
Es gibt so Wörter, die zerstören jede Aussage. „Aber“ ist so ein Wort. „Eigentlich“ ist auch so ein Wort. Denn eigentlich hätte man ja auch trotz Corona schon jetzt den angestrebten Sommerkörper haben können. Zwar waren die Trainingsmöglichkeiten eingeschränkt, aber wo ein Wille ist… Und sauber essen, das geht eigentlich auch wunderbar, wenn das Gym geschlossen hat. Eigentlich…
Fakt ist aber auch, dass der Lockdown für die meisten das Leben doch recht radikal auf den Kopf gestellt hat. Bei nicht wenigen dürfte das dafür gesorgt haben, dass eben doch da, wo ein Sixpack sein sollte, noch die ein oder andere Rolle ist. Schön ist das nicht…
Aber was nun? Kopf in den Sand stecken? Den Traum von einem ansprechenden Strandbody aufs nächste Jahr verschieben? Oder Vollgas loslegen, koste es, was es wolle?
Beides halte ich nicht unbedingt für sinnvoll. Option 1 ist sicherlich keine echte Option. Seien wir doch mal ehrlich: Es ist Anfang Juni. Genug Zeit, doch noch in diesem Sommer top auszusehen. Und sieh es mal so: Mit jedem Tag, den ihr euch diesem Ziel nähert, sehr ihr ja schon besser aus!
Option 2 klingt erst einmal gut, jedoch kommt Übermut meistens vor dem Fall. Wer mehrere Wochen nicht trainiert hat, sollte mit Vernunft starten, auch wenn die Motivation riesig ist. Und genau einen solchen Weg möchte ich euch hier präsentieren.
Bin ich hier richtig?
Wenn du deine Figurziele für den Sommer noch nicht erreicht hast, aber gewillt bist, das nachzuholen, dann absolut! Jedoch muss ich natürlich einschränken: In acht Wochen lassen sich keine Wunder vollbringen, nicht ohne Grund ist die Strandfiguraktion bei uns auf 20 Wochen ausgelegt. Doch selbst, wenn du noch weit von deinem Traumkörper entfernt bist, kann sich eine Teilnahme lohnen, denn wie schon gesagt: Mit jedem Tag wirst du deinem Ziel näherkommen.
Definitiv nicht richtig bist du hier, wenn deine Gedanken sich vor allem um verlorene Kraftleistungen drehen. Dann solltest du mal bei Frank reinschauen, der hat ein tolles Programm für dich! Hier werden keine Rekorde gebrochen, es wird nicht einmal versucht, das zu tun. Hier geht es um einen sinnvollen Wiedereinstieg ins Training mit dem Ziel, das Beste aus den kommenden acht Wochen herauszuholen, um den Coronapfunden den Kampf anzusagen.
Das Gym hat wieder offen. Wie lege ich los?
Zwanzig Sätze schweres Kreuzheben. Aufwärmen schenkst du dir, immerhin ist die Trainingszeit ja begrenzt! Wenn noch Zeit ist, mach halt noch zwanzig Sätze schwere Kniebeugen. Täglich!
So natürlich nicht! Mal abgesehen davon, dass du dich im besten Fall nur aufgrund des Muskelkaters tagelang kaum bewegen können würdest, wäre die Verletzungsgefahr viel zu hoch. Was aber auch nicht zielführend ist: Hochkomplexe Splits, unzählige Kleinstübungen, kurzum zu viel Chichi.
Back to shredded – das Training
Ok, wie es nicht laufen sollte, weißt du nun! Kommen wir zum konstruktiven Teil. Aufgrund der unterschiedlichen Bestimmungen der Bundesländer ist die Ausgangslage natürlich unterschiedlich. Daher habe ich mich dafür entschieden, eine optionale zweiwöchige Warm Up-Phase zu konzipieren. Diese ist für all diejenigen geeignet, die mit Aktionsbeginn auch wirklich wieder ins Training starten.
Wer schon seine ersten Einheiten hinter sich gebracht hat, kann diese Phase überspringen und gleich in den regulären Plan einsteigen. Nochmal: Bitte sei ehrlich zu dir selbst! Klar willst du keine Zeit verschwenden, aber so eine Warm Up-Phase macht Sinn und wirft dich nicht zurück. Das tun mögliche Verletzungen!
