Ballaststoffe – Was ist das überhaupt?
Bei Ballaststoffen handelt es sich meist um Polysaccharide, also Kohlenhydrate, die in erster Linie in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommen, in denen sie als Gerüst- und Stützsubstanzen dienen. Obwohl das Wort Ballast vermuten lassen könnte, dass diese Bestandteile unnötig sind, ist dies keinesfalls richtig: Entgegen der allgemeine Meinung handelt es sich bei Ballaststoffen keinesfalls um völlig unverdauliche Stoffe. Ein Großteil der Ballaststoffe kann im Dickdarm durch den Körper verwertet werden, so dass Ballaststoffe einen Nährwert von bis zu 4kcal/g haben können. Nur die selbst im Dickdarm unverdaulichen Ballaststoffe werden jedoch, wie oftmals pauschal von allen Ballaststoffen angenommen, unverdaut ausgeschieden.Unterscheidung verschiedener Ballaststoffe und Wirkung
Allgemein wird zwischen wasserlöslichen und wasserunlöslichen Ballaststoffen unterschieden, wobei der Körper beide Arten benötigt. Wasserlösliche wirken vor allem auf den Stoffwechsel. Im Darm binden sie Cholesterin (in Form von Gallensäuren) und helfen die Blutfettwerte zu senken. Unlösliche Ballaststoffe wirken hingegen vor allem im Darm und dienen dort als Bakterienfutter. Die Mikroorganismen setzen aus den Ballaststoffen Fettsäuren und Gase frei, die wiederum die Darmtätigkeit anregen.Die wasserlöslichen Ballaststoffe, die im Dickdarm nicht verdaut wurden, binden Wasser. Bereits 1g der wasserlöslichen Ballaststoffe kann bis zu 60g Wasser binden, die unlöslichen hingegen binden lediglich 3g Wasser. Das Stuhlvolumen nimmt somit durch Gas, Fettsäuren (die bei der Verdauung von Ballaststoffen im Dickdarm entstehen), vermehrte Bakterienzahl und eben das gebundene Wasser zu. Was im ersten Augenblick wenig appetiterregend klingt, ist vielmehr die Grundlage eines gesunden Stuhlgangs und damit einer gesunden Verdauung und beugen Verstopfungen und Darmproblemen vor.
Doch Ballaststoffe weisen durchaus nicht nur positive Wirkungen auf. Kurz gefasst kann es folgendermaßen, wie auf Nova Fell zu finden, zusammengefasst werden:
- positive Wirkung der Ballaststoffe
- anhaltendes Sättigungsgefühl
- Bindung und Ausschleusung von Cholesterin und Gallensäure und dadurch Senkung des Cholesterinspiegels
- Steigerung der Dickdarm-Mobilität (Bewegungsvermögen)
- Wasserbindung im Dickdarm, die zu einem geschmeidigen Stuhl beiträgt
- Verhütung einer Reihe von chronischen Darmerkrankungen
- evtl. Senkung des Darmkrebsrisikos
- negative Wirkung der Ballaststoffe
- Blähungen durch Gasbildung der Mikroorganismen
- zusätzliche Kontamination mit Xenobiotika
- direkte Epithelschäden (Darm-Schleimhautgewebe)
- Bindung von Calcium, Magnesium, Eisen und Zink wodurch deren Absorptionsrate vermindert wird
- Darmverschlingung infolge übermäßiger Dickdarm-Füllung
Daneben sei erwähnenswert, dass ballaststoffreiche Lebensmittel in aller Regel stärker gekaut werden müssen und somit den Speichelfluss positiv beeinflussen und Karies vorbeugen können.
Empfohlene Tagesmenge und ballaststoffreiche Nahrungsmittel
Für Erwachsene liegt die tägliche, empfohlene Menge an Ballaststoffen bei 30 bis 40g pro Tag, wobei der Deutsche durchschnittlich lediglich 22g zu sich nimmt.Wer sich unsicher ist, mit welchen Lebensmitteln er seinen Bedarf an Ballaststoffen effektiv decken kann, soll mit dieser Liste ein wenig Unterstützung erhalten:
- Roggen, Dinkel, Weizen, Hafer, Gerste, Mais
- deren Vollkornmehlprodukte, v.a. Weizen- und Roggenknäckebrot
- Müsli - je nach Zusammensetzung
- Weizenspeisekleie (fast 50 Prozent) und Haferspeisekleie
- Rosenkohl, Knollensellerie, Karotten, Brokkoli
- Weißkohl, Fenchel, Rote Beete
- Rotkohl, Wirsing, Gemüsemais, Blumenkohl
- Kidneybohnen
- Linsen, Erbsen, rote und weiße Bohnen
- Heidelbeeren, Himbeeren, Kiwi
- Johannisbeeren, Brombeeren, Birne
- Apfel, Orange, Bananen
- Feigen, Datteln, Pflaumen, Aprikosen, Rosinen
- Mandeln, Kokosnüsse, Haselnüsse
- Erdnüsse, Paranüsse, Pistazien, Walnüsse
Sekundäre Pflanzenstoffe – Was ist das überhaupt?
Von den schätzungsweise 30.000 existierenden sekundären Pflanzenstoffen sind bisher lediglich ein Drittel genauer bekannt. Während sekundäre Pflanzenstoffe lange Zeit aufgrund ihrer geringen Mengen in Lebensmitteln als eher unwichtig angesehen wurden und anfangs sogar als giftig galten, werden sie inzwischen auf einer Stufe mit Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen gesehen und als wichtiger Schutzfaktor für viele Krankheiten geschätzt. Im Gegensatz zu den primären Pflanzenstoffen besitzen sie jedoch keine Nährstoffeigenschaften für den Menschen.Ihren Namen haben sekundäre Pflanzenstoffe aufgrund ihrer Herkunft. Während der primäre Stoffwechsel einer Pflanze dazu dient, dass diese wächst, werden diese Stoffe für andere Aufgaben mit sekundären Stoffwechsel produziert und schützen die Pflanze so vor Fraß oder UV-Strahlung.
