Aus
Muscular Development
Volume 43, Number 10
October 2006


Nach einem Jahr der Niederlagen stellt sich Chris Cook neuen Herausforderungen

Schadenfreude: Ein Gefühl der Freude am Leid oder Unglück eines Anderen

Chris Cook
Chris Cook
Es gab eine Reihe von Menschen, die den tiefen Fall des Chris Cook im vergangenen Frühjahr in vollen Zügen genossen. Dieser „Golden Boy“ hatte mehr Erfolg als er eigentlich verdiente, mit zahlreichen Titelseiten auf diversen Magazinen und Sponsorverträgen bevor er überhaupt IFBB Professional geworden war. Ja, in der Tat: Ihm war einfach alles viel zu leicht in den Schoß gefallen. So sah es zumindest aus; bis zu diesem Jahr. Cook trat beim Iron Man an, ohne Definition und Einschnitte und landete auf dem 12. Platz. Zwei Wochen später bei den Arnold Classics rutschte er gar auf den 15. Rang zurück - bei 15 Teilnehmern.

Sein letzter Auftritt in San Francisco schließlich endete mit einem schmählichen 12. Platz. Tief war das ehemalige Wunderkind gefallen, aber es sollte noch schlimmer kommen. Schon bald nach diesen Misserfolgen stellte die ihn sponsernde Supplementfirma Gamma Enterprises (Gamma-O) ohne vorherige Benachrichtigung ihre monatlichen Zahlungen ein. Innerhalb nur weniger Monate war Chris Cooks behütetes Leben vollkommen auf den Kopf gestellt. Wenn er ein arroganter, verwöhnter Schnösel gewesen wäre, nun, dann hätte es ihm wohl recht geschehen. Aber das ist er nicht. Ich habe ihn bereits mehrmals getroffen und auch mit ihm gesprochen und habe einen bescheidenen, aufrichtigen jungen Mann angetroffen, der nur eines will: In „seinem“ Sport der Beste sein. Und für all jene, die sich hämisch freuen, dass Cook jetzt „fertig“ sei: Ich kann sie beruhigen, er ist es definitiv nicht! Chris Cook ist gerade dabei, seine in Trümmern liegende Bodybuildingkarriere Stück für Stück zu rekonstruieren. Er bereitet sich darauf vor, in den Frühlingsshows in alter Stärke für Aufsehen zu sorgen. Ich habe mit dem „Blonden Bomber“ über sein desaströses Jahr 2006 gesprochen und er hat mir verraten wie er im nächsten Jahr das Ruder herumreißen will.


Ron Harris:
Als ich das letzte Mal mit dir sprach, sagtest du mir, dass du keinen Ernährungsberater mehr engagieren würdest, weil du deinen Körper mittlerweile gut genug kennen würdest, um die verschiedenen Aspekte der Wettkampfvorbereitung selbst in die Hand nehmen zu können. Bist du immer noch dieser Meinung? Und haben dich in der Zwischenzeit irgendwelche Ernährungsberater kontaktiert und ihre Dienste angeboten, mit dem Versprechen, dich optimal für einen Wettkampf vorzubereiten?

Chris Cook:
Und ob! Ich glaube, ich habe mit so ziemlich jedem so genannten Guru im Bodybuilding Business gesprochen und jeder einzelne hatte seinen eigenen Senf dazuzugeben. Ich bin jetzt lange genug in diesem Geschäft, um mit den meisten dieser Typen befreundet zu sein und immer, wenn man sich in einer Talsohle befindet, „machen sie sich Sorgen“ und beginnen ihr Spielchen, warum sie und nur sie besser als all die anderen Gurus seien. All diese Kerle hatten ihre sonnigen Tage mit Kunden, die Bodybuilding Shows gewonnen haben und sehr gut ausgesehen haben, so wie eben jeder Top-Bodybuilder auch schon seine Hochzeiten erlebt hat, wenn er seine Wettkampfvorbereitung auf den Punkt hingebracht hat. Aber sie haben auch ihre Fehltritte gemacht und das ist unvermeidlich. Einen Bodybuilder in perfekte Form zu bringen, ist immer auch ein bisschen Glückssache. Es sind da viel zu viele Variablen im Spiel, die das „Endprodukt“ beeinflussen können.

