#1: Der Sport- und Fitnesskaufmann
Die Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann ist zweifelsohne der Klassiker unter den Berufen mit Sportbezug. Warum nicht den Arbeitsplatz gleich in das Studio verlegen, in dem man so und so den halben Tag verbringt?Die dreijährige Ausbildung ist gemäß ihres Namens kaufmännischer Art, man muss also auch die Bereitschaft mitbringen, sich durch T-Konten, Investitionsrechnung und Steuergesetze zu kämpfen. Ob man dafür später mit einem gewissen Verantwortungsspielraum belohnt wird, der über das Einscannen von Mitgliedskarten hinausgeht, ist vom Studiobetreiber abhängig.Ja, ich weiß, Geld ist nicht alles, aber: Die mittel- und langfristige Gehaltsperspektive sollte bei jeder Berufswahl eine zumindest partielle Rolle spielen.
Während der Ausbildung sind eher geringe dreistellige Vergütungsbeträge marktüblich, die vielerorts nicht einmal zur Deckung der Mietkosten ausreichen. Grade die einschlägig bekannten Discountketten drücken die Mitgliedsbeiträge oftmals in wirtschaftlich unrealistische Dimensionen, in dem sie ihren Personalbestand weitestgehend mit Azubis auffüllen. Das große Angebot an Ausbildungsplätzen ist in dieser Branche also nicht zwangsläufig als Zeichen des Booms zu werten.
Na ja, Ausbildungsjahre sind ja auch keine Herrenjahre. Leider bleibt vielen Ausgelernten auch mit mehrjähriger Berufserfahrung am Ende nicht viel mehr als ein Tausender im Portemonnaie. Ein 16-Jähriger, der noch nie selbst gehaushaltet hat, kann wohl kaum überblicken, was dies in Punkto Lebensstandard bedeutet.
Der Markt ist bekanntlich satt und verspricht keine Reichtümer. Kaufmännische Ausbildungen in anderen Industriezweigen mögen nüchtern betrachtet als die bessere Wahl erscheinen. Attraktiv ist für viele Anwärter vor allem die Chance, kostenlose Trainer-Lizenzen und Zertifikate zu erwerben, und manch einer mag von der missionarischen Motivation geleitet sein, mit seiner Vorstellung vom Training zahlreichen Menschen zu einem besseren, gesünderen Ich zu verhelfen. Diese endet, wie wir alle wissen, im Studioalltag häufig in (schlechten) Plänen von der Stange. Je nach Gesamtkonzept des Hauses. Es heißt also: Augen auf, und nicht von der netten Jobbezeichnung hinters Licht führen lassen.
#2: Das Sportstudium
Viele sportbegeisterte Abiturienten wollen auf den akademischen Titel nicht verzichten, das Sportstudium ist unter den Gymnasiasten beliebt. Es ist prestigeträchtig, vor allem weil ihm sagenumwobene Einstellungstests vorangestellt sind, und es gilt als lässig, die Sportstudenten als die größten Partylöwen ihrer Unis.Die Inhalte der Lehre erscheinen manch einem nebulös. Ein praktischer Teil, der physische Trainingseinheiten umfasst, gehört selbstverständlich auf den Stundenplan. Um Hörsäle und das Bücherwälzen kommt jedoch auch der Sportstudent nicht herum.Beispielsweise bietet die Sporthochschule Köln, die als die Adresse in Deutschland bezeichnet werden darf, 5 Bachelorstudiengänge, die auf dasselbe Grundstudium basieren. So wie ja auch an anderen Einrichtungen die Betriebswirte, Wirtschaftsinformatiker und Wirtschaftsrechtler anfänglich um die gleichen Creditpoints kämpfen, beginnen alle "Sportis" mit Grundlagenveranstaltungen zur Physiologie, allgemeinen Trainingslehre und –didaktik oder wissenschaftlichen Methodenkompetenzen.
Durchaus trockener Stoff also. Die fachlichen Vertiefungen reichen vom klassischen Management über Prävention und Therapie bis zum Sportjournalismus. So liegen dann die typischen Einsatzgebiete später bei Vereinen, kommerziellen Sportanbietern, in der Sportmedizin oder Forschung usw. Auch die Tätigkeit als Sportlehrer, ob nach einem Pädagogikstudium oder als Quereinsteiger, ist unter den Studenten sehr begehrt.
Wirklicher Profisportbezug besteht einzig in dem Randfach "Sport und Leistung", in Deutschland findet man die meisten Eliteathleten auf internationalem Wettkampfniveau jedoch eher in den Sportfördergruppen der Polizei oder Bundeswehr.
Den ein oder anderen könnten auch Nischenangebotene wie der an der Universität Magdeburg gelehrte Studiengang "Sport und Technik" interessieren, der das Sport- mit einem ingenieurswissenschaftlichen Studium verbindet und für einen Berufseinstieg in der Entwicklung von Sportgeräten, Sportbekleidung, Leistungsdiagnostik etc. qualifiziert. Eine ausgeprägte Technikaffinität ist hier zwingend.
