und Brad Schoenfeld

Die größte Frage heutzutage im Kraft- und Ausdauersport ist: Crunch oder nicht Crunch. Es ist bemerkenswert, dass eine scheinbar so harmlose Übung mit so einem kleinen Bewegungsumfang eine so große Kluft zwischen vielen Kraft- und Ausdauerprofis aufreißen kann und die Debatte heizt sich sogar noch weiter auf.

Nachforschungen zeigen, dass wiederholte Flexion der Wirbelsäule von Schweinekadavern zu Bandscheibenvorfällen führte. Dieser Modellversuch scheint zu verdeutlichen, dass Flexion der Lendenwirbelsäule ein potenziell gefährlicher Mechanismus ist und die Anti-Crunch-Fraktion geht sogar noch weiter und sagt, dass der Mensch nur eine limitierte Zahl an Flexionen der Wirbelsäule in ihrem Leben machen kann.

Laut der Anti-Fraktion sind alle Übungen wie Crunches etc. um jeden Preis zu vermeiden. Es klingt vielleicht im Grunde logisch, aber es gibt auf diesem Gebiet viel mehr Fakten, die noch im verborgenen liegen.

Jemand muss aufstehen, sich ein paar Eier wachsen lassen und den 2000-Pfund Gorilla darauf ansprechen, dass er nicht auf den Teppich pinkeln soll. Wir kennen dutzende renommierte Kraftcoaches, Physiotherapeuten, Personal Trainer, Forscher und Professoren, die alle große Zweifel an der Gefahr von Crunches haben, doch keiner von ihnen ist bereit darüber zu diskutieren, aus Angst gezüchtigt zu werden.

Hier muss ein Schlussstrich gezogen werden!

Fitness ist Religion

Menschen habe das Grundbedürfnis sich Gruppen anzuschließen, einen Führer vor sich zu wollen, in übernatürliche Phänomene zu glauben und gegen wissenschaftliche Prinzipien zu kämpfen. Im Laufe der Geschichten wurden Wissenschaftler für das Hinterfragen von Dogmen gequält und gestraft. Leider ist das in der Fitnessindustrie nicht anders.

Viele Profis haben nach einer Lösung für Rückenschmerzen gesucht und sind sofort auf den Anti-Crunch Zug aufgesprungen, ganz ohne die Sache zu hinterfragen. Diese Leute haben absurde Vorstellungen der Lendenwirbelsäule, denken dass man mit der kleinstmöglichen Bewegung jener durchs Leben gehen sollte um die Wirbelsäule zu schützen, bis zu dem Punkt, an dem alltägliche Bewegungen abgeändert werden sollen.

Um noch weiter zu gehen, sie schüchtern andere ein auf denselben Zug aufzuspringen, werden aber direkt emotional wenn sie auf das Thema angesprochen werden.

Das ist die Antithese zum wissenschaftlichen Denken. Wir können uns echt glücklich schätzen, dass wir nicht wie Galileo Hausarrest bekommen, weil er vermutete dass die Erde nicht das Zentrum des Universums sei.

Nach Beschäftigung mit dem Thema, Durchstöbern der Literatur und Anwendung unserer Fähigkeit kritisch zu hinterfragen, schlussfolgerten wir, dass wie bei jeder anderen Übung eine gesunde Portion Übung der Spinalflexion potenzial gut für Dich ist und nicht vermieden werden muss.

Wir präsentierten unsere Position in einer Zeitung, dem Strength & Conditioning Journal. Wir werden nun zwar nicht alles wiederholen, aber führen die Hinterfragung der "Anti-Crunch-Fraktion" fort und präsentieren eine plausible Alternativtheorie.

In unserem Artikel sprachen wir die folgenden Themen an, welche unten recht kurz und knapp zusammengefasst werden.