Ron Harris:
Das heißt, du hast genug von diesen Typen?

Chris Cook:
Das kann man wohl sagen. Seit dem Jahr 2000 habe ich viel Geld in diese Gurus gesteckt und jetzt erkenne ich, dass dies einfach keinen Sinn mehr macht. Es gab Zeiten, da kam mein Ernährungsberater in mein Hotelzimmer, um meine Form einen Tag vor dem Wettkampf zu begutachten. Er ließ mich ein paar Posen einnehmen und fragte mich schließlich, was ich denken würde. Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Ich bezahle ihn, warum also fragt er mich, was ich von meiner Form halte und was ich glaube das ich essen oder trinken soll? Wenn du in der Schlussphase vor einem Wettkampf bist, bist du sehr emotional und müde. Es ist unmöglich, dass du deine Form selbst objektiv beurteilen kannst und die richtigen Maßnahmen einleitest. Von nun an werden in diesem Hotelzimmer nunmehr zwei Personen sein: Ich und meine Frau Denise. Mehr als nur einmal war sie sich über einen bestimmten Aspekt in meinen letzten Vorbereitungen uneins mit meinem Ernährungsberater und es stellte sich immer heraus, dass sie 100% richtig gelegen hat. Ich behaupte nicht, dass ich von der Materie mehr Ahnung hätte als all diese Gurus, ich bin jetzt seit 10 Jahren Wettkampfbodybuilder und ich habe 16 oder 17 Wettkämpfe bestritten. Ich habe beinahe alle gewonnen, bevor ich im Jahr 2000 das erste Mal jemanden anheuerte. Auch danach habe ich fast alle der Wettkämpfe gewonnen - nicht jeder braucht also einen Guru. Wenn du darauf achtest, wie dein Körper auf Training, Cardio, Ernährung und Supplementierung reagiert, gibt es eigentlich nichts, was sie dir erzählen könnten, was du nicht ohnehin schon weißt.

Ron Harris:
Hat es dich eigentlich sehr geärgert, dass es offensichtlich Leute gab, die sich sehr gefreut haben, als du bei den Frühlingsshows so schlecht abgeschnitten hattest?

Chris Cook:
Natürlich habe ich mich geärgert - aber was soll ich sagen – ich bin, seit ich in die 2. Schulklasse ging, Wettkampfathlet. Ich habe in der Schule niemals einen Wrestlingkampf verloren, von der 2. bis zur 10. Klasse nicht. Und dadurch habe ich schon sehr früh gelernt, dass Leute dazu tendieren eifersüchtig zu sein, wenn andere sich auf einem bestimmten Gebiet auszeichnen. Es liegt nun mal in der menschlichen Natur, erfolgreich sein zu wollen und andere scheitern sehen zu wollen. So wie damals, als Ronnie von Gunter bei der GNC Show 2003 geschlagen wurde. Gunter war der Letzte, von dem man erwartete, dass er den Mr. Olympia besiegen würde und vielen gefiel es, Ronnie verlieren zu sehen. Ich glaube es ist ganz einfach natürlich, dass man den Underdog gewinnen und den Champion untergehen sehen will.

Ron Harris:
Hast du im vergangenen Frühjahr herausgefunden, wer deine wahren Freunde sind und wer sich nur neben dir im Scheinwerferlicht baden und an deinem Erfolg mitschmarotzen wollte?

Chris Cook:
Na klar tat ich das! Es war wirklich fast schon lustig, wie viele Freunde ich hatte, als ich Wettkämpfe gewann, von Magazin-Covers herunterlächelte und Verträge unterschrieb und wie viele plötzlich nicht mehr anriefen als alles nicht mehr so optimal lief. Die wahre Natur dieser angeblichen Freunde zeigte sich wirklich überdeutlich.
Ron Harris: Glaubst du, dass man heutzutage zu viel Wert auf die extreme Form der Athleten legt und dass ein Athlet ohne diesen harten, körnigen und „trockenen“ Look als außer Form gilt?

