Gerade aber diese Zubringer- oder Assistenz-Geschichten können oft einen kleinen, aber sehr feinen Unterschied machen. Der eine geht nun her, und macht Glute-Ham-Raises oder Beincurls, um etwa die Oberschenkel-Rückseite zu stärken und damit sein Kreuzheben zu unterstützen. Oder Ausfallschritte, um die Beine fürs Kniebeugen zusätzlich zu kräftigen. Alles gut und auch recht.
Aber ein Ausbrechen aus der Zweidimensionalität des Trainings schadet zetiweise nicht. Schon immer war ich ein Fan von unkonventionellen, oft unterschätzten aber sehr effektiven Trainingsmethoden. Ein Mann inspiriert hier seit Jahrzehnten auf unnachahmliche Weise:
Dr. Ken Leistner war es, der in seinem in den 80er-Jahren erschienenen "Steel Tip-Newsletter" in einem Artikel die Anleitung zu einer wirklich ungewöhnlichen Trainingsübung lieferte. Leistner, für seine unbarmherzig harten, intensiven Trainingseinheiten bekannt und Coach vieler Football-Stars, empfahl als Assistenz-Übung für mehr Beinkraft das Schieben von Autos. Leistner wusste den Übertrag dieser Sache sehr zu schätzen.
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Wer als gerade einmal 80 Kilo schwerer Mann 20er-Kniebeugen mit 180 Kilo machen kann wie der legendäre New Yorker Trainer, der hat definitiv Schmalz in den Beinen, ja im ganzen Körper.
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Doch zurück zum Autoschieben: Regelmäßig machte er sich zum Gespött der Nachbarschaft, weil er die Straße zu seinem Haus für Autoschiebereien missbrauchte. Seine Frau am Steuer lenkte, der neutrale Gang war eingelegt und Leistner schob mit kleinen Schritten und schwer keuchend den Geländewagen die Straße entlang, bis er nicht mehr konnte.
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Autoschieben ist fürwahr kein Kindergeburtstag. Schnell schießt das Laktat übel in die Beine, das Herz pumpt wie wild und der Kreislauf ist ziemlich nahe am Kollaps. Es ähnelt dem in der Szene bekannter werdenden Prowler-Schlitten, der sich bei Powerliftern, Strongman-Athleten und Crossfittern immer größerer Beliebtheit erfreut. Man schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Das Herz-Kreislauf-System wird trainiert und die Muskulatur ist auch am Arbeiten.
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Bob Gallucci, der sich Zeit seiner Karriere dem drogenfreien Bodybuilding verschrieb, war durch Zufall auf die Vorzüge des Autoschiebens aufmerksam geworden. Nachfolgend ein Zitat aus einem Interview mit dem Ironman-Magazin aus dem Jahr 2010:
"Eines Tages als Teenager hatten ein Freund und ich mit seinem Wagen auf der Autobahn eine Panne. Ich musste das Auto auf die Nebenfahrbahn schieben. Ich hab nie vergessen, was für ein gutes Bein-Workout das eigentlich war. 1972, nach jedem Training der Beine, steuerte mein Vater einen Galaxy 500 – ein ziemlich großes Auto – und ich schob es 100 Yards die Straße vor und nach Pause wieder dieselbe Distanz zurück. Es war ein super Workout und meine Beine explodierten. Es war tatsächlich so, dass mich im selben Jahr beim Mr.-America-Bewerb John Grimek anredete: 'Bob, du bist massiv geworden, vor allem deine Beine!'"Ich erinnere mich ebenfalls ein bleibende Eindrücke von Autoschiebe-Einheiten auf einem großen Supermarkt-Parkplatz an Sonntagen oder nach Ladenschluss. Und eines rät auch Leistner: "Play it safe!". Das ist absolut zu unterstreichen.
Das bedeutet, nur mit wachsamem Trainingspartner, auf keinen Fall auf einer hoch frequentierten Straße und in der Nähe einer Polizeidienststelle, wobei diese Autoschieberei ausnahmsweise mal keine illegale Aktion darstellt.
Der Einbau als eine Art Finisher nach der normalen Einheit macht diesbezüglich auch den meisten Sinn. Zwei bis drei Längen beim ersten Mal reichen völlig aus, der Körper zeigt einem sowieso schnell die Grenzen auf. Das über mehrere Wochen auf sieben bis acht Trips erweitern, bringt enorme Zuwächse in Beinkraft und auch Masse.
Wer Autoschieben einmal versucht, wird schnell gefesselt werden vom Impact dieser Methode. Und eines kommt noch obendrein hinzu: Bei aller Plagerei macht es auch Spaß. Autoschieben hat etwas Funktionelles, Primitives an sich. Und es gibt nachhaltigen Schub für die Königsübungen des Trainings. Was will man eigentlich mehr.
Mehr vom Autor findet ihr auf seiner Homepage: www.naturtraining.net