Für detailliertere Erklärungen und Belege wollen wir, dass Du Dir den Artikel durchliest und in seiner Gesamtheit studierst. preview

Methodische Probleme in der Forschung gegen Übungen mit Lumbarflexion

  • Entfernen von Muskeln. Das benutzte Experiment der Studie, in dem die Spinalflexion von toten Schweinen getestet wurde, wurde mit entfernten Muskeln um die Wirbelsäule durchgeführt, was die Biomechanik der Wirbelsäule verändert.
  • Keine Flüssigkeitsbewegung in den Kadavern. Wirbelsäulen von Kadavern funktionieren nicht wie die von lebenden Objekten, da die Flüssigkeit nicht zurück in die Bandscheiben fließt, wie es bei lebenden Objekten der Fall ist.
  • Bewegungsumfang in der Schweinewirbelsäule. Die Wirbelsäule von Schweinen hat einen geringeren Umfang von Flexion und Extension, als die eines Menschen.
  • Nichtbeachtung der Umstände ums Crunchen. Wenn die meisten Leute Crunches machen, absolvieren sie vielleicht ein paar Sätze mit 10-20 Wiederholungen und warten ein paar Tage bis sie es wiederholen. So können sich die Bandscheiben erholen und anpassen. In den Studien wurde die Lumbarflexion in utopischen Wiederholungen demonstriert, tausende Non-Stop Zyklen wurden gemacht, die nicht der Realität der Kraft- und Ausdauerwelt entsprechen. Es sollte außerdem noch erwähnt werden, dass die Wirbelsäule eines Kadavers sich nicht anpassen kann. Ganz im Gegensatz zu der eines lebenden Objekts.
  • Genetik. Im Zeitalter der Bandscheibenschäden ist die Rolle der Genetik von großer Bedeutung. Manche Leute scheinen anfälliger auf Probleme mit den Bandscheiben zu sein als andere, was heißt das optimale Trainingsgestaltung die genetischen Vorgaben berücksichtigt.
  • Bewegungsumfang bei Crunch-Übungen. Vor vielen Jahren beschreib ein NSCA Journal-Artikel die korrekte Ausführung eines Crunches, welche 30 Grad Gesamtflexion vorschrieb, wobei der meiste Teil dieser Bewegung aus der Brustwirbelsäule, nicht der Lendenwirbelsäule kommen sollte. Wenn die Lendenwirbelsäule nicht im letzten Stück Bewegung beteiligt wäre, dann würden sich die Studien nicht auf den normalen Crunch übertragen.
  • IAP Kontroverse. Es besteht die Chance, dass statt wirklichem Versagen der Bauchmuskeln eher auf den Intra-Abdominalen Druck (Intra-abdominal-pressure IAP) geachtet und er überbewertet wurde. Wenn das der Fall ist, könnten die Studien zu viel Druck in der Bauchregion haben, was zu einem falschen Bewegungsumfang führt, wie oben beschrieben, was die Studien nicht auf den normalen Crunch übertragbar machen würde. Wie auch immer, die Nachforschungen in diesem Themengebiet sind nicht konfliktfrei und oft ist es gar nicht so schlimm wie immer behauptet.

Potenzielle Vorteile von Übungen mit Lumbarflexion

  • Erhöhter Fluss von Flüssigkeiten und Nährstoffen in die Bandscheiben. Lumbarflexion erhöht die transportierten Nährstoffe, die zu den Bandscheiben getragen werden, was die allgemeine Versorgung jener verbessert.
  • Erhöhtes Anpassen von Gewebe. Eine angemessene Menge von Spinalflexion stärkt das Gewebe der Bandscheiben, was dementsprechend die Tolerant für Lumbarflexions-Übungen erhöht und Verletzungen vorbeugen kann.
  • Sagittale Beweglichkeit. Einige Studien haben Mangel an Beweglichkeit der Wirbelsäule in Verbindung mit Schmerzen des unteren Rückens gebracht, auch wenn die Literatur etwas anderes zum Teil schreibt. Wenn man den Gedanken weiterführt, können Crunches den Verlust an Beweglichkeit der Wirbelsäule abfangen, was der Prävention von Rückenschmerzen zugutekommen würde.
  • Hypertrophie des Rectus Abdominis. Wenn das gesamte Wissen über Hypertrophie auf den gesamten Körper Übertagen wird, ist es offensichtlich dass dynamische Übungen isometrischen in der Erhöhung von Muskelmasse überlegen sind. Vieles davon hat zu tun mit dem erhöhten Schaden der Muskulatur, ausgelöst durch exzentrische Aktivität und auch den erhöhten metabolischen Stress. Unterm Strich heißt das, wenn Du Deine Six-Pack-Erscheinung verbessern willst, werden Übungen mit Spinalflexion Dir beim Erreichen dieses Ziels helfen.
  • Leistungssteigerung. Im Gegensatz zu dem von anderen Behaupteten ist Lumbarflexion in vielen sportlichen Aktivitäten vertreten. Die konzentrische/exzentrische Stärkung der Bauchmuskeln führt somit zu erhöhter athletischer Leistung.