Chris Cook:
Das glaube ich überhaupt nicht und ich schätze diese Form, die einige Athleten erreichen können. Wenn Dave Henry seine Ellbogen vor einem Rear Lat Spread (Latissimus von hinten) zurückzieht, wie kann man da nicht begeistert sein von all den verrückten Details in seinem Rücken, in seinen hinteren Oberschenkeln, Gesäßmuskeln und von den tiefen, scharf gezeichneten Einschnitte und Querstreifen. Es ist eben so, dass die Standards immer höher werden. Das liegt in der Natur jeder Sportart. Mit der Zeit werden immer mehr Athleten dahinterkommen, wie man diese Form erreichen kann und werden auch versuchen diese zu erlangen. Für meine eigene Form gilt: Ich tue alles, um diese extreme Form zu erreichen, aber ich habe noch nicht genau herausgefunden, welche Formel bei mir funktioniert. Auch Dave Henry hat „seine Formel“ erst in den letzten Jahren entdeckt. Aber in diesen paar Jahren hat er etwa 20 Wettkämpfe absolviert, und es ist erstaunlich, wie beständig er diese Form bei jedem Wettkampf immer wieder bringt. Das nötigt wirklich Respekt ab.

Ron Harris:
du arbeitest nicht mehr mit der Supplement Firma Gamma-O zusammen und ich kann verstehen, dass du nicht allzu viel darüber erzählen kannst, da die Sache nunmehr gerichtsanhängig ist. Aber darf ich zumindest fragen, ob du aus diesen Erfahrungen deine Lehren für zukünftige geschäftliche Verhandlungen und Vereinbarungen gezogen hast? Kannst du kurz schildern, was passiert ist?

Chris Cook:
Ich habe sehr viel aus diesem Vorfall gelernt. Als ich den Vertrag mit Gamma-O unterschrieb, sprach ich gleichzeitig mit fünf anderen Firmen, die mir definitive Offerten gemacht haben. Gamma-O war bereits ein Jahr zuvor auf mich zugekommen, aber ich habe sie nicht ernst genommen. Sie hatten einen winzig kleinen Ausstellungstisch bei der Olympia Expo und ich dachte mir, dass sie viel zu klein wären, um mir vom Gehalt her das zu bieten was ich brauchte. Aber ich machte ein Gastposing in Ohio bei einer Show für Dave Liberman und die Verantwortlichen von Gamma-O wollten mich am nächsten Morgen bei einem Frühstück treffen, um über einen möglichen Vertrag zu sprechen. Ich dachte noch immer, dass sie nicht die Ressourcen hätten, die ich von einem Geschäftspartner erwartete und dachte deshalb, dass ich sie einfach abwimmeln würde. Im Prinzip habe ich ihnen einfach erklärt, dass ich ein bestimmtes Gehalt wollte sowie eine Beteiligung an der Firma. Zu meiner großen Überraschung sagten sie: „Kein Problem“. Da sie alle meine Forderungen erfüllten, dachte ich, ich würde nun meinerseits ihren Vorstellungen nachkommen. Aber ich muss ganz ehrlich sein. Ich unterschrieb den Vertrag aus purer Gier, nichts als Gier. Ich war so gierig auf dieses wirklich nette monatliche Einkommen, dass ich ein paar andere Verträge sausen ließ, die, aus heutiger Sicht betrachtet, wesentlich stabiler und nachhaltiger gewesen wären. Und dann plötzlich, als ich bei den Frühlingsshows nicht mehr so gut abschnitt, beschloss Gamma-O den Vertrag zu kündigen. Für eine Weile schien es mir, als ob meine ganze Welt in sich zusammenbräche.

Ron Harris:
Bist du derzeit mit irgendeiner anderen Supplementfirma in Verhandlungen, oder glaubst du noch immer, dass du in einer besseren Verhandlungsposition sein wirst, wenn du bessere Platzierungen vorzuweisen hast?

