Es war soweit. Wettkampf Nummer zwei der 2010er Herbstsaison des IFBB für mich: 30.10.2010 - Donau Cup in Dillingen. In der Vorwoche war ich bereits bei der Süddeutschen an den Start gegangen. Dort wurde ich Vierter in der CBB. Nachdem ich von mehreren Bekannten gehört hatte, dass ich doch bedeutend besser hätte abschneiden können, war ich hoch motiviert. Bei der Süddeutschen war irgendwie der Kopf noch nicht ganz bei der Sache. Heute war alles anders.

Ich war mental fokussiert, bestens vorbereitet, das Gewicht passte und ich freute mich riesig auf die Bühne zu steigen.

Fangen wir am Freitag an

Nachdem ich von Montag bis Mittwoch aufgewässert hatte, wurde ab Donnerstag die Wasserzufuhr drastisch verringert und am Freitag auf einen halben Liter reduziert. Dabei hatte ich etwa jede 1,5h 30 Gramm Kohlenhydrate zum Aufladen gegessen in Form von Reiswaffeln und Reis. Das ist ein schönes Gefühl so oft essen zu können. Aber wie es immer ist - irgendwas fehlt ja doch: In diesem Fall das Trinken! Irgendwas ist ja immer..

Doch der Wasserfilm unter der Haut wurde immer dünner, die Form immer besser. Im Vergleich zur Vorwoche war ich auch ein Kilo leichter. Also absolut kein Stress in die angestrebte Klasse zu kommen. Gegen 00.30 ging ich ins Bett.

An Schlafen war noch nicht zu denken. Also lag ich noch etwa eine Stunde wach und ging Posen und Kür im Kopf durch. Nach 2 Stunden Schlaf wurde ich wieder wach und las etwa 1,5h mein Buch weiter. Dann konnte ich noch mal 3 h schlafen. Dann sollte auch der große Tag beginnen. Mit ausgetrocknetem Mund ging es ins Bad- aufs WC, dann Waage: Passt! Alles top. Eine Wohltat: Zähneputzen mit Wasser im Mund! Aber nicht runterschlucken…

Meine Wettkampftasche hatte ich am Vortag bis auf Kleinigkeiten fertig gemacht. Ich kochte noch eine Kanne Tee und packte meinen Reis mit Ananas und eine Packung Schinken in die Kühlbox. Dann Auto einladen, Frau und Hunde nicht vergessen! Und so machten wir uns dann mit einer guten Bekannten auf den Weg nach Dillingen. Ich lag auf der Rücksitzbank-Beine hoch. Damit kein Wasser reinläuft. Wobei ich dieses Jahr damit anscheinend nicht so Probleme habe wie bei den letzten Wettkämpfen. Aber egal, vorbeugen ist besser als auf die Schuhe ko…

Noch schnell beim Bäcker rangefahren und eine Semmel sowie einen Apfelkuchen (mmmh) geholt und dann etwas über eine Stunde Fahrt. Wieder ging ich im Kopf die Kür durch.

Vor Ort angekommen verbrachte ich erstmal meine Sachen in den Athletenraum, der im Gegensatz zur Vorwoche sehr großzügig vorhanden war. Nun hatte auch die Anmeldung geöffnet und ich konnte auf die Waage. Auch hier passte alles. Hier traf man die ersten Bekannten und schwätzte über den letzten oder den heutigen Wettkampf. Als ich in die Teilnehmerliste eingetragen wurde, fiel mir ein, dass beim letzten DonauCup nur ein Starter in der CBB auf der Bühne war. Hoffentlich sind heute mehr da, dachte ich. Wir waren dann zu fünft in der Klasse. So macht das Spaß. Startnummer mitnehmen, Posingmusik abgegeben und ab in den Athletenraum, Beine hoch und endlich was futtern! Reis mit Ananas und eine halbe Schinkensemmel. Ein Traum! Es war noch Zeit bis zum Einschmieren. Also gingen auch noch ein paar Reiswaffeln drauf!

Eine halbe Stunde vor der Eröffnung fing meine Frau an mich mit DreamTan einzukleistern. Bernhard Schuber schaute kurz drüber und gab ein paar Anweisungen. Dann stieß Mike zu uns, der den Farbauftrag mit meiner Frau perfektionierte. Ein Super Team hatte ich da hinter Bühne – top!

