Wir versuchen das.
Es gibt viele Kritiker, die Bodybuildingmeisterschaften als öde, langweilig und völlig überflüssig charakterisieren. Der Rheinland-Pfälzische Landesverband hält dagegen und wagt den Schritt: Bodybuilding kann unterhaltsam sein und mehr Menschen begeistern, als nur die mitgereisten Schlachtenbummler.
Ein, zwei artistische Nummern in den Wettkampf eingefügt, machen noch keine Show. Es ist ein vorsichtiger Versuch, sich als Show attraktiver zu verkaufen, ohne die treuen Hardcore-Fans, die jedes Weichspülen des Sports ablehnen, zu vergraulen.
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Wir haben nicht die vorsichtige Variante gewählt. Trotzdem gibt es Hardcore, echtes Bodybuilding. Aber eingebettet in eine "Inszenierung".
Jetzt wird es diejenigen geben, die jede Veränderung ablehnen und ein hoffnungsloses Scheitern herbeisehnen. Und sei es nur zur eigenen Bestätigung. Wir hoffen aber, dass es besonders viele von den Anderen gibt, die sich Veränderungen und eine breitere Aufmerksamkeit wünschen. Die Bodybuilding lieben und dem Sport nur das Beste wünschen, sowie selbst unbedingt auch dazu beitragen wollen."
Dies war die offizielle Pressemitteilung zu den Internationalen Muscle Games 2012, einer Meisterschaft, einem Konzept, das antrat es anders, nach Möglichkeit besser zu machen. Heute, im Anschluss an den Event, muss das Konzept sich an diesen Worten messen lassen.
Doch bevor wir zu einer Bewertung kommen, zunächst einmal die Frage, ob und wenn ja warum Bodybuildingmeisterschaften überhaupt reformiert werden müssen. Reicht es nicht mehr einfach die Athleten in den Mittelpunkt zu rücken? Braucht man ein aufwändiges Rahmenprogramm?
Hierzu wird es verschiedene Meinungen geben. Sicher ist aber, dass viele Meisterschaften auf regionaler Ebene um ihre Existenz kämpfen. Stetig steigenden Fixkosten stehen abnehmende Zuschauerzahlen gegenüber, eine Situation, die dauerhaft nicht kompensiert werden kann. Zeiten, in denen man mit einer "einfachen" Regionalmeisterschaft riesige Hallen füllen konnte, sind leider vorbei. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Einen entscheidenden Teil trägt sicher der Wandel in der Studiolandschaft bei. Klassische Gyms sterben vielerorts aus, da sie der Konkurrenz durch große Ketten nicht mehr gegenhalten können und viele Kunden lieber 3€ im Monat sparen und dafür in einem anonymen Großraumstudio trainieren. Hierdurch stirbt leider der Spirit der alten Gyms, in denen eigentlich immer ein paar Leute in Vorbereitung waren und somit das halbe Studio mit zur Meisterschaft reiste. Dazu hat sich aber auch die Anspruchshaltung verändert. War man früher glücklich, wenn man Monate nach der Show ein paar Bilder in einem Magazin fand, wird heute gejammert, wenn man nicht gleich einen Livestream anbieten kann.
Man kann versuchen dem entgegenzuwirken, vielerorts wird das auch versucht, aber die Zeit kann man nicht zurückdrehen. Daher ist es nur folgerichtig nach neuen Wegen zu suchen die Hallen zu füllen, auch wenn vielen Puristen das schon zu viel ist. Da sind eben die Menschen, die jede innovative Idee ablehnen, die der Einführung einer jeden neuen Klasse kritisch gegenüberstehen. Und sicher, auch das ist nicht unbegründet. Man muss sich natürlich fragen, ob eine Inflation der Klassen sinnvoll ist, mehr Athleten und Zuschauer anlockt, oder eher die Meisterschaften unnötig aufbläht und in die Länge zieht. Denn seien wir mal ehrlich: So eine Meisterschaft ist heute schon ein Mammutprojekt: Schon auf einer Regionalmeisterschaft muss man für Vorwahl und Finale mit mindestens mal 6 Stunden rechnen, eine Deutsche kann schnell mal 10 Stunden und mehr dauern. Für den Hardcore-Fan ein Traum, für viele Außenstehende, Szenefremde oder einfach nur am Sport interessierte Menschen aber doch oft zu viel. Und genau hier stellt sich die Frage, ob zusätzliche Showacts das Ganze auflockern und somit interessanter machen, oder die Show nur unnötig in die Länge ziehen.
Ich habe nun schon so einige Shows, national wie international, Amateur wie Profi, in meinem Leben gesehen und erlaube mir daher folgendes Urteil: Gegen den ein oder anderen passenden und gut inszenierten Showact hat niemand etwas; im Gegenteil, diese werden sogar äußerst positiv aufgenommen. Ganz wichtig ist aber dabei, dass man das Zielpublikum im Auge behält. Und Bodybuilder, bzw. Anhänger sind in der Regel konservativ, teils gar fundamentalistisch, wenn es um ihren Sport geht. Da wird jede neue Maschine verteufelt, da ja schon Eugen Sandow mit Eisen dicke Muskeln aufgebaut hat. Entsprechend kritisch werden dann Showacts betrachtet.
An diesem Punkt möchte ich den Bogen zurück zur Show in Kaiserslautern schlagen, einer Show, die nebenbei bemerkt in einer großartigen Location stattfand und in Sachen Beleuchtung und Ton für eine Regionalmeisterschaft Maßstäbe setzte, einer Show, die von dem Großteil der Athleten sehr positiv bewertet wurde, einer Show, bei der auf Wünsche von Presse und Athleten kurzfristig und unbürokratisch eingegangen wurde. Es wurde versucht neue Elemente in die Veranstaltung einzubringen, Elemente, die leider etwas zu weit von der Szene entfernt waren, was an der verwirrten bis lautstark kritisierenden Reaktion eines Großteils des Publikums zu spüren war.
Aber auch wenn man in diesem Fall übers Ziel hinaus geschossen ist, der Ansatz war durchaus gut. Doch sollte man sich künftig fragen, mit welchen Showacts man eine Veranstaltung anreichern kann, so dass sie in den Rahmen der Show passen, sich integrieren und ein stimmiges Gesamtergebnis hervorbringen, dass sowohl Athleten als auch Zuschauern gerecht wird. Dabei sollte stets der Bezug zum Eigentlichen, zum Kern der Veranstaltung, zum Training erhalten bleiben. Eine Poledance-Einlage, ein Powerlifting- oder Strongmanevent, eine Kampfsportpräsentation, eine Artistikdarbietung, all das wären aus meiner Sicht Möglichkeiten das Rahmenprogramm auch für Szenefremde interessanter zu gestalten, ohne dass man das Stammpublikum verärgert und sie vor den Kopf stößt.
All diejenigen, die jetzt den Finger heben und lautstark über ein Experiment wie die Internationalen Muscle Games schimpfen, sollten sich fragen, was sie zu einer Fortentwicklung unseres Sports beitragen, was sie tun, damit die Athleten vor voller Halle auftreten dürfen, die Verbände wieder mehr Geld in die Kassen bekommen, so dass sie ihre Athleten noch besser fördern können. Sich beschweren ist einfach, etwas in die Hand nehmen, zu versuchen etwas zu ändern, das ist anspruchsvoll. Jedem, der das wagt, gebührt Respekt, auch wenn nicht alles so läuft, wie man es sich vielleicht vorstellt.
In diesem Sinne hoffe ich auf eine Fortsetzung dieses Projektes, wenn auch in angepasster Form.