Anekdoten und andere Argumente

Stützen wir uns nun auf ein paar anekdotenhafte Beweise für unsere Behauptungen.

Wenn wir wirklich eine "limitierte" Nummer an Lumbarflexionen haben, wovon hängt diese dann ab?

Verschiedene Fitness-Profis haben erzählt, dass der Mensch nur eine limitierte Zahl an Flexionsabläufen besitzt und glauben, dass wir uns diese Abläufe für den Alltag, wie z.B. das Schuhe zubinden, beschränken sollen, anstatt sie mit Crunches zu verschwenden. Auch wenn dieses anekdotenhafte Beispiel nicht wasserdicht ist, ist es trotzdem interessant darauf rumzureiten, damit eine Basis für theoretische Überlegungen geschaffen wird.
  • 2003 hat Edmar Freitag, ein brasilianischer Fitnesstrainier, 133.986 Crunches in 30 Stunden gemacht und damit einen Weltrekord aufgestellt. Das überbot seinen vorigen Rekord mit 111.000 Sit-Ups in 24 Stunden, aufstellt im Vorjahr.
  • Endlich hat jemand es getan. Herschel Walker, eine Football-Legende, Olympischer Bobfahrer und MMA-Hoffnung, hat täglich 3500 Sit-Ups seit der Highschool gemacht. Er fing mit täglichen Sit-Ups im Alter von 12 Jahren an. Wenn man bedenkt dass er nun 49 ist, macht das 47.267.500 Sit-Ups. Das sind fast 50 Millionen Flexionsabläufe unter kompressiver Belastung!
Natürlich könnte man argumentieren, dass alle diese Leute eine versaute Wirbelsäule haben und wenn man MRTs von jedem machen würde, dann wäre es möglich dass Beweis dafür verschiedene Vorfälle und Degenerationen vorhanden sind, aber daran zweifeln wir einfach mal. Stattdessen glauben wir an den klaren Beweis, dass Bandscheiben sich anpassen und mit der Zeit stärker werden um Schäden an der Wirbelsäule zu verhindern.

Weiteres Argument könnte sein, dass diese Kerle "Ausnahmen von der Regel" sind, genetische Freaks, die unendlich Flexionsabläufe machen können. Wir stimmen damit nicht überein und glauben, dass es unwahrscheinlich ist das auch nur einer die Zahl in seinem Leben überschritten hat. Stattdessen glauben wir an die Beweise von muskulärer Balance, Abdominaler Stärke und Flexionsübungen, die die Wirbelsäule stärken.

Sollten wir uns vielleicht einfach erschießen?

Hätten wir uns einzelne Studien über Bandscheiben herausgesucht, die unsere Ausführungen einschränken, dürften wir buchstäblich nichts mehr machen.

Wir fanden 13 Studien die sagten: Callaghan und McGill, 2001; Drake et al., 2005; Tampier et al., 2007; Drake und Callaghan, 2009; Marshall und McGill, 2010; Adams und Hutton, 1982; Adams und Hutton, 1983; Adams und Hutton, 1985; Lindblom 1957; Brown et al. 1957; Hardy 1958; Veres et al., 2009; Court et al. 2001). Das heißt: keine Crunches und Sit-Ups.