Jetzt wurde es langsam ernst. Etwa 15 Minuten noch hieß es. Also Arginin mit Nox-Booster getrunken, ein paar Plättchen Dextro und 3 Reiswaffeln mit Honig. Dabei aufpumpen im WarmUp Raum. Ein gutes Gefühl machte sich breit. Keine Krämpfe - sehr gut.

Die anderen Jungs aus der Klasse sahen auch gut aus. "Es wird nicht einfach!" dachte ich mir. Aber ich wollte kämpfen und alles geben. Also Vollgas. Noch einen Schluck heißen Tee und dann ging es auch raus auf die Bühne.

Sobald ich stand nahm ich die Grundhaltung ein und spannte an was ging. Es ging nun durch die viertel Drehungen. Immer an alles denken. Bauch rein Arsch anspannen , lächeln, Druck, Atmen nicht vergessen… Wahnsinn. Ich fühlte mich aber gut. Ich fand meine Frau im Publikum - sehr gut.

Nun fingen die Pflichtposen an. Wieder volle Konzentration. An alles denken, was ich mir vorgenommen hatte. Bei der seitlichen Brustpose passierte es dann. Ich nahm geschmeidig die Trizepspose ein und war sehr irritiert als einige aus dem Publikum dann Brust riefen - wie soll ich in der Pose die Brust anspannen??? Bis ich den Fauxpas bemerkte waren wir schon bei der nächsten Pose. Verdammt. Hoffentlich ist das jetzt nicht das Ende gewesen. Egal weitermachen. Die anderen Posen passten und ich machte sogar die richtigen! Dann wurden die Plätze gewechselt und ich konnte die verpatzte Pose doch noch zeigen!

Dann kamen die Vergleiche. Ich durfte gleich stehen bleiben - ein gutes Zeichen, wenn man im ersten Vergleich ist - top. Also noch mal alles geben - jetzt geht’s um die Wurst! Auch diese Runde machte mir sehr viel Spaß. Und dann war die Vorwahl auch schon vorbei. preview

Ab nach hinten, dort nahm mich meine Frau schon in Empfang und sagte, es würde super aussehen. Klasse. Also Klamotten an und etwas essen. Paar Reiswaffeln später saß ich dann im Saal und schaute mir ein paar Männerklassen an. In der Pause wollten wir etwas essen. Bernhard kam auf uns zu und sagte, gegenüber im Hotel gäbe es einige gute Sachen. Gesagt getan, mit ihm, seiner Frau und einigen anderen vom AllStars LZ Augsburg was gegessen.

Nudeln hatte ich schon ewig nicht mehr. Schmeckten hervorragend. Nun war noch etwa eine Stunde Zeit bis zum Beginn des Finales. Ich ging zurück zu meinem Platz, legte die Beine hoch und gönnte mir die Hälfte meines Apfelkuchens. Super lecker!

Zur Eröffnung des Finales sollten alle Athleten auf die Bühne. Also schon zeitig die Farbe wieder aufgetragen und auf die Bühne. Dann war etwa eine Stunde warten angesagt. In der Zwischenzeit sprach man mit den Athleten. Wie lädst Du, wo startest Du als nächstes und so weiter. Man konnte ein paar Tipps geben und ich muss sagen in unserer Klasse waren nur feine Athleten am Start.

18.20Uhr: Es war soweit, Finale der CBB!

Auf geht’s .Nachdem die Farbe wieder perfekt war, ich aufgepumpt und aufgeputscht , ging es wieder auf die Bühne. LineUp. Vierteldrehungen, Pflichtposen. Top Ich fühlte mich gut und diesmal passten alle Posen! Dann die Kürvorträge. Hier patzte bei mir dann der DJ und drehte den Ton zu früh ab. Das sollte eigentlich das beste Stück in der Kür werden, aber naja. Kann man nix machen, außer fluchen.

Dann ging es in den Posedown. Einer der anderen fragte, ob wir was zusammen machen - klar! Also lieferten wir uns ein kleines Battle. Es machte riesig Spaß und die Show war glaube ich auch okay. Wir gaben uns alle die Hand und gingen hinter die Bühne. Nun hieß es warten. Nach der Siegerehrung der Masters durften wir wieder raus zur Siegerehrung. Ich war zum Zerreißen gespannt wie es ausgehen wird. Man hatte in der Pause zwar gehört "Du spielst ganz vorne mit" und so weiter, aber man weiß ja nie.

