Ein Artikel von Bodybuilding.com
Von David Robson

Einer der weltweit angesehensten und populärsten Bodybuilding-Champions, Ken "Flex" Wheeler, hat scheinbar unüberbrückbare Schwierigkeiten überwunden, um als einer der wirklich Großen des Sports Anerkennung zu finden.

Noch bevor er sich mit seiner unvergleichlichen Kombination von Größe und Ästhetik bemühte, frischen Wind in die Bodybuilding-Welt zu bringen, hatte Flex nach seinem Sieg über Armut, Missbrauch und Selbstzweifel bereits einen beachtlichen Körperbau und eine überlegene Mentalität aufgebaut.

Flex' Körperbau ist die perfekte Verschmelzung einer ektomorphen und mesomorphen Figur (kleine Knochenstruktur mit gewaltiger Muskelgröße), was ihn zum Ausdruck der begehrten Kombination von ausgewogener Muskelmasse und Symmetrie macht.

Flex wurde IFBB-Profi, nachdem er die NPC USA 1992 gewonnen hatte. Darauf folgten 3 Siege bei den Arnold Classics und viele andere Titel, was ihn wahrhaftig zu einem der größten Bodybuilder aller Zeiten machte. Der einzige Titel, der Flex nie vergönnt war, ist der Mr. Olympia, wo er bei etlichen Gelegenheiten immer nur knapp unterlag.

Seit dem Beginn seiner professionellen Laufbahn erfuhr Flex viel Unglück, das man noch nicht mal seinem ärgsten Feind wünschen würde. Ein schwerer Autounfall hätte 1994 fast seine Karriere als Bodybuilder beendet und als Opfer eines missglückten Autodiebstahls 1997 war es ihm nicht möglich, beim Mr. Olympia anzutreten. Diese Ereignisse drängten Flex zunehmend tiefer in die Depression, bevor er im Jahr 2000 mit der Diagnose einer aggressiven Leberkrankheit namens fokal segmentaler Glomerulosklerose den schwersten Schlag hinnehmen musste, der auch letztendlich seine Bodybuildingkarriere ruinierte.

Da er schon immer ein Kämpfer war, kam Flex 2001 zurück um beim Mr. Olympia teilzunehmen. Die Teilnahme stellte sich aber als sehr unzuträglich heraus und Flex landete mit einem erneuten Nierenschaden im Krankenhaus. Nach einer Nierentransplantation gab er sich einem Trainingsprogramm hin, dass ihm die Teilnahme an Kampfsportwettbewerben ermöglichen sollte, ein Sport in dem er mit Anfang zwanzig alles übertraf. (70 Kämpfe unbesiegt)

Daraufhin gewann Flex seinen Kampf bei den Arnold Classics 2005, in welchem er ein enormes athletisches Geschick zur Schau stellte und seine frühere gebrechliche Verfassung widerlegte. Viele lobten die im Kampf demonstrierte Qualität seiner Statur, der Statur eines Mannes, der bereit war wieder einer der größten Champions der Neuzeit zu werden.

Mit 39 kam Flex der Gedanke, erneut eine Bodybuildingkarriere anzustreben. Er kann, um dieses Ziel zu erreichen, mittlerweile ausreichend trainieren und essen, solange es seine Nierenstörung zulässt. Ein weiteres Ziel seinerseits ist es, Bedeutung in der Schauspielerei zu erlangen, mit seinen 105kg Körpergewicht bei 5% Körperfett sind natürlich Kampfkunstfilme das Genre seiner Wahl.

Seine nächste Station wird allerdings ein größeres Sportprojekt sein, das laut Flex die Welt im Sturm erobern wird. Natürlich kann er im Moment nicht alle Details verraten, aber er ist sich sicher, dass es das Gesicht des Sports für immer verändern wird.

Frage: Hi Flex. Schöner Kampf bei den Arnold Classics 2005! Trainierst Du jetzt schwerpunktmäßig den Kampfsport, oder dürfen sich deine Fans auf ein Comeback im Bodybuilding freuen?

