On the Road ...
So, wo fang ich an? Ich denke am besten da, wo DSG`s Bericht wahrscheinlich enden wird, nämlich um 5:00 Uhr morgens im Hotelflur. Wir waren gerade auf dem Weg zu unserer mobilen 3 Zimmerwohnung, als uns DSG entgegen kam. Die Jungs haben Dennis James geholfen, seinen Flug um 5:00 Uhr nach Ungarn nicht zu verpassen und haben Ihn die ganze Nacht wach gehalten.Dann ging’s los, zuerst mal Migger im Hotel abholen. Nachdem wir alles verstaut hatten, lag Migger schon auf seinem Stammplatz und schlief weiter.
Wir passierten die ungarische Grenze und, was soll man sagen, man braucht eine Vignette
(die im Nachhinein berechtigt war, weil die da drüben supergute Autobahnen haben und gerade weitere bauen.). Kurz vor Budapest klopft mir unser Rückbankbesetzer auf die Schulter und äußert den Wunsch, mal anzuhalten. preview
Auf der Suche nach der Toilette kam ich an einem Laden vorbei, der total lecker aussehende belegte Brötchen auf der Theke stehen hatte! Jetzt nur noch beten, dass sie auch Euros nehmen, sonst verhungere ich! Jawohl, einen Riesenhotdog ungarischer Art hab ich erwischt, noch eine Cola light dazu damit das Kalorienverhältnis wieder stimmt. Für 2 € kann man nicht meckern, vor allem nicht an einer Raststätte! Nachdem sich Migger ein wenig mehr entwässert hatte, ging’s dann direkt weiter in Richtung Rumänien!
Migger lag an der Grenze noch auf der Rückbank, was den ungarischen Zöllner weniger störte. Der rumänische machte da schon eher Ärger, also mussten wir das schlafende Raubtier wecken. Als er uns fragte, ob wir Waffen dabei haben, antworteten wir: "Bis auf den hungrigen, nicht ausgeschlafenen Offenbacher auf der Rückbank - nein." Er sah scheinbar keine Gefahr für’s Land, und so durften wir uns auf die 100 km lange, schlaglochdurchzogene Landstraßenfahrt nach Timisoara begeben. Wenn ich mich nicht verzählt habe, waren es genau 2437 Schlaglöcher und Steino hat es gepackt, auch wirklich jedes davon zu erwischen. Ich weiß auch nicht, ob einige davon überhaupt Schlaglöcher waren oder eher Kanallöcher ohne Deckel! Naja, war ja nur ein Leihwagen! Als ich Migger fragte, wann das Athletenmeeting sei, meinte er um 15:00 Uhr. Aktuell war es 14:45 Uhr und genau in diesem Moment fuhren wir an einer Uhr vorbei, die bereits 15:45 h zeigte! Das kann doch nicht wahr sein - eine Stunde Zeitverschiebung. Das Meeting hatten wir also verpasst, aber egal. Das war im Moment eher das kleinere Problem. Das Hotel
Wie findet man ein Hotel in einem Land, wo weder Deutsch noch Englisch gesprochen wird? Man fährt einfach in ein anderes, international renommiertes Hotel, welches eine wunderbare Beschilderung quer durch die Stadt hat und hofft, dass man sich dort durchfragen kann! Als ich in die Lobby kam, wurde ich auch sofort auf Englisch begrüßt, und, was soll ich sagen, Deutsch konnte der Typ sogar noch besser als Englisch. Wir bekamen von ihm einen Stadtplan mit Wegbeschreibung - das nenne ich Service! Nach 10 Minuten Stadtrundfahrt, hatten wir dann unser Hotel erreicht. Sah ganz patent aus! Also einchecken. Dadurch, dass ich die ganzen Formalitäten für Migger im Vorfeld erledigt hatte, also Anmeldung etc., stand ich anfangs sogar auf der Starterliste des GP! Spitze, oder? Noch nicht mal bei einer hessischen am Start gewesen und schon Pro! (-: Dies hatte den Vorteil, dass da ein Zimmer für mich reserviert war. Ok, wenn ich da drauf stehe, wieso nicht?Also haben wir eingecheckt, und Migger ist auf die Suche nach dem Veranstalter gegangen um den Ablauf zu erfahren. Um 17:10 Uhr sollte es dann in der Lobby losgehen. Als ich unser Gepäck aus dem Auto holte, es war gerade kurz vor 17.00 Uhr, kam ein Bus mit dem amtierenden Mr. Olympia auf den Hof gefahren. Hat nicht gerade begeistert ausgesehen, der liebe Jay Cutler.
Anschließend hoch, Gepäck abstellen, Migger holen und ab in die Lobby. Direkt am Ende der Treppe war ein Blumenkasten, welcher im Moment komplett verdeckt wurde von einem total geschmeidig und ausgeruht aussehenden Ronnie Coleman. Ich wollte mich ein wenig mit Ihm unterhalten: "Hey Ronnie!" Er: "Hey Man! What’s up?" Und schon hörten wir nervös klatschende Hände und den Zuruf "Let’s go!" Wieder nichts, bin aber schon weiter als in Graz gekommen. Nun gut.
