Seit einiger Zeit gibt es im Web Seiten mit den sogenannten Roidrechnern. Eine solche Seite ist z.B. http://www.bodyfitness.de.cx. Habe vor einiger Zeit mal die Muße gefunden, mich mit dieser Thematik (der Pharmakokinetik also) etwas genauer auseinanderzusetzen. Ergebnis sind zwei Excel-Sheets, die hier kostenlos downgeloaded werden können, in der Bedienung etwas komfortabler sind, als die Seiten im Web und zusätzlich das Ergebnis graphisch darstellen.
Der einfache Ansatz - fornit's Roidrechner V3
Das erste Sheet heißt "fornit's Roidrechner V3.xls" und rechnet genauso wie der Rechner bei Bodyfitness. Zusätzlich kann man hier auch einen Frontload bzw. eine Initialdosis berechnen. Bevor ich auf dessen Vor- und Nachteile etwas genauer eingehe, möchte ich kurz die Bedienung beschreiben.
Öffnet man das Sheet in Excel, so sieht man, dass es insgesamt 5 Blätter enthält:

Die eigentliche Eingabe erfolgt auf dem Blatt "Eingabe+Berechnung". Zuerst auf das gelb hinterlegte Präparat-Feld klicken. Dann über die Dropdown-Liste das entsprechende Medikament auswählen.

Danach gibt man in der Spalte "Injizierte Menge (mg)" ein, wieviel man an welchem Tag zu injizieren oder einzunehmen gedenkt. Derzeit befindet sich in der Vorlage ein Einnahmeschema, bei dem man 4 Wochen lang täglich 50 mg Clomid einnimmt (+ Initialdosis) - please feel free to change. preview
Als Ergebnis erhält man in der Spalte "Menge im Körper (mg)" die Menge, die täglich noch darauf wartet, auf die androgenen (oder andere) Rezeptoren losgelassen zu werden ...
Wichtig: Eingaben prinzipiell nur in den gelb hinterlegten Feldern, sonst kann es passieren, dass man eine Formel überschreibt
Das Ergebnis wird auf dem Blatt "Mengenverlauf" auch noch einmal graphisch dargestellt.

Hier ist übrigens der Wirkstoffspiegel durch ein Clomifen-Schema zu sehen, das dem Muster 1. Tag 200 mg, 2. Tag 150 mg, 3. Tag 100 mg und dann weiter mit 50 mg/Tag folgt. Man erkennt, dass dieses Schema schnell zu einem konstanten Wirkstoffspiegel führt.
Einen Frontload bzw. eine Initialdosis kann man auf dem Blatt "Frontload - Initialdosis" berechnen lassen. Hierzu das Präparat auswählen (auf das gelb hinterlegte Feld klicken und über die Dropdownliste auswählen) sowie Intervall und Menge pro Intervall eingeben. Unter "Frontload / Initialdosis" erscheint dann die Menge, die man am ersten Tag einnehmen muß, um gleich den maximalen Wirkstoffspiegel zu erreichen.