Chris Cook:
Mein Marktwert hat sicher gelitten. Alle Angebote, die ich im Jahr 2005 bekam, waren im sechsstelligen Bereich, das ist jetzt nicht mehr realistisch. Ich bin derzeit mit drei verschieden Firmen im Gespräch, aber noch ist alles offen. Sind sie Willens zu erkennen, dass ich nach wie vor erst 28 Jahre alt bin und trotzdem im letzten Jahr auf mehr Magazin-Covers zu sehen war als jeder andere, mit Ausnahme von Ronnie und Jay. Die Firma, für die ich mich entscheide, muss eine langfristige Vision haben und bereit sein, mit mir zu wachsen. Ich bin jetzt noch nicht einmal zwei Jahre Profi und ich habe noch jede Menge unerfülltes Potenzial.

Ron Harris:
Du hast gesagt, dass du für deine finanzielle Absicherung nicht auf Unterstützungen und Verträge allein vertrauen willst, da du dein eigenes Business hast. Darf ich fragen, was das ist?

Chris Cook:
Ich habe eine Firma für Personal Training und Marketing.

Ron Harris:
Wir haben alle schon Pros gesehen, die off waren oder sogar mehrere Shows in schlechter Form bestritten, dann aber in umso besserer Form wiederkamen. Warum also schreiben Bodybuilding Fans und Medien jemanden so rasch ab, wenn er ein, zwei schlechte Auftritte hatte?

Chris Cook:
Ich glaube, die Leute werden sehr rasch panisch. Wenn ich wieder das Beispiel bemühen darf, als Gunter Ronnie schlug: Sofort sagte jedermann, er solle zurücktreten bevor er noch weitere Erniedrigungen erfahren würde oder beim Mr. Olympia gestürzt würde – was ja bekanntermaßen nicht passierte. Dieser Sport basiert ganz einfach auf sehr hohen Höhen und sehr tiefen Tiefen – es ist eben eine Menge Drama dabei.

Ron Harris:
Erzähl mir davon.

Chris Cook:
Die Leute glauben, dass, wenn du ein- oder zweimal Mist baust, dein Körper am Ende ist und du niemals wieder gut ausschauen wirst. Dazu kommt noch dieser angeborene Neid-/Hasskomplex. Eine Menge Athleten in diesem Sport hätten gerne die Medienpräsenz, die ich hatte. Ich habe meinen ersten Vertrag im Jahr 2000 unterschrieben, 4 Jahre bevor ich Pro wurde. Ich weiß, dass das einige Jungs wütend und eifersüchtig machte, speziell wenn es sich um Profis handelte, die weder erwähnenswerte Verträge noch irgendeine Medienpräsenz vorzuweisen hatten.

Chris Cook
Ron Harris:
Das könnte man auch von den Magazinen behaupten. Solange du gut bist, pflastern sie dich aufs Cover und auf alle verfügbaren Seiten im Innenteil. Aber sobald du ein-, zweimal bei einer Show schlechter abschneidest, drehen sie dir den Rücken zu.

Chris Cook:
Genau, das trifft derzeit mit Ausnahme von diesem Interview auf mich zu. Aber ich verstehe das. Ich weiß, dass ich einen gut vermarktbaren Look habe, es geht aber nicht immer darum. Die Besitzer dieser Magazine werden manchmal ein bisschen gefühlsduselig. Sie klatschen jemanden aufs Cover, der vielleicht eine Show gewonnen hat, aber der nicht wirklich gut aussieht. Sie vergessen, dass der Großteil der 16-24jährigen, der diese Magazine kauft, den Bodybuilding-Wettkampfsport nicht verfolgt. Sie kaufen ein Magazin, weil sie so ausschauen wollen, wie der Typ am Cover, nicht weil dieser Typ einen Wettkampf gewonnen hat. Das interessiert sie nicht.

Ron Harris:
Um auf deinen Marktwert zurückzukommen; was braucht es, um ihn für Supplement Firmen wieder nach oben zu bringen?

