CLA wieder aufgegriffen
Es gibt vermutlich mehrere Dutzende dieser konjugierten Isomere und deren Namen geben an, ob es einen "Schluckauf", bzw. Knick (eine cis-Doppelbindung) in dem Molekül gibt oder keinen Schluckauf (eine trans-Doppelbindung). Zum Beispiel, gemäß der Nachforschungen, über die ich gestolpert bin, wurde cis-9, trans-11 als "magischer" CLA Isomer bezeichnet, einer mit sehr unüblichen biologischen Eigenschaften.
Wie auch immer: Zufolge der Forschungsergebnisse von Forschern der Universität Wisconsin konnte CLA in ausreichenden Mengen fette Mäuse komplett schlank machen. Des Weiteren scheinen bestimmte Tumortypen davon wortwörtlich ausradiert worden zu sein. Mäuse überall waren erfreut über den Ausblick auf ein längeres Leben und eine schlankere Statur. Weiter gab es anscheinend feste Indizien dafür, dass CLA Muskeln bei Mäusen, Ratten, Hühnern und Schweinen aufbaut.
Ich bin sprichwörtlich ausgetickt. Ich dachte, dass CLA sich möglicherweise als unglaubliche Nahrungsergänzung für Athleten der "nicht-mus musculus" Spezies (und auch für die Allgemeinheit) entpuppen könnte.
Ich wollte es versuchen, aber ich konnte niemanden finden, der es für mich herstellen konnte oder würde. Sofern ich nicht meinen Arbeitgeber, EAS, zu dem Kauf einer großen Ladung von dem Zeug überredete, würde der Einheitspreis unerschwinglich bleiben. Außerdem wurden noch keine Humanstudien durchgeführt, so dass wir nicht wussten, ob sich die Ausgaben bezahlt machen würden oder nicht.
Also habe ich es ausgesessen.
Ungefähr ein Jahr später allerdings kontaktierte mich eine Firma aus Norwegen. Diese war der Marktführer bei der Herstellung von Fischöl und hat behauptet, dass sie problemlos CLA herstellen könnte. Also dachte ich mir, wir könnten etwas davon bestellen und Humanstudien durchführen. In der Zwischenzeit würde ich mit den Forschern der Wisconsin Universität zusammenarbeiten, die das Zeug entdeckt haben.
Es hat nicht so funktioniert, wie ich es wollte. Als ich dem Geschäftsführer von EAS darüber berichtete, wollte dieser die Humanstudien überspringen und gleich in die Produktion übergehen. Und er tat es. Ende 1995 hat EAS CLA auf dem Markt eingeführt.
Ich bin kläglich gescheitert. Sportler haben weder Massezuwächse bekommen, noch wesentliche Mengen an Körperfett verloren. Eine Studie am Menschen wurde durchgeführt und auch diese zeigte statistisch nicht relevante Ergebnisse.
Ich habe es einfach nicht verstanden. Es gab keine Gründe dafür, dass es nicht funktioniert. Weiterhin war es in der Supplementindustrie geächtet. Nicht verkaufte Dosen blieben in den Regalen der Lebensmittelgeschäfte sitzen, mit Abdrücken auf den staubigen Verpackungen von den Kneifzangen der Kunden.
Vor kurzem jedoch haben sich neue Antworten ergeben. Es hat sich herausgestellt, dass die Herstellerfirma damals giftige Lösungsmittel und scharfe Katalysatoren zur Produktion verwendet hat. Nun, das macht das Produkt selbst nicht zwangsweise giftig – es bedeutet lediglich, dass der Herstellungsprozess nicht verfeinert, nicht elegant war und dass Missgeschicke möglich waren. Niemand mutierte zu einem schleimigen Sumpfmonster von dem Zeug, am allerwenigsten ich selbst, aber der Gedanke das Produkt monatelang genutzt zu haben, ist doch ein wenig beunruhigend, wenn ich darüber nachdenke. preview
Dazu, als Ergebnis dieses unausgegorenen Herstellungsprozesses, hatte das Endprodukt 25 verschiedene CLA Isomere, während wir nur die cis-9, trans-11 Variation wollten. Zurückgeblickt waren vermutlich nur 20-25% des EAS Produktes die magischen Isomere. Um also nur eine Chance auf eine Beeinflussung der Körpertransformation zu haben, müsste die/der Betroffene 15 bis 20 der Riesenpillen am Tag konsumieren.
