Ein Artikel von Charlespoliquin.com
Von Kim Goss

Als Charles Poliquin eine Video-Zusammenfassung von Pat Mendes, ein aus Las Vegas stammender jugendlicher Gewichtheber, sah, entschloss er sich sofort diesen Athleten zu sponsern. Was in dem Video beeindruckte Charles so sehr? Wie wär’s mit 200kg im Reißen, 320kg Kniebeugen für fünf Wiederholungen und fünf Wiederholungen mit 250kg in unter fünf Sekunden!

Mendes ist ein physisches Phänomen, dies beweist sein im Mai 2007 aufgestellter nationaler Rekord im Standumsetzen – 154kg. Ein Jahr später, im selben Wettbewerb, schaffte er 158,5kg – mit Sicherheit ein Fortschritt, aber lediglich 4,5kg in einem Jahr zeigten, dass seine Trainingsmethoden einer Änderung bedurften. Es war bei einem Wettbewerb 2008 als Pat den Trainer John Broz kennenlernte und sich entschied, sich von diesem trainieren zu lassen.

In den ersten vier Trainingseinheiten durfte Mendes nur einen Stock benutzen, und die nächsten zehn Einheiten nur die leere Stange. Sieben Wochen später setze Mendes 182.5kg um, und ungefähr ein Jahr später schaffte er so viel im Reißen. Andere von Broz’s Gewichtheber offenbarten auch großes Potential, wie zum Beispiel der Teenager Rob Adell, welcher im Training bei einem Körpergewicht von 95,4kg 200kg umgesetzt hat, bei einem Körpergewicht von 97kg 245kg in der Frontkniebeuge und 285kg in der normalen Kniebeuge schaffte – ohne Gürtel oder Kniebandagen.

Broz kam im Alter von zehn Jahren das erste Mal mit olympischem Gewichtheben in Kontakt, und während seinen frühen Jahren als Athlet trainierte er im Olympic Health Club in Cleveland, Ohio. Unter seinen Mentoren waren John Schubert, welcher den letzten männlichen amerikanischen Sieger im olympischen Gewichtheben trainierte; Powerlifter Vince Anello, der in den Siebzigern mehr als das Vierfache seines eigenen Körpergewichts im Kreuzheben schaffte; und ein anderer großer des Powerliftings, John Black, welcher später das großartige Gym namens Black’s Health World eröffnete.

Als Broz 28 war lernte er Antonio Krastev kennen und wurde sein Mitbewohner und Trainingspartner für die nächsten drei Jahre. Krastev war ein bulgarischer Gewichtheber der 1987 216kg im Reißen schaffte, ein Rekord der bis heute ungebrochen ist. Broz machte unter der Führung Krastevs große Fortschritte. Krastev lehrte ihm seine eigene Version des von Ivan Abadjiev stammenden bulgarischen Systems.

Als ein Beweis für seine immer noch anhaltende Hingabe für den Sport riss Broz 2007 im Alter von 39 Jahren 153kg und schaffte beim Umsetzen und Stoßen 175kg, das Reißen ist ein amerikanischer Masters Rekord in der Super-Schwergewichtsklasse.

Obwohl er weiterhin hart trainiert, lebt er seine Hingabe für den Sport jetzt als Trainer aus. Er machte einen Teil seines Lizenzierungsgeschäfts in Las Vegas zu einem Gym, wo er und sein kleines, aber kraftvolles Team der vielversprechendsten Gewichtheber trainieren. Sie absolvieren eine unvorstellbare Menge Volumen in ihren Trainingseinheiten, was sich auch daran zeigt, dass sie oftmals zweimal täglich trainieren, wobei jede Einheit bis zu drei Stunden dauert. Sie trainieren hart – sehr hart. Der grundlegende Trainingsplan könnte morgens aus olympischen Übungen bis zu einem bestimmten Gewicht gefolgt von ein paar Kniebeugen mit mehr Wiederholungen bestehen. Am späten Nachmittag versuchen sich seine Athleten dann an Maximalversuchen im Reißen und Umsetzen und Ausstoßen, anschließend machen sie Zweierwiederholungen und beenden das Training dann mit Kniebeugen und Ziehen. Wow!

