Auch wenn Booster ohne Frage ein zum Teil zweifelhaftes Phänomen des 21. Jahrhunderts darstellen und reißerische Namensgebungen in bunten Packungen auf die größte Käufergruppe hindeuten, können Nahrungsergänzungsmittel, die einem helfen mit mehr Energie ins Training zu gehen, durchaus eine Berechtigung haben. Der folgende Artikel soll sich kurz und knapp mit zwei sinnvollen Supplementen beschäftigen, denen man nach harten Arbeitstagen eine Chance geben sollte.

Kein Booster, der inflationär eingesetzt werden soll

Kaum ein Supplement-Markt ist in den letzten Jahren vermutlich so stark angewachsen, wie das Angebot an Boostern. Verschwindet einer vom Markt, drängen gefühlt zwei weitere auf selbigen und die junge Käuferschaft investiert ihr Taschengeld, wie ich es früher in Catcher-Aufkleber verpulverte. Immer auf der Jagd nach dem heiligen Gral der Trainingsmotivation...

Foto: Matthias Busse

Über diese Thematik könnte man sich ohne Frage noch deutlich ausschweifender auslassen, doch dies soll nicht Thema dieses Artikels sein. Viel mehr stellen die beiden Supplemente, die im Fokus dieses Artikels stehen, eine seriöse Investition für Trainierende dar, die nach zehrenden Arbeitstagen das geplante Training nicht ausfallen lassen wollen.

Wer also den nächsten Booster, der ballert, sucht, ohne überhaupt eine Ahnung von sinnvoller Workoutnutrition zu haben oder sich der Wirkungsgrenzen der genutzten Supplemente bewusst zu sein, kann spätestens an dieser Stelle aufhören zu lesen.

Coffein: Push me to the limit

Coffein ist eine wirkungsvolle Stimulanz, die sich in Form von Kaffee oder Energy Drinks unter dem Großteil der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreut. Die chemische Verbindung umfasst eine Vielzahl an potentiellen Wirkungen im menschlichen Körper, wobei wir uns an dieser Stelle lediglich mit der verminderten Müdigkeit vor der anstehenden Trainingseinheit beschäftigen wollen.

Die wachmachende Wirkung von Coffein beruht auf dem hemmenden Einfluss auf Adenosin, was für Entspannung im menschlichen Körper sorgt. Wie stark Coffein Adenosin hemmt, kann bei jedem Menschen sehr individuell ausfallen, was jeder sicherlich bereits im Alltag festgestellt haben wird.
Was die Dosierung betrifft, ist dies abhängig von der Gewöhnung an Coffein sowie vom jeweiligen Einsatzziel. Während für die Unterstützung des Fettstoffwechsels bereits 200 mg ausreichend sind, werden 250 bis zu 500 mg als sichere Dosis angesehen, wenn es um die wachmachende Wirkung für die anstehende Trainingseinheit geht.
Diese wird durch eine Gewöhnung an Coffein auch nicht geringer! Was hingegen mit regelmäßigem Coffein-Konsum absinkt, ist die pushende Wirkung aufgrund des Adrenalins, das ebenfalls durch Coffein stimuliert wird. Wer also in erster Linie an der Adenosin-Hemmung oder auch der Kopfschmerz mildernden Wirkung interessiert ist, könnte Coffein regelmäßig vor Trainingseinheiten konsumieren.

Die Einnahme sollte ca. 30 bis 60 Minuten vor dem Training erfolgen. So lange benötigt das eingenommene Coffein, um den höchsten Spiegel im Körper zu erreichen. Die Halbwertszeit beträgt schließlich 5 Stunden.

Tyrosin: Ein wachmachender Geheimtipp?

Ein zweites Supplement, das dabei unterstützen kann, nach einem anstrengenden Arbeitstag die Müdigkeit zu bekämpfen, stellt die Aminosäure ► L-Tyrosin dar, die ebenfalls an einer Vielzahl an Vorgängen im Körper beteiligt ist. Im Rahmen dieses Artikels sind vor allem zwei für uns interessant:

Zum einen kann Tyrosin die aufputschende Wirkung von Coffein verstärken. Vor allem Trainierende, die dies durch den Gewöhnungseffekt nicht mehr wahrnehmen, profitieren in dieser Hinsicht im Einzelfall von Tyrosin. Einige Autoren sprechen sogar von einer ECA-Stack ähnlichen Wirkung ohne die ungewollten Nebenwirkungen. Aus diesem Grund sollten Personen, die empfindlich auf Coffein reagieren, auch vorsichtig mit einer zeitgleichen Supplementation umgehen.

Darüber hinaus kann Tyrosin für einen milden wachmachenden Effekt sorgen, der in Studien nachgewiesen wurde. Vor allem Trainierende, die Probleme mit Coffein haben, geben darüber hinaus subjektive Erfahrungsberichte, die die Untersuchungsergebnisse stützen.
Ähnlich wie Coffein, sollte die Einnahme 30 bis 60 Minuten vor dem Training erfolgen, um maximal davon zu profitieren. Was die Dosierung betrifft, sind die Angaben dagegen deutlich differenzierter.
Während einige Sportler bereits von einer Wirkung ab gerade einmal 2 Gramm berichten, sprechen die Studienergebnisse für eine Supplementation von bis zu 10 Gramm auf einmal, die wiederum auf 2 x 5 Gramm (60 und 30 Minuten vor dem Training) aufgeteilt werden können. Dies kann auch als sichere Grenze verstanden werden, bei der keine Nebenwirkungen zu erwarten sein sollten.

Muntermacher aus der Supplement-Dose?

Wie kurz dargestellt wurde, kann eine kombinierte Einnahme von Coffein mit Tyrosin tatsächlich als sinnvolle Investition verstanden werden. Vor allem gezielt vor Trainingseinheiten nach einem langen Arbeitstag, können die beiden Nahrungsergänzungsmittel dabei helfen, die volle Leistung im Training zu bringen.

Mittelfristig sollte das eigene Heil jedoch nicht in bunten Supplementen gesucht werden, sondern in einer gezielten Lifestyle-Veränderung. In diesem Fall einfach mal wieder genügend schlafen, aber das wäre das Thema eines anderen Artikels...

Hinweis: Der Autor dieses Artikels betreut Sportler auf ihrem individuellen Weg zum Erfolg und bietet ► Seminare im kleinen Kreis an. Weiteres erfährt man unter: ► become-fit.de oder schaut einfach auf seinem ► Youtube-Channel vorbei.