Wir fanden 11 Studien, die sagten dass Kombinationen vom Beladen der Wirbelsäule und Bewegung keine gute Idee sind. (Gordon et al. 1991 (Flexion und Rotation); McNally et al. 1993 (Flexion und Anteriolateral Beugen); Shirazi 1989 (Lateral Beugen und Rotation); Kelsey et al. 1984 (Flexion und Rotation); Adams et al. 2000 (Complex); Marshall und McGill, 2010 (Flexion/Extension und Rotation); Drake et al. 2005 (Flexion und Rotation); Veres et al., 2010 (Flexion und Rotation); Schmidt et al. 2007 (Lateral Beugen und Rotation, Lateral Beugen und Flexion, Lateral Beugen und Extension); Schmidt et al. 2007 (Lateral Beugen und Flexion, Lateral Beugen und Rotation, Flexion und Rotation); Schmidt et al. 2009 (Lateral Beugen und Flexion, Lateral Beugen und Extension). Das heißt: keine Übungen wie Twisting Sit-Ups oder Russian Twists.

Wir fanden ein paar Studien die sagten, dass spinale Extension ein großes No-No ist. (Adams et al., 2000; Shah et al., 1978). Das heißt: keine Supermans.

Einige Studien zeigten, dass spinale Rotation schlecht für Dich ist. (Costi et al. 2007; Natarajan et al. 2008). Das heißt: kein Seitbeugen. Ganz ähnlich soll asymmetrisches Training negative Effekte haben (Natarajan et al. 2008). Das heißt: keine unilateralen Übungen oder Tragemanöver mit Gewicht.

Hier werden die Sachen interessant. Wir fanden 18 verschiedene Studien, die zeigten dass dynamische oder statische Kompression eine schlechte Idee ist. (Virgin 1951; Liu et al. 1983; Lai et al. 2008; Lotz et al. 1998; Tsai et al. 1998; Iatridis et al. 1999; Lotz et al. 1998; Kroeber et al. 2002; MacLean et al. 2003; Hsieh und Lotz 2003; MacLean et al. 2004; Ching et al. 2004; Masouka et al. 2007; Veres et al. 2008; Lai und Chow 2010; Nakamura et al. 2009; Wang et al. 2007; Huang und Gu 2008). Das heißt nicht nur: keine Kniebeugen, Kreuzheben und Stabilitätsübungen für den Kerl, es heißt auch keine körperliche Aktivität mit freien Gewichten, da jede muskuläre Kontraktion Kompressionskräfte auf die Wirbelsäule verursacht. Wir hätten es wissen sollen, da schweres Training schlecht für den Rücken ist (Lee und Chiou 1994; Kelsey et al. 1984), genauso wie Überaktivität (Videman und Battie, 1999). Nun wissen wir also, dass Gewichtheben und intensives Training rausfliegen.

Es geht immer weiter. Wir fanden Studien, die besagten dass jede Art von alltäglicher Aktivität schlecht für den Rücken ist, selbst Sitzen und Bettruhe. Vielleicht sollten wir uns einfach erschießen, bevor wir uns für unser weiteres Leben schädigen?

Versauen Crunches Deine Haltung?

Die Theorie besagt folgendes: Crunches verkürzen den Rectus Abdominis. Da der Rectus Abdominis vom Sternum/Brustkorb bis zum Becken läuft, wird der Muskel auf Dauer durch Abwärtsbewegung des Brustkorbs verkürzt, was zu einer Kyphose (Rundrücken) führt. Interessante Theorie. Sie ist allerdings komplett unbelegt.

Wie bei vielen Theorien ist hier im Kern etwas Wahres dran. Wenn ein Muskel für lange Zeit in der verkürzten Position ist, führt das zu einer kürzeren Länge im entspannten Zustand. Zum Beispiel: Wenn Du Deinen Arm in einer Schiene in angespannter Position über mehrere Wochen hast, wird Dein Arm später dazu neigen in der angespannten Position zu bleiben, sobald die Schiene entfernt wurde.