So weit, so gut, doch was taugt das Modell nun?
Möchte man mit z.B. mit einem Testo-Ester rechnen, so muß man wissen, dass das Ergebnis keinesfalls die Menge an Testosteron ist, die sich im Blutkreislauf befindet.
Stattdessen ist das Ergebnis die Menge, die zum jeweiligen Zeitpunkt insgesamt noch im Körper ist. Und diese Menge befindet sich zum Teil im Depot, wo sie (noch) nicht wirksam ist und zum anderen Teil im Blutkreislauf, wo das Testo seine Aktivitäten entfaltet.
Insofern hat das einfache Modell bei Depot-Präparaten eher eine geringe Aussagekraft, denn wirklich interessant ist ja nur die Menge, die auch aktiv ist (wobei ich hier jetzt nicht noch zwischen gebundenem und freiem Testo unterscheiden will, sondern einfach das gesamte Testo meine). Und die berechnen die Roidrechner eben nicht.
So erklärt sich dann auch z.B. der scheinbare Widerspruch zwischen den unterschiedlichen Spiegeln bei 500 mg T-Propionat und 500 mg T-Enantat in 10 Tagen:
- 100 mg T-P eod -> max. 145,98 mg
- 250 mg T-E alle 5 Tage -> max. 696,88 mg
Ein weiteres Problem sind die Halbwertszeiten. Da habe ich (außer bei Clomid, Nolva und Arimidex) einfach die Werte von Bodyfitness übernommen. Und die halte ich für wenig gesichert.
Kann man nun gar nichts damit anfangen?
Würde ich nicht so sehen. Denn wo das einfache Modell ganz gut passt, ist bei Tabs mit einer langen Halbwertszeit, also z.B. Clomid, Nolvadex und Arimidex.
Zwar wird die Geamtmenge im Körper wegen der nicht 100 %-igen Bioverfügbarkeit etwas niedriger sein, als berechnet, doch verläuft dann die gesamte Kurve einfach etwas flacher, der prinzipielle Verlauf ändert sich nicht und auch die Berechnung der Initialdosis sollte gute Ergebnisse liefern.
Der komplexe Ansatz - fornit's Roidrechner V52
Der einfache Ansatz eines Roidrechners, wie man ihn im Web z.B. unter bodyfitness.de.cx findet, hat wie erwähnt zwei entscheidende Nachteile:
- Er benutzt ein Modell, bei dem nicht zwischen dem AAS (anaboles/androgenes Steroid) im Depot und dem im Blutkreislauf unterschieden wird. Das ist schlecht, weil ein AAS noch nicht aktiv ist, solange es sich noch im Depot befindet.
- Es wird nur die jeweils noch vorhandene Gesamtmenge im Körper berechnet - über die Konzentration im Blut (das wesentliche Kriterium) wird so überhaupt nichts gesagt.
Man unterscheidet in einem solchen Modell zwischen der HWZ für die Invasion (Eintritt in den Blukreislauf = Esther-HWZ) und die Evasion (=HWZ, mit der das Testo im Blut abgebaut wird).
Interessanterweise habe ich festgestellt, daß die HWZen von Testo-Enantat, wie sie z.B. in der Produktbeschreibung von Jenapharm (oder auch unter http://www.kompendium.ch/app/Info_d.cfm?Search=03278 im www) genannt werden, sehr wenig Sinn machen. Dort werden als Gesamt-HWZ von T-Enantat 7,8 und als Ester-HWZ 4,5 Tage genannt.
Rechnet man mit diesen Zeiten, so ergibt sich eine Kurve, die erst nach 8 - 9 Tagen ihr Maximum erreicht und nach einer 250 mg - Injektion auch mehr als 4 Wochen danach noch erhöhte Testo-Werte zeigt.
Wer die echten Testo-Kurven kennt, weiß, dass dies ein unsinniges Ergebnis ist.
Wesentlich realistischer ist da wohl das, was Nieschlag/Behre in "Testosterone - Action, Deficiency, Substitution" angeben.
Dort werden als mittlere Verweildauer 8,5 Tage angegeben, woraus sich eine Gesamt-HWZ von 5,89 Tagen errechnen läßt.
Für die Elimination nennen Nieschlag/Behre eine HWZ von 4,5 Tagen. Mit einigen anderen Angaben kann man dann auch die HWZ für die Invasion (=Ester-HWZ) berechnen. Ergebnis: 1,19 Tage.
Rechnet man nun mit diesen Werten, so ergibt sich eine Kurve, die der realen doch schon recht nahe kommt. Sie erreicht ihr Maximum nach 2 - 3 Tagen und nach 2 - 3 Wochen ist das Testo (nach einer 250 mg-Injektion) praktisch aus dem Blutkreislauf verschwunden.
Für Propionat ergeben sich auf die gleiche Weise: Ester-HWZ 0,23 Tage; Evasions-HWZ 0,8 Tage und Gesamt-HWZ 1,04 Tage.
Auch hier schaut die Kurve ziemlich realistisch aus.
Die Bedienung ist im Prinzip ganz ähnlich wie bei dem einfachen Ansatz, soll hier aber noch einmal kurz beschrieben werden.
Öffnet man das Sheet in Excel, so sieht man, dass es insgesamt 5 Blätter enthält:

Die eigentliche Eingabe erfolgt auf dem Blatt "Eingabe+Berechnung". Zuerst auf das gelb hinterlegte Präparat-Feld klicken. Dann über die Dropdown-Liste das entsprechende Medikament auswählen.

Danach gibt man in der Spalte "Injizierte Menge (mg)" ein, wieviel man an welchem Tag zu injizieren gedenkt.
Das Ergebnis befindet sich dann in der Spalte "c(t) [ng/ml]". Das ist die Konzentration im Blutkreislauf zum jeweiligen Zeitpunkt.
Zur Zeit befindet sich dort eine Kur, bei der nach einer Initialdosis von 200 mg Deca am ersten und 100 mg am dritten Tag alle 4 Tage 100 mg injiziert werden - please feel free to change.
Auch hier wichtig: Eingaben prinzipiell nur in den gelb hinterlegten Feldern, sonst kann es passieren, daß man eine Formel überschreibt
Diese Sheet enthält nun zwei Blätter, in dem der Mengenverlauf graphisch dargestellt wird. Eines, das über 20 Tage und eines, das über 20 Wochen geht.
Hier beispielhaft die Konzentration, die sich aus der oben erwähnten Kur im groben Zeiraster ergibt.

