Hauptthema ist dabei, in welcher Menge welche Metaboliten in Urin und Blut entstehen, doch es wird auch betrachtet, inwieweit die Gabe von Nordion oder Nordiol die Nandrolon-Blutkonzentration beeinflusst.
Ich will in meiner Zusammenfassung das Thema Metaboliten nur streifen, da die Autoren der Studie hier ein tiefer gehendes Verständnis der Materie voraussetzen, das wahrscheinlich nur wenige Leser haben werden.
Man beachte übrigens, dass Nandrolon in Pferden (im Gegensatz zum Menschen) natürlich vorkommt. Dementsprechend tut man sich bei Doping-Tests (auf Nandrolon) schwerer, und der Nachweis läuft anders als beim Menschen.
Das Design der Studie kann wie folgt beschrieben werden:
- Die Untersuchungen wurden an fünf Pferden durchgeführt (an einem Hengst, zwei Stuten und zwei Wallachen).
- Dem Hengst wurde 1 mg Nandrolondecanoat (Deca-Durabolin) pro kg Körpergewicht intramuskulär injiziert.
- Die Stuten und Wallache erhielten einmalig Nordion oder Nordiol (oral) wie folgt:
- Die erste Stute 1 mg Nordion pro kg Körpergewicht
- Die zweite Stute 0,1 mg Nordiol pro kg Körpergewicht
- Der erste Wallach 1 mg Nordiol pro kg Körpergewicht
- Der zweite Wallach 0,1 mg Nordion pro kg Körpergewicht.
- Die Abnahme von Blut und Urin wurde bei dem Hengst vor der Injektion und im zweitägigen Rhythmus danach durchgeführt (über einen Zeitraum von insgesamt 30 Tagen).
- Bei den Stuten und Wallachen nahm man kurz vor der Verabreichung sowie 1, 2, 4, 7, 9, 12 18, 24, 36 und 48 Stunden danach Blut ab. Auch hier wurde der Urin gesammelt.
- Blut und Urin wurden auf Nandrolon, Norandrostendion und verschiedene Metaboliten untersucht.

Die erste Grafik stellt dar, was sich bei dem Hengst tut, der ja Nandrolon intramuskulär erhalten hatte. Die Linie mit den schwarzen Kästchen zeigt die Blutkonzentration von Nandrolon, die mit den weißen Kästchen die von Nordion.
Bei dem Nordion handelt es sich um endogen produziertes – man erkennt hier deutlich dessen Rückgang, den das Nandrolon bewirkt.

In der zweiten Grafik wird gezeigt, welchen Einfluss Nordion und Nordiol haben.
Die schwarzen Kästchen stehen wieder für Nandrolon, die weißen für Nordion. Die durchgezogenen Linien zeigen die Ergebnisse der Messungen bei der ersten Stute (1 mg Nordion/kg Körpergewicht), während die gestrichelten Linien die Resultate bei dem ersten Wallach wiedergeben (1 mg Nordiol/kg Körpergewicht).
Die Ergebnisse ähneln denen mit Androstendion und Androstendiol beim Menschen:
- Die Einnahme von Nordion bewirkt eine deutliche Erhöhung der Blutkonzentration von Nordion.
- Die Einnahme von Nordiol erhöht ebenfalls den Nordion-Spiegel, wenn auch nicht so deutlich, wie Nordion selbst.
- Weder Nordion noch Nordiol scheinen einen Einfluss auf die Nandrolon-Blutkonzentration zu haben. Die gestrichelte Nandrolon-Kurve (also die nach Gabe von Nordiol) zeigt zwar nach zwei Stunden einen geringfügigen Anstieg, doch scheint der eher nicht mit der Nordiol-Verabreichung zusammenzuhängen. Denn schließlich steigt Nordion noch munter weiter und erreicht das Maximum erst nach neun bis zwölf Stunden.
- 5alfa-estrane-3ß, 17alfa-diol (EAD) und
- 5(10)-estrene-3ß, 17alfa-diol (EED).
Weil die quantitative Bestimmung von EED bei Stute und Wallach schwierig ist, kann hier statt dem Verhältnis von EAD zu EED auch die Höhe des EAD-Wertes selbst als Doping-Nachweis benutzt werden.
Vier Tage nach der Nandrolon-Injektion wurde bei dem Hengst die höchste EAD-Konzentration im Urin gemessen. Diese lag bei ca. 310 ng/ml, während der Ausgangswert < 10 ng/ml war. Das maximale Verhältnis von EAD zu EED betrug ca. 5,5 und wurde 12 Tage nach der Injektion festgestellt. Auch 30 Tage nach der Injektion lag dieses Verhältnis noch bei ca. 1,6 und hätte einen positiven Dopingbefund ergeben.
Bei den Versuchen mit Nordion und Nordiol stiegen der EAD-Wert und das Verhältnis von EAD zu EED kurzfristig noch deutlich stärker an, als nach Nandrolon.
Bei dem zweiten Wallach (0,1 mg Nordion pro kg Körpergewicht) wurden die Maximalwerte ca. 5 Stunden nach Einnahme erreicht. Die EAD-Messung ergab ca. 2000 ng/ml, und das Verhältnis EAD zu EED erreichte einen Wert von ca. 2000.
Bei der zweiten Stute (0,1 mg Nordiol pro kg Körpergewicht) wurden die Maximalwerte 10 Stunden nach Einnahme beobachtet. Die EAD-Konzentration lag bei ca. 1000 ng/ml und das Verhältnis EAD zu EED war bei etwa 110.
Es dauerte bei beiden ungefähr drei Tage, bis EAD-Ausscheidung und Verhältnis EAD zu EED sich wieder im Normalbereich befanden.
Fazit aus der Studie:
Natürlich sind die Ergebnisse aus einem Tierversuch nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragbar. Ein paar Hinweise gibt die Studie aber schon.So scheinen an der Umwandlung von Norandrostendion und Norandrostendiol zu Nandrolon die gleichen Zweifel angebracht, wie an der von Androstendion und Androstendiol zu Testosteron.
Die Einnahme von Norandro-PHs führt zur Entstehung der gleichen Metaboliten, wie die Verabreichung von Nandrolon und daher zu einem positiven Testergebnis, sollte man sich einem Dopingtest unterziehen müssen.