Das liegt an der Anpassungsfähigkeit. Die Ellenbogenflexoren (Bizeps, Brachialis, etc.) verlieren Sarkomere, während Sarkomere auf der antagonistischen Muskelgruppe hinzugefügt werden. (Tolgo & Boutellier, 2006). Dies wird mit dem Begriff "adaptive Verkürzung" benannt.

Vielleicht erkennst Du den Widerspruch der Hypothese, dass Crunches den Rectus Abdominis verkürzen, nämlich da Crunches keine Verkürzungs-Übung sind! Sie sind eher eine Übung mit exzentrischer Aktion, welche den Rectus Abdominis wieder auf die Ruhelänge zurückbringt.

Damit wäre jeder potenziell negative Effekt von verkürzender Kontraktion und Veränderung der Nummer der Sarkomäre wieder ausgeglichen durch die verlängernden Effekte der exzentrischen Aktion. Netto heißt das: Kein Unterschied.

Einige Leute von der Anti-Crunch-Fraktion argumentieren noch damit, dass die Ausführung von Übungen mit spinaler Flexion (wie Crunches) den Rectus Abdominis zu sehr stärken, sodass es seinen Antagonisten überschattet und den Brustkorb damit nach unten zieht.

Das ist eine Milchmädchenrechnung. Es stimmt zwar, dass Imbalancen von Muskeln zu Haltungsproblemen führen können – Ich bin sicher, dass die Brust-Bizeps Pumper irgendwann so nach innen rotiert sind, dass sie sich nicht mehr am Hinterkopf kratzen können. Aber das heißt nicht, dass Du nicht Bankdrücken und Curls machen sollst.

Das Problem liegt hier an schlechter Trainingsgestaltung, nicht an schädlichen Übungen.

Das gilt auch für Crunches. Klar, wenn eine Zilliarde Crunches jeden Tag gemacht wird und keine andere Muskelgruppe trainiert wird, führt das zu Haltungsschäden.

Aber in einem ausgeglichenen Trainingsplan spielt das gar keine Rolle. Jede stehende Übung mit freien Gewichten wird die Kernmuskulatur stark belasten, besonders die hinteren Muskeln, die Antagonist zum Rectus Abdominis sind (Schoenfeld 2010, Lehman 2005). Es sollte außerdem angemerkt werden, dass die Durchschnittsperson zu schwachen Bauchmuskeln neigt (Morris et al. 2006), also würden diese sehr großen Nutzen aus Übungen mit spinaler Flexion ziehen.

Um zusammenzufassen, es gibt keinen überzeugenden Beweis dass Crunches als Teil eines Ganzkörpertrainings irgendwelche negativen Effekte auf die Haltung haben.
Führen Crunches zu zusätzlichen Dysfunktionen? Wie der Atmung, oder der Glutes?

Wenn Crunches tatsächlich den Brustkorb nach unten ziehen und eine Kyphose verursachen würden, dann könnte man spekulieren dass es zu Dysfunktionen des Atmens und Minimierung der Glute-Aktivität kommen könnte. Doch, wie erwähnt, ist dies nicht der Fall.

Anekdotenhaft ausgedrückt: hunderte und tausende Athleten haben in den vergangenen Jahrzehnten großartigen Erfolg MIT Crunches gehabt. Wenn Crunches zur Verkürzung der Bauchmuskeln führen würden, hätte der Großteil dieser Athleten kein Anterior Pelvic Tilt, ein Hohlkreuz. Nun könnte man argumentieren, dass es schlau wäre hier Crunches zu machen, um das Becken nach oben zu ziehen. Somit könnte das Hohlkreuz gemindert werden und zu einer natürlicheren Haltung führen.

Sind Crunches eine unfunktionelle Übung?

Immer wenn jemand infrage stellt, dass Crunches so gefährlich wie Wakeboarden bei einem Tsunami sind, kommt schnell der Konter wie z.B.: "Wen kümmert´s ob sie gefährlich sind oder nicht? Crunches sind unfunktionell! Sie sind eine Übung mit kurzem Bewegungsumfang, ausgeführt mit dem Rücken auf dem Boden. Das kann sich in keinster Weise auf irgendetwas übertragen."