Das war nicht das einzige Problem. Obwohl wir versucht hatten große Mengen cis-9, trans-11 Isomere zu ernten, haben aktuelle Nachforschungen anscheinend ergeben, dass die cis-9, trans-12 Isomere möglicherweise die ganze Zeit über die "magischen" Isomere waren.
Kein Wunder, dass das EAS Produkt nicht funktionierte.
Trotz alledem, gibt es irgendwelche Gründe, warum wir einen zweiten Blick auf CLA werfen sollten?
Ich glaube definitiv daran. Michael Pariza, einer der CLA Pioniere, hat letzten Herbst die vorläufigen Ergebnisse einer neuen CLA Studie bei der "American Chemical Society" (ACS) vorgestellt. Pariza gewann 80 übergewichtige Männer und Frauen dafür. Er gab der einen Hälfte 3g CLA pro Tag und die andere Hälfte erhielt dieselbe Dosis Sonnenblumenöl. Trotz der Ergebnisse von Parizas aktuellen Studien, welche gezeigt haben, dass die cis-9, trans-12 Isomere für Veränderungen in der Fettspeicherung verantwortlich sind, hat er eine 50:50 Mischung (von cis-9, trans-11 und cis-10, trans-12 Isomeren) verwendet, um die Kosten gering zu halten.
Am Ende der 6 Monate hatten alle Probanden Körpergewicht verloren (ungefähr 5 Pfund jeweils), aber ein Drittel der Probanden welche CLA erhielten hatte Muskelmasse aufgebaut. Pariza schloss, dass ein "Nährstoffverteilungseffekt" eingetreten ist. Mit anderen Worten: Kalorien, die ursprünglich in Fettzellen gespeichert worden wären, sind, wegen des CLAs, in den Muskeln gespeichert worden.
Pariza, zitiert in der "Science News" Ausgabe vom 3. März 2001, versuchte dieses Fettabbauphänomen zu erklären: "Jede Fettzelle im Körper möchte wachsen. Die cis-9, trans-12 CLA zwingt die Fettzelle klein zu bleiben durch die Beeinflussung von Enzymen, welche gewöhnlich verantwortlich für die Speicherung von Lipiden sind.“
Eine ähnliche weitere Studie wurde in Norwegen durchgeführt, die Ergebnisse sind in der Dezemberausgabe im Jahr 2000 vom "Journal of Nutrition" erschienen. Ola Gudmundsen, vom skandinavischen klinischen Forschungszentrum in Norwegen, beschäftigte 60 übergewichtige Freiwillige in einer 3-monatigen Untersuchung. Die Hälfte von ihnen bekam 9 Gramm Olivenöl pro Tag, während die andere Hälfte zwischen 1,7 und 6,8 Gramm CLA pro Tag bekam (wieder haben sie die oben genannte 50:50 Mischung benutzt).
Jene, die 3,4g oder mehr CLA pro Tag schluckten, wogen 2 bis 3 Pfund weniger als die anderen. Obwohl das nicht nach viel klingt, ist zu beachten, dass es sich um ein statistisches Mittel handelt und einige wahrscheinlich bedeutend mehr verloren haben. Die Gruppe mit der höheren CLA Aufnahme verlor nicht mehr Gewicht, aber sie bauten mehr Muskelmasse auf.
Bedenke, was dieses Supplement schaffen könnte, wenn es in den Händen von jemandem ist, der ein oder zwei Dinge über Training und Ernährung weiß.
Obwohl Pariza erwähnte, dass CLA möglicherweise einen "Nährstoffverteilungseffekt" hat, so gibt es kaum wirkliche Einblicke in die vermuteten Mechanismen des Supplements. Es gibt jedoch zahlreiche Theorien. Vielleicht hilft es irgendwie dabei eine positive Stickstoffbilanz beizubehalten; vielleicht ist es auch ein so starker Antioxidans, dass es einfach die Zellen vor verschiedenen Schäden schützt und dadurch zu einer Nettozunahme des Wachstums führt; oder vielleicht ist es eine noch nicht entdeckte Wachstumskomponente.
