Aber beginnen wir etwas früher. Jeder wird sich vermutlich noch an das erste Supplement erinnern, das er gekauft hat und welche Erwartungen und Hoffnungen er damit verbunden hat. Ich selbst bin zum Hantelsport gekommen, als das Internet noch ein teurer Spaß für Freaks war. An Foren in der heutigen Form und der heutigen Größe war nicht zu denken und so holte man sich sein unglaubliches Wissen in aller Regel aus einschlägigen Magazinen, in denen mit Statistiken, Männern mit riesigen Muskeln und bunten Werbeslogans unzählige Supplements beworben wurden, die die fantastischsten Sachen versprachen. Das alles wollte ich auch!
Doch kaum war das eine Problem gelöst, stand auch bereits das nächste vor der imaginären Tür. All diese Pillen, Pulver und Flüssigkeiten würden mich in unglaublicher Zeit und Effektivität meinem Ziel von unglaublichen Muskelbergen näher bringen und gleichzeitig den Babyspeck verbrennen, doch wie sollte ich mir diese als armer Schüler leisten können? Im Prinzip kaum. Also musste ich Kompromisse eingehen.
Mein erste Supplement waren flüssige Aminosäuren, die ein Kumpel sich auch geholt hatte. Er hatte einen super Körper, wie ich fand, und ihm wurden die Aminos vom Ladenbesitzer empfohlen, um weitere Muskeln aufzubauen. Was ihm half, konnte mir nicht schaden, war meine Devise und so schmiss auch ich mein erstes Geld für Aminosäuren mit viel zu viel kollagenem Eiweiß zum Fenster raus. Ich hatte keine Ahnung, was ich da nahm, oder wie es einzunehmen wäre oder wann oder warum. Eigentlich war es auch scheiß egal, da der Typ, von dem ich mir dieses Supp abgeguckt hatte, einfach eine gesegnete Genetik hatte und die Aminosäuren mit seinen Trainingserfolgen soviel zu tun hatten, wie die Miss World Wahl mit Weltfrieden.
Und so ging es mit der Zeit immer weiter. Das erste Creatin Monohydrat, der erste Weight Gainer, das erste Proteinpulver, von dem man nur nicht zu viel nehmen durfte, da man ja von Proteinpulver dick wird. Eine Nahtoderfahrung, als ich versuchte drei pferdedropsgroße Aminosäurentabletten auf einmal runter zu schlucken, Protein in Tapeziereimern, Creatin-Ethyl-Ester, dass einem das Gefühl gab, es würden sämtliche Geschmacksnerven wegätzt werden. Der Supplementemarkt ist voll mit unzähligen, teils fragwürdigen Produkten. Und ich habe viel von meinem Geld darin verpulvert, um letztendlich festzustellen, dass ich keine 10kg Magermasse in zwei Monaten aufbaue, nicht so definiert werde, wie die Werbefiguren in ihren Vorher-Nachher-Fotos und es zwar irgendwie cool ist, Tabletten und Pulver zu schlucken, aber auch nicht viel mehr. Zumindest nicht, wenn man den Rest nicht vernünftig im Griff hat. preview
Klar meinte auch ich nach wenigen Monaten Trainingserfahrung bereits meine Ernährung super optimiert zu haben. Ich aß Reis, Haferflocken, Magerquark, Hähnchen, trank meinen Traubensaft nach dem Training und fühlte mich wie der Einäugige unter den Blinden. Heute weiß ich, dass ich mir mal besser die Augenklappe beim Blick in den Spiegel hätte abnehmen sollen, wenn ich schon selbst meinte, in dieser Position zu sein. Man kriegt oftmals nur rückblickend mit, was für einen Unsinn man teilweise verzapft hat oder wie wenig mein eigentlich weiß oder optimiert hat. Nahrungsergänzungsmittel haben einen wichtigen Kern und der ist sogar für jeden ersichtlich im Wort selbst: Es sind ERGÄNZUNGSmittel! Man kann es eigentlich nicht stark genug betonen.
Machen wir uns nichts vor, die Werbung führt einen zumindest in Versuchung. Wenn ich bei Zeiten mal wieder in die bunten Hefte rein schaue und mir die Anzeigen durchlese und die Athleten dazu in Bühnenform sehe, welche mir suggerieren 24/7 aufgrund dieses Supps so auszusehen, schaut man auf jeden Fall zwei Mal hin. Zumindest ich tue es und scheinbar auch genug andere Leute, die das komplette A-I-D-A Modell durchziehen und am Ende zuschlagen.
Doch das tollste Supp der Welt bringt wenig außer einem leeren Geldbeutel, wenn man nicht selbstkritisch versucht seine eigene Ernährung zu optimieren. Es gibt genug Supps, die durchaus sinnvoll sind. Sie sollen Mängel ausgleichen. Nicht Fehler ausbügeln. Und ein jeder von uns weiß, wie schwer es ist, sich selbst Fehler einzugestehen. Genauso wie man keine Wunder erwarten sollte. Wer 30g Whey nach dem Training trinkt, gewinnt nicht automatisch 30g Magermasse. Etwas Fischöl über den Tag, bedeutet nicht einfach so einen signifikanten Körperfettverlust. Und 5g Creatin Monohydrat lassen uns nicht 20% mehr in allen Hauptübungen bewegen. Aber sie können den minimalen Unterschied machen. Gerade für naturale Sportler.
Nun, ich supplementiere also wieder. Ich habe verschiedenste Whey und MKP zu Hause stehen und mehr als zehn weitere Supplemente, die ich zum Teil täglich, zum Teil nur gezielt einsetze. Vermutlich wäre der spürbare Unterschied, wenn ich all diese weglassen würde, bei dem Großteil der Supps minimal bis nicht merkbar für mich, aber ich versuche als naturaler Sportler jeden Tag besser zu werden und diszipliniert an mir und meinen Leistungen zu arbeiten.
Mein Name ist Frank. Meine Ernährung ist diszipliniert, ich bemühe mich sie jeden Tag aufs Neue zu optimieren und ich nutze wieder Supps. Es gibt Süchte, von denen man wohl nie ganz wegkommt.