Wie unser Mentor Mel Siff immer zu sagen pflegte:

"Funktionelles Training ist jede Art von Training, welche jede relevante Fähigkeit der Biomechanik verbessert, welche nicht von unnatürlichen Abläufen ausgelöst wird."

Anti-Cruncher werden sagen, dass Crunches nur das Körpergewicht ein wenig nutzt und daher nicht schwer genug ist, um sich auf Bewegung mit hoher Kraft oder hoher Geschwindigkeit zu übertragen. Das ist absurd, er ist sehr einfach sich eine Kurzhantel vor die Brust zu halten, um die Intensität der Übung zu erhöhen. Du kannst auch einen knienden Crunch am Seil machen an einer Kabelstation. Damit kannst Du auch die Intensität des Trainings erhöhen.

Was sich am besten auf funktionelle Übungen überträgt, hängt ganz von der Aufgabe ab. Hier ist eine Tabelle, die Dir beim optimalen Übertrag aufs Training helfen soll.
KörperfunktionBeispieleÜbungskategorieBeispiele
Drehung und Stabilität der Hüfte, Stärke und Kraft Werfen eines Football oder Basketball, Werfen einer Diskus, Schwingen eines Schlägers, Schlagen eines linken Aufwärtshakens Übungen mit Rotation und Anti-RotationWoodchops, Landmines, Pallof Presses, Kabel oder Bandchops und Lifts
Seitbeugen der Hüfte und Stabilität. Stärke und Kraft Arme durchstrecken, Aufstehen, einen Jab schlagenÜbungen mit lateraler Flexion und anti-lateraler FlexionSeitbeugen, Side Planks, Koffertragen, Kabel oder Band-Seitbeugen
Hüftflexion und Stabilität, Stärke und Kraft Aufstehen von einer Bank, Gymnastikübungen mit der Hantel, sich gegen einen Schlag in den Bauch stützen, Schubsen wiederstehen wie beim Sumoringen, Werfen eines Fußballs über den Kopf Flexionsübungen und Anti-FlexionsübungenCrunches, Sit-Ups, hängendes Anheben der Beine, Planks, Ab Wheel Rollouts, Bodysaws
Hüftextension und Stabilität, Stärke und KraftTragen von schweren Lasten, Sachen vom Boden aufheben, aufrecht im Clinch stehenExtensionsübungen und Anti-FlexionsübungenKniebeugen, Kreuzheben, Rückenheben, reverse Hypers, Farmers Walk, Zercher Carries

Im Grunde genommen sind Stabilitätsübungen das Beste für Stabilitätsaufgaben, die anständige Funktion des Kerns fordert, während Stärkungsübungen effektiver für dynamische Aufgaben und Hypertrophie sind.

Wie Du siehst, eine Übung wie Crunches mit Zusatzgewicht können sich sehr wohl auf eine Menge funktioneller Aufgaben übertragen und sollten daher in keinem Programm für Funktionalität oder Leistung fehlen.

Gibt es eine gesunde Balance und heilen Bandscheiben wieder und passen sich an?

Es wurde von vielen erfahrenen Leuten gesagt, dass Bandscheiben nicht heilen. Das ist irreführend, es stimmt dass sie nur schwach durchblutet sind und selten angemessene Nährstoffe bekommen und es stimmt, dass Bandscheiben nicht schnell heilen. Proteoglykane Veränderungen können 500 Tage dauern (Urban et al. 1978) und die Veränderung von Kollagen dauern noch länger (Adams und Hutton 1982).

Und es stimmt, dass die Anpassungsrate von Bandscheiben weit hinter der von Skelettgewebe liegt (Maroudas et al. 1975; Skrzypiec et al. 2007).