Rumänisches Event-Management
Wir wurden zur Halle gebracht, die sich ca. 20 Meter links neben dem Hotel befand. Vor der Halle stand ein Brunnen mit Figuren von Arnold Schwarzenegger, Frank Zane etc.Wir wurden begrüßt und gebeten uns an einen Tisch zu setzen an dem Jay gerade einen Salat inhalierte. Das lässt man sich natürlich nicht zweimal sagen. So, jetzt aber. Wenn schon nicht mit Ronnie, dann wenigstens mit Jay. "Hey Jay, how was the flight?" - "I arrived 15 min ago!" Und er war nicht glücklich darüber. Er wollte dann noch wissen, wo wir in Deutschland wohnen und wie lange wir gefahren sind. Anschließend musste ich mich erstmal um unsere Backstageausweise kümmern. Schnell beeilen, damit ich noch weiter mit Jay reden kann. Ich besorgte dann die Ausweise, drehte mich um und stand direkt vor den Athleten, die grade reingeführt wurden - also wieder nix mit noch ein wenig quasseln. Egal - dann eben am Abend auf der Aftershowparty. Wir kamen in die Halle mit ca. 50 Meter Deckenhöhe. Als Bühne, so sah es zumindest aus, war ein LKW-Anhänger mit Teppich ausgelegt und eine Rückwand drangeschraubt worden. Nach der Superveranstaltung in Graz ein Kulturschock sondergleichen. Ich meine, wir wussten ja, dass Rumänien was anderes wird, aber so anders?!
Die Organisation war das reinste Durcheinander, was wir auch gleich zu spüren bekamen. Es gab 4 Reihen VIP Plätze, ebenerdig mit der Bühne und direkt hinter den Richtern. Als wir reingeführt wurden, waren diese bereits von Zuschauern besetzt.
Die wurden dann vertrieben, und schließlich setzten die Athleten sich in die erste Reihe, bekamen Ihre Startnummer, gaben die Musik ab usw. Also eigentlich alles, was normalerweise im Athletenmeeting läuft. Jetzt die Frage - was haben die um 15:00 gemacht? Aber egal, nachdem alles geklärt war, ging es hinter die Stellwände in den Backstagebereich.
Wie hat Migger zu Hide gesagt? "It’s a dream!" Und was für einer, es war herrlich! Wir waren dann in einer Kabine mit Abbew, Hide, Welling und dem absoluten Superstar des Abends, Nicolae Gurgi. Darauf komme ich aber später noch mal zurück.
Als Migger sein T-Shirt auszog, war ich erst mal sprachlos. Im Vergleich zu Graz noch mal um einiges verbessert, Streifen noch und nöcher! Absolut Klasse! Die Farbe hat auch besser als in Graz ausgesehen. Es konnte also losgehen - die Chancen für einen Platz unter den Top 10 sahen nicht schlecht aus. Ich war mir sicher, dass er die Jungs, welche in Graz weit vor Ihm platziert wurden, packen würde.
Woran ich jedoch nicht dachte, ist der Nationalstolz der Italiener. Ihr könnt gerne sagen, dass ich blind bin oder keine Ahnung habe, aber ich fand die Entscheidung (die dann am Ende getroffen wurde) sehr fragwürdig. Auch schon in Graz. Ich teile DSG`s Meinung bzgl. Seccareci nicht (ganz und gar nicht), werde mich aber auch nicht weiter darüber auslassen.
Ich hab mich dann mal auf die Suche nach Ronnie gemacht, doch so langsam glaube ich wirklich, dass er von einem anderen Stern kommt und immer direkt auf die Bühne gebeamt wird.
Was soll ich sagen, ich hab ihn wieder nicht gefunden, also bin ich zurück zu Migger gegangen um nochmal nachzusehen, ob die Farbe auch gut eingezogen ist. Alles prima. Als wir aus der supermodernen Umkleide wieder zurück in die Halle kamen, machte sich Migger noch ein wenig warm.
Ich hatte also Zeit, mich ein bisschen umzusehen. Ronnie, immer noch verschwunden. Milos, der an diesem Abend die Moderation übernahm, holte sich noch ein paar Infos bei jedem Athleten. Ganz am Rand stand Jay Cutler allein da und hat irgendwie ein wenig hilflos ausgesehen. Da Migger ja fertig war, bin ich zu Ihm hin und hab gefragt, ob ich Ihm behilflich sein kann. Er meinte, dass ich ihm ein bisschen Öl auf den Rücken klatschen könnte ...
