Frage #1: Was ist das überhaupt?
Es gibt bekanntlich zu jedem erdenklichen Thema statistische Erfassungen, manchmal auch nur bedingt sinnvoll. Zum Beispiel die beliebtesten Möbelstücke der Deutschen für Sex (überraschenderweise wurde hierbei das Bett mit deutlichem Abstand am häufigsten genannt). Unter der Google-Suche "Bekanntheitsgrad CrossFit" habe ich hingegen nichts Verwertbares finden können, daher kann ich nur aus meinem persönlichen sozialen Umgang Schätzungen abgeben. Über alle Schichten - VWL-Professor, Mutti und bloggender Hipster-Freund aus Berlin-Mitte eingeschlossen - würde ich den Anteil jener, die immerhin eine vage Ahnung davon haben, auf etwa 30 % schätzen. Der Umgang mit den restlichen 70 % bringt mich immer wieder in Erklärungsnöte.- ____________________________________________________________________
Wie beschreibt man etwas derart Undefiniertes? Und dann am besten noch so, dass es nicht a) in unsympathischer Weise übertrieben elitär (oder gar militärisch!) erscheint oder b) wie etwas, das schon Turnvater Jahn zu altmodisch und einfallslos gewesen wäre.
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Es handelt sich um ein ganzheitliches Fitnesstraining, dass von soldatischer Ausbildung inspiriert ist. Im Mittelpunkt steht klassisches Krafttraining, vor allem Olympisches Gewichtheben und die Powerlifting-Disziplinen, ergänzt durch Eigengewichtsübungen, Turnelemente, Lauf- und Springdisziplinen und Ausdauersportarten wie Rudern oder Schwimmen. Das Training findet in Gruppen unter Anleitung eines Trainers statt. Sämtliche Ergebnisse – Gewichte, Zeiten, Weiten, Runden usw. – werden grundsätzlich gemessen, so dass die Athleten sich mit ihren Mitstreitern vergleichen und Fortschritte messen können. CrossFit ist aber vor allem eins: Toll!Funfacts: Aus ökonomischer Sicht ist CrossFit eine Marke, die sich im Besitz der CrossFit Inc. befindet. Just saying.
Frage #2: Ist das nicht gefährlich?
Die meisten Unfälle mit Todesfolge geschehen immer noch im Haushalt. Das ist auch der Grund, warum ich nach dem in lediglich jährlicher Frequenz durchgeführten Fensterputzen beim Blick nach draußen jedes Mal denke: "Wow, die Welt in HD!"Spaß beiseite: Ja, CrossFit-Training ist kein folklorischer Singkreis. Das muss man vorher wissen. Es ist schnell, es ist ermüdend, und es gilt, viel, viel Eisen zu bewegen; leider allzu häufig unter der Anleitung mittelmäßiger bis erbärmlicher Trainer.
Zu der potenziellen Unfallgefahr gesellen sich aus orthopädischer Sicht strittige Übungen oder Übungsausführungen und ein gekonntes Ignorieren von Muskelkater, Erschöpfung des Zentralnervensystems und der eigentlich so in Stein gemeißelten 48-Stunden-Regenerationsregel.
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Vielleicht sollte man davon einfach ganz die Finger lassen. So wie auch von zu schnellen Motorrädern, Sonnenbaden unter Lichtschutzfaktor 30 und den Drogen, die wir doch alle schon mal ausprobiert haben.
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Frage #3: Werde ich nicht alle meine Gainz verlieren?
Google doch mal Jason Khalipa. Sollte dein Bizeps eine mächtigere Optik aufweisen, dann, ja dann, ist deine Sorge um Muskelschwund durch resultierend aus dem katabolen Ungeheuer "Schnellkraftausdauer" berechtigt.Objektiv betrachtet würde es natürlich kein Games-Athlet zum IFBB-Pro bringen. Auf der CrossFit-Weltbühne bekommt man keine kaigreenartigen Oberschenkel und keine wasserlose Muskulatur zu sehen.
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Aber lehne ich mich allzu weit aus dem anabolen Fenster, wenn ich Folgendes behaupte: Gute CrossFiter bringen eine Optik mit, hinter der sich 99% der durchschnittlichen Studiogäste – bildlich und wörtlich gesprochen – verstecken könnten!
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Frage #4: Warum ist das alles auf Englisch?
