Boris KleineHallo Freunde des Eisensports! Ich hoffe, Ihr seid wieder zahlreich vertreten, wenn ich wieder mal ein wenig über unser Lieblingsthema, das Bodybuilding sinniere. Dieses mal geht es um das Wichtigste im Leben eines Menschen. Nein, ich meine nicht 1kg mehr fettfreie Muskelmasse und auch keine weitere Wiederholung bei schweren Kniebeugen. Ich rede vielmehr von Familie, Freunden und dem eigenen Partner; nein nicht dem Trainingspartner, sondern dem Partner, der sich in eurem Bett an euch kuschelt.

Einschlägige Internet Foren wie auf Team-Andro.com haben seit längerer Zeit eine ganz eigene Dynamik entwickelt. Ich meine damit nicht die informative Komponente, sondern vielmehr die sozialen und emotionalen Aspekte. Wir lachen und streiten gemeinsam, manche finden hier einen Partner andere verlieren einen Partner, wiederum andere sind aus verschiedensten Gründen traurig oder verzweifelt. Dies geschieht oft vor den Augen und mit oder ohne die Anteilnahme von mittlerweile über 27000 Mitgliedern.

Bodybuilder sind de facto eine Randgruppe der Gesellschaft (siehe auch: Bodybuilding - der direkte Weg ins gesellschaftliche Abseits?) und finden aufgrund des eigenen oder fremden Verschuldens oft keinen neuen und interessierten Gesprächspartner oder einen engeren Bekanntenkreis fernab vom Sport. Die Gründe für diesen Umstand sind relativ simpel. Neben der normalen Arbeit verbringt man einen Großteil seiner Zeit bei BB-spezifischen Tätigkeiten wie z.B. Trainieren, dem Zubereiten von Unmengen an Nahrung, Anmischen von Supplements, Ruhephasen usw. Nun denkt so mancher geneigte Leser: "Das kostet doch alles kaum Zeit!" - dem kann ich bedingt zustimmen, wenn ich mir einen einzelnen der genannten Punkte anschaue. Die Summe aller Tätigkeiten ist jedoch relativ zeitaufwändig. Des weiteren muss man mit der Ablehnung durch andere Menschen aufgrund von Vorurteilen und deren ästhetischem Empfinden rechnen. Damit möchte ich nicht sagen, dass Ihr kein soziales Umfeld habt und dieses nicht ausbauen könnt. Vielmer möchte ich damit zum Ausdruck bringen, dass sich dies als umso schwieriger erweist, je verbissener man den "Way of Life" eines Bodybuilders verfolgt. preview

The "Way of Life"

Die Frage, was von allergrößter Bedeutung für den eigenen "Way of Life" ist, wurde bereits im siebzehnten Jahrhundert treffend beantwortet:

Mit Leib und Seele an das eigene Ziel in genau diesem Augenblick zu glauben!

Diese Haltung findet sich auch im Bodybuilding wieder. Sie befähigt uns unter anderem zu einer letzten Wiederholung beim Bankdrücken, einer Steigerung des Gewichtes oder, um es ganz allgemein auszudrücken, zur Verfolgung des übergeordneten Ziels. Diese starke mentale Haltung und die ständige Bemühung in diese Richtung lässt im Geiste etwas kristallisieren. Dieses "Etwas" ist schwer zu entdecken und noch schwieriger ist es, dieses ständig im Sinn zu haben. Aber jeder von euch wird es schon mal kurz vor Augen gehabt haben, und manche haben es womöglich auch geschafft es festzuhalten.

Zielsetzung vs. Kommunikation

Der ständigen Verfolgung des Ziels steht die Tatsache gegenüber, dass Menschen, die nicht gerade an einer sozialen Phobie leiden, sich in Form von Sprache, Mimik, Gestik und Schrift einem Gleichgesinnten mitteilen möchten. Doch berücksichtigt man die oben genannten Punkte (Zeitfaktor, Gleichgesinnte), dann findet man als Bodybuilder im realen Leben nicht viele Menschen, und man kann und möchte sich ja auch nicht unbedingt mit jedem austauschen. Diese Lücke füllen Foren wie Androgen-steroids.com. Hier kann man Informationen sammeln und bei Bedarf mit Gleichgesinnten kommunizieren. Mit dem einzigen Manko, dass die nonverbale Kommunikation wie Gestik und Mimik außen vor bleiben. Ich möchte auch nicht näher auf die computervermittelte Kommunikation (CVK) eingehen und wissenschaftliche Aspekte beleuchten sondern einfach nur das, was ich sehe, und wie ich es interpretiere.

