Unsere vielen Leser in Österreich, der Schweiz oder in sonstigen Teilen der Erde blicken nicht selten neidvoll nach Deutschland. Ein Staat herausragender Sozialsysteme, hochwertigster Infrastrukturen (na gut, das Internet sei hiervon ausgenommen) - und einer Nahrungsmittelindustrie, die international ihresgleichen sucht. Ja, wir sind nicht unbedingt Genussmenschen. Wir fahren lieber gute Autos als unseren Körper mit angemessenem Brennstoff zu betanken. Der Deutsche geizt wie kaum ein anderer Landsmann an der Supermarktkasse, und so hat der Verbraucher die Nahrungsmittelindustrie in die Knie gezwungen.

Mittlerweile sind vollständige Lebewesen zum Preis eines Coffee to Go’s erhält, und das alles bei einer erstaunlichen Vielfalt, überall, manchmal bis 24.00 Uhr. Zugegeben: Die Qualität hat unter dem Marktzwang mitunter mehr als gelitten, grade der ernährungsbewusste Sportler sollte so manches Regal weiträumig umschiffen. Und doch lauern viele Schätze in den Sortiments(un)tiefen der Republik.

Aldi

Keine andere Kette hat unser Verständnis vom Einkaufen so geprägt wie das Handelsunternehmen der Aldi-Brüder. Die Idee qualitativer Lebensmittel zum Niedrigstpreis durch Reduzierung sämtlicher Annehmlichkeiten (und moralischer Selbstansprüche) hat den Alltag der Menschen revolutioniert. Und wo es Al(l) Di(e) schönen Sachen gibt, da wird auch der Kraftsportler hier und da fündig.

Zum Beispiel mit der Premium Gyros-Pfanne, gesehen bei Aldi Nord. Der Discounter verzichtet hier gleich ganz auf die Vergabe einer Eigenmarke. Ein Blick auf die Verpackungsrückseite (man dreht ja so und so einmal Richtung Nährstofftabelle um) verrät aber schnell, dass es sich um ein Produkt aus der kultigen "Don’t-call-it-Schnitzel"-Fabrik Tillman’s handelt.


Nun ist Gyros vielleicht nicht das, was einem beim Stichwort Sportlernahrung als erstes in den Sinn kommen mag, hier locken jedoch gute Nährwerte von 21 % Protein bei nur 4 % Fett. Das Gericht ist selbstredend eher für die "If it fits your Macros"-Fraktion tauglich; Vielfältige E-Nummern, recht aufdringliche Gewürze und eine dem Preis von ca. 2,69 € für die 500 g Packung angepasste Fleischqualität qualifiziert das Produkt nicht für den täglichen Verzehr. Wen ab und zu Lust auf einen gewissenskonfliktarmen "Clean Cheat" packt, der ist hier jedoch gut beraten.

Die unstrittig besser sortierte Ladenkette Aldi Süd (und nichts macht mich betroffener, als nur wenige Kilometer nördlich des Aldi-Äquators zu wohnen) bietet den in der Discount-Landschaft weitgehend einzigartigen Kräuterquark leicht der Molkerei-Eigenmarke Milfina, der im Gegensatz zu vergleichbaren Produkten durch einen Fettgehalt von unter 2 % bei wirklich annehmbaren Geschmack überzeugt. Ja, man könnte auch selbst Hand an der Rührschüssel anlegen – aber das Aufbacken der Ofenkartoffel ist in mancher Lebenssituation doch schon "Kochen" genug.

Lidl

Die Lidl Stiftung & Co. KG ist Aldis härtester Widersacher in einer Branche, die an Härte wohl nur noch vom Drogen- und Menschenhandel getoppt wird.

Hinsichtlich Warenvielfalt ist der der Handelsgigant aus Neckarsulm dem Discounter-Pionier um mehrere Nasenlängen voraus. Empfehlenswert ist beispielsweise ein Halt vor dem Regalplatz der Eigenmarke Alesto Fine für Nüsse und Trockenfrüchte jeder Art. Hier wird fündig, wer nach den raren ungesalzenen und ungerösteten Cashewkernen, Pistazien und Paranüssen zum Schnäppchenpreis sucht. Je nach lokalem Angebot finden sich außerdem getrocknete Datteln, Aprikosen oder sogar Goji-Beeren und (Geheimtipp!) Physalis, eine naturbelassene Alternative zum Gummibärchen oder Maltodextrin nach dem Training.