Chris Cook:
Man muss das Ganze aus dem Blickwinkel des Besitzers einer solchen Supplementfirma betrachten. Wenn sie mit einem Athleten verhandeln, wollen sie die größte Wertschöpfung zum geringstmöglichen Preis. Im Allgemeinen haben Pros einen höheren Marktwert als Amateure und gute Pros haben natürlich einen umso höheren. Ich wurde in meiner ersten Pro Show Sechster, und ich dachte, dass sei verdammt gut und ich dachte sogar, dass ich durchaus auch ein paar Plätze höher bewertet hätte werden können. Aber trotzdem, wenn ich mit den Supplement Firmen sprach, hörte ich immer: „Nun ja, wenn du unter den ersten 3 platziert gewesen wärst, dann könnten wir sicher noch mehr für dich tun.“ Sie versuchen das Maximum für sich herauszuholen. Ich muss jedenfalls sehr gut platziert sein – unter den ersten drei in mehreren Shows – dann ist auch mein Marktwert wieder da, wo er einmal war und ich habe eine ganz andere Verhandlungsposition.

Ron Harris:
Man sagt auch, dass du 2005 volle acht Monate nicht trainiert hast und kein Gewicht auch nur angerührt hast. Stimmt das, und wenn ja, könnte das der Grund für dein schlechtes Abschneiden bei den Frühlingsshows sein, bei denen du nicht annähernd deine Bestform erreicht hast?

Chris Cook:
Du brauchst nur einen Kalender rauszuholen und nachrechnen, um zu sehen, dass es nicht so lange war. Ich habe im Mai und Anfang Juni in New York und Toronto teilgenommen. Im Jahr zuvor hatte ich die USA im Juli und die Nationals im November bestritten. Ich hatte definitiv keine Pause, aber ich wollte die Eigendynamik nutzen und im nächsten Frühling als Pro starten. Zum Zeitpunkt der Toronto Show hatte ich 14 Monate durchgehend konzentriert und hart trainiert und Diät gehalten. Ich brauchte wirklich eine Auszeit und meine Frau und ich wollten außerdem ein Baby. Fünf Monate lang nahm ich überhaupt keine Supplements mehr – nicht einmal mehr Glutamin und Kreatin – und hörte auch auf, hart zu trainieren. Alles auf Anraten meines Urologen hin. Sogar hartes Training kann die Spermienzahl senken. Ich plante, mit meiner Diät für den Iron Man und den Arnold Classic im November zu beginnen. Ich hatte Angst, dass ich nicht genug Zeit haben würde, meinen Körper wettkampfbereit zu machen, aber mein guter Freund Kevin Levrone versicherte mir, dass das schon hinhauen würde. Er hatte in den letzten Jahren seiner Wettkampfkarriere mehrmals sehr lange Trainingspausen eingelegt und trotz nur weniger Monate harten Trainings immer noch bestechend gut ausgesehen. Der Unterschied ist, dass Kevins Körper wesentlich reifer und kompletter war, als er dies tat.

Ich begann meine Vorbereitung 12 Wochen vor dem Iron Man bei einem Gewicht von 232 Pfund; mein normales Off-Season Gewicht beträgt 273 Pfund. Üblicherweise kann ich mein Gewicht während der meisten Zeit der Diät bei ungefähr 270 Pfund halten und erst in den letzten Wochen der Diät dann wirklich verringern. Diesmal konnte ich nur bis 265 Pfund hoch trainieren bevor ich mit der Diät begann. Da wusste ich schon, dass ich in Schwierigkeiten war. Ich musste immerhin gegen Kerle wie Branch Warren antreten, der nur 5’7’’ (1,70m) groß ist und 240 Pfund (109kg) wiegt und ich bin 5’11’’ (1,80m) und würde zwischen 248 und 252 Pfund (112,5 – 114,5kg) wiegen. Das war ein verrückter Balanceakt. Einerseits würde ich nicht massig genug aussehen, wenn ich nicht voll und voluminös bleiben würde, andererseits musste ich in Topform sein um eine Chance auf einen der vorderen Ränge zu haben. Ich bin noch nicht massig genug, um mich nur auf meine Form konzentrieren zu können. Letzten Endes war ich zwar ziemlich massig und voll, aber meine Form war weit vom Ideal entfernt.

Ron Harris:
Lass uns darüber sprechen, was du zu tun gedenkst, um die Geschehnisse des Jahres 2006 zu deinem Vorteil zu nutzen und wie du das Jahr 2007 zu deinem Erfolgsjahr werden lassen willst. Wirst du dein Gewichtstraining überhaupt umstellen? Wird dein Off-Season Training und deine Off-Season Ernährung so bleiben, wie sie immer war?