Willkommen in der Parallelwelt

Die Forenwelt zeichnet aus, dass vieles nicht so ist, wie es scheint bzw. dargestllt wird. Es wird, nennen wir es mal "beschönigt", was z.B. die eigenen Leistungen angeht usw. Dies ist durchaus legitim, und es kann sich psychologisch auch sehr positiv auswirken, sich mal von den Fesseln des Alltags befreien zu können. Solche "Beschönigungen" sind aber nur so lange legitim, wie andere nicht unter Vortäuschung falscher Tatsachen beraten oder anderweitig beeinflusst werden. Und man darf selbst nicht den Bezug zur Realität verlieren. Das gilt insbesondere für diejenigen, die sich mit der Zeit wegen ihres wachsenden Know-Hows zu einer Art "Guru" entwickelt haben. Wenn man nicht aufpasst, kann man in jedem Board als Mitglied, Mod oder Admin in eine derartige Schiene rutschen, und man fängt langsam an seine Meinung als die einzig gültige Wahrheit anzusehen.

Es wird versucht, jede Situation mit dem eigenen bisschen Weisheit und Wissen zu beurteilen und so mit ihr klarzukommen. Dieses Vorgehen erzeugt böse, egozentrische Gedanken und wandelt sich in ein Laster.

Fakt ist aber, dass ein fähiger Ansprechpartner konstruktive Kritik an sich und seiner Meinung zulässt und sich von anderen Menschen beraten lässt, die in einem Wissensgebiet fähiger sind als er selbst. Niemand ist "Meister aller Klassen". Das Interessante ist, dass nur Menschen, die sich beraten lassen, andere übertreffen können, und dies gilt nicht nur im Bodybuilding, sondern lässt sich auch auf das gesamte Leben anwenden.

Die Geschichte mit den grauen Herren und den Zigarren

Die Älteren und Belesenen von euch kennen sicher noch das Buch "Momo" von Michael Ende, für alle anderen ein Überblick:

In einer immer schnelleren Welt wird Zeit zu dem kostbarsten Gut schlechthin. Jeder kennt das Gefühl Zeit zu verlieren. Der Tag hat gerade angefangen und mit nur einem Augenzwinkern ist er schon wieder vorbei. Genau an diesem Punkt tauchen die "grauen Herren" auf, geben sich als Zeitmanager aus und bieten den Menschen an ihre Zeit in einer "Bank" zu hinterlegen. Sobald die "grauen Herren" ihre Klientel dazu überredet haben, Zeitbankkonten anzulegen, beginnt das diabolische Spiel. Die Anleger sparen Zeit, indem sie "freie Stunden" gewinnen - etwa durch Abschiebung eines Verwandten ins Altenheim oder durch Aufgabe eines Haustiers. Die grauen Männer aber stehlen den Menschen diese Zeit in Form von "Stundenblättern", die sie zu Zigarren rollen und rauchen.

Ich kann es förmlich in eurem Kopf hören: "Der Snuggels ist verrückt geworden!", oder "Jetzt kann der Doc sich selbst einweisen!". Nun ja, das liegt durchaus im Bereich des Möglichen, aber ich versuche es trotzdem mal zu erklären.

Bodybuilding ist ein zeitaufwändiger Sport und daher oft eine Belastung für das soziale Umfeld, das nichts damit am Hut hat. Wenn dann nach der Arbeit und dem Sport noch ein paar Stunden in diversen Foren verbracht werden, kann die Zeit für das soziale Umfeld zu knapp werden. Bodybuilding und Internet stehlen euch und euren Lieben dann die Zeit, welche ihr gemeinsam verbringen könntet. Ihr seid die "grauen Herren" und noch schlimmer, ihr "pafft" eure eigene Zeit bereitwillig weg. Das Ganze wird noch viel extremer, wenn man Moderator oder Administrator eines Forums ist. Die "Zeitzigarren" sind dann so riesig, dass eine einzige von 4 sexy Kubanerinnen gerollt werden müsste.

Übrigens, die Heldin des Romans "Momo" hat selbstverständlich die Welt gerettet. Wie es bei euch funktioniert, müsst ihr selbst herausfinden.