Viele Sportstudiengänge werden übrigens auch dual angeboten. Hier liegt die Vergütung jedoch oftmals unter der, die in anderen Branchen und Fachrichtungen geboten wird. Ob man einen Großteil der im Vollzeitstudium gebotenen Lebensqualität (ich weiß, wovon ich spreche!) hierfür opfert, muss daher jeder für sich abwägen. Den Lebenslauf peppt das zweigleisige Studium in jedem Falle auf.
#3: Personal Trainer
Ein Traumjob, wie ihn sich so viele erträumen! Film und Fernsehen haben unser Bild geprägt von athletisch-attraktiven Menschen, die locker plaudernd mit Prominenten an der Strandpromenade entlang joggen und nach der Sportstunde mit ihrem attraktiven Klientel in die Kiste hüpfen. Lockeres Cooldown sozusagen. Die Realität sieht leidlich anders aus.Dabei sind unwillige Schützlinge, die den ambitionierten Trainer stets gegen die harte Wand der Realität laufen lassen (wenn sich jemand ohne Wachhund nicht zu ein bisschen Bewegung motivieren kann, ist dies ohnehin schon kein gutes Vorzeichen!), noch das geringere Übel. Das Hauptproblem ist ein existenzielles: Vom Personal Trainer-Job allein können die wenigsten langfristig überleben.
Wenigstens der Einstieg in den Beruf ist finanziell unkompliziert. Da die Berufsbezeichnung des Personal Trainers in Deutschland nicht geschützt ist, kann sich ein jeder daran versuchen. Natürlich bist du sportlicher, kompetenter, ambitionierter und pädagogisch talentierter als der ganze Wettbewerb zusammen. Aber wie soll der potenzielle Kunde davon wissen? Und: Interessiert ihn das überhaupt?Der Schritt in die Selbstständigkeit ist ein wünschenswerter in unserem desillusionierten und mutlosen Wirtschaftsraum. Aber auch einer mit einem langen Rattenschwanz. Bedenke, dass dir ein gewisser Lebensstandard zusteht (ein Dach über dem Kopf ist z.B. empfehlenswert), dass du dich fortlaufend weiterbilden, dass du mobil von Kunde zu Kunde reisen wirst, dass du Eigenwerbung betreiben solltest und Steuern zahlen musst und nicht zuletzt eine private Krankenversicherung und Altersvorsorge brauchst. Die Stundentarife der Personal Trainer erscheinen uns horrend, aber das sind sie angesichts all dessen eigentlich nicht.

Die betriebs- und lebensnotwendigen Kosten sind also nun mal das, was sie sind: Hoch, und das muss sich auch in den Honoraren widerspiegeln, und deswegen fassen Personal Trainer zumeist nur dort Fuß, wo das Einkommensniveau weit über dem Durchschnitt liegt. Sich hier einen Namen zu verschaffen ist jedoch ein Kunststück.
Mit gleichem Realismus muss die Tätigkeit des Studiobetreibers betrachtet werden. Ja, wir kennen alle diese erbärmlich schlechten Studios, die uns so unheimlich dazu inspirieren der Welt zu zeigen, wie man es eigentlich macht. Ambitionen dieser Art scheitern in fast allen Fällen an den wahnwitzigen Startausgaben. Durch gebrauchte Geräteparks oder dem branchenintern gängigen Geräteleasing lassen sich jedoch immer wieder Menschen für diese Geschäftsform gewinnen. Funktionieren kann das schon, aber der Businessplan sollte zuvor ohne jeden Selbstbetrug erstellt werden.Nachdem die Welle der Billig-Studios das Land überrollt hat, ist die Preisbereitschaft des durchschnittlichen Trainierenden ins Bodenlose gesunken. Beiträge jenseits der 20 € sind nur noch in besonderen Fällen durchzusetzen.
Auch wer glaubt, seine Stadt mit so einem "richtig geilen Hardcore-Schuppen" beglücken zu müssen, sollte kritisch hinterfragen, ob er die Größe dieser Zielgruppe nicht durch den eigenen Bekanntenkreis und den Umgang in den einschlägigen Onlineforen nicht überschätzt.
Auch wichtig: Vom Betreiber eines recht bekannten IFBB-Traditionsstudios ist mir bekannt, dass das bisweilen vergebliche Eintreiben geprellter Mitgliedsbeiträge, wohl der speziellen sozialen Zusammensetzung des Kundenkreises geschuldet, lästigerweise einen festen Bestandteil des Arbeitsalltag bildet.
#4: Physiotherapeut
Die Faszination Mensch und menschlicher Bewegungsapparat ist untrennbar mit dem Sport verbunden. Sich den ganzen (Arbeits-)Tag damit beschäftigen, Wunder vollbringen und die Lahmen wieder gehend machen, vielleicht sogar Spitzensportler betreuen und nach Feierabend noch selbst Hand an der zwickenden Schulter anlegen – so erträumen sich viele das Berufsbild Physiotherapeut.Der Job ist ehrbar, abwechslungsreich und immer gefragt. Ein großes Manko liegt in der kostenpflichtigen Ausbildung. Bis der Anwärter tatsächlich in die Praxis einsteigen kann, werden neben der schon schmerzlich teuren Grundschulung noch diverse weitere Zusatzqualifikationen notwendig, so dass am Ende Bildungsinvestitionen in empfindlicher Höhe entstanden sind.Verglichen damit sind die Verdienstaussichten im Angestelltenverhältnis wie auch in der Selbstständigkeit eher mau. Die Hauptgeldgeber sind die Krankenkassen, und die haben ja noch nie durch Großzügigkeit geglänzt. Eine Gehaltssteigerung um ganze 38,7 % mehr verlangt der Deutsche Verband der Physiotherapeuten in seiner derzeitigen Unterschriftenkampagne, es scheint also eine massive Unterbezahlung vorzuliegen.
