Für die Hessenmeisterschaft im Frühjahr hatte ich von 105 kg auf 78 kg abgespeckt. 27 kg in 11 Monaten. Das hat Spuren hinterlassen. Diesmal waren es nur knapp 10 kg, aber ich habe mich fürchterlich schwer getan. Musste meine Diätstrategie vier Wochen vor dem Start ändern. Dazu später mehr. Mein Körper war gestresst. Drei Verletzungen in der unmittelbaren Vorbereitung hätten mich warnen müssen. Zerrung Oberschenkel links, dann rechts und zwei Wochen vor dem Termin eine Kapselverletzung in der rechten Schulter, die bis heute andauert. Das sind deutliche Zeichen. Auch und vor allem dafür, dass ich keine 30 mehr bin.

Für meine Vorbereitung reduzierte ich meine Kalorienzufuhr in mehreren Schritten. Ausgehend von 3.500 kcal landete ich dann bei 2.000 kcal, mit dem Ergebnis, dass das Ergebnis ausblieb. Es tat sich nichts mehr, obwohl sich an manchen Tagen trainingsbedingt ein Kaloriendefizit von fast 2.000 kcal einstellte.
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Ich bin der Cardiotyp, der sich nicht von irgendwelchen Muskelschwund-Szenarien manipulieren lässt und mindestens eine Stunde am Tag strampelt.
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- 4 Uhr aufstehen, halber Liter Grüner Tee
- 1 Stunde Spinning Rad
- 30 Minuten Pause
- 1 Stunde Spinning Rad
- Pause, Duschen, Frühstück (Haferflocken)
- 30 Minuten Gassi mit Smoky (Hund)
- Arbeit
- Nachmittags 2 Stunden Ganzkörpertraining, antagonistisch, ohne Pausen
- 21 Uhr Bettruhe
Gestern, am Wettkampftag, gab es dann keine Flüssigkeit mehr. Bis abends um 21.00 Uhr. Ab nachmittags habe ich Kohlenhydrate nachgeladen. Nach dem Wettkampf natürlich erst recht. 1 Liter Flüssigkeit, Gummibärchen, 500 g Vanilleeis von der Tanke, 6 Proteinriegel. Mein Magen hasste mich! Trotzdem hatte ich heute Morgen 2 Kilo weniger auf der Waage. Der Wettkampf war der Hammer. In der Nacht hatte ich fürchterliche Krämpfe, die meine Magnesium-Zufuhr schlichtweg ignorierten. Mein Gesicht ist eingefallen, wie bei Tom Hanks in Cast Away.
Siehe oben oder wie BAP in meiner Jugendzeit sang: "Der Typ ist fertig, den kriegst Du wirklich nicht mehr hin" (vom Autor übersetzt aus dem Kölsche).
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Den Plan, am 18. April bei der Master in Berlin zu starten, habe ich letzte Woche aufgegeben. Bestätigung für die Richtigkeit meiner Entscheidung bekam ich von Detlef Herget, unserem Bundestrainer, der mich auch hier in der Vorbereitung betreut hatte. Ich brauche Zeit, mein Körper braucht Zeit.
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Auch ausreichend Schlaf dient maßgeblich zur Erholung, war aber leider nicht möglich. Ich habe es nicht wirklich überprüft, aber ich denke ich schulde es der erhöhten Salzzufuhr, dass ich die letzten Wochen nie mehr als 4 Stunden geschlafen habe. Ich halte es für wahrscheinlich, dass mein Blutdruck auf das Salz reagiert hat und für die schlaflosen Nächte gesorgt hat.
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Wer denkt, er würde im Alter vernünftiger werden, der irrt ganz gewaltig. Je oller, je doller.
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Körpergröße in cm – 100 + 6 kg Toleranz.Ich werde am 1. Dezember mit einer moderaten Einführungswoche starten und dann geht´s los! Geplant ist folgende Trainingseinteilung:
- Montag: Schultern, Bauch
- Dienstag: Beine (Hauptübung Beinpresse)
- Mittwoch: frei (Sauna)
- Donnerstag: Arme
- Freitag: Beine (Hauptübung Kniebeuge)
- Samstag: Brust (Bauch)
- Sonntag: Rücken
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Während ich das schreibe, überlege ich, wie ich die 2 Wochen Pause überstehen soll. Normalerweise würde sich die Lebensgefährtin freuen. Jetzt hätte ich endlich mal Zeit für sie. Aber die ist nicht da. Die ist beim Training. Für Gartenarbeit ist es zu spät. Es ist eh alles liegen geblieben. Ich könnte mal den Keller aufräumen. Ich könnte aber auch einfach mal ein gutes Buch nehmen, mich nachmittags auf die Couch legen und entspannen. Furchtbare Vorstellung. Nix tun. Faul sein. Ich werde mich zwingen müssen. Erzähl das mal jemanden, der mit Sport nichts am Hut hat. Kopfschütteln wäre noch die harmloseste Reaktion.
