Die folgende Buchvorstellung beschäftigt sich mit zwei Werken des amerikanischen Fitnesscoachs Martin Rooney, der mit "Training für Warrior" und "Warrior Cardio" ultimative Workouts und Ausdauertrainings für Kampfsportler verspricht. Seine Erfahrungen beruhen dabei auf der Zusammenarbeit mit NFL, MLB, NBA, WNBA und UFC-Profis. Eine interessante Expertise also, bei der man meinen möchte, auch als Hantelsportler das ein oder andere für sich als Gewinn herausziehen zu können.
Martin Ronney: Training für Warrior
Der Untertitel des Buches verspricht nicht weniger als "Das ultimative Kampfsport-Workout", wobei bereits an dieser Stelle verraten werden darf, dass diese Erwartung nicht erfüllt wird.
Insgesamt teilt sich das Buch in drei Abschnitte auf:
- eine Einführung zu Mixed Martial Arts
- dem eigentlichen Trainingsabschnitt und
- Strategien zum Gewicht machen, der Ernährung und einem kompletten Workout
Training für Warrior: die Einführung
Neben einer Einführung, wie das Buch zu nutzen sei, umfasst dieser Abschnitt vom "Training für Warrior" einen kleinen geschichtlichen Abriss über die Entwicklung der Mixed Martial Arts sowie Erklärung der grundlegenden Griffe und Techniken. Das Ganze wird veranschaulicht mit diversen Bildern, die alle in schwarz-weiß gehalten sind, aber absolut ihren Zweck erfüllen.Für Fans dürfte das Ganze jedoch zu kurz gefasst sein und wer hingegen an neuen Reizen für sein Training interessiert ist, wird einen Knee Bar weder mit einem Bild lernen, noch großes Interesse an der Technik selbst haben.
Training für Warrior: Der Trainingsabschnitt
Nach einem kurzen Kapitel zur inneren Einstellung, das eine Aneinanderreihung von Motivationssprüchen beinhaltet, die mehr schlecht als recht sind, schließt ein Warm-Up Abschnitt an, der mehr Potential gehabt hätte.Statt ein strukturiertes Warm-Up zu liefern, das auf bestimmte Bereiche angepasst werden könnte, liest sich die Zusammenstellung der Übungen wie eine unwillkürliche Aneinanderreihung. In Zeiten, in denen Trainer wie Joe DeFranco "Agile 8" oder "Limber 11" als sinnvolle Kombinationen anbieten, hätte man so etwas ebenfalls an dieser Stelle von Rooney erwarten können.
Im Anschluss werden verschiedene Muskelgruppe aufgeschlüsselt, wobei vor jedem Abschnitt eine kleine Erläuterung erfolgt, welche Bedeutung der einzelne Muskel für MMA-Kämpfer hat. Vor allem einzelne Abschnitte wie "Hals und Nacken", "Hüfte" oder "Füße und Sprunggelenke" sind für Kampfsportler interessant und werden von Kraftsportlern oftmals nicht fokussiert betrachtet.
Die Übungen sind dabei immer ein Mix aus (plyometrischen) BWEs, Partnerübungen, aber auch Training mit allerlei Equipment, das sicherlich nicht jedem zur Verfügung steht. Alle Übungen sind in der Regel mit zwei Bildern und einer kleinen Erläuterung dargestellt, wobei dies vor allem für Anfänger oftmals zu knapp sein könnte.
Darüber hinaus erschließt sich nicht, nach welchem Prinzip die Übungen gewählt wurden. Im Bereich für "die hintere Oberschenkelmuskulatur" haben beispielsweise Beincurls ein einem funktionell angehauchten Trainingsbuch, das den Anspruch hat, Kampfsportler besser zu machen, nichts zu suchen.
Den Abschluss bietet schließlich ein Abschnitt zur Beweglichkeit, der ähnlich enttäuschend ist, wie der Warm-Up-Abschnitt zu Beginn. Wer sich für dieses Thema interessiert, sollte sein Geld lieber in das bereits vorgestellte Buch "Werde ein geschmeidiger Leopard" von Kelly Starred investieren.
Training für Warrior: Gewicht machen und das Warrior-Workout
Der letzte Abschnitt stellt ein Sammelsurium an Themen dar, die im Zusammenhang mit so einem Buch sicherlich nicht unerwähnt bleiben sollten. Wer selbst einmal Wettkämpfe in einem Kampfsport absolviert hat, in dem man für seine Gewichtsklasse regelmäßig Gewicht macht, wird die zum Teil abenteuerlichen Methoden kennen, mit denen selbst Bundesliga-Athleten wöchentlich 10 % ihres Körpergewichts verlieren, um halbtot über die Waage zu steigen. Jede Woche auf's Neue.Um so bedauerlicher ist es, dass auch Rooney dem Leser keine sinnvolle Anleitung an die Hand gibt und viel mehr halbgares Wissen aufkocht, dass in der Praxis bereits verbreitet genug ist.
Und so liegt auch der einzige positive Aspekt des daran anschließenden Ernährungsteils in der Aufführung von drei konkreten Ernährungsplänen (mit 2000, 3000 und 4000 kcal), die jeweils vier unterschiedliche Zusammenstellungen beinhalten. – Wer also zu faul ist, Kalorien zu berechnen, könnte auf die Pläne zurückgreifen. Wer sich dagegen halbwegs ernsthaft mit Ernährung auseinandersetzen will, greift woanders zu.
Zum abschließenden 8-Wochen-Plan ist entsprechend auch nicht mehr zu sagen, als dass dieser die typischen Fehler eines standardisierten Plans mit sich bringt. Wirklich nützlich ist dieser nicht, da Rooney in keiner Form die Struktur bzw. die Gedanken hinter der Zusammenstellung aufführt.