Antwort: Ein Comeback im Bodybuilding ist wirklich nicht unwahrscheinlich. Ich hoffe, dass es die Masters Olympia wieder geben wird, denn ich bin ziemlich zuversichtlich, dass ich die gewinnen könnte. Wenn nicht, werde ich wohl wieder an normalen Wettkämpfen teilnehmen.

Was den Kampfsport betrifft, so will ich die Gelegenheit nutzen und klarstellen, dass ich nicht versuche irgendjemandem zu beweisen, dass ich der beste Kämpfer der Welt bin, denn das bin ich nicht.

Es wurde immer gesagt, dass ich vor meiner Karriere als Bodybuilder Kampfsportler war, aber niemand hat mich jemals kämpfen sehen und wie ihr sicher wisst, hat heutzutage jede Großmutter einen schwarzen Gürtel. Also wollte ich denen allen beweisen, dass ich kein Versager, sondern ein etablierter und hingebungsvoller Kampfsportler bin.

Eines meiner Hauptziele ist es, mit Hilfe von Arnold Schwarzenegger und Jim Lorimer, ins Filmgeschäft einzusteigen. Es gibt keinen Schauspieler in meiner Größe und Statur und mit meinem Namen, der auch noch so kämpfen kann wie ich. Dadurch habe ich bis jetzt schon einige großartige Angebote für Filme bekommen.

Außerdem gibt es niemanden, der als einer der Größten in seinem Sport aufgefasst wird und dann einfach zu einem anderen Sport wechselt, nur um dort auch wieder weltweite Anerkennung zu sammeln. Diesen Stoff will ich auf die Bühne oder auf die Leinwand bringen.
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Frage: Welcher Kampfsportler gefällt Dir am besten? Und was für eine Kampfkunst übst Du im Moment aus?

Antwort: Ich bin ein großer Fan von Jet Lee, Jackie Chan und einem Haufen anderer Kampfkünstler, aber keiner von denen sieht aus wie ich. Meine Kampfkunst heißt Kemp-Kwon-Do, weil einer meiner Trainer ein 4. Dan in Tae Kwon Do und der andere ein 7. Dan in Kempo ist.

Beide Kampfstile sind zusammen effektiver. Wenn man sich olympisches Tae Kwon Do anschaut, dann hat das nichts mit meinem Kampfstil zu tun. Du darfst Deinen Gegner beispielsweise nicht im Gesicht treffen. Das ist mir alles freigestellt.

Unser Stil ist ein sehr wehrhafter, indem ich meinem Gegner mit nahezu jeder Technik vom Knie bis zum Kopf angreifen kann. Ich will mich selbst nicht als olympischen Tae Kwon Do-Kämpfer hinstellen, denn auch das bin ich nicht. Ich denke, ich bin etwas besseres, denn ich bin sowohl mit meinen Händen als auch mit meinen Füßen vernichtend.

Frage: Hat sich an Deinem harten Bodybuilder-Leben etwas verändert, als Du Dich auf den Kampf bei der AC 2005 vorbereitet hast?

Antwort: Ich habe meine Leistung im Training ziemlich runtergeschraubt, habe aber gleichzeitig versucht so fit wie möglich zu bleiben, besonders seit ich meine Nierenprobleme halbwegs überwunden habe. Mein Ziel war und ist es immer, meine Statur beizubehalten. Damit bin ich an ein Problem geraten, das viele Leute nicht verstehen.

Ein paar Leute werden mich letztes Jahr gesehen haben, mit einem Gips und einem Arm in einer Schlinge. Ich hatte mir während des Trainings für den Kampf einen schlimmen Riss in der Rotatorenmanschette zugezogen. Sie mussten eine Schraube einsetzen, um alles wieder so zu richten wie es war. Das war im November letzten Jahres. Danach war mein Arm 6 Wochen eingegipst und ich hatte einen heftigen Muskelschwund auf meiner ganzen rechten Körperseite zu verzeichnen. Dadurch hatte ich vor dem Kampf nur 2 Wochen Zeit, meine rechte Seite zu trainieren.

