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Was wir wollen, das ist klar: volle Zuschauerränge und ein begeistertes, mitfieberndes Publikum. Nur wie soll das gehen?
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Doch sind wir mal ehrlich: Wenn wir die Zuschauer abziehen, die wegen Bikini und Men's Physique kommen, bleibt so viel nicht mehr übrig. Zudem bedeuten zwei Veranstaltungen doppelte Kosten, Kosten, für die so schnell niemand aufkommen wird.
Ähnliches ist zu der Idee anzumerken, die Meisterschaften auf zwei Tage auszuweiten. Wenn man das wirklich in Betracht zieht, dann muss man auch ein Rahmenprogramm bieten, das die Zuschauer wirklich begeistert und dazu animiert, auch an beiden Tagen vor Ort zu sein, bzw. die Halle an beiden Tagen zu füllen.
Das kann gelingen, wie es uns der Loaded Cup gerade erst wieder gezeigt hat. Doch um so etwas zu bewerkstelligen, muss man investieren, denn die Zuschauer lassen sich nicht von zwei Tagen reinem Wettkampf begeistern. Da muss man dann schon mehr liefern: interessante Seminare von Dozenten, die auch etwas zu sagen haben, Gastauftritte von Topstars usw.
So schön ich es fände, wenn wir bei einer Deutschen Meisterschaft zwei Tage volle Hütte hätten, ich sehe das aktuell als recht unrealistisch an.
Was können wir also tun? Ich werde nicht müde, eine Idee zu benennen, die sich in langen Gesprächen mit unzähligen Beteiligten immer weiter geformt hat: Die Zusammenlegung von Prejudging und Finale. Eine solche Vorgehensweise hätte diverse Vorteile:
- Der Faktor Zeit / Zuschauer:
Vorsichtigen Schätzungen zu Folge, könnte man eine Meisterschaft so um rund die Hälfte der Zeit kürzen. Aktuell wird ein irrsinniger Zeitaufwand betrieben, um die besten sechs Athleten, also die Finalteilnehmer, zu bestimmen und im Finale wieder bei null zu beginnen. Geht das nicht auch deutlich zeitsparender?
Beispiel Männerklassen: Numerische Vergleiche in Line Up und Pflichtposen, um die Top 10 zu bestimmen, dann individuelle Vergleiche für die Top 6 und anschließend Posedown und Küren der Top 6.
Es ist ja nun nicht so, dass wir bei einer Deutschen, 30 Athleten oder mehr in einer Klasse haben. Wenn wir von 15 Athleten oder Athletinnen ausgehen, was durchaus hoch geschätzt ist, würde das bedeuten, dass man im ersten Durchgang 5 Athleten / Athletinnen eliminieren müsste. Das sollte für die Kampfrichter nun wirklich kein Problem sein.
Eine Deutsche würde dann nicht mehr von 10 bis 22 Uhr gehen, sondern eben nur von 14 bis 20 Uhr, von mir aus mit zwei großen Pausen für die Aussteller bis 21 Uhr.
- Der Faktor Kosten:
Zwei Bühnenauftritte bedeutet auch Mehrkosten für Farbe, Schminke etc., die nicht sein müssten und die Athleten nur zusätzlich belasten.
- Der Faktor Athlet:
Das, worum es eigentlich gehen sollte: Dem Athleten eine möglichst gute Wettkampfatmosphäre zu bieten. Für den Athleten hat es klare Vorteile, nur einmal timen zu müssen: Wer sich mit Wettkampfsport auskennt, weiß, dass teilweise wenige Stunden deutliche Veränderungen der Form zur Folge haben können. An einem Tag zwei Mal die perfekte Form zu bringen, ist sehr schwer. Hier wäre es für die Athleten leichter, wenn sie nur auf einen einzigen Termin timen müssten.
Sicherlich besteht da das Risiko, dass man eben genau dann nicht die gewünschte Form bringt, aber das gehört eben zum Sport dazu und kann kein Argument sein. Man weiß ja, was einen erwartet. Man müsste auch nicht den ganzen Tag in stickigen Backstage-Bereichen herumliegen, sondern könnte entspannt ein bis zwei Stunden vor seinem Auftritt kommen, sich tannen und aufpumpen und ab auf die Bühne!
Wichtig ist vor allem eine straffe Zeitplanung und eine konsequente Durchführung. Wenn die Meisterschaft schon 30 Minuten zu spät anfängt, ist es schwer den Leuten glaubhaft zu machen, dass man – gerade bei großen Starterfeldern – nicht noch bis in die Nacht in der Halle sitzt. Das kann aber nur gelingen, wenn man ein eingespieltes und professionelles Team hat, was leider nicht immer der Fall ist.
Warum nicht die Reihenfolge der Klassen durcheinanderwürfeln? Warum müssen die Bikini-Athletinnen immer die ersten sein? Leider ist häufig zu beobachten, dass die zugehörigen Fans direkt nach dem Auftritt des jeweiligen Athleten abreisen. Dem könnte man mit einem interessanteren Mix der Klassen und vor allem einer gemeinsamen Siegerehrung am Ende der Veranstaltung, so wie es bei den meisten Sportarten üblich ist, begegnen. Danach die Gesamtsiegerstechen aller Klassen vor voller Hütte, einem würdigen Ambiente.
