Es war einmal vor einer langen langen Zeit... okay, nicht so ganz, es war vor etwa 3 Monaten. Ich schrieb wieder einmal mit Franky über PN, Thema der Unterhaltung war CrossFit. Wir kamen recht schnell auf den Nenner, als Personen die Wert auf Gesamtathletik, nicht nur die Kilos an der Hantelstange legen, dass CrossFit eine recht interessante Sache zu sein schien. Aber was genau ist CrossFit?

CrossFit ist eine Sportart, die Wert auf Gesamtathletik legt, sprich Kraft, Ausdauer, Wendigkeit, Koordination und Präzision. "Schön und gut aber das gibt es in vielen anderen Sportarten auch.", denkt ihr sicher, aber CrossFit ist nur Athletik - nicht mehr, nicht weniger.

Es wird dabei mit allen möglichen Übungen, Formen und Varianten gearbeitet, um hier nur einiges Aufzuzählen:
  • Sprints
  • Rudern
  • Sprünge
  • Körpergewichtsübungen
  • Olympische Gewichtheberübungen
  • Kettlebells
  • Seiltraining
  • uvm.
Alles bunt gemischt und aus verschiedene Sportarten genommen. "Also gut", dachte ich mir, "ich sitze hier nahe Los Angeles direkt vor der Tür." Also dachte ich mir, probiere ich es einmal aus.

Kurz vorweg, ich bin Kampfsportler und begeisterter Anhänger von funktionellem Krafttraining, also waren weder Übungen wie Kreuzheben mit Bändern, plyometrische Sprünge, exzessives Konditionstraining mit Kettlebells, Seilen, Training an/mit Gymnastikringen, usw. nicht wirklich etwas Neues für mich.

Am nächsten Tag dachte ich mir im Auto auf dem Weg zum Einkaufen, als ich an einer "zertifizierten CrossFit Schule" - kurz Affiliate – vorbeifuhr: "Okay der Einkauf kann auch eine Stunde warten." Gewendet und einen Parkplatz gesucht. Gepackte Sporttasche mitgenommen, die ich prinzipiell immer im Kofferraum hab. Dann mal aufs ins Verderben.

Als ich hinein kam, fand ich ein typisches amerikanisches Fitnessstudio mit Proteinbar an der dicke Hausfrauen ihren "Fatkiller Shake" schlürften und sich über die neusten Geschehnisse aus Funk und Fernsehen unterhielten. Das freundliche junge Mädchen an der Theke lächelte mich an und fragte, wie sie mir helfen könne.

Ich entgegnete ihr, dass ich gerne an einer Probestunde CrossFit teilnehmen würde. Sie sagte, dies sei kein Problem, der nächste Kurs würde in etwa 30 Minuten anfangen und es sei kein Problem, dass ich dort mitmachen könnte, natürlich kostenfrei als Probestunde. Sie fragte mich, in welche Gruppe ich möchte: Anfänger, Fortgeschrittene, Intensiv oder Elite, welche nur auf Empfehlung eines der Gruppenleiter besucht werden kann. "Trägst du mal nicht so dick auf.", dachte ich mir und sagte ihr, dass ich gerne die Gruppe für Fortgeschrittene nehmen wollte.

Ich setzte mich an die Bar und bestellte mir noch einen Proteinshake für 5$, den ich vermutlich auch günstiger bekommen hätte, wäre ich in den WalMart gefahren und hätte mein Whey mit dem Inhalt einer Pepsi Dose in den Shaker gehauen. Von den Geschmacks- und den Nährwerten wäre sicher kein Unterschied vorhanden gewesen.

Die Zeit verstrich, ich ging mich umziehen und bewegte mich langsam zu dem mir genannten Kursraum. Dort angekommen, wagte ich einen Blick hinein. Viele Kettlebells, ein paar Seile, Klimmzugstangen und ein Rack mit Ringen. Nach und nach folgten mir einige Leute, dabei eine junge dickliche Frau, von der ich noch in Erinnerung hatte, dass sie das BJJ Probetraining abgebrochen hatte, da sie unseren "Puke bucket" zu einem neuen Höchstrekord füllte, ein paar Männer mittleren Alters, die einen recht fitten Eindruck machten, dann der "Instructor", den man eher für den Teilnehmer eines Fatburner Kurses halten würde. - Ende 20, leichte Plauze, man sah ihm an, dass er ab und an trainierte, da er muskulöser als der amerikanische Durchschnittssportler war. preview

Nach etwas Gerede an die "Neuen", die interessanterweise 6 von 8 Teilnehmern des Kurses ausmachten, und vier Runden durch den etwa 10x10m messenden Kursraum laufen zum Aufwärmen, ging es dann auch los. Zuerst war der Kettlebell Snatch dran.

Moooooment... Kettlebell snatch? Für Leute, die noch nie im Leben eine Kettlebell in ihren Händen gehabt haben? Na Halleluja.

Danach wurde für 3x1 Minute mit 1 Minute Pause zwischen den Sätzen der Kettlebell snatch ausgeführt, der Instruktor ging durch die Reihen, korrigierte die nicht vorhandene Technik grob, ohne wohl wirklich selbst zu wissen, was er da tat.

Danach kamen Ringklimmzüge hinzu, wer sie nicht alleine schaffte, bekam ein elastisches Band zur Unterstützung, was dann alle, außer ich bekamen. Er zeigte die Übung kurz, dann machten jeweils vier Leute den Kettlebell snatch, während die anderen vier Leute Ringklimmzüge machen mussten.

Wieder für 3x1 Minuten, dann wurde gewechselt. Ich begann mich zu langweilen, aber es ging so für drei weitere Zirkel á 5 Minuten inkl. Pausenzeiten weiter, ehe dann der Kettlebell Squat hinzukam. Zur Ausführung sagte er nur, wir sollen es so machen, wie wir es am Besten könnten.

"Kein Problem!" dachte ich mir. "Ich habe ja nicht wenige Seminare von Steve Cotter (Kettlebell Guru) besucht, da ist ja wohl gelacht!" und machte gelangweilt mit zwei 16kg Kettlebells meine Kniebeugen, während der Instruktor nicht umher ging, um die nicht vorhandene Technik zu korrigieren und somit zu verhindern, das die Teilnehmer aufgrund wirklich schlechter Technik zu potenziellen Teilnehmern des Bandscheiben-Reha Kurses wurden.

Nein, der Instruktor gab Anweisungen, griff sich das Handy und telefonierte etwas mit seiner Frau oder Freundin, zwischendurch gab er dann einige Anweisungen, wie die Zirkel gemischt werden sollen und welche Zeiten es einzuhalten gilt, die er bequem per Fernbedienung für den Timer am anderen Ende des Raumes festlegte. Dann kam es zum Unvermeidbaren...