Die zunehmende Akademisierung könnte für viele zumindest einen Ausweg aus dem finanziellen Anfangsschwierigkeiten darstellen. Zu beachten gilt außerdem, dass man keine Berührungsängste im Umgang mit alten Menschen, denn die repräsentieren in der Realität häufig den typischen Patienten, und mit schweren menschlichen Schicksalen zeigen sollte.
#5: Ernährungswissenschaften und Ökotrophologie
Insbesondere der Bodybuilder weiß: Ernährung ist im Sport nicht alles, aber ohne Ernährung ist alles nichts. Deswegen kann sich so manch einer in Nährstofftabellen auf Lebensmittelpackungen oder in Stammtischdiskussionen um die Unbedenklichkeit von Milch für den Nordeuropäer verlieren. Warum dann nicht tiefer in die Materie einsteigen?Ökotrophologen sind auf dem Arbeitsmarkt vielfach einsetzbar. Zur Entwicklung neuer Lebensmittel für einen Markt, der immer vielfältigeres, bunteres, schmackhafteres, kalorienärmeres, glutenfreieres und billigeres Essen verlangt, werden Fachkräfte händeringend gesucht. Es bestehen auch klinische und medizinische Verwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel in der Patientenverpflegung in Krankenhäusern. Sehr häufig werden Ernährungswissenschaftler in der freien Wirtschaft eingesetzt und bilden hier zum Beispiel die Schnittstelle zwischen Produktion und Marketing, Einkauf usw.Ernährungswissenschaftler sollten mit Chemie und Physik nicht auf allzu großem Kriegsfuß stehen und auch auf wirtschaftswissenschaftliche Inhalte gefasst sein.
Natürlich ist auch die selbstständige Ernährungsberatung eine Option und schwebt wohl vielen Sportlern letztlich vor. Analog zum Fitnesstrainer ist auch der "Ernährungsberater" kein geschützter Begriff und entsprechend tummelt sich allerlei fragwürdige Konkurrenz im Business.
Chancen auf eine halbwegs solide Einkommenssituation bringt zumeist nur die Zusammenarbeit mit den Kassen. Die verlangen allerdings tatsächlich einen Nachweis der Fachkompetenz, z.B. durch Zertifikate der Deutschen Gesellschaft für Ernährung oder den Abschluss als Diätassistent.
Ein Einstieg in die Selbstständigkeit ist also auch ohne Studium möglich. Als Berater sollte man jedoch aus wirtschaftlichen wie auch aus moralischen Gründen den Anspruch an sich stellen, dem Kunden ein breites Wissensportfolio anzubieten und durch ständige Zusatzqualifikationen auch spezielle Themen wie Ernährung bei Unverträglichkeiten, Schwangerschaften oder schweren Erkrankungen abdecken zu können.
#6: Fitness-Youtuber
War nur ein Spaß! Pack die Melone wieder weg.
Der Sport zum Beruf: Muss das überhaupt sein?
Ganz bestimmt bin ich mit all meinem Herzblut beim Sport. Den Gedanken, sich hier auch beruflich niederzulassen, kann ich mehr als nachvollziehen. Meine Studienwahl spiegelt dies indes überhaupt nicht wieder. Für mich spricht zu viel dagegen, und damit meine ich nicht nur die vielfach betonten oft dürftigen Aufwandsentschädigungen und die umständlichen Ausbildungswege.Grundsätzliche halte ich thematische Balance im Leben für wichtig, um den Geist rege zu halten, Erfüllungen aus mehreren Quellen zu schöpfen, so dass das Versiegen der einen jederzeit durch eine andere kompensiert werden könne.
Sich den ganzen Tag mit immer gleichen Dingen zu beschäftigen, das würde mich persönlich schnell ermüden. Als wäre das ganze Leben ein Home Office, wo hört denn da die Arbeit auf, wo fängt die Freizeit an? Mir ist das Training lieber als Ausgleich oder Belohnung nach einem Tag vor dem Bildschirm.
Ich will nicht enden wie die Pizzafahrer, die irgendwann keine Pizza mehr essen mögen (und dabei ist Pizza doch eigentlich schon leider geil!). Wähle den Beruf, den du liebst, und du wirst keinen Tag mehr arbeiten, heißt es ja. Aber vielleicht sollte man seinem Beruf die Chance geben, geliebt zu werden. So oder so: Das Leben ist wandelbar. Du entscheidest.
Bilder: Matthias Busse | Matthias Busse | Itinerant Tightwad