"Ready, set, go!" ertönte es von Steven, beim Antritt lag ich ein gutes Stück vorne aber dann, nun ja, sah ich Marcus nur noch von hinten. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich kein sonderlich guter Sprinter bin, keine Ahnung weshalb, die Sprints sind für mich eben nur ein Mittel zum Zweck und der Zweck ist nicht meine Zeit auf 100m zu minimieren. Dennoch war ich mit mit 12,7 Sekunden nicht der Langsamste im Feld.

Als alle mit ihren insgesamt 400 Metern sprinten durch waren, ging‘s weiter, jetzt waren Tire Battles an der Reihe, eine Disziplin, die ich sehr mag. Da sie wohl nicht sehr bekannt ist hier zur Erläuterung ein Video.

Los ging‘s. Marcus hatte gleich ordentlich Gas gegeben, ich hab es ruhig angehen lassen und nach der neunten Wiederholung merkte ich, dass es Marcus mit jeder Wiederholung etwas schwächer wurde, also habe ich Gas gegeben, um ihn etwas zu pushen, was dann auch wunderbar funktioniert hat. Eine anstrengende Minute ging vorüber, eine Minute Pause. Pause heißt nicht rumsitzen oder rumstehen, sondern leichte Tätigkeit in diesem Fall waren es explosive Clap-Pushups.

Weiter ging es an die Ringe, etwas locker die Schultern und Unterarme dehnen. Eine Minute Ring-Pushups, volle Power natürlich. 30 Sekunden Pause gefolgt von einer erneuten Minute Push-Ups auf Ringen, Pause und Ring-Dips auch zweimal 1 Minute mit 30 Sekunden Pause. Natürlich wurde in der Pause nicht Pause sondern es wurden Jumping Jacks gemacht. Alle guten Dinge sind drei, also gab's noch zweimal eine Minute Ring Pullups und damit waren die Ringe für heute gegessen. Zwei Minuten Pause - richtige Pause ohne etwas zu machen. Kurz was getrunken ein bisschen zu Atem gekommen und ein paar BCAAs eingeworfen und schon waren die zwei Minuten rum.

Die Schlitten wurden ausgepackt, nein es war kein Sommerrodeln angesagt, sondern Sled Sprints mit "läppischen" 90 lbs. drauf, 5x30m um genau zu sein. Zuggeschirr angelegt, Schlitten per Karabiner dran getan und los ging es. Nach dem dritten Durchgang schoss mir nur eins durch den Kopf: "Hättest du die Scheiss BCAA's mal lieber stecken gelassen..." Mein Magen zeigte sich nicht sehr begeistert über sie. Aber weiter geht‘s, 60 Meter to go.

Die waren dann auch mit etwas Magengrummeln abgearbeitet. Dann kamen die Prowler dran dazwischen 45 Sekunden echte Pause.

4x15m mit 90 lbs. auf dem Prowler und ich war als erstes dran. Nach dem zweiten Durchgang entschloss sich mein Magen dann dazu die BCAAs aus dem gleichen Weg, wie sie hinein gekommen waren, auch wieder hinaus zu befördern. Kotzen - Stop - Go - Stop - Kotzen - Go, dann waren auch die letzten 2 Durchgänge erledigt. preview

Ab ging‘s in die Halle. Es folgten Deadlifts, 5/4/3/2/1/2/3/4/5 mit 60% des 1RM Wertes und 25 Sekunden Pause zwischen den Sätzen.

Tolle Sache, vor allem wenn man gefühlte 20 Sekunden vorher sich noch schön die BCAAs aus dem Leib gekotzt hat. Aber wir sind hier ja nicht beim Schulsport also ran an den Speck. Gesagt getan, waren nach einer Weile auch alle mit ihren Deadlifts durch. Und mit allem mit dem man sonst noch so durch sein kann auch. Zum Abschluss dann noch 10 Runden um die Halle zum Cool-Down.

Wir saßen noch mit den meisten der Jungs eine Stunde rum, haben uns alle untereinander unterhalten und Witze gemacht. Marcus fragte mich, ob ich bleiben möchte, er war von meiner Leistung sehr angetan und sagte, das, was ich erbracht habe, von den Zeiten und Wiederholungen dem oberen Drittel des Teams entspricht und ich willkommen bin. Da es mir auch ziemlichen Spaß gemacht hat und verdammt anstrengend - wenn ich das sage, will das schon was heißen – war, bejahte ich es selbstverständlich.

Marcus klärte mich kurz über die "geschäftlichen" Sachen auf, die eigentlich keine waren. Es gab keinen Vertrag, keine Mitgliedsgebühr, es stand jedem frei monatlich soviel zu spenden, wie er mag, die meisten Leute werfen im Monat 60 Dollar in den Eimer, sagte Marcus mir. Von diesen Spenden werden neue Sachen angeschafft und der Affiliatestatus bezahlt, da dieser vorhanden sein muss, um als Team bei CrossFit Games die Starterlaubnis zu bekommen. Dann ging's auf zum Duschen, natürlich auf Warehousestyle, ein Eimer, viele Löcher und oben ein Schlauch durch den nicht gerade "warmes", um nicht zu sagen verdammt kaltes Wasser, die improvisierte Dusche betrieb.

Sachen gepackt, paar Handynummern ausgetauscht, Shake Hands und ab in die Karre. Nach hause gekarrt, auf dem Weg hat sich die Erschöpfung langsam breit gemacht. Daheim wurde ich mit dem Kommentar "Welchen Krieg hast Du denn gerade gewonnen?" von meiner Frau mit einem Kuss begrüßt, was ich nur mit einem „Gute Nacht, weck mich bitte in 2 Stunden“ kommentierte und erstmal Siesta halten ging.

Wie man sieht, kann CrossFit trotz der vielen negativen Schlagzeilen auch positiv sein, aber leider werfen günstiger Affilatestatus und keine ordentlichen Trainerausbildungen kein gutes Licht auf diese eigentlich sehr interessante und sehr intensive Sportart.