Wenn die meisten Menschen den Begriff Bodybuilding hören, denken sie automatisch an Wettkampfbodybuilding. In der Realität ist die Gruppe der Wettkampfbodybuilder nur eine kleine Teilgruppe all derer, die mit Gewichten trainieren um ihr Aussehen zu verbessern und ihre Gesundheit zu fördern.

Training mit Gewichten kann auch zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden und wird als Vorsorge gegen und als Behandlung für viele Krankheiten und Beschwerden empfohlen. Es wird z.B. empfohlen, dass Personen, die unter Diabetes vom Typ I und Typ II leiden, regelmäßig Sport treiben. preview

Einige Hintergrundinformationen zu Diabetes

Die Diabetesrate steigt in Nordamerika mit einer besorgniserregenden Geschwindigkeit. Diese Steigerung hängt mit dem immer weiter zunehmenden Übergewicht in diesem Land zusammen. Diabetes ist eine der Krankheiten, die mit Übergewicht und Fettsucht in Verbindung gebracht wird.

Es gibt zwei Haupttypen der Diabetes:

  • Typ I
  • Typ II
Bei Diabetes vom Typ I stellt die Bauchspeicheldrüse (das Organ, welches für die Insulinproduktion zuständig ist) die Insulinproduktion völlig ein. Insulin ist das Hormon, welches dafür benötigt wird, die über die Nahrung zugeführten Kohlenhydrate zur Energiegewinnung oder Einlagerung als Glykogen in die Zellen zu schleusen. Aus diesem Grunde sind Diabetiker vom Typ I auf Insulininjektionen angewiesen. Diabetes vom Typ I tritt in der Regel im Alter von 8 – 12 Jahren auf, kann jedoch auch in jedem anderen Alter auftreten. Ich weiß von einem Fall, bei dem eine Frau in ihren Fünfzigern an Diabetes Typ I erkrankt ist.

Diabetes vom Typ I kann nicht durch Vorsorgemaßnahmen verhindert werden, da es eine Autoimmunkrankheit darstellt, die dazu führt, dass die Zellen der Bauchspeicheldrüse, welche für die Insulinproduktion zuständig sind, ihre Arbeit dauerhaft einstellen.

Im Gegensatz hierzu ist Diabetes vom Typ II eine Krankheit, bei welcher der Körper entweder nicht in der Lage ist, Insulin in ausreichender Menge zu produzieren, oder aber das Insulin nicht richtig verwenden kann. Etwa 90% aller Diabeteserkrankungen sind vom Typ II. Diese Variante der Diabetes trat in der Vergangenheit hauptsächlich bei Erwachsenen auf, doch aufgrund des bereits im Kindesalter stark zunehmenden Übergewichts wird immer häufiger von Diabetes Typ II Erkrankungen bei Jugendlichen berichtet.

Auch wenn die Veranlagung für Diabetes vom Typ II genetisch bedingt ist, liegt das Problem nicht bei den Zellen der Bauchspeicheldrüse wie bei Diabetes vom Typ I. Bei Diabetes vom Typ II liegt das Problem bei den Insulinrezeptoren und hier insbesondere bei den Insulinrezeptoren der Muskulatur. Aus diesem Grunde wird bei Diabetes vom Typ II der Blutzucker nicht oder nur unzureichend in die Muskelzellen transportiert und die Bauchspeicheldrüse produziert immer mehr Insulin, um den Blutzuckerspiegel zu senken.

Man kann sich Insulin als einen Schulbus vorstellen und Glukose als die Kinder, die transportiert werden. Ohne den Bus (Insulin) können die Kinder (Glukose) nicht dahin gelangen, wo sie benötigt werden (Muskeln und Organe). Wenn einer der Busse (Insulin) auf der Strecke eine Panne hat, würde die Menge der wartenden Kinder (Glukose) immer größer werden, da kein Bus (Insulin) da ist, um die wartenden Kinder abzuholen und zu transportieren. Aus diesem Grunde würde der Boss des Busunternehmens (Bauchspeicheldrüse) weitere Busse (Insulin) losschicken um die wartenden Kinder (Glukose) abzuholen, was zu einem zu hohen Busaufkommen (Insulin) auf der Strecke (Blutkreislauf) führen würde.

Diabetes vom Typ II ist eine Begleiterkrankung bei Übergewicht und Fettsucht, da die übergroßen Fettzellen bei Übergewichtigen die Gefahr des Auftretens einer Insulinresistenz erhöhen. Es können allerdings auch schlanke Menschen an Diabetes vom Typ II erkranken. Falls Diabetes vom Typ II jedoch durch Übergewicht ausgelöst wurde, verschwindet die Erkrankung oft, wenn das Körpergewicht reduziert und die sportliche Aktivität erhöht wird, was mich zu meinem nächsten Punkt bringt.