Für die Ewig Durstigen unter uns (das dürften viele sein) findet sich hier auch die exklusiv über Lidl vertriebene 2-Liter-Flasche Vittel. Eine angenehm griffige Alternative zum sperrigen Wasserkanister. Ungefähr monatlich wird das Sixpack zu einem Gesamtpreis von 2,99 € angeboten, die Ersparnis ist gegenüber dem üblichen Literpreis des Markenmineralwassers also bemerkenswert.

Netto Markendiscount

Der Discounter mit dem größten Sortiment aller Branchenvertreter. Einen Daumen verdient die ehemals unter dem Namen "Plus" bekannte Kette für das sehr reichhaltige Angebot an laktosefreien Milchprodukten der Marke VivaVital, darunter Mozzarella, Frisch- und körniger Frischkäse sowie diverse (muss man mögen!) Ziegenkäseprodukte.
PS: Nach mehrjährigem Durchtesten sämtlicher Supermärkte habe ich persönlich den Netto-Magerquark Leichter Genuss zum cremigsten auserkoren.

Netto Stavenhagen

Der dänische Discounter "Nur echt mit dem Scottie" wird der nord- und ostdeutschen Leserschaft ein Begriff sein. Aus den zugegeben etwas unaufgeräumten Filialen sind mir nach meinem Wegzug aus dem Verbreitungsgebiet noch die fertiggebratenen Hähnchenminifilets von Maximum Natur im Gedächtnis.
Packung auf, Fleisch raus, and let the Gainz begin!
Analog zur Aldi-Gyrospfanne ist diese Ware auch kein Anwärter auf den Most-Natural-Award, aber befriedigende Makros bietet es alle male. Und das bei einem gegenwärtigen Kilopreis von 7,96 € - für Connvience-Fleisch absolut unschlagbar!

Penny

Für mich der ramschigste und damit unglücklichste Kettenname der Branche, aber sei es drum, die Filialen haben in den letzten Jahren ihr Gesicht deutlich zum Positiven verändert und Atmosphäre und Sortiment laden mittlerweile durchaus zum ergiebigen Einkauf ein.

Mein Favorit: Die Scharfe Tomate der Safteigenmarke Grünhorst. Ja, mit meinem Faible für Gemüsesäfte stehe ich in jedem sozialen Umfeld (außerhalb von Langstreckenflügen) weitgehend allein da, aber diesem Produkt sollten insbesondere die Trink- und Frischgemüsemuffel unter uns wirklich eine Chance geben! Keine Ahnung, was drin ist (außer der deklarierten Tomaten, Salz und Chili), aber das Zeug macht süchtig, ein bisschen wie BBQ-Sauce aus dem Tetrapack, nur unverschämt gesund.


Rewe

Kein Discounter, ich weiß, aber für mein Empfinden ein guter Kompromiss zwischen Schnäppchenschleuder mit Schlachthausatmosphäre und diesen Flächengeschäften auf der Grünen Wiese, die den hungernden Kunden zunächst zum Vorbeimarsch an einer endlosen Abfolge von Elektrogroßgeräten, Gartenkeramik und Grabbelkisten mit Mängelexemplar-Büchern vorbeiführen. Bei Rewe findet sich ein hochwertiges Vollsortiment in fußläufiger Erreichbarkeit.

Hervorzuheben ist hierbeispielsweise das Rinderhackfleisch des hausexklusiven Frischfleischlieferanten Wilhelm Brandenburg in der handlichen 180 g Packung. Bei 5 % Fett fällt die Entscheidung zwischen dröger Putenbrust und saftigem Hack schon um einiges leichter. Im wahrsten Sinne des Wortes (wobei hier auf den bei ca. 16 € angesiedelten und damit für Hackfleisch zugegeben exorbitanten Kilopreis zu verweisen ist).