Frage: Über Deine gesundheitlichen Probleme wurde viel berichtet. Wie geht es Dir Moment so?

Antwort: Keine anderen großen Probleme im Moment. Ich kann meine Schulter noch nicht zu 100% bewegen. Die Ärzte sagen, dass eine vollständige Genesung etwa 6 Monate dauert, also hab ich ja noch einen Monat.

Dennoch fühlt sich der Schultergürtel ziemlich schwach an und ich bin Moment dabei, meine alte Kraft wiederzuerlangen. Abgesehen davon leide ich unter Verletzungen wie gebrochenen Fingern oder geprellten Knöcheln, das ist aber unvermeidbar im Kampfsport.

Frage: Was denkst Du über die Körper der Athleten bei den Arnold Classics 2005? Wie machen sich die heutigen Wettkämpfer im Vergleich zu denen der 90er?

Antwort: Ich denke, ihr wisst alle nur zu gut, dass die Qualität nicht vergleichbar mit den 90ern ist, als Shawn Ray, Chris Cormier, Kevin Levrone, Paul Dillett, Milos Sarcev und ich unsere besten Zeiten hatten. Es war eine ganze Weile danach nicht mehr so.
Allerdings muss man sagen, dass einige Leute ihr Potential richtig ausgenutzt haben. Leute wie Dexter Jackson und Chris Cormier, die schon seit einiger Zeit am Ball bleiben.
Leute wie Melvin Anthony, der mit seinen außerordentlichen Posings die Messlatte verdammt hoch legt oder junge Kerle wie Troy Alves und Victor Martinez, die sich wirklich steil auf ihrem Weg nach oben befinden.

Aber ohne respektlos zu sein, es ist einfach nicht mehr wie früher, als Du Namen wie Lee Labrada, Vince Taylor, oder andere bereits erwähnte, auf der Bühne hattest.

Frage: Was sind deine Ziele außerhalb des Bodybuildings?

Antwort: Wie ich bereits sagte, ich würde gerne in das Filmgeschäft einsteigen, da ich der Meinung bin, dass die Filmbranche einen solchen Körper noch nie gesehen hat. Außerdem verhandle ich gerade über ein spezielles Projekt, über das ich im Moment noch nicht reden kann. Ich habe zwar grünes Licht, aber ich darf noch nicht zu viel preisgeben, außer dass es umwerfend sein wird.

Frage: Kannst Du uns einen kleinen Tipp geben, was es denn sein könnte?

Antwort: Ich kann Dir nur sagen, dass es mit allen Sportarten auf bedeutender internationaler Ebene zu tun hat.

Frage: Das hört sich ja schon mal spannend an. In welche Geschäfte bist Du zurzeit noch verwickelt?

Antwort: Ich arbeite im Moment für die Zeitschrift Muscular Development und schreibe verschiedene Kolumnen. Außerdem reise ich um die Welt und spreche über Nierenerkrankungen als Hauptredner.

Frage: Viele halten Dich für einen der größten, wenn nicht den größten Bodybuilder aller Zeiten. Dennoch hast Du bis heute keinen Mr. Olympia-Titel gewonnen. Bereust Du irgendetwas und findest Du, dass Du diesen Titel an einem gewissen Punkt hättest gewinnen müssen?

Antwort: Offensichtlich bereue ich etwas. Ich bin ein Raubtier wenn es um Wettkämpfe geht. Ich liebe es zu gewinnen, ich hasse es zu verlieren. Dennoch muss ich sagen, dass alles aus einem bestimmten Grund geschieht. Es ist ein großes Kompliment, dass mich Leute als einen der Größten ansehen, auch wenn ich nie die Krone gewonnen habe.