In diesem exklusiven Interview liefert Broz uns seinen Einblick in diese faszinierende, aber brutale Art Gewichtheber für Höchstleistungen zu trainieren. Broz hat ein paar derbe Meinungen – wenn Du anfällig bist in Ohnmacht zu fallen oder eine Herzkrankheit hast, rede bitte erst mit einem Doktor bevor Du weiterliest.

KG: Was ist Deiner Meinung nach der wichtigste Schritt der getan werden muss um das amerikanische Gewichtheber-Team wieder zu einer Weltmacht zu machen?

JB:
Die Philosophie der Athleten und der Trainer muss sich ändern, sie müssen ihre Ziele ändern. Es scheint als würde fast jeder in diesem Land denken, es würde reichen nationaler Champion zu werden, und das ist sehr traurig. In meinem Gym haben wir ausschließlich internationale Gewichtheber und wir haben nur Weltrekorde an der Tafel. Wen interessieren amerikanische Rekorde? Wir wollen die besten der Welt sein! Wenn Du auf dem Weg dorthin amerikanische Rekorde brichst ist das toll, aber es ist nur ein Schritt im Prozess und es ist nicht der Gipfel der Ziele meiner Athleten.

KG: Was waren die grundlegenden Unterschiede zwischen den Trainingsphilosophien Deines Trainers und denen von Ivan Abadjiev?

JB:
Unter Ivan Abadjiev war es, egal was Du tatst, nie genug. Wenn Du einen Versuch nicht schafftest, schrie er Dich für drei Stunden an, und wenn Du den Versuch schafftest wurdest Du nur für eine Stunde angeschrien. Er würde Dich jeden Tag bis zum extremen Punkt in jeder Übung reizen. Antonio forderte auch viel von Dir, der Unterschied war, dass er mitfühlte und in seinem Training intuitiver war. Wenn eine Übung einen Tag mal nicht besonders gut lief, hätte er Dich vielleicht etwas anderes machen lassen, anstatt eine Verletzung zu riskieren.

KG: Was waren die größten Unterschiede zwischen den Trainingsmethoden der Russen und der Bulgaren als sie noch das Gewichtheben dominierten?

JB:
Spezifität und Periodisierung. Die Bulgaren beließen es bei den Grundübungen, dem Reißen und dem Umsetzen und Stoßen und ein paar anderen Übungen wie Kniebeugen. Die Russen machten viele Kraftübungen, wie Bankdrücken. Ich denke ihre Philosophie war, dass wenn Du, egal wo, größer und stärker wurdest, Du ein kraftvollerer Athlet sein würdest und mehr Gewicht bewegen könntest. Die Bulgaren sagten eher Ich muss nur im Reißen und im Umsetzen und Stoßen großartig sein, alles andere interessiert nicht. Wenn ich schwache Arme und Schultern habe und keine 80kg drücke macht es keinen Unterschied, weil ich nicht drücken muss. Außerdem benutzen die Russen Periodisierungs-Methoden, die Bulgaren trainierten dagegen immer nur schwer.

KG: Ich habe gelesen, dass die Bulgaren oft wellenförmig vorgehen, so dass man sich bis zum Maximum hocharbeitet, dann etwas runtergeht und dann ein noch höheres Maximum versucht, und das oft mit 3-4 Wellen pro Trainingseinheit. Wird das bei euch auch so gemacht?

JB:
Es kommt drauf an, unsere Einstellung zum Training ist nämlich sehr intuitiv. Falls jemand einen Maximalversuch nicht schafft, weil die Technik nicht sitzt, kann das an falschem Aufwärmen liegen, oder weil sie im Kopf noch nicht ganz bei der Sache sind. In diesem Fall ist es eine gute Idee mit den Gewichten etwas runterzugehen, seinen Rhythmus zu finden und es dann nochmal zu versuchen. Ich würde auch sagen, dass dies öfter bei Anfängern der Fall ist. Außerdem passiert es häufiger beim Reißen als beim Umsetzen und Stoßen, und nie bei der Kniebeuge.

KG: Ein angesehener deutscher Trainer sagte vor kurzem, dass Kniebeugen wegen des Stresses für den unteren Rücken nicht in Einer-Wiederholungen benutzt werden sollten. Wie gehst Du die Kniebeuge an?