Ok, kein Problem, machen wir doch gern, dem amtierenden Mr. Olympia ein bisschen zu helfen. Er nahm die volle Flasche mit dem Öl und drückte so lange drauf, bis sich die Hälfte des Inhalts auf meinen Händen befand. Ich dachte nur, dass es ein wenig viel sei, aber wenn er meint! Er ist der Chef! Als ich dann am einschmieren war meinte er, es sei doch ein wenig viel und ich soll’s noch weiter auf den Armen verteilen! So fertig - er schaute sich noch mal an und fragte mich "It’s ok?" - "Yeah everything’s alright!"
Anschließend hatte ich dann doch meine Bedenken, ob das gerade gut war, was ich da gemacht hatte. Wenn er heute verliert bin ich schuld! Also nochmal über alles drüber, dass nirgends auch nur ein Tropfen zuviel drauf ist. Er bedankte sich noch, und dann bin ich wieder zurück zu Migger, drehte mich nochmal um und da war Milos auch schon am nachschmieren bei Jay. Ok, ich mach’s nie wieder ...
Trotzdem war’s für mich ein unvergessliches Erlebnis!
Es geht los
So, dann ging’s auch schon los. Die Halle, die eine Größe für schätzungsweise 500 Leute hatte, war nicht gerade voll! Ich denke, es waren höchstens 80 - 100 Leute da, mehr nicht.Zum Wettkampf selbst will ich nur ein paar Highlights erzählen.
Zum einen - Ricky Welling. Hut ab! Trotz Blindheit so gut dazustehen und vor allem auch noch eine schöne Kür zu bringen - absolut genial. Auch super, wie die Jungs sich um Ihn gekümmert haben.Die Kür war, wie gesagt, nicht schlecht, nur hat Ricky die ganze Halle in einen Schockzustand versetzt, als er in seiner Kür am Ende noch mal richtig Gas gegeben hat und zwei Schritte in Richtung Zuschauer machte. Da waren dann noch 10 cm Bühne, und dann ging’s so 1,5 Meter runter, würde ich sagen. Nur noch Aufregung weit und breit, die Richter waren schon auf dem Sprung. Milos rannte auch schon, dann war die Musik aus, Ricky machte einen Schritt zurück und drehte sich Richtung Bühnenabgang. Ich denke, er wusste ganz genau, wo er war. Aber Angst, dass er da runter fällt, hatte man trotzdem. Er wurde dann unter tosendem Applaus von Milos von der Bühne gebracht.
Ein weiteres Highlight war der Auftritt des Superstars des Abends schlechthin. Nicolae Gurgi. Ich weiß, ich darf mir eigentlich kein Urteil erlauben, weil ich selber noch nie auf der Bühne stand, aber so was Schlechtes hab ich noch nie gesehen, und die Rumänen haben sich nicht mehr einbekommen. Applaudiert, als ob es der neue Mr. Olympia wäre. Als er anfing zu posen, sah das eher aus wie jemand, der gleich ins Krankenhaus gebracht werden muss, weil er von Krämpfen geschüttelt wird. Als dann noch seine Posingmusik von einem klassischen Lied auf den Opus "Life is Life" überging, war’s dann ganz aus. Nicht, dass das Publikum jetzt noch mitgegröhlt hätte ... und insgesamt dauerte das ganze Spektakel weit über 5 Minuten.Zu den Top drei sei gesagt, dass die Platzierungen korrekt vergeben wurden! Meiner Meinung nach sind Diskussionen, ob Ronnie Coleman Jay Cutler geschlagen hat, absolut fehl am Platz. Jay hat jede einzelne Pose für sich entscheiden können, und das Posing von Ronnie empfand ich eher schon als frech für einen achtfachen Mr. Olympia. Er hat nur ein wenig bei den Posen gewippt, wie er es immer macht, hat mal eine Pose angefangen aber nicht durchgeführt usw. Ich denke mal, dass er nicht groß Lust hatte an diesem Abend. Vielleicht hab ich mir das aber auch nur eingebildet.
Shelestov hat super ausgesehen und wird, wenn er weiter dieselbe Form bringt, sehr gut bei den Dicken mithalten können!
Um die Veranstaltung nicht noch weiter zu zerreißen, werde ich mich nicht über die so genannte Aftershowparty äußern! Es war einfach nur schrecklich!
Das Endergebnis war übrigens wie folgt:
1. Jay Cutler
2. Ronnie Coleman
3. Sergey Shelstov
4. Eddie Abbew
5. Danielle Seccarecci
6. Yamagishi Hidetada
7. Thomas Bengali
8. Ricky Welling
9. Migger Milazzo
10. Nicolae Gurgi
11. Cristian Mihailescu
12. Zoran Vejic
Und damit war Migger unter den Top 10! Wir haben dann am nächsten Morgen noch gefrühstückt und uns dann auf unsere 1300 km Heimweg begeben!
Ach ja, wir hatten doch tatsächlich auf dem Hinweg 2 Schlaglöcher übersehen, aber Steino hat uns auch die zwei gezeigt und spüren lassen.

Goodbye Romania