Heute ist es für mich die größte Befriedigung, dass ich von den vielen Leuten weiß, die mich für einen der besten Bodybuilder halten, der jemals eine Bühne betreten hat. Es gibt sogar einige Mr. Olympias, denen nachgesagt wird, sie seien nicht unter den Besten der Welt. So gesehen ist es für mich einerseits enttäuschend, andererseits aber bin ich glücklich darüber, wie so viele Leute über mich denken.

Frage: Was ist deiner Meinung nach die größte Leistung, die Du im Bodybuilding erbracht hast?

Antwort: Alles in allem muss meine größte Leistung im Bodybuilding wohl an dem gemessen werden, was ich an persönlichen Erfahrungen und in meinem Privatleben durchgemacht habe. Der ganze Tumult in den ich immer verwickelt war und meine Kindheit, durch die ich erst kriechen musste, um aufstehen zu können.

Alles was ich erreicht habe, war ein riesiger Erfolg, betrachtet man die Hindernisse, die ich zu überwinden hatte. Ein Kind der Sozialhilfe, selbstmordgefährdet, das mit sexuellem Missbrauch leben musste.

Kenny Wheeler musste in die Rolle des Flex schlüpfen und sich selbst einem weltweiten Publikum bekannt machen und genau das setzt ein Beispiel für all die Leute, die sich mit einem oder mehreren meiner Probleme herumschlagen mussten. Das zeigt ihnen, dass auch sie so etwas in ihrem Leben erreichen können.

Ich will die Leute aufklären, dass sie mit dieser Art von Problemen umgehen lernen müssen und etwas Großes erreichen können, anstatt Kriminelle zu werden, ein Loser, ein Niemand.
Junge, wenn ich das geschafft habe, glaubt mir, dann kann das jeder!

Frage: Du hast auf jeden Fall einige unglaubliche Dinge im Bodybuilding erreicht. Aber warum hast Du mit den Wettkämpfen so plötzlich aufgehört?

Antwort: Nun, es lag eigentlich hauptsächlich an meiner Krankheit, die im Jahr 2000 entdeckt wurde. An mir wurden über ein Jahr lang Tests durchgeführt. Nach der Olympia kam dann das Resultat. Es hat alles in ein anderes Licht gerückt.

Man sagte mir, dass ich die aggressivste Nierenkrankheit habe, die bekannt ist. Und das es keine Heilung gab. Man sagte mir auch, dass mein Leben auf der Kippe stünde und ich unbedingt eine Nierentransplantation bräuchte.

Vor der Diagnose wurde es für mich zunehmend schwerer und ich bekam Probleme bei den Wettkampfvorbereitungen. Jeder weiß, dass es mehr als fraglich war, ob ich jemals wieder härter werden würde.

Niemand konnte mir sagen wie lange ich diese Krankheit zu diesem Zeitpunkt schon hatte und wie weit sie fortgeschritten war. Das war für mich immer die Erklärung, warum ich nie wieder zu meiner alten Form, wie beispielsweise bei den Arnold Classics 1993, zurückgefunden habe.

Man sagte mir, das wäre die letzte Wettkampfvorbereitung gewesen, die nächste hätte ich nicht überstanden. Ich habe auch nicht verstanden, dass ich meine Gesundheit so sehr aufs Spiel setzte. Ich habe gemerkt, wie meine Nieren langsam versagen und während dem Wettkampf haben sie begonnen heftig zu schmerzen, nach einer Pause ging es dann besser.

Meine Krankheit hat mir dabei geholfen zu verstehen, warum ich mein Training und meine Vorbereitungen auf diesem Level nicht beibehalten konnte. Was weder ich noch die Ärzte verstanden, war, bis es dann schließlich zu spät war, dass die Faktoren Training und Ernährung meinen Nieren mehr als unzuträglich waren.

Danach sagten sie mir nur, dass alles was ich esse dazu beiträgt, wie lange ich auf meine Nierentransplantation warten muss und kann. Die gefährlichste Sache war dabei der Proteingehalt und die Kaliummenge der Lebensmittel.