Hobbysportler die leben wie die Profis

Versteht mich nicht fasch, es ist durchaus angebracht sich ein visuelles Vorbild für die eigenen Ziele "zuzulegen", denn dies ist ein nicht zu unterschätzender Motivator. Allerdings sollte man seine eigenen Grenzen und Ziele genau kennen. Profisportler verfügen über eine ganz andere Konditionierung als man selbst, und die greifbaren Ziele sind ganz andere als die eigenen. Dementsprechend ist es eher kontraproduktiv, den sportlichen Lifestyle eines Pro's zu kopieren. Besser ist es, sich Anregungen zu holen und diese seinen eigenen Bedürfnissen anzupassen. Ernsthaftes Bodybuilding ist keine Sache von ein bis zwei Jahren, sondern ein Prozess bei dem sich Veränderungen langsam einstellen. Man muss sowohl seinen Körper als auch sein Umfeld an die Bedingungen anpassen. Aus eigener Erfahrung kann ich z.B. sagen, dass es sich durchaus positiv auswirkt alle paar Monate eine Trainingspause von 1 - 2 Wochen einzulegen. Dies gibt dem Körper Zeit sich zu regenerieren, und, ihr werdet lachen, aus so einer Pause bin ich immer gestärkt hervorgegangen.

Fragt man einen wirklich erfolgreichen Sportler nach den Gründen, die zu seinem Erfolg geführt haben, so sind die eigene Familie, der Partner und die Freunde fast immer unter den ersten Dingen, die er nennen wird. Dies ist definitiv kein Lippenbekenntnis sondern das Fundament für ein erfolgreiches und erfülltes Leben.

Aber lassen zu diesem Thema mal zwei Wettkämpfer zu Wort kommen

Mitglied: Hast du auch Freunde außerhalb der Szene, die mit Bodybuilding absolut nichts zu tun haben, und mit denen du regelmäßig was unternimmst??

Boris Kleine: Nein, ich habe schon lange keine Zeit mehr Freundschaften zu führen. Ich arbeite (am PC), trainiere, esse und schlafe. Die Zeit, die dann übrig bleibt, verbringe ich mit meiner Freundin.

Mr. Universum, Andreas Frey zum BB-Lifestyle:

Andreas FreyAndreas Frey: Einen Tipp kann ich euch allen geben: Je mehr ihr euch abschottet und versucht euer eigenes Ding zu machen, ohne Abwechslung, ohne Freundin/Freund, desto eher geht alles schief. Ich war früher total verbissen, wollte alles zu 110% machen und fiel jedes Mal irgendwie "auf die Fresse". Seitdem ich das Ganze nicht mehr so eng sehe, aber trotz allem sehr zielstrebig geblieben bin, läuft alles super und immer so wie von mir geplant.

Was denkt ihr, wer von den beiden glücklicher war, als er dies geschrieben hat, und wer erfolgreicher ist?

Der Casus Knacktus

Bodybuilding ist aus meiner Sicht mehr als ein Sport, es ist vielmehr eine Lebenseinstellung. Doch soll der Sport unser Leben bereichern und nicht auf ein Minimum beschränken. Vor allem, wenn es um das eigene Umfeld geht. Seinem Ziel langsam näher zu kommen und sich immer weiter zu perfektionieren ist sehr befriedigend aber ohne Menschen, die einen dabei unterstützen, motivieren und in schlechten Zeiten trösten, ist jeder Erfolg nur einen Bruchteil wert. Ich gehe sogar soweit, dass ich behaupte ohne die Menschen, welche einem nahe stehen, werden die Erfolge magerer ausfallen und weniger schnell zu realisieren sein.

Daher wollen die Menschen um euch herum genauso gepflegt werden, wie ihr den BB-Lifestyle pflegt. Noch besser ist es natürlich, wenn euer Umfeld genau dieselben Interessen hat wie ihr - nur ist dies nicht immer der Fall. Darüber hinaus sollte man immer aufgeschlossen sein für neue Bekanntschaften fernab vom Bodybuilding. Dies gibt einem neue Perspektiven und bringt einen auch menschlich weiter. Wie heisst es so schön: "Neben dem Körper will auch der Geist trainiert sein!"

Selbstverständlich kann ich euch keine Antworten geben in diesem Artikel, ich möchte euch vielmehr ein wenig dahingehend sensibilisieren, wie euer Alltag als Bodybuilder euer direktes Umfeld betrifft und hin und wieder in Mitleidenschaft zieht. Denkt ein wenig über den Artikel nach, stellt ihn in Frage, nehmt die Forenwelt nicht zu ernst, gönnt euch hin und wieder einfach eine Auszeit, seid weniger verbissener in eurem Alltag und pflegt eure Freundschaften!

Ein weiteres Zitat, über das ihr nachdenken solltet ohne es falsch zu interpretieren:

Das Leben ist nur ein aufblitzender Moment; man sollte sein Leben mit dem verbringen, was man will. In diesem kurzen Leben wäre es idiotisch sich zu etwas zwingen zu lassen, was man nicht mag, und so sein Leben leidend zu verbringen.

Special Thanks to Boris Kleine und Andreas Frey!