Chris Cook:
Menschen, die mich kennen und die gesehen haben, wie ich trainiere, wie etwa Bob Cicherillo und Charles Glass, wissen dass ich extrem hart trainiere. Das werde ich ganz so beibehalten. Ich brauche ganz einfach Zeit. Ich hatte drei Jahre lang keine wirkliche Off-Season und jetzt habe ich endlich eine. Ich möchte so massig wie nur möglich werden und überall zulegen ohne meine Proportionen zu verlieren. Wenn ich diese zusätzliche Masse erst haben werde, dann werde ich auch in der Lage sein, die gleiche oder sogar eine noch bessere Form zu erreichen wie damals, als ich die Nationals gewann. Ich halte jetzt bei 287 Pfund (130kg) und werde bald die 290er (131,7kg) Barriere durchbrechen.

Ron Harris:
Wie schwer und massig glaubst du sein zu müssen, um im Profi-Bodybuilding ganz vorne mitmischen zu können?

Chris Cook:
Ich habe mit einigen Leuten wie Steve Weinberger und Jim Manion gesprochen, die wirklich ein Auge für so was haben. Sie meinten beide, dass ich einer von den ganz Großen sein könnte, wenn ich denselben „harten“ Look erreichen könnte, der Jay Cutler auszeichnet und gleichzeitig meine Proportionen und die schmale Taille nicht verlieren würde. Um soweit zu kommen, muss ich aber mit einem Gewicht von 270-275 Pfund (122,5-125kg) antreten. Alle paar Jahre scheint der Bodybuildingsport eine Neuausrichtung zu erfahren, was denn das Ideal sein solle. Derzeit fährt man mit Ästhetik, fließenden Linien und ultraharter Form sehr gut. Das kommt mir und dem, was ich im nächsten Frühjahr präsentieren möchte, sehr entgegen.

Ron Harris:
Geht’s wirklich nur ums Gewicht? Ich sage ja immer, Größe und Gewicht sind vollkommen egal, weil es ein Sport ist, der auf visuellen Eindrücken basiert.

Chris Cook:
Das mit dem Gewicht ist eine eigentümliche Sache. Nimm einen Athleten wie Kevin Levrone, der beim Mr. Olympia 2002 242 Pfund (110kg) wog. Zehn Jahre zuvor, als er das erste Mal bei diesem Bewerb antrat, hatte er in etwa das gleiche Gewicht. Aber die mit den Jahren des Trainings einhergehende Reife der Muskulatur bewirkt etwas Unerklärliches. Levrone sah Jahre später, mit dem gleichen Gewicht, soviel massiger und voller aus. Dieser Fakt ist für einen jungen, ungeduldigen Bodybuilder, der glaubt, es ginge rein nur um den Aufbau schierer Masse, natürlich schwer zu begreifen und zu akzeptieren. Es ist frustrierend, daran denken zu müssen, dass es vieler Jahre harten Trainings bedarf, um diesen dichten, harten Look der Muskeln erreichen zu können. Das war einer der Nachteile, als ich so früh Pro geworden war. Als ich Bill Wilmore schlug, hatte ich das Gefühl, dass ich ihn in allen Belangen geschlagen hatte. Aber weißt du was? Er ist im Moment der bessere Pro als ich und das aufgrund seiner Muskelreife. Ich sagte ihm dies, als er mich einige Wochen vor der Colorado Show besorgt anrief. Er hat auch alles unternommen, um seine Oberschenkel zu verbessern. Einen Champion erkennt man daran, wie er mit Herausforderungen umgeht. Und das muss ich Bill lassen, er hat getan, was nötig war.

Ron Harris:
Regt es dich auf, wenn neunmalkluge Passivsportler im Internet verlautbaren, sie wüssten was du tun müsstest, wie etwa mehr Cardio machen oder mit einem bestimmten Gewicht beim Wettkampf antreten und in Wirklichkeit gar nichts über dich wissen?