Ich musste entscheiden, was für mich wichtiger ist: den mühsam aufgebauten Körper zu erhalten oder eine komplett andere Richtung einzuschlagen und dadurch wieder auf ein normales Level zu kommen. Neun potentiell lebensgefährliche Operationen in 11 Wochen, ich wusste nicht, dass es so hart werden würde.

Anmerkung des Autors: Flex hat fokal segmentale Glomerulosklerose (FSGS). Es betrifft die Nieren, indem es die Nierenkörperchen (Glomeruli) angreift, die kleinen Bestandteile der Niere, in denen das Blut gereinigt wird. Als Folge gelangt Eiweiß in den Urin, was die Nieren schädigen und letztlich auch zerstören kann.

Frage: Und trotzdem bist Du wieder zurück auf die Bühne, diesmal allerdings natural. Wie ist Dir das gelungen?

Antwort: Was viele Leute nicht wissen (und ich werde es offen und ehrlich zugeben), ist die Tatsache, dass ich, obwohl ich 2001 natural an Wettkämpfen teilgenommen habe, den Rest des Wettkampftages und den Mittwoch darauf im Krankenhaus verbracht habe.
Ich litt unter akutem Nierenversagen. Die Ärzte sagten mir, dass ich so nicht weitermachen könne, egal ob mit oder ohne Stoff. Sie sagten mir, dass ich nicht auf meine gewohnte Weise weitertrainieren könne, da ich häufig bis zum Muskelversagen ging. Wenn Du trainierst, dann kommt es zum Muskelversagen und dieser Prozess schlägt sich auf deine Nieren nieder.

Frage: Im Moment trainierst Du eher für Kampfsportwettkämpfe. Wirkt sich das auch negativ auf deine Nieren aus?

Antwort: Ich kann wieder trainieren wie ich möchte, dank meiner Nierentransplantation. Aber viele Leute verstehen nicht, dass meine Krankheit niemals verschwinden wird. Es gibt keine Heilung. Wenn Du einen Herzfehler hast und ein neues Herz bekommst, dann hat sich der Herzfehler erledigt. Diese Krankheit ist anders. Sie wird nie verschwinden.

Mittlerweile kann ich wieder hart trainieren und essen was ich möchte, auch eine hohe Proteinzufuhr ist kein Problem, ich muss nur auf zu viel Natrium achtgeben. Ich kann all das wieder in normalem Ausmaß tun, weil ich eine funktionierende Niere habe, aber ich muss clever genug sein diese Niere nicht auch noch zu tilgen.

Selbst nach meiner Krankheit bin ich immer noch muskulöser als der Durchschnittsmann, deswegen muss ich aufpassen. Das sage ich, weil viele Menschen denken, dass die Krankheit durch Steroide entstanden ist und ich deswegen nicht früher damit rausgerückt bin.

Doch würden die Leute mal recherchieren, so würden sie feststellen, dass die Krankheit ist was sie ist.

Ich bin Sprecher der Stiftung "Nephcure" und ich habe mit Eltern von 12- oder 13-jährigen Kindern geredet, die unter dieser Krankheit leiden.

Wenn das der Fall ist, wie kann dann mein Steroidkonsum dazu beigetragen haben? Ich bin sehr froh, dass meine neue Niere nicht abgestoßen wurde oder der Krankheit zum Opfer gefallen ist, denn ich weiß von neun Jahre alten Kindern, die bereits ihre dritte Nierentransplantation hinter sich haben. Nach ihrer ersten Transplantation wirkt sich die neue Niere verheerend auf ihren Körper aus und schon bekommen sie die nächste. Ich kann froh sein, dass mir das nicht passiert ist, doch das könnte es, jederzeit.

Ich habe wirklich geglaubt, dass die Schuld daran nur die Dinge tragen, die ich in meiner Karriere gemacht habe, also dachte ich mir, dass ich mit diesen Dingen aufhören müsse, um ein erfülltes und langes Leben zu haben und mir um die Zukunft meiner Kinder keine Gedanken machen zu müssen. Aber es ist nunmal so wie es ist und ich werde mir auch den Rest meines Lebens Sorgen um meinen Sohn, meine Tochter und meine Enkel machen.