Die Warm Up-Phase
Für die ersten beiden Wochen im Gym empfehle ich folgendes Schema:
Wochen 1 & 2: Zurück am Eisen (optionales Warm Up)
In der ersten Woche geht es vor allem darum, überhaupt wieder ins Training zu finden. Wichtig sind mir dabei vor allem die Bewegungsabläufe, denn auch wenn du schon lange am Eisen bist, nach einer mehrwöchigen Pause werden sich die Übungen anfänglich doch noch etwas fremd anfühlen. Das ist normal, zeigt aber, dass dein Körper eben noch nicht auf dem Niveau vor dem Lockdown ist. Aber kommen wir zum Plan:- Warm Up (vor jeder Einheit)
- 10 Minuten lockeres Laufen auf dem Crosstrainer oder Laufband
- 5 Minuten dynamisches Stretching, also klassisches Dehnen, jedoch ohne lange Haltephase. Kurz in die Dehnung hinein, dann gleich wieder lösen und erneut in die Dehnung. Pro Dehnübung würde ich zehn Wiederholungen empfehlen.
- Einheit 1
- Kniebeugen
- Bankdrücken
- Einheit 2
- Klimmzüge
- Schulterdrücken
- Einheit 3
- Kreuzheben
- Dips
Bei jeder Übung ist das Schema gleich:
- 20 Wiederholungen mit der leeren Stange, bzw. stark assistiert
- 15 Wiederholungen mit etwa 40 Prozent eures Trainingsgewichts für zehn Wiederholungen vor dem Lockdown
- 15 Wiederholungen mit etwa 50 Prozent eures Trainingsgewichts für zehn Wiederholungen vor dem Lockdown
- 12 Wiederholungen mit etwa 60 Prozent eures Trainingsgewichts für zehn Wiederholungen vor dem Lockdown
- 10 Wiederholungen mit etwa 70 Prozent eures Trainingsgewichts für zehn Wiederholungen vor dem Lockdown
- 8 Wiederholungen mit etwa 80 Prozent eures Trainingsgewichts für zehn Wiederholungen vor dem Lockdown
- 20 x leere Stange
- 15 x 40 kg
- 15 x 50 kg
- 12 x 60 kg
- 10 x 70kg
- 8 x 80kg
Beim zweiten Workout hätte ich dann gerne zwei Sätze mit 8 x 80 Prozent, im dritten drei Sätze.
Du solltest versuchen, jede Einheit in diesen zwei Wochen dreimal zu absolvieren. Ein mögliches Schema:
- Einheit 1
- Einheit 2
- Pause
- Einheit 3
- Pause
- Einheit 1
- Einheit 2
- Pause
- Einheit 3
- Pause
- Einheit 1
- Einheit 2
- Pause
- Einheit 3
Das Krafttraining in den ersten vier Wochen
Wochen 1 & 2: Ran an den Speck!
Wer bereits wieder im Training steht, kann diese Phase überspringen und direkt mit dem folgenden Plan starten:- Einheit 1
- Kniebeugen
- Bankdrücken
- Einheit 2
- Klimmzüge
- Schulterdrücken
- Einheit 3
- Kreuzheben
- Dips
- 20 Wiederholungen mit der leeren Stange, bzw. stark assistiert
- 15 Wiederholungen mit etwa 50 Prozent eures Trainingsgewichts für zehn Wiederholungen vor dem Lockdown
- 12 Wiederholungen mit etwa 70 Prozent eures Trainingsgewichts für zehn Wiederholungen vor dem Lockdown
- 12/12/10/10/8/8 Wiederholungen mit etwa 80 Prozent eures Trainingsgewichts für zehn Wiederholungen vor dem Lockdown, also insgesamt sechs Sätze.
Und warum? Warum nicht viel komplexer? Warum nicht mehr Vielfalt? Ganz einfach: Es geht in den kommenden acht Wochen darum, möglichst effizient zu sein. Du willst in Form kommen! Das bedeutet vor allem, dass du Körperfett verbrennen musst. Ziel des Trainings ist es also vor allem, möglichst viele Muskeln zu belasten. Das gelingt eben nach wie vor am besten mit einem Plan, der sich auf solche Übungen beschränkt, die möglichst viele Muskelgruppen gleichzeitig ansprechen.
Hinweis: Wenn du merkst, dass die Trainingsgewichte zu leicht sind, kannst du natürlich steigern. Aber geh dabei langsam vor und achte stets auf eine saubere Ausführung!