Ah, come on Bro! Es ist 21. Jahrhundert und dieses ganze Internetz und so. Handel mit es!Frage #5: "Ein Freund" hat schon seit Jahren keinen Sport mehr getrieben und ist überhaupt nicht fit. Ist das trotzdem was für "ihn"?
Selbstverständlich! Sollte sich ein profitorientiertes Unternehmen etwa auf einen Nieschenmarkt beschränken, dessen Nachfrageseite sich ausschließlich aus einer sportlichen Elite zusammensetzt? Wäre doch ähnlich erfolgversprechend wie diese Idee mit dem veganen Hundefutter. Also überhaupt nicht.Ja, CrossFit verkauft sich gern furchterregend, und das ist gewiss eine heikle Marketingstrategie, die den einen Menschenschlag anlockt und den anderen davon abhält, jemals einen Fuß in eine Box zu setzen. Und dabei ist das Klientel dort so bunt wie die Menscheit an sich:
Übergewichtige, Rollstuhlfahrer, Rentner, Dauerverletzte, CrossFit-Kids®, was immer du dir vorstellen kannst. Also: Trau dich ruhig, denn auch ein Wrack ist ein Ort, an dem ein Schatz schlummert.
Frage #5: Warum ist das eigentlich so teuer?
Eine viel gestellte und so ketzerische Frage, die vom CrossFit-Gründer und –CEO Greg Glassman vielleicht am ehesten so beantwortet werden würde: "Weil da so viel Stroh liegt."Ich selbst als studentische Dauerpraktikantin und Crossfitern (na gut, CrossFit-Trainierende wäre vielleicht der passendere Ausdruck) bin wohl ein Präzedenzfall finanzieller Absurdität. Daher musste ich schon oftmals Antworten finden, und ich habe mir mittlerweile so einige zurecht gelegt.
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Zunächst ist CrossFit wie oben beschrieben eine geschützte Handelsmarke. Der ist nicht umsonst zu haben, da kann die Homepage der CrossFit, Inc. auch noch so oft betonen: "Wir sind kein Franchise und werden es niemals sein."
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Im Vertrauen: So horrend ist dieser Betrag für die Nutzungsrechte am Markenname gar nicht. Und die Startinvestitionen, die für die Beschaffung des Equipments anfallen, ebenso wenig. Gut, vieles ist schon um ein schockierendes Vielfaches teurer, als man vermuten würde. Eine gute AMRAP-, Tabata- und EMOM-programmierbare digitale Wanduhr kostet einen höheren dreistelligen Betrag. Aber was ist das schon im Vergleich zu einem Gerätepark, den ein McFit finanzieren muss, von 20 € Mitgliedsbeitrag? Also, wo steckt denn nur dieser garstige Kostentreiber im CrossFit?
Vielleicht ist das ein Grund: Ein gewöhnliches Fitnessstudio trägt sich wirtschaftlich von Karteileichen, in Scharen herbeigeströmt am 1. Januar, abgefrühstückt mit fundamentlosen Trainingsplänen von der Stange und nach wenigen Wochen nur noch auf dem Kontoauszug des Betreibers existent.

Aus Ertragssicht ein Füllhorn ohne Boden. Mitglieder einer Crossfit-Box lassen sich weniger leicht abschütteln. Ernsthaft, der psychologische Sog ist so viel höher, dass sich die Kapazitätsauslastung auf einem ganz anderen Niveau bewegt. Kleine Trainingsgruppen von oftmals nicht mehr als 10 Leuten unter direkter, intensiver Betreuung inklusive technischer Schulung und weitsichtigem Programming– das ist halbes Personaltraining. Und was das kostet, ist uns allen ungefähr präsent.
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Ich könnte jetzt die rührende Geschichte auspacken von einem mir bekannten Boxbetreibers, der sich in der Gründungsphase seiner "Affiliate" von Bohnen aus der Dose ernähren musste (das ist ja noch nicht mal Paleo!). Aber das ist vielleicht das untere Extrem. Eines ist jedoch Fakt: Von Glassman abgesehen, ist wohl noch keiner reich geworden mit CrossFit.
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Am meisten überzeugt mich folgende, simple Begründung: Die Betreiber können so viel verlangen, weil die Menschen es zu zahlen bereit sind.
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Das ist der Effekt von Marken, höhere Renditen durch Reputation durch geistiges Eigentum durch kreative Leistung. Sei es ihren Gründern vergönnt. Manches ist eben, wie es ist.
Bilder: Alejandro Martinez | Angry JulieMonday