Körperliche Aktivität und Diabetes

Erinnern wir uns daran, dass die Insulinrezeptoren der Muskelzellen bei Diabetes vom Typ II bezüglich des Transportes von Glukose in die Zellen mit der Zeit recht ineffizient werden. Aus diesem Grunde sind regelmäßige sportliche Aktivitäten empfehlenswert.

Wenn wir wieder das Schulbusbeispiel heran ziehen, würde Sport als Mechaniker an der Stelle ins Spiel kommen, an welcher der Bus eine Panne hat. Der Mechaniker (Sport) würde den Bus (Insulinrezeptoren der Zellen) reparieren und somit wieder einsatzfähig machen.

Prinzipiell sind alle Arten sportlicher Aktivität dazu geeignet das Diabetesrisiko selbst und die mit Diabetes verbundenen Komplikationen zu reduzieren. Das Training mit Gewichten spielt hierbei eine besonders wichtige Rolle, da die Belastung und das Training der Muskulatur den Bedarf an Glukose zum Zwecke der Energiegewinnung erhöht. In diesem Sinne ist Bodybuilding eine für Diabetiker sehr gut geeignete Sportart. Durch Bodybuilding wird der Körper dazu gebracht den überschüssigen Blutzucker zu verbrauchen. Natürlich ist auch Ausdauertraining dazu geeignet die Aufnahme von Glukose in die Muskulatur zu erhöhen und die Insulinsensitivität des Körpers zu verbessern.

Allgemeine Ernährungsempfehlungen

Die richtige Ernährung ist ein wichtiger Faktor, wenn es darum geht, Diabetes zu kontrollieren. Auch wenn jeder Körper wieder etwas anders reagiert, empfehlen Mediziner bei Diabetes im Allgemeinen alle Arten von raffinierten und verarbeiteten Kohlenhydraten (weißes Mehl, Nudeln außer Vollkornnudeln, Zucker, alle stark zuckerhaltigen Lebensmittel, Weißbrot usw.) zu meiden und durch Vollkornprodukte (Vollkornnudeln, Vollkornbrot, Haferflocken, ballaststoffhaltige Frühstücksflocken usw.) zu ersetzen.

Auch die Proteinzufuhr sollte genau überwacht werden. Wenn auch Eiweiß für die meisten Menschen, die versuchen Muskeln aufzubauen, einer der wichtigsten Nährstoffe ist, welcher in großen Mengen zugeführt wird, sollten Diabetiker ihren Proteinkonsum in Grenzen halten, um ihre Nieren, die oftmals durch diabetesbedingte Komplikationen bereits stärker belastet sind, zu schonen. Als Diabetiker sollte man zwar hochwertiges Protein in die Ernährung mit einbauen, man sollte es aus dem genannten Grund jedoch nicht zu sehr mit dem Eiweiß übertreiben.

Weiterhin sind gesunde Öle und Fette eine wichtige Komponente der Ernährung, was natürlich sowohl auf Diabetiker als auch auf Nichtdiabetiker zutrifft.

Überwachung des Blutzuckerspiegels

An dieser Stelle sollte noch erwähnt werden, dass es für Diabetiker sehr wichtig ist, ihren Blutzuckerspiegel regelmäßig zu kontrollieren. Dies gilt insbesondere vor und nach dem Training und auch während dem Training, falls man sich nicht wohl fühlt. Man sollte immer im Hinterkopf behalten, welche Auswirkungen sportliche Aktivitäten auf den Blutzuckerspiegel haben: Sport führt dazu, dass der Blutzucker in der Muskulatur zum Zwecke der Energieversorgung verbraucht wird und der Blutzuckerspiegel somit gesenkt wird. Wenn der Blutzuckerspiegel hierdurch zu stark abgesenkt wird, kann es zu Schwindelgefühlen, Schwächeanfällen und sogar bis zur Bewusstlosigkeit kommen (letzteres kann bei einem Satz schwerer Kniebeugen zu recht unangenehmen Folgen führen...). Aus diesem Grund sollte man als Diabetiker beim Training immer Dextrosetabletten oder eine andere Form schnell verwertbarer Zucker in Reichweite haben.

Schlussfolgerung

Die Moral von der Geschichte ist, dass alle Arten sportlicher Aktivität für Diabetiker nützlich und wichtig sind. Egal ob man ein Wettkampfbodybuilder oder ein Hobbybodybuilder ist, wenn man an Diabetes erkrankt ist oder zu einer Risikogruppe für Diabetes gehört, sollte man seinen Hintern ins Studio bewegen.