JB:
Ich denke ein Dreiersatz in der Kniebeuge legt das Volumen fest, dass ich beim Reißen und Umsetzen und Stoßen absolvieren kann, aber ich bin der Meinung dass es Zeiten gibt in welchen Du eine Einer-Wiederholungen in der Kniebeuge machen musst. Es besteht ein Unterschied zwischen dem Training für Kraft und für Stärke. Wenn Du Dreier-Wiederholungen machst, ist die Geschwindigkeit sehr wichtig, weil Du Kraft entwickeln willst, das Problem ist aber, dass wenn Du nie Maximalversuche machst, Du nie lernst mehr Gewicht schneller zu bewegen. Also ist unser Ansatz allgemeine Stärke mit Einer- und Kraft mit Dreier-Wiederholungen zu trainieren. Wir kombinieren oft beides indem wir eine maximale Einer-Wiederholung machen, dann zehn oder zwanzig Kilo runtergehen und Zweier- und Dreier-Wiederholungen machen.

KG: Ist die Mehrheit Eurer Wiederholungen im Einer- bis Zweier-Bereich oder macht ihr auch mal mehr?

JB:
Beim Aufwärmen machen wir mehr Wiederholungen, zum Beispiel wenn wir bei 40 oder 50kg sind, aber hauptsächlich machen wir Einer und Zweier. Im Wettkampf machen wir keine Sätze mit fünf Wiederholungen, wieso sollten wir sie dann im Training machen?

KG: Was sind die Hauptübungen in Eurem Programm?

JB:
Reißen, Umsetzen und Stoßen, Standreißen, Standumsetzen, Frontkniebeuge, Kniebeuge, Kreuzheben und Überkopfdrücken. Das war‘s – und die olympischen Übungen kommen immer zuerst.

KG: Macht ihr mehr Kniebeugen als Frontkniebeugen?

JB:
Innerhalb einer Woche machen wir normalerweise acht Mal Kniebeugen und nur drei Mal Frontkniebeugen, aber man muss bedenken, dass wir zwei Mal täglich Umsetzen und die Frontkniebeuge ein Teil davon ist. Wenn Umsetzen als Frontkniebeuge zählt sind es wahrscheinlich mehr Wiederholungen in der Frontkniebeuge als in der normalen Kniebeuge.

KG: Macht ihr öfter Reißen als Umsetzen und Stoßen ?

JB:
Nein, die Zahl der Wiederholungen ist in beiden Übungen ungefähr gleich.

KG: Du sagtest mal, dass wenn man jeden Tag trainiert, die Muskeln ermüdet bleiben und dass das Verletzungsrisiko verringert. Wie meinst Du das?

JB:
Dein Bindegewebe ist avaskulär und erholt sich nicht so schnell wie die Muskeln. Wenn Du jeden Tag trainierst, ermüdet das gesamte System, was bedeutet, dass Deine Muskeln nicht hart genug kontrahieren können, um das Bindegeweben einem Verletzungsrisiko auszusetzen. Wenn Du ein oder zwei Ruhetage einlegst sind die Muskeln in der Lage sehr hart zu kontrahieren, und plötzlich hast Du eine Verletzung. Ich predige das seit Jahren, aber eines Tages hab ich das gemacht wovon ich gerade sprach. Ich hatte zwei Tage völlige Ruhe vom Training und fühlte mich ziemlich gut, also entschied ich mich so schwer wie immer zu trainieren. Ich beugte 220kg, und das Resultat waren zwei Anrisse in meinen Quads und ein Sehnenanriss. Wenn ich jeden Tag trainiere habe ich nie solche Probleme.

KG: Hast Du das Gefühl, dass Du wenn Du täglich trainierst nicht so viele Aufwärmsätze machen musst und direkt schweres Gewicht bewegen kannst?

JB:
Es kommt drauf wie weit Fortgeschritten Du als Athlet bist, aber wenn Du zweimal täglich trainierst, musst Du Dich beim abendlichen Training nicht so viel aufwärmen, weil Du Dich nicht wirklich von der Einheit morgens abgekühlt hast.

KG: Würdest Du bitte erklären was Du mit der dunklen Zeit, während man sich durch das Übertraining quält, meinst?

