed. Steady-state wird nach etwa einer Woche mit 25mg ed erreicht.
Auch bei Exemestan gilt eine vorsichtige Dosierung am Besten mit Hilfe von Blutuntersuchungen. Bei Frauen zeigten schon 0,5mg ed einen signifikanten Abfall von Östradiol um 25%!(4)


Hinweis zu den Effektivitätsangaben, diese beziehen sich auf Jungen meist ohne exogene Zufuhr von Testosteron, folglich können sich diese Prozentangaben nach oben hin verschieben, wenn größere Mengen Testosteron im Körper sind. Diese Angaben sollen lediglich verdeutlichen, wie sich die Effektivität der einzelnen Wirkstoffe untereinander unterscheidet.


Referenzen

(1) Estrogen Suppression in Males: Metabolic Effects
(2) Effects of Suppression of Estrogen Action by the P450 Aromatase Inhibitor Letrozole on Bone Mineral Density and Bone Turnover in Pubertal Boys
(3) Pharmacokinetics and Dose Finding of a Potent Aromatase Inhibitor, Aromasin (Exemestane), in Young Males
(4) The minimal effective exemestane dose for endocrine activity in advanced breast cancer.