Wochen 3 & 4: Die Intensität hochfahren
Nach den ersten Wochen solltest du das Gefühl für die Übungen aus dem Plan wiedergefunden haben. Die Sicherheit ist zurück, alles fühlt sich wieder geschmeidig an. Zeit, eine Schippe draufzulegen.Dennoch halten wir in der Phase noch am bekannten Plan fest. Einen neuen bekommst du dann in Woche 5. Was wir aber verändern, ist die Art des Trainings:
- 20 Wiederholungen mit der leeren Stange, bzw. stark assistiert
- 15 Wiederholungen mit etwa 50 Prozent eures Trainingsgewichts für zehn Wiederholungen vor dem Lockdown
- 12 Wiederholungen mit etwa 70 Prozent eures Trainingsgewichts für zehn Wiederholungen vor dem Lockdown
- 8 x 8 Wiederholungen mit etwa 80 Prozent eures Trainingsgewichts für zehn Wiederholungen vor dem Lockdown
Du kannst die ein oder andere Übung nicht ausführen? Das ist kein Problem. Die Übungen sind nicht obligatorisch, sollten aber sinnvoll ausgetauscht werden, sofern nötig. Sprich Beinpresse statt Kniebeugen und keine Konzentrationscurls.
Ein Hinweis noch: Wer bekanntermaßen Defizite in bestimmten Muskelgruppen hat, sollte für diese noch ein oder zwei ergänzende Übungen einbauen. Damit meine ich aber nicht, dass der Bizeps gefühlt zu dünn ist, eher erwiesene muskuläre Dysbalancen.
Dein Freund Cardio
Aufgrund der begrenzten Trainingsslots empfehle ich, das Cardio außerhalb des Gyms zu absolvieren. Dabei gibt es zwei Vorgaben, die erfüllt werden sollen:
- 10.000 Schritte täglich gehen: Bedeutet also viel Alltagsbewegung.
- 3 Stunden Cardio (Mindestdauer 45 Minuten) mit moderater Intensität oder drei Einheiten HIIT, also hochintensives Intervalltraining pro Woche.
Ernährung die nächsten Wochen
Meine Startvorgabe an dich:
- 30 Kalorien pro Kilogramm Körpergewicht
- 35 % Eiweiß, 35 % Kohlenhydrate, 30 Prozent Fett
Gibt es eine feste Anzahl an Mahlzeiten? Nein! Früher war ich ein klarer Verfechter von vielen Mahlzeiten, aktuell fahre ich selbst mit ein bis zwei Mahlzeiten am Tag besser. Esst so, wie es am besten in euren Tagesplan passt!
Gemüse und Salat sind frei, da gibt es keine Restriktionen, solange ihr euch an den Lebensmittelpool haltet (siehe unten). Obst ist sinnvoll und hilfreich, ich bevorzuge Ananas, Äpfel und Beeren. Wer unbedingt anderes Obst essen will, der soll das tun, wobei die Gesamtmenge nicht überschritten werden sollte.
Folgend eine Sammlung von Lebensmitteln, die ich empfehle:
Eiweißquellen:
- jede Art Fleisch und Fisch bis 5% Fett
- Eiklar (Volleier entsprechend der Mengenvorgabe im Beispielplan)
- fettarmer körniger Frischkäse
- Tofu
- Casein/Mehrkomponentenprotein
- Whey-Protein
Kohlenhydratquellen:
- Reis
- Vollkornbrot
- Vollkornnudeln
- Süßkartoffeln
- Haferflocken
- Dinkelflocken
Fettquellen:
- Olivenöl
- Leinöl
- Nüsse
Obst:
- Äpfel
- jede Art Beeren
- Ananas
Gemüse/Salat:
- freie Auswahl außer bei Hülsenfrüchten, Mais und Erbsen
Flüssigkeitszufuhr
Pro 20kg Körpergewicht trinkt ihr mindestens 1l Flüssigkeit, wobei mindestens 50% der insgesamt zugeführten Flüssigkeitsmenge aus Wasser oder Tee bestehen soll. Der Rest kann durchaus auch kalorienfreie Süßgetränke enthalten, flüssige Kalorien sind aber zu meiden.Und Cheatmeals? Wenn unbedingt nötig, eines pro Woche statt einer Mahlzeit.
Welche Fatburner brauche ich?
Gar keine! Zumindest halte ich nicht viel davon! Was ich euch aber an Supplements empfehle:- Ein gutes Whey Protein, insbesondere für nach dem Training
- EAAs für vor dem Training oder dem Cardiotraining (jeweils rund 10 Gramm)
- Optional: Glutamin zur Verbesserung der Regeneration und Omega 3-Fettsäuren
Und jetzt?
Jetzt heißt es loslegen! Bei Fragen gerne im Forum melden!
Hinweis des Autors: Gerne bieten wir auch eine individuell auf euch zugeschnittene Betreuung an. Alle Informationen hierzu findet ihr unter www.ironhealth.de! ihr habt Fragen? Dann kontaktiert uns doch einfach unter info@ironhealth.de!