JB:
So beschreibe ich den Zustand in welchem Dein Zentralnervensystem so zerstört wird, dass Du nicht mehr funktionierst – Du willst mit niemandem reden und über nichts nachdenken, geschweige denn dir Essen machen – Du willst einfach nur sitzen und nichts tun, nicht einmal auf die Toilette gehen. Aber wenn Du weiterhin trainierst gewöhnt sich Dein Körper daran und akzeptiert es als Normalzustand und Du beginnst Dich besser zu fühlen. Eine Analogie wären Nackenschmerzen, nach ein paar Jahren hast Du Dich daran gewöhnst und spürst sie nicht mehr.

KG: Stimmt es, dass Du nichts von Ausfallschritten hältst?

JB:
Ich halte sie für die schlimmste Übung die je erfunden wurde.

KG: Wieso?

JB:
Weil es keine natürliche Bewegung ist. Du siehst nie ein Kind das einen Ausfallschritt macht, um etwas aufzubauen – sie beugen sich immer runter. Bei dieser Übung nimmt man schnell zu viel Gewicht, dann verdreht man sich das Knie und verletzt sich, das ist wegen des Winkels des Kniegelenks besonders bei Frauen der Fall. Ich habe meiner früheren Freundin gesagt sie solle nie Ausfallschritte machen, und eines Tages hat sie sich in den Frauenbereich des Gyms geschlichen und hat sie schwer ausgeführt. Sie zerrte sich ihren Meniskus und brauchte für sieben Monate eine Beinschiene und sie hatte die nächsten fünf Jahre Probleme mit dem verletzten Knie. Du kannst dieselben oder bessere Resultate mit Kniebeugen erreichen, und das ist viel sicherer.

KG: Was hältst Du von Supplements?

JB:
Ich denke Männer sollten niemals Sojaprotein nehmen, weil es den Östrogenspiegel erhöht, aber ansonsten würde ich sagen dass Supplements gut und notwendig sind, besonders wegen der Art und Weise mit der Nahrung heute produziert wird. Man kann einfach nicht alles was man braucht zu sich nehmen, besonders wenn Du Dich nur von fester Nahrung ernährst. Es gibt noch andere Vorteile, Charles’s Gelenk-Supplement hat einem meiner Athleten bei seinen Gelenkschmerzen geholfen, aber Gelenkschmerzen werden wegen unseres Trainings immer da sein, egal was man nimmt.

KG: Was denkst Du generell über den Beruf des Trainers im Kraftsport?

JB:
Ich denke die meisten Trainer sind gut und versuchen etwas zu ändern, aber leider sind die verfügbaren Informationen limitiert, und diese Informationen stammen von engstirnigen Individuen, die mit neuen Ideen oder Kritik nicht gut umgehen können. Ein perfektes Beispiel ist eine Situation im Gym: An einem Tag als Antonio Krastev dort trainierte, war da auch ein Typ, der schon mehrere Jahre Trainer war. Er machte eine Übung, um sein Reißen zu verbessern, und Antonio erklärte ihm wieso diese Übung seiner Leistung im Reißen nichts bringen würde. Weil Antonio der beste Reißer ist, den die Welt je gesehen hat, würde ich sagen, dass Antonio jemand ist, auf den man hören sollte. Dieser Trainer sagte aber bloß danke und machte weiter seine Übung, so als wäre der Ratschlag, den er gerade bekommen hatte, von irgendeinem Kind von der Straße.

KG: Was sind Deine Ziele für Pat Mendes und Rob Adell?

JB:
Es kommt darauf an, was sie möchten, wenn sie ganz groß werden wollen, werde ich ihnen so gut helfen wie ich kann. Ich möchte dass sie die besten Resultate erzielen, die für sie möglich sind, so dass die nichts bereuen, wenn sie auf ihr Leben zurückblicken. Ich würde gerne sehen, dass Pat alle Junioren- und Senioren-Weltrekorde bricht und ich weiß dass das passieren wird, und ich denke dass Rob in der Lage ist alle amerikanischen Rekorde zu brechen.

KG: Jetzt eine gewagte Frage: Wie denkst Du über Charles Poliquin?

JB:
Er ist sehr großzügig zu Pat gewesen, und ich denke, das reizvolle Programm, das er amerikanischem Gewichtheben bietet, ist eine großartige Idee. Ich habe ihn nie getroffen, nur mal mit ihm am Telefon gesprochen, aber basierend auf dem, was ich bisher von ihm gelesen habe, sind wir auf derselben Wellenlänge in vielen Bereichen des Trainings für Spitzensportler.