Was auch immer der Grund ist, es sieht so aus, dass diese Substanz immer noch etwas ist, mit dem man rechnen sollte, besonders wenn man einen Blick auf die anderen angeblichen Vorzüge wirft.
Eine Forscherin namens Martha Bleury, welche der Nordwest Klinik in Seattle angehört, stellte eine andere atemberaubende Studie bei demselben ACS Treffen vor. Sie begann Typ II Diabetespatienten 6 Gramm CLA oder 6 Gramm ganz normales Distelöl zu verabreichen. Die CLA Gruppe zeigte merkliche Reduzierungen der Triglyzeridlevel, einher mit einer signifikanten Reduzierung des nüchternen Blutzuckerspiegels.
Es konnte sogar gezeigt werden, dass die Substanz Gefäßverkalkungen um 30 Prozent senkt (Science News, 3. März 2001)! Zugegeben, die Untersuchungen wurden an Kaninchen durchgeführt, aber sie bleiben immer noch überwältigend.
Natürlich, in unserem Metier, ist die größer-werden Komponente vermutlich das, was am meisten Interesse hervorruft. Trotz der schmerzlich vermissten Humanstudien kann man die Tierstudien nicht einfach verleugnen. Frühere Untersuchungen an Ratten, deren Nahrung mit CLA angereichert wurde, zeigten eine schnellere Gewichtszunahme im Vergleich zu den Kontrollgruppen. Die Autoren vermuten, dass alle Lebewesen – zumindest Säugetiere – ständig externen Reizen des Immunsystems ausgesetzt werden, so stark, dass Energie von anderen biologischen Prozessen, inklusive Wachstum (Chin, et al. 1994), weggezogen wird. Durch die Verminderung dieser Reaktion – wegen der Supplementierung von CLA – ist die Nahrungseffizienz und das Wachstum erhöht.
Der Forscher Mark Cook hat ähnliche Immunstimulationsuntersuchungen an Ratten, Mäusen, Hühnern und Schweinen durchgeführt. CLA Supplementation blockierte den Energieschwund ohne die Immunabwehr der Tiere zu beeinträchtigen. Ein Teil davon, vermutet Cook, kommt von der Eigenschaft des CLAs bestimmte infektionsbekämpfende Leukozytenstämme drastisch zu vermehren.
Wie auch immer die Mechanik ist, ich bleibe dabei, dass CLA einen zweiten Blick verdient, eine erneute Anhörung. Allerdings gibt es immer noch einige der schlechten Herstellungsprozesse, die es schon gab, als ich geholfen habe CLA auf den Markt zu bringen. Der CLA-Kauf aus den Regalen ist also mit Vorsicht zu genießen.
Mark Pariza, der Vater des CLA, empfiehlt nur den Kauf von Produkten, die CLA von "Loders Croklaan" und "Natural Inc", beide aus Sandvika in Norwegen, verwenden. Diese testen jede Charge, um sicherzustellen, dass mindestens eine 50:50 Mischung aus den biologisch aktiven Isomeren beinhaltet ist. Und mit der Zeit – sollte der cis-10, trans-12 Isomer zweifellos bestätigen, dass dieser der zu beachtende ist – werden Hersteller auch in der Lage sein eine 100% cis-10, trans-12 Version herzustellen.
Während CLA natürlich in fast allen Lebensmitteln, besonders in Milchprodukten, vorkommt, nimmt der Durchschnittsmensch etwa 1 Gramm täglich auf. Um spürbare Erfolge zu erzielen, muss man allerdings Mengen zwischen 3 und 6 Gramm täglich einnehmen.
Persönlich glaube ich, dass CLA eines dieser Supplemente sein könnte, dass wir am Ende jeden Tag nehmen werden, für immer, egal ob Massephase oder Diät oder eine auf-der-Couch-Sitz-Phase. Mit allen möglichen Fettverbrennungs-, Muskelaufbau-, blutzuckersenkenden und immunabwehrstärkenden Effekten macht es einfach Sinn.