Anmerkung des Autors: Ein Arzt hebt besonders hervor, dass Flex' Steroidgebrauch nichts mit dem Ausbruch der Krankheit zu tun hat, die ohne jedes Anzeichen meist bei Afroamerikanern mit etwa 25 Jahren vorkommt.

Frage: Also kannst Du, im Rahmen der Vernunft, alles essen nach was es Dir beliebt? Wie sieht Deine Ernährung zurzeit aus?

Antwort: Ich bin ein richtiger Ektomorph, ich brauche keine riesigen Mengen an Essen. Heute würde ich nicht mal die Hälfte dessen essen, was ich damals als Profi gegessen habe und folgerichtig gehe ich auch kein Risiko für meine Nieren ein.

Verrückt ist allerdings, dass mein Körper nur dann Nahrung braucht, wenn ich wirklich aktiv bin. Wenn ich nichts tue, dann reicht es wenn ich ein- oder zweimal am Tag esse und komme sehr gut damit klar. Nur bei körperlicher Aktivität werde ich sehr hungrig.

Ob ich mich bewege oder nicht, es ist unwahrscheinlich, dass ich jemals ein Gewichtsproblem haben werde. Wie jeder weiß, war ich am Anfang sehr dünn und habe mich mit guter Ernährung und ordentlichem Training um fast 180° gedreht.

Frage: Es ist schwer sich Dich als eine dünne Person vorzustellen.

Antwort: Es ist einfacher sich das vorzustellen, wenn man mich jetzt anschaut (lacht). Die Leute kannten mich nur als Athleten auf der Bühne und nicht, als ich noch dünn war. Wenn mich jetzt jemand anschaut, ist es hart für ihn zu sehen, wie schmal ich bin und ich muss ihn daran erinnern, dass ich nicht von Natur aus ein großer Athlet bin.

Auch wenn ich jetzt immer noch breiter bin als der Durchschnitt, bin ich sicher nicht mehr so muskulös wie zu meiner besten Zeit. Ich hoffe, dass die Leute es zu schätzen wissen wie schwer es für mich war mir dermaßen in den Arsch zu treten, um die Masse aufrecht zu erhalten die ich aufgebaut hatte. Gottverdammt, ich bin fast gestorben nur um so auszusehen.

Frage: Was wiegst Du im Moment?

Antwort: Im Moment wiege ich um die 105kg und ich möchte auch nicht viel schwerer werden. Ich nehme momentan nicht an Wettkämpfen teil, also ist es für mich kein Muss überdurchschnittliche Muskelmasse mit mir herumzutragen, da ich als Kampfsportler weiterhin aktiv und agil bleiben möchte. Ich habe das an Muskelmasse, was für mich nötig ist um etwas bestimmtes zu einer bestimmten Zeit zu tun. Und momentan ist es eben der Kampfsport und da bin ich mit 105kg ziemlich schwer unterwegs.

Frage: Wie ist deine Form bei dem Gewicht? Wie hoch ist Dein Körperfettanteil?

Antwort: Ich bin mir nicht wirklich sicher, wie hoch mein Körperfettanteil ist, aber ich schätze ihn auf etwa 5%. Ich bin von Natur aus immer sehr mager gewesen, deswegen bleibt mein Körperfett bei etwa 5%, wenn nicht gar tiefer.

Frage: Ronnie Coleman hat neulich gesagt, dass es im Bodybuilding darum geht, immer größer, immer massiver zu werden. Denkst Du, dass Bodybuilding sich nur um Masseaufbau auf Kosten der Symmetrie und der Balance drehen sollte? Wie sieht für Dich der perfekte Körper aus?