Rewe ist auch eine von wenigen Bezugsquellen der Marke Vossko, einem Hersteller für fertiggegartes TK-Fleisch. Hähnchenbrustfilet auftauen, warmmachen – genießen! Und das kann man wirklich, denn Vossko-Fleisch ist interessant gewürzt, umwerfend zart und dabei mit einem Nährstoffprofil gesegnet, das nur ganz marginal hinter dem Frischfleisch zurückstecken muss. Gibt es z.B. auch in der Schnitzel- oder "Hawai"-Variante mit Ananas oder für besonders Eilige als fertige Stripes.

Kaufland

Jetzt doch die Großfläche. Die Kaufland-Filialen haben zwar ein wenig den Charme eines zugigen Baumarktes, das Angebot lockt aber durchaus. Ich habe zum Beispiel immer mein Vergnügen an der Selbstbedienungstheke des Anbieters Tea Friend, an der man sich nach Lust und Laune durch etwa 50 lose Teesorten schnuppern kann. Fast wie im Fachgeschäft, nur ohne aufdringliche Verkäufer in selbstgeklöppelter Bekleidung und mit flexiblen Kaufmengen zum Selbstabwiegen. Schon ist der Nachmittag um (soll es übrigens auch teilweise bei Globus, Marktkauf, Edeka oder Rewe geben)!

Ein weiterer Tipp ist das tiefgefrorene Hühnerfleisch, gewürfelt und gekocht im 500 g Beutel. Hier besticht vor allem der Proteingehalt von über 30 %.

Marktkauf

Einen hab ich noch! Der zur Edeka-Gruppe gehörende Supermarkt ist die einzige stationäre Bezugsquelle für Produkte der Wellness-Marke Primawell, die mit der Eiweißnudel mein neues Must-Have im Küchenschrank auf den Markt gebracht hat.

Eine Sättigungsbeilage mit 23 % Protein und grade einmal 5 % Kohlenhydrate (im gekochten Zustand) ist ja schon fast zu schön, um wahr zu sein. Nun bin ich selbst niemand, der sein Gewissen durch strittige Eiweißquellen wie Soja und Weizen beruhigen möchte. Aber die Erkenntnis, sich nach einer riesigen Nudelportion mit dreifachem Nachschlag immer noch federleicht zu fühlen, hat mich schwerst beeindruckt.

Geschmacklich tendiert das Produkt in Richtung Vollkornnudeln und ist somit vollumfänglich akzeptabel. Das ist mir durchaus die 4,95 € für die 250 g Tüte wert (ACHTUNG! Ein vergleichbares Produkt ist alternativ im Andro-Shop unter dem Label "Adams Brot" zu beziehen).

Und dennoch …

… wir wissen alle, dass beschämend viel Schrott in unseren Regalen zu finden ist (und noch beschämender ist, dass wir ihn kaufen), in Puncto Qualität, aber auch hinsichtlich dessen, was hinter den Kulissen geschieht.

Ja klar, wir sollten doch in den Bioladen, besser noch zur Bauernhof-Community draußen vor der Stadt, und uns beim örtlichen Food-Sharing anmelden. Oder wenigstes auch mal beim Metzger von nebenan regional einkaufen. Aber es gibt Situationen, in denen wir fast alle mal stecken, in denen es auch mal so gehen muss, auch mal schnell, auch mal für das kleine Budget, auch wenn mal eine E-Nummer dabei ist. Und für all die, die ihre Prioritäten genau hier gesetzt haben, leben wir dann tatsächlich im Märchen, im Schlaraffenland. Es ist vieles, wenn nicht alles möglich, in jede Richtung.

Meine Auflistung ist so unvollständig, dass es sie fast gar nicht gibt. Also: Was sind eure Favoriten, was habt ihr in den Weiten Deutscher (oder Österreichischer oder Schweizer) Märkte gefunden? Ich bin gespannt auf eure Empfehlungen!

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Bilder: Karl Baron | Liz Mc