Chris Cook:
Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass mir das egal ist, aber ich finde es fast schon lustig. Im Internet haben Leute Fotos von mir gepostet, die nicht gerade schmeichelhaft waren. Und sie machten hämische Bemerkungen, dass ich meine Diät mit Crispy Creme gemacht hätte und meine einzige Cardio der Weg zum Kühlschrank gewesen sei. Die hatten ja keine Ahnung, dass ich 2 Stunden Cardio am Tag machte und während meiner Diät lediglich 50g Kohlenhydrate zu mir nahm.

Ron Harris:
Was half dir, diese vermutlich deprimierende Phase nach dem Arnold Classic zu überwinden?

Chris Cook:
Ich musste demütig werden und alles in die Hände Gottes legen. Auf mich alleine gestellt, bin ich schwach. Alleine schaffe ich es nicht. Gott gab mir auch meine Frau. Denise ist jemand, der die Dinge nicht zu nahe an sich ranlässt. Ich nehme Dinge zu persönlich. Vielleicht ist das ein Teil meines menschlichen Reifungsprozesses. Ich muss das hinter mir lassen. Ich habe viel gebetet und ich habe mich auf die positiven Aspekte in meinem Leben konzentriert, meine Frau etwa, das Geschäft und die Unterstützung die ich von meinen Fans erfahren habe.

Ron Harris:
Es wird in den nächsten Jahren definitiv einen Generationswechsel geben, wenn Ronnie, Cormier und auch andere zurücktreten werden und neue Namen wie Branch, Phil Heath und Gustavo an deren Stelle treten werden. Wo siehst du dich in unserem Sport in den nächsten Jahren?

Chris Cook
Chris Cook:
Ich sehe mich als Top 5 Athleten beim Mr. Olympia. Ich glaube, ich habe das Zeug zum Mr. Olympia, aber das liegt in Gottes Händen. Es hängt alles davon ab, ob ich mein Potenzial voll ausschöpfen kann. Viele Athleten gewinnen derzeit Shows hauptsächlich wegen ihrer Form und Härte. Dann gibt es noch Kerle wie Victor Martinez, der, seit er Pro geworden war, immer mit seiner Form gekämpft hat und der niemals in wirklich guter Form angetreten war. Hat er das Potenzial, Mr. Olympia zu werden? Absolut. Wird er es auch werden? Niemand weiß das. Ich bin da glaube ich ähnlich, auch ich habe mein Potenzial bisher nur angekratzt. Ich weiß, wenn ich die nötigen Verbesserungen schaffe und auch das mit meiner Form auf die Reihe kriege, dann wird eine ganze Reihe von Athleten mich nicht mehr so einfach schlagen können. Heute gibt es eine Reihe von Athleten, die man schlagen kann. Es ist nicht wie vor 10 Jahren, als es Dorian, Kevin, Nasser, Flex, Shawn und Paul Dillet gab. Diese Kerle waren furchteinflößend. Sie gewannen alle Shows. Sie waren alle unglaublich gut und auch noch konstant in ihren Leistungen. Heute sehe ich das nicht mehr. Ronnie ist ein absolutes Phänomen, da gibt es keine Diskussion. Jay hat seinen Körper auf ein Level gebracht, das erstaunlich ist, aber er ist immer noch besiegbar. Gustavo ist sehr gut, aber nicht phänomenal. Ich könnte jetzt noch weitermachen und über jeden im Professional-Zirkus sprechen. Aber das werde ich nicht tun. Ich will den Jungs nichts streitig machen, es ist nur so, dass sie nicht diese Aura der Unbesiegbarkeit haben, wie es Bodybuilder vor zehn Jahren noch hatten.

Ron Harris:
Welche Wettkämpfe willst du nächstes Jahr bestreiten und wie willst du da aussehen?

Chris Cook:
Ich werde im nächsten Mai bei den Shows in Colorado und New York antreten. Ich weiß, jeder fragt sich: „Wird es Chris Cook diesmal schaffen?“ Ich glaube, ihr werdet alle abwarten müssen um eine Antwort zu bekommen. Ich bin jedenfalls noch lange nicht erledigt und nehme die Herausforderung an.