Doch wie auch immer, es existieren eine Menge Beweise fürs Verheilen von Bandscheiben. Schon das logische Denken impliziert, dass Bandscheiben heilen müssen, sonst würde jemand mit einer Verletzung in diesem Bereich ja nie Besserung spüren. Wir würden alle nur immer stärkere Schmerzen haben, bis wir uns nicht mehr bewegen könnten.

In epidemiologischen Studien wurde gezeigt, dass es ein optimales Fenster zum Beladen der Wirbelsäule gibt, irgendwo zwischen Bettruhe und Überaktivität (Videman et al. 1990).

Eine gesunde Balance scheint bei spinaler Kompression (Hutton et al. 1998; Lotz et al. 2002; Walsh und Lotz 2004; Wuertz et al. 2009; MacLean et al. 2005) und spinaler Rotation aufzutreten (Chan et al. 2011). Positive Aspekte vom spinalen beugen wurden auch in den Bandscheiben festgestellt (Lotz et al. 2008; Court et al. 2001).

Weiterführend zeigen 16 verschiedene Studien, dass Bandscheiben sich reparieren und anpassen. Viele Zeitschriften haben darüber berichtet. (Lotz 2004; Stokes und Iatridis; Adams und Dolan 1997; Porter 1987), andere Zeigten, dass Schaden aus Flexion heilen kann (Court et al. 2007), Schaden durch Kompression kann heilen, (Lai et al. 2008; Korecki et al. 2008; MacLean et al. 2008; Hee et al. 2011), Vorfälle können sich verbessern (Scannell und McGill 2009), Schäden können heilen (Girard et al. 2004; Wood et al. 1997), die Hülle kann sich stärken (Skrzpiec et al. 2007), das Kollagen in den Bandscheiben kann sich umformen und stärker werden (Brickley-Parsons und Glimcher, 1984), und Fasern, Sehnen und Bänder werden gestärkt um dem Gewicht zu wiederstehen.( Porter et al. 1989; Adams and Dolan 1996).

Bei jeder Bewegung Deiner Wirbelsäule entstehen im Gewebe Mikrotraumata, welche zu anabolen und katabolen Prozessen führen. Idealerweise willst Du den Schaden gering halten, da großflächiger Schaden zu Nachteilen führen kann.

Zum Beispiel: ringförmiger Schaden wir mit Granulationsgewebe repariert und die Narbe wird nie dieselbe Lamellenstruktur bekommen (Hampton et al. 1989). Verletzungen an der Endplatte der Wirbelsäule heilen mit Knorpelgewebe (Cinotti et al. 2005; Holm et al. 2004), Faserknorpel wird ersetzt Kernmaterial (Kim et al. 2005) und ein heilendes verletztes Gewebe wird oft von einer dünnen Schicht von schwachem Fasergewebe ersetzt (Fazzalari et al. 2001).

Eine Stress – Eustress Lösung?

Die Erforschung der Biomechanik ist einzigartig, da sie nicht nur die Kraft und den Stress behandelt, der auf das menschliche Gewebe wirkt, sondern auch die Anpassungsprozesse betrachtet. Die ideale Situation in der Trainingsgestaltung ist ein Nichtvermeiden von Stress; es behält den Körper in Eustress, während Distress vermieden wird, was sicherstellt dass die anabolen Komponente innerhalb des Gewebes den katabolen überlegen sind, sodass das volle Potenzial der Reparation, Erholung und Stärkung erreicht wird.

Zusammenfassung

Wir hoffen, dass wir Euch eine Menge Gedankenfutter geben konnte, dass Euch überzeugt mehr logisch als emotional die Entscheidungen über eine Übung zu treffen. Ein erfahrener Athlet wägt alle vorhandenen Beweise ab und führt sie zu einer angemessenen Lösung zusammen aus neutraler Sichtweise, ohne dass Meinungen vorgefestigt sind.

Wir glauben, dass die zukünftige Forschung die Sicherheit des Crunches bestätigt und positive Effekte beweist, doch diese Forschungen müssen an lebenden Menschen ausgeführt werden, mit MRTs vor und nach der Belastung. Gleichzeitig sollte durch ein realistisches Trainingsregime die korrekte Technik sichergestellt werden.