Also zittern. Der fünfte Platz an: Nicht meine Nummer. Ebenso Platz 4 - nicht ich.

Sauber, besser als letzte Woche.

Dritter: Nicht ich - der Wahnsinn.

Jetzt wurde mir mulmig. Zweiter Platz: Wieder nicht meine Nummer!

Ich hab gewonnen!

Ich konnte es nicht fassen. Erster Platz. Der Hammer! Unglaublich.

Ich fass es bis heute noch nicht richtig.

Allen anderen die Hand gegeben - und erstmal durchschnaufen!

Nach den obligatorischen Fotos ging es wieder hinter die Bühne. Dort nahmen mich schon meine Frau und Bernhard sowie einige andere in Empfang. Alle gratulierten. Ich war so glücklich. Ich hatte es geschafft. Ich hatte echt Tränen in den Augen.

Das war der Tag. Die ganze Vorbereitung, das harte Training, die Diät, der Verzicht auf die leckeren Dinge - alles war vergessen.

Nun wollte ich mehr. Die bayerische ist die nächste Station in der Herbsttour und da muss die Quali für die DM raus springen! Genug Motivation und Schub für die kommenden 2 Wochen hatte ich ja nun.

Nun gönnte ich mir einen Kaffee und einen großen Riegel. Auf dem Rückweg, so sah mein Plan vor, würde ein McDonalds dran glauben müssen! Ich hielt es mit dem Trinken noch relativ niedrig. Damit der "Mist" nicht eingelagert wird.

Wir schauten uns zusammen noch die Männerklassen an. Mario Rieger zog eine Super Show ab und auch Ronnie Rockel beeindruckte mit seiner Masse - brutal. Nach dem Gesamtsieg verließen wir die Halle. Nicht ohne uns bei vielen netten Menschen zu verabschieden. Ich hatte heute doch eine Menge neue Bekanntschaften gemacht.

Nun sollte die "Belohnung" folgen. Nach der Hälfte des Rückwegs steuerten wir einen McD an. Dort gab es dann 3 Burger und einen McFlurry. Dazu eine kleine Coke Zero. Traumhaft sage ich Euch. Ein Erlebnis! Trotzdem ging mir noch nicht in den Kopf, dass ich gewonnen hatte. Ich grinste wie verrückt und hätte am liebsten die ganze Welt umarmt. Meine Frau musste aber reichen! Die war auch überglücklich.

Einen Cookie gab es noch als Schmankerl unterwegs.

Zu hause angekommen entdeckte ich ein zweites Stück von dem Apfelkuchen! Meine Frau wollte es nicht mehr. Wegschmeißen ist zu schade. Also wurde es etwas aufgewärmt in der Mikrowelle und ich besorgte mir aus der Tiefkühltruhe noch 2 Kugeln Eis. Boah! Was für ein Geschmack- super lecker! Ein Kaffee noch dabei. Spitze.

Das sollte es an Sünden dann auch gewesen sein.

Irgendwann um 01 Uhr gingen wir ins Bett. Meine Frau schlief sofort ein, sie war so nervös und aufgeregt gewesen. Ich allerdings lag noch bis 3 Uhr wach. Gehirnkirmes! Zu viele Eindrücke, die verarbeitet werden mussten… Auch am folgenden Tag musste ich immer wieder feststellen, dass ich es erst langsam verinnerlichte.

Die Diät jedenfalls geht weiter. Das Training wird noch mal angezogen, um die Form nochmal zu verbessern, und dann werden wir sehen, ob ich auf der Bayerischen Meisterschaft wieder vorne mitspielen kann.

Ich hoffe, ich konnte Euch einen kleinen Eindruck von dem geben, was an so einem Wettkampftag abgeht. Ich möchte mich hier nochmals bei meiner Frau, Mike, Iris dem AllStarsLZ Augsburg (Bernhard und Michaela) sowie Achim (AWE) für deren Unterstützung und auch den anderen Athleten meiner Klasse für den fairen Wettkampf bedanken.