Training für Warrior: Geldverschwendung?
Für knapp 20 Euro ist "Training für Warrior" relativ günstig zu erwerben. Wie das Buch es in die zweite Auflage geschafft hat, ist mir dagegen dennoch schleierhaft.Der Trainingsabschnitt bietet ein paar nette Inspirationen für das eigene Training, auf die auch Kraftsportler zurückgreifen könnten... ...wenn sie das zum Teil notwendige Equipment besitzen. Ansonsten bietet das Buch weder das "ultimative Kampfsport-Workout", noch einen strukturierten Leitfaden für Kampfsportinteressierte.
Martin Rooney: Warrior Cardio
Mit "Warrior Cardio" bietet Rooney ein deutlich interessanteres Buch, das sich mit dem Thema Ausdauertraining auseinander setzt. Wie bereits "Training für Warrior" ist auch "Warrior Cardio" in drei Abschnitte unterteilt:- eine Einleitung zum Thema Cardio und der Vorbereitung darauf
- verschiedene Cardio-Workouts
- Ernährung und ein 12-Wochen-Trainingsplan

Warrior Cardio: Einführung zum Thematik
Neben der theoretischen Einführung zum Thema Cardio, die übersichtlich gehalten ist, beinhaltet der erste Teil des Buches ein Kapitel mit dem Titel "Standortbestimmung", in dem verschiedene Disziplinen wie der 30-Meter-Sprint, der 3-Minuten-Klimmzug-Test oder der Standweitsprung aufgeführt sind. Dem Leser werden hierbei Maßstäbe an die Hand gegeben, nach denen er die eigene Leistung einordnen kann. Neben der Durchführung, wird dabei in der Regel kurz erklärt, warum der entsprechende Test gewählt wurde und welche Aussagekraft dieser hat. Vor allem für Personen, die alleine trainieren, sicherlich eine interessante Möglichkeit, die eigenen Leistungen besser einordnen zu können.Im darauf folgenden Kapitel erfolgt schließlich die Darstellung eines ganzheitlichen Aufwärmens, was "Training für Warrior" noch vermissen ließ. "Prehab 15" betitelt Ronney seine Übungsauswahl, deren Durchführung er vor jedem Workout empfiehlt.
Im Anschluss daran soll schließlich das eigentliche Warm Up erfolgen, wobei Rooney auch hier drei verschiedene Programm für die Fußgelenke, den Unterkörper und den Oberkörper anbietet, die so zum Großteil auch für Kraftsportler sinnvoll sein können, wenn diese bisher kein Aufwärmprogramm für sich zusammengestellt haben.
Warrior Cardio: die Workouts
Die vorgeschlagenen Cardio-Trainingseinheiten sind aufgeteilt nach- Zirkeltrainings, die mit mit unterschiedlichem Equipment absolviert werden
- Hurrican-Trainings, was spezielle Zirkel sind, bei denen zu Beginn Sprints auf dem Laufband durchgeführt werden
- Barbell und Dumbbell Complexes mit verschiedenen Zusammenstellungen
- Körpergewichtszirkel mit verschiedenen Übungen und
- spezielle Kraftzirkel, bei denen einzelne Übungen wie Klimmzüge, Kreuzheben oder Bankdrücken im Fokus stehen.
Den Abschluss des zweiten Abschnittes bietet ein Kapitel zum Thema sprinten, das zumindest grundlegende Informationen bietet, jedoch nicht mit einem Laufberater verwechselt werden sollte. Darüber hinaus werden die sogenannten "Finisher" vorgestellt, die am Ende von Trainingseinheiten noch einmal Belastungsspitzen setzen können, und ein Kapitel zum Core-Training angeboten, was gute Inspirationen abseits von Crunches und SitUps liefert.
Warrior Cardio: Ernährung und 12-Wochen-Trainingsplan
Den Abschluss bietet schließlich ein Ernährungsteil, der deutlich liebevoller gestaltet ist, als bei "Training für Warrior". Bohnen und Hülsenfrüchte mögen aktuell von vielen Seiten als Nahrungsmittel kritisiert werden, wer allerdings die simplen Vorgaben aus "Warrior Cardio" umsetzt, kann seine Ernährung zumindest im ersten Schritt deutlich verbessern.Dennoch bleibt Training das Hauptthema des Buches, wobei für den 12-Wochen-Trainingsplan das Gleiche gilt, wie bereits beim ersten Buch.
Warrior Cardio: lohnenswerte Inspiration
Entgegen des ersten Buches kann "Warrior Cardio" durchaus zu überzeugen und ist nicht nur für Kampfsportler und solche, die es werden wollen, interessant.Wer Laufband und Radergometer nur aufgrund mangelnder Fantasie nicht bei Seite stehen lässt, sollte die 20 Euro investieren und von allerlei Inspiration profitieren. "Warrior Cardio" macht zum Großteil richtig, was "Training für Warrior" noch vermissen ließ.
Das perfekte Warrior Training...
...wird man kaum mit Hilfe eines einziges Buches finden, zumal jeder eine andere Definition dieses Begriffs haben wird. Wer sich für ein effektives Training des Körpers interessiert und keinen Sport im Verein betreibt, sollte sich an Büchern zum funktionellen Training orientieren.Wer dagegen sein Training selbstständig plant und durchführt, jedoch neue Reize beim Cardio setzen will, darf sich auch als Kraftsportler und Bodybuilder wie ein Warrior fühlen. Zumindest für die ein oder andere Trainingseinheit.Bilder: Riva-Verlag | Riva-Verlag