Einleitung

Chili ist voll im Trend. Ob scharfe Chips, feurige Schokolade, pikante Brotaufstriche oder Hot-Sauces in allen erdenklichen Variationen. Die Palette der aufgepeppten Produkte nimmt stets zu. Neben der Industrie haben auch die Medien diesen Trend entdeckt. Vor allem das Fernsehen berichtet gerne und oft über Chili. In den Hauptrollen meist halbstarke "Chiliheads", die sich vor einer billigen Imbissbude unter ärztlicher Aufsicht den Verdauungstrakt wegätzen.

Die heißen Früchte können aber noch viel mehr als nur zum Kopfschütteln anregen. Vor allem für Bodybuilder und Fitnessinteressierte können Chili und sein Wirkstoff Capsaicin äußerst interessant sein.

Der Siegeszug einer Pflanze

Die ursprüngliche Heimat der Chili-Pflanze (Capsicum) ist Mittel- bzw. Südamerika und die Karibik. Bereits vor 2500 Jahren begannen die Ureinwohner Amerikas erste Ur-Chili zu züchten und zu kultivieren. In Europa musste man bis zum Jahr 1492 warten, ehe Kolumbus eine Vielzahl von neuen Gewürzen von seinen Reisen mitbrachte. Die Erfolgsstory der Chili nahm ihren Lauf.

Heute wird fast auf der ganzen Welt Chili angebaut. Vor allem in der Nähe des Äquators fühlen sich die Pflanzen wohl. Typische Anbaugebiete sind Texas, Mexico, Indien, Zentralafrika und Südeuropa.

Namen für Chili gibt es viele. Ob Peperoni, Pfefferoni, Piri Piri oder Hot Pepper. Sie bezeichnen keine Sorte, sondern stehen für "Chili" in ihrer Landessprache. Auf der Welt sind heute über 2000 verschiedene Sorten bekannt. Von ganz milden Sorten, wie zum Beispiel die Gemüsepaprika, bis hin zum Weltrekordhalter in Sachen Schärfe – die Bhut Jolokia.

Der Scharfmacher Capsaicin

Für die Vermehrung der Capsicum-Pflanze sind vor allem Vögel verantwortlich. Um die Beeren der Pflanze vor anderen Fraßfeiden zu schützen, kam die Natur auf die Idee Chilis mit Capsaicin auszustatten. Dieser Stoff ist für die Schärfe Verantwortlich. Er ist vor allem an den weißen Scheidewänden, in der Nähe der Samen, hoch konzentriert.

Anders als Vögel reagiert der Mensch normalerweise sehr sensibel auf den Scharfmacher Capsaicin. Die Rezeptoren im Körper, die normalerweise den Wärmereiz wahrnehmen, schlagen fälschlicherweise Alarm und es kommt zur "thermischen Täuschung". Das Gehirn hält den Kontakt irrtümlich für einen starken Schmerz, obwohl alles in Ordnung ist. Das Brennen wird also nicht wie oft vermutet von den Geschmacksnerven ausgelöst.

Gesundheitliche Aspekte der Chilifrucht

Auf ihr Gewicht bezogen haben Chilischoten etwa dreimal so viel Vitamin C wie Zitrusfrüchte. Chili ist zudem reich an Vitamin A, Thiamin (B1), Riboflavin (B2), Niacin (B3), C, E und P sowie an Flavonoiden und Carotinoiden. Dadurch wird das Immunsystem gestärkt und die Körperzellen geschützt. Als antioxidativer Wirkstoff beugt Capsaicin zudem der Zellalterung vor.

Chili


Auch für eine natriumarmen Ernährung sind die Schoten bestens geeignet. Durch das scharfe Gewürz kommt man mit wenig Salz aus.

Nicht nur deswegen wird Chili oft als die Allzweckwaffe gegen eine Vielzahl von Krankheiten dargestellt. Tatsächlich ist er ein echter Tausendsassa, was die Bekämpfung von vielen Krankheitssymptomen betrifft.

Chili kann helfen bei:
  • Hals- und Nasenbeschwerden
  • Kreislaufprobleme
  • Arterienverkalkung
  • AsthmaGürtelrose
  • Windpocken
  • Thrombose
Revolutionär ist der Einsatz von Capsaicin in der Krebsforschung. Amerikanische Wissenschaftler fanden 2006 heraus, dass durch die gezielte Verwendung von Chili das Wachstum von Krebszelle um 80% reduziert werden kann.

Bei ersten Versuchen mit Mäusen ließ der Scharfstoff Tumore bei Prostata- und Bauchspeicheldrüsenkrebs langsamer wachsen. Die Funktion der Mitochondrien in den Krebszellen wird gestört. Zudem behindert Capsaicin die Androgen-Rezeptoren der betroffenen Zellen, welche im besten Fall absterben.

Mittlerweile ist die Verringerung des Tumorwachstums auch bei menschlichen Prostata-Zellen nachgewiesen.

Auswirkungen auf die Verdauung

Während man früher davon ausging, dass nur eine moderate Verwendung von Chilifrüchten nicht schädlich sei, behaupten moderne Studie etwas anderes. Chili ist gut für die Verdauung und macht schwer verdauliche Speisen verträglicher. Speichel und Verdauungssäfte werden nach dem Genuss vermehrt produziert. Ähnlich wie Kümmel kommt Chili deshalb oft bei deftigen Fleischgerichten zum Einsatz.