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Jerry Cotton und Lassister waren in den 70ern beliebte Groschenromane, die wöchentlich am Kiosk erhältlich waren. Gerade für Leute wie mich, die zwar lesen wollten, aber gleichzeitig Probleme mit allem hatten, was mehr als 200 Seiten hatte, genau das richtige. Diese Hefte waren damals noch nicht so sehr mit Werbung überfrachtet, wie es heute üblich ist. Aber alle paar Seiten fand sich etwas. Da es Romane für echte Männer waren, fand sich auch Werbung für eben solche. Oft ging es um Hantelsets oder recht verwegene Apparate zur Ausprägung der Männlichkeit. Und ein Herr Schwarzenegger war der Promoter, der offensichtlich Berge von Muskeln mit diesen Gerätschaften produziert hatte.
Mein Unterbewusstsein nahm es war, mein Bewusstsein fand es jedoch erstrebenswerter, wie Herr Cotton im Jaguar E-Type auf Verbrecherjagd zu gehen und nebenbei die tollsten Frauen zu erobern. Nun ja, beides blieb aus, aber der Wille zählt ja bekanntlich auch.
Die zweite Begegnung mit dem Eisensport war da schon deutlich konkreter. Ein Freund bat mich ihn in den Kraftraum der Schule zu begleiten. Kein Fenster, stickig und auf dem Boden wahllos verstreut ein paar Gewichtsscheiben, ein paar Hantelstangen und eine Bank, die auch schon bessere Zeiten gesehen hatte. Ich war 17 und fand meine Figur vollkommen in Ordnung. Schließlich sah ich aus wie Mick Jagger auf Droge und das war damals der Zeitgeist. Es hat ja auch was praktisches, wenn man seinen Oberarm mit einer Hand umfassen kann und für die Mädels war es lediglich wichtig, dass die Haare lang genug waren.
Um meinen Freund nicht zu enttäuschen, blieb ich eine Weile mit ihm in besagtem Kellerloch und half ihm ein paar Scheiben zu sortieren. Aber eine Zukunft hatte diese Art der körperlichen Ertüchtigung nicht. Es war ja nicht so, dass ich keinen Sport trieb. Fußball (natürlich), Handball auch und Schulsport sowieso. Ich war auch ganz gut in dem, was ich tat, und sah absolut keine Notwendigkeit, dieses Tun durch mehr Muskeln zu begünstigen.
Doch dann passierte es. Ich studierte in Darmstadt und wohnte in einer WG in Griesheim. Meine Schwägerin in spe wollte per Telefonauskunft das örtliche Schwimmbad kontaktieren, wurde jedoch aus irgendeinem Grund (heute nennt man das Schicksal) mit dem ortsansässigen Fitnesscenter verbunden. Bevor sie sich versah, hatte sie einen Termin zum Probetraining. Alleine traute sie sich nicht und ich musste mit.
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Für sie war es das erste und einzige Training ihres Lebens, für mich der Beginn einer lebenslangen Liebe.
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Das ich eines Tages als Opa (ich bin wirklich Opa) auf der Bühne stehen würde und gar nicht mal so schlecht aussehe, hätte mir niemals jemand abgenommen. Bei mir ist wirklich nichts Talent oder Veranlagung, sondern alles harte Arbeit und Arbeit und Arbeit und Arbeit und …
Es hat sich gelohnt. Mein Standardgewicht liegt heute nach 30 Jahren Training bei 88 bis 90 Kg. Die Form ist dann immer noch Schwimmbad tauglich und ich bekomme alleine die Schuhe zu. Ab 95 wird es kritisch und bei meinem Maximalgewicht von bisher 105 kg, also fast 50 Kilo mehr als 1984, muss ich mich verstecken, wenn Greenpeace seine Runden zieht. Sie würden versuchen mich als Killerwal zu retten.

Jetzt gilt es, mit möglichst wenig Fettzuwachs meinen Körper für Berlin langsam aufzubauen. Die Zielsetzung ist jetzt klar. Der grobe Ablaufplan steht. Einige Dinge, wie zum Beispiel optimale Kalorienzufuhr muss ich ausprobieren. Verletzungen sollen vermieden werden und trotzdem will ich an meine Grenzen gehen.
Wie das funktioniert, welche Fortschritte oder Rückschläge ich erlebe und vieles aus der Gegenwart, aber auch aus meinen Anfängen will ich euch, wenn ihr Interesse habt, in den nächsten Monaten berichten und hoffe in erster Linie auf gute Unterhaltung.