Antwort: Meiner Meinung nach sollte es ein ausgewogenes, ein perfektes Paket sein. Nicht nur eine Sache, viele Sachen zählen. Ich liebe Ronnie, er hat alles und ist mehr als viele Leute denken. Was er erreicht hat, hat er verdient erreicht und ich bin unglaublich stolz auf ihn.

Noch heute gehe ich zu ihm nach Hause und eines der wenigen Bilder, das noch an seinem Kühlschrank hängt, ist eines von uns beiden auf der Mr. Olympia beim Posing. Ich habe ihn gefragt, warum er dieses Bild noch dort hängen hat und er antwortete "Weil Du meine Inspiration warst!".

Das war eine tolle Zeit. Wenn Ronnie über schmalere Körper redet, weiß ich, dass er damit nicht mich meint, also bin ich ihm nicht böse. Ich trug schließlich auch eine beträchtliche Muskelmasse mit mir herum. Im Endeffekt sollte eine gute Balance aus gewaltiger Muskelmasse und schöner Symmetrie herrschen.

Frage: Welchen Wettkampfbodybuilder der heutigen Zeit schätzt Du am meisten? Ich nehme an Ronnie steht weit oben auf deiner Liste.

Antwort: Auf jeden Fall ist Ronnie hoch oben auf meiner Liste, genau wie Dexter Jackson und Troy Alves. Lee Priest ist auch weit oben, denn er ist definitiv ein Freak von heute. Melvin Anthony, Chris Cormier, Mark Dugdale und Markus Rühl mag ich auch sehr.
Dexter und Ronnie haben sich mit mir gemessen, zusammen mit Paul Dillet. Wir waren wie Dinosaurier, die noch auf der Erde herumstreifen. Ich habe keinen Favoriten. Ich weiß nur jeden Körper, der heutzutage auf einer Profibühne steht, sehr zu schätzen.

Frage: Was sind deine Überlegungen zur Zukunft des Bodybuilding? Driftet es in gefährliche Gebiete ab, wie viele behaupten?

Antwort: Es muss definitiv mehr für die Athleten getan werden. Die großen Firmen kassieren durch sie Millionen. Diese Jungs versuchen es bis nach ganz oben zu schaffen, werden aber im Vergleich dazu lausig bezahlt.

Frage: Die IFBB denkt über ein Verbot von Steroiden nach. Wie stehst Du dazu?

Antwort: Nun, ich kann an dem, was ich getan habe, nichts mehr ändern. Nach den Steroiden habe ich wieder an Wettkämpfen teilgenommen, nur um zu zeigen, dass es mich auch ohne gibt. Ich kann deswegen nicht sagen, dass ich gegen das Verbot bin, ich stehe hinter dem Plan.

Ich weiß, dass sich vielleicht einige, die nicht dahinter stehen, auf den Schlips getreten fühlen, aber ich hoffe, dass sie meine Meinung respektieren, denn ich bin für Steroidtests und respektiere trotzdem deren Meinung dagegen. Lasst uns sagen, dass wir darin übereinstimmen nicht übereinzustimmen. Das soll kein Angriff von meiner Seite aus sein!

Frage: Was können wir von Flex Wheeler in den nächsten zehn Jahren erwarten?

Antwort: Nun, das Beste was ich geben kann! Ich werde weiter an Kampfsportwettbewerben teilnehmen und versuchen, meinen Körper in der bestmöglichen Form zu behalten. Wie bereits erwähnt, bin ich in ein Projekt involviert, das das Gesicht des Sports verändern wird, aber dazu werde ich mich äußern, wenn die Zeit reif ist.

Die Schauspielerei ist etwas, in das ich zu gerne reinrutschen würde und das sollte mit Hilfe meiner Figur in der nahen Zukunft auch passieren. Und letztendlich möchte ich auch wieder als Bodybuilder auf der Bühne stehen.

David: Vielen Dank Flex, es war mir eine Ehre mit so einer Größe des Bodybuildings zu sprechen.

Flex: Ich danke Dir, David, und bodybuilding.com für deren Unterstützung!