Italienische Wissenschaftler fanden heraus, dass Chilipulver sogar bei Magen- und Darmverstimmungen helfen kann. Das liegt wahrscheinlich an der Desensibilisierung der Schmerzfasern im Darm.

Ein weiteres Indiz, dass Chili eher förderlich als schädlich für die Verdauung ist, zeigt ein Blick in Ländern, in denen sehr oft Chili auf den Tisch kommt. Eine Studie aus Singapur hat nachgewiesen, dass Chilikonsum die Magenschleimhaut vor Aspirin, Alkohol und anderen aggressiven Stoffen schützt.

Wie Chili bei der Fettverbrennung hilft

Es ist unbestritten, das scharfes Essen gesund ist. Chilischoten können aber auch bei einer Diät helfen. Heidi Allyson entwickelte ein ganzes Ernährungssystem zu diesem Thema und schrieb das Buch "The Chili Pepper Diet".

Einige Gründe wie Chilis gegen unbeliebte Fettpölsterchen wirken:
  • Ziel einer jeden Diät ist es den Körperfettanteil langfristig zu senken ohne viel Muskelmasse zu verlieren. Die meisten Crashdiäten mit großem Kaloriendefizit sind nicht zielführend. Der Jojo-Effekt ist vorprogrammiert. Der Körper stellt sich auf die geringe Nahrungszufuhr ein und beginnt zu hamstern.
    Genau das Gegenteil bewirkt Capsaicin. Chili als Bestandteil einer Mahlzeit, kann die Stoffwechselrate um ganze 25% steigern. Grund dafür ist die stark verbesserte Durchblutung und die damit verbundene "„thermodynamische Erwärmung" im ganzen Körper. [Bereits beim Essen werden 8-10 Kalorien zusätzlich verbrannt ;-)]. Anzeichen sind leichtes Schwitzen und ein erröteter Kopf. Dieser Zustand kann bis zu fünf Stunden anhalten. In dieser Zeit werden Kalorien auch ohne sportliche Betätigung vermehrt verbrannt.

    Die durchblutungsfördernde Eigenschaft wird übrigens auch bei "ABC-Pflastern" zu Nutzen gemacht. Sie helfen seit 1928 Menschen bei Hexenschuss, Rückenschmerzen, Muskel- und Ischiasschmerzen. Das "C" im Namen steht für Cayenne, einer berühmten Chilisorte.
  • Chili mobilisiert Fettreserven. Ähnlich wie bei den Krebszellen vernichtet Capsaicin gezielt die Vorläufer von Fettzellen. Das fanden Wissenschaftler aus Taiwan heraus. Andere Zellen werden nicht geschädigt.
  • In Studien wurde bewiesen, dass der Appetit gezügelt wird. Besonders Menschen die selten scharf essen, nimmt Chili den Hunger auf fettige, salzige oder süße Speisen. Darüber hinaus stellt sich das Sättigungsgefühl früher ein.

Scharfe Schoten als natürliches Supplement

Neben den altbekannten Supplementen aus den Fitnessshops gibt es natürliche Nahrungsmittel die für den Feinschliff rund um das Workout sorgen können. Vergleichbar mit Koffein kann Capsaicin für ein effektiveres Training sorgen.

Chilischoten haben Auswirkungen auf das Hormon Insulin. Sie können den Blutzuckerspiegel während des Trainings konstant halten. In ersten Studien 2001 beobachteten jamaikanischer Forscher, dass Hunde die Capsaicin bekommen hatten einen niedrigeren Blutzuckerspiegel als andere Hunde nachwiesen. 2006 wurde dieses Phänomen in Australien an Menschen genauer untersucht. Auch hier hatte Capsaicin den gleichen, regulierenden Effekt.

Ähnlich wie bei extremen Stresssituationen reagiert der Körper bei Chilikonsum mit der Ausschüttung der Hormone Endorphin und Adrenalin. Daraus resultiert eine gesteigerte Konzentration während des Workouts. Direkt gesteigerte Kraftleistungen sind die Folge.

Die verbesserte Durchblutung ist nicht nur bei der Fettverbrennung sondern auch beim Training selbst ideal.

Fazit

Chilischoten haben eine Menge positive Eigenschaften. Sie sind kein einfaches Gewürz, sondern wahre Power-Frucht. Wenn man ihr riesiges Einsatzspektrum betrachtet, kann man nur hoffen, dass Chilis noch lange im Trend sind. Ihre erstaunliche Wirkung bei einigen Krankheiten haben sie bereits angedeutet. Leider liegt noch viel Arbeit vor den Wissenschaftler, ehe sie beispielsweise Krebs oder Diabetes wirkungsvoll mit Capsaicin behandeln können.

Auch im Bereich der Supplementierung kann Capsaicin wirken. Mit hochdosierten, auf den Leistungssport abgestimmten Präparaten kann es jedoch nicht mithalten.

Trotzdem: Wer bereits Chilifan ist kann sich glücklich schätzen. Es gibt viele Gründe öfter mal zur Tabascoflasche zu greifen. Die "Chiliheads" vor den ranzigen Imbissbuden scheinen also doch klüger zu sein als man annehmen könnte.

Literaturquellen

  • Harald Zoschke (2010): Das Chili Pepper Buch.
  • Jerome Borchardt (2009): Kraftfutter. Ein Buch über Ernährung und Diät für Bodybuilder, Powerlifter und den interessierten Sportler.

Internetquellen