Warum nicht Gastauftritte von Sportlern anderer Sportarten? Ein richtiges Highlight, ein wirklicher Topathlet, das will jeder gerne sehen. Aber sind wir mal ehrlich: Wer will den 100. Gastauftritt von Amateur XY mit der immer gleichen Nummer in mehr oder weniger guter Form sehen?
Es gibt doch so viele Möglichkeiten: Akrobatiknummern, Powerlifting, Strongman, auf jeden Fall etwas anderes als das, was man eh schon den ganzen Tag lang sieht, wenn denn kein wirklicher Top-Athlet aufzufinden ist. Aber bitte Qualität vor Quantität.
Wenn man schon die Zeit für einen Gastauftritt einplant, dann muss das ein Hit sein, der die Zuschauer begeistert. Viel zu oft erlebt man, dass ein Großteil des Publikums die Gastauftritte eher genervt zur Kenntnis nimmt oder zumindest als Anlass sieht, eine Rauchen zu gehen oder nochmal die Toilette zu besuchen. Das ist für die Athleten, die den Gastauftritt geben, nicht schön. Das ist für das Publikum nicht schön. Daher hier wirklich nur Highlights!
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Warum keine öffentliche Bekanntgabe der Punkteverteilung? Das muss ja nun nicht für jeden Athleten im Detail passieren, aber gerade beim Gesamtsiegerstechen wäre das durchaus interessant und technisch leicht zu realisieren. Allgemein bin ich der Auffassung, dass im Anschluss an die Veranstaltung die einzelnen Wertungsbögen eines jeden Kampfrichters einsehbar sein müssten. Das würde wahre Transparenz schaffen. In nahezu jeder Sportart, die ich kenne, ist das völlig normal, warum nicht bei uns?
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Letztlich geht es darum, dass man eine Meisterschaft zu einem Event, einem Happening machen muss, das die Menschen begeistert. Eine wichtige Rolle spielen hier auch die Landesmeisterschaften, die die Zuschauer eigentlich so richtig heiß auf das Highlight der nationalen Saison, die Deutsche, bzw. die Internationale Deutsche Meisterschaft machen sollte.
Das geht aber eben nicht, wenn man, wie aktuell bei einigen Landesmeisterschaften, Meisterschaften in irgendwelchen Bürgerhäusern im hintersten Hinterland veranstaltet, in denen das Licht gelinde gesagt beschissen ist und die Musikanlage in den meisten Fällen nicht funktionierend. Vom Bühnenbild mal ganz zu schweigen, das meist auch zur Jahreshauptversammlung des ortsansässigen Trachtenvereins passen würde.
Und ja, ich weiß, dass anständige Hallen in gut erreichbaren Veranstaltungsorten teuer sind, insbesondere wenn man dann auch noch teure Gaststars bieten möchte. Da sollte man dann halt gut überlegen, wie das Geld am besten investiert ist. Dass es anders geht, zeigen einige Landesverbände ja sehr deutlich und deren "Reichtum" ist auch nicht vom Himmel gefallen, sondern in aller Regel das Resultat kontinuierlich guter Arbeit.
Hier sieht man dann auch deutlich die unterschiedlichen Finanzstärken einzelner Landesverbände, wobei man sich fragen muss, ob denn wirklich jeder Landesverband eine eigene Meisterschaft ausrichten muss.
Wäre es nicht denkbar, dass man die Anzahl der Regionalmeisterschaften reduziert? Eine Norddeutsche, eine Ostdeutsche, eine Westdeutsche und eine Süddeutsche, verteilt auf zwei Wochenenden und so gelegt, dass sich die Termine nur sinnvoll überschneiden, also Nord- und Süddeutsche an einem Wochenende und dann Ost- und Westdeutsche an einem Termin, der sinnigerweise nicht mit EM, WM oder anderen Großevents zusammenfällt. Man könnte Kräfte und Finanzen bündeln und den Athleten, wie auch den Zuschauern eine deutlich bessere Show bieten.
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Man muss ja nicht gleich das Rad neu erfinden, aber Evolution ist notwendig.
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Das ist notwendig, denn die Sponsoren, die unseren Sport auf Wettkampfebene erst möglich machen, werden sich diesem Markt nicht verschließen, ganz im Gegenteil, auch das war eine Lehre der vergangenen FIBO. Es sind Veränderungen im Gange, die auch der engstirnigste Traditionalist nicht ignorieren kann. Die Frage ist, ob sich der Wettkampfsport auf diese Veränderungen einlässt, oder ob er sie ignoriert. Ein chinesisches Sprichwort sagt:
"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen."Windmühlen sind was Schönes, finde ich…
Bild: Matthias Busse | Matthias Busse | Matthias Busse