Wirkung sekundärer Pflanzenstoffe
Allgemein kann man die Wirkung sekundärer Pflanzenstoffe folgendermaßen unterteilen:- anticanzerogen (Krebsrisiko senkende Funktion)
- antimikrobiell (Schutz vor Pilz-, Bakterien und Virenbefall des Körpers)
- antioxidativ (Schutz vor freien Radikalen die Zellen oxidativ schädigen)
- immunmodulierend (Stärkung des Immunsystems)
- Carotinoide: Carotinoide sind pflanzliche Farbstoffe, die hauptsächlich in roten, orangen und gelben Früchten und Gemüsesorten vorkommen. Auch einige grüne Gemüsesorten wie Brokkoli, Spinat oder Grünkohl enthalten Carotinoide. Carotinoide zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen, die antioxidativ und krebsvorbeugend wirken und das Immunsystem stärken, sowie den Gefahr von Herzinfarkten reduzieren.
- Phytosterine: Phytosterine kommen in pflanzlichen Lebensmitteln wie Sonnenblumenkernen, Sesam, Nüssen und Sojabohnen vor. Phytosterine schützen vor Dickdarmkrebs und senken den Cholesterinspiegel.
- Saponine: Saponine sind Geschmacksstoffe, die in Hülsenfrüchten und Spinat vorkommen. Sie stärken die Immunabwehr, senken den Cholesterinspiegel und reduzieren das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.
- Glucosinolate: Unter Glucosinolate versteht man Geschmacksstoffe, die in allen Kohlsorten, Senf, Rettich und Kresse zu finden sind. Sie infektionsvorbeugend und hemmen die Krebsentwicklung.
- Flavonoide: Flavonoide sind Pflanzenfarbstoffe, die Pflanzen eine rote, violette oder blaue Färbung verleihen. Das Wirkungsspektrum der Flavonoide ist besonders groß. Sie hemmen das Wachstum von Bakterien und Viren, schützen die Zellen vor freie Radikalen schützen vor Krebs und Herzinfarkt, wirken entzündungshemmend und beeinflussen die Blutgerinnung.
- Protease-Inhibitoren: Protease-Inhibitoren sind in eiweißreichen Pflanzen wie Hülsenfrüchten, Kartoffeln und Getreide zu finden und hemmen die Proteinzerlegung. Protease-Hemmer schützen vor Krebs und wirken blutzuckerregulierend.
- Terpene: Terpene sind pflanzliche Aromastoffe wie z.B. das Menthol in Pfefferminzöl oder die ätherischen Öle in Kräutern und Gewürzen. Sie senken das Krebsrisiko. Terpene sind z.B. enhalten in Tomaten, Karotten, Zwiebeln, Knoblauch, Grünkohl und Zitoronen.
- Phytoöstrogene: Phytoöstrogene sind natürliche pflanzliche Hormone ähnlich den Sexualhormonen. Phytoöstrogene kommen vor allem in Getreide, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten vor. Phytoöstrogene schützen vor hormonabhängigen Krebsarten, wie Brust-, Gebärmutter- und Prostatakrebs.
- Sulfide: Sulfide sind schwefelhaltige Verbindungen, die vor allem in Liliengewächsen wie Zwiebeln, Lauch, Spargel und Knoblauch vorkommen. Sulfide hemmen das Bakterienwachstum, senken den Cholesterinspiegel, schützen vor freien Radikalen und wirken krebsvorbeugend.
- Phytinsäure: Phytinsäure ist in Getreide, Hülsenfrüchte und Leinsamen enthalten. Die Phytinsäure wurde lange Zeit als unerwünscht angesehen, weil sie im Dünndarm Spurenelemente wie Eisen und Zink bindet sowie verschiedene Verdauungsenzyme beeinträchtigt. Neuere Untersuchungen haben aber auf eine antioxidative Wirkung von Phytinsäure im Dickdarm hingewiesen.
Mögliche negative Wirkungen
Trotz aller positiven Wirkungen, die immer wieder hervorgehoben werden, sollten mögliche negative Wirkungen nicht vergessen werden. Wie bereits weiter oben geschrieben, galten sekundäre Pflanzenstoffe noch bis zu den 90er Jahren als schädlich und es wurde versucht den Gehalt in Pflanzen auf ein Minimum zu reduzieren. Mögliche toxische Pflanzenstoffe dienen der Pflanze in der Natur in erster Linie als Schutz vor Fraß. Instinktiv meidet der Mensch jedoch solche Pflanzen, z.B. aufgrund eines bitteren Geschmacks, oder kann durch eine weitere Verarbeitung den Gehalt minimieren. In einer ausgeglichenen, normalen Ernährung ist der Anteil an toxischen sekundären Pflanzenstoffen in einem für den Menschen nicht schädlichen Rahmen. Wer also Beispielsweise nicht kilogrammweise Bittermandeln innerhalb kürzester Zeit verzerrt, muss keine Probleme bezüglich Blausäure befürchten.Schluss
Diese knappe Übersicht sollte Leser dazu dienen sich bewusster mit der Zusammensetzung seiner Mahlzeiten auseinander zu setzen. Ein gesundes Äußeres bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Ernährung reichhaltig und mit allen nötigen Stoffen gespickt ist.Mehr ballaststoffreiche Nahrungsmittel und vielfältiges Gemüse können also den Teller eines jeden täglich nicht nur geschmacklich bereichern.