Bodybuilding ist ein allumfassender Lebensstil und auch eine persönliche Grundeinstellung. Es ist ein Wertekosmos, der unabhängig von äußeren Einflüssen gilt. Es ist eine Schule für Disziplin, Haltung, Form und vor allem die Erinnerung an die ungeheuren Kräfte unseres Schaffungsdranges.
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Wer Bodybuilding lebt, verschafft seinem ästhetischem Empfinden ein Forum. Er erfreut sich an der Schönheit. Symmetrie, Harmonie, das Schöne und Stolze sind ihm ein hohes Gut. Dafür opfert er Gewohnheit und den kurzen Glücksmoment, für den langen unendlichen tieferen Glücksmoment. Er verzichtet, entbehrt und erträgt ohne Aussicht auf einen finanziellen, gar aber für einen idealistischen Mehrwert. Das Risiko ist sein täglich Brot. Der Schmerz seine Tugend.
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Der Bodybuilder hingegen ist Einzelkämpfer. Seine Bühne weiß davon zu berichten. Sie erzählt die Geschichte des einsamen Kämpfers, der widrigen Umständen zum Trotz seine Interpretation des Helden, des Adonis fleischlich werden lässt.
Wie der Bildhauer, der Tag und Nacht an seinem Werke feilt, nie zufrieden, nie vollendet, stets suchend und stets kritisch. In seinem schöpferischem Wahn vergisst er, zu schlafen, zu essen und zu trinken. Am Ende ist er erschöpft und überall schmerzt sein Körper. Und doch war er nie glücklicher. Sein Werk begutachtend nimmt er ein herzhaftes Mahl, seine Geschmacksnerven scheinen zu vibrieren. Beseelt, satt und glückstrunken fällt er nun in den tiefsten und schönsten Schlaf.
Die Bodybuildingbühne ist oft auch die Geschichte des Wiederaufstehenenden der zuvor am Boden lag. Der gebrochene Kämpfer schreibt das Kapitel seiner Wiederkehr selbst. Sobald er allein zu seiner Kür die Bühne betritt, scheint es, als hätte sein oft zerreißender Roman nun also doch noch einen glücklichen Ausklang erhalten.
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Wenn das alltägliche Hamsterrad oft unsere Geschichte schreibt, so legt das Bodybuilding dem Protagonisten die Feder zurück in seine Hand. Also nimm die Feder, und beginne zu schreiben. Was ist Deine Geschichte?
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Das Training wirkt zudem kopfausspülend. Wenn die Muskeln brennen, das Herz schneller pocht und der Atem heißer wird, verblasst all der negative Müll, den wir täglich aufsaugen. Gleichzeitig wirkt das Training geistig-inspirierend und läd zu neuen Gedankenspielen ein.
Der Bodybuilder muss sich über seine Motive im Klaren sein. Ist er nicht in der Lage, sein Tun hinreichend zu reflektieren und zu begründen, wird er alsbald bei der ersten heraufziehenden Sturmböhe auf die nächste Lifestyle-Welle umsatteln.
Bilder: Matthias Busse | Matthias Busse