Ende der 60er Jahre erkannten die Spitzen aus Politik, Wirtschaft und Medizin eine zunehmende Unsportlichkeit der Bundesbevölkerung. Nach den langen und harten Jahren des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg hatte es in der Bundesrepublik Deutschland einen massiven Aufschwung gegeben, man sprach vom deutschen "Wirtschaftswunder", welches Hand in Hand mit einem Strukturwandel einherging. Die primär ländlich-agrarisch geprägte Gesellschaft wandelte sich zunehmend und mit beeindruckender Geschwindigkeit in eine zunächst primär industriell geprägte, später mehr und mehr in eine Dienstleistungsgesellschaft. So positiv sich diese Entwicklung auf die wirtschaftliche Situation des Landes und der Bevölkerung auswirkte, so führte sie auch dazu, dass der Anteil körperlicher Arbeit deutlich zurückging. Der Arbeitsalltag der Menschen wandelte sich mehr und mehr hin zu sitzenden Tätigkeiten. Dies führte, in Verbindung mit dem zunehmenden Wohlstand und der damit verbundenen deutlich verbesserten Versorgung mit Lebensmitteln dazu, dass der Anteil der Übergewichtigen massiv anschwoll, Menschen mit kardiovaskuläre Krankheiten und Rückenschmerzen die Arztpraxen füllten.

Am 16. März 1970 startete der Deutsche Sportbund mit Unterstützung von Politik, Wirtschaft und den Krankenkassen die Aktion "Trimm Dich – durch Sport". Als Ziel gab man eine deutliche Verbesserung der allgemeinen Fitness der Bundesbevölkerung an, woraus man sich eine deutliche Abnahme der durch Übergewicht und einem allgemeinen schlechten Fitnessniveau bedingten Krankheitsfälle erhoffte. preview

Zusätzlichen Aufwind erhielt diese Aktion durch die Olympischen Spiele 1972 in München. Über 90% der Bundesbürger waren mit der Aktion vertraut, "Trimmy" das Maskottchen der Aktion wurde zum Synonym für sportliche Fitness und Gesundheit, sein Slogan "Ein Schlauer trimmt die Ausdauer" war in aller Munde.

Um der Bewegung optimale Rahmenbedingungen zu verschaffen, entstanden bundesweit bis zu 1500 Trimm-dich-Pfade: Rundkurse mit einer Länge von 3-4km, auf denen man in regelmäßigen Abständen von ungefähr 200m simple und robuste Fitnessgeräte vorfand. Somit sollte ein dauerhafter Wechsel zwischen Ausdauerbelastung und der Förderung anderer motorischer Fähigkeiten wie Kraft, Beweglichkeit und Koordination gefördert werden. Typische Übungen waren Klimmzüge, Weitsprung, Balanceübungen, Bocksprung, Auf- und Überschwung, aber auch Dehnübungen.

Die Aktion war zu Beginn ein großer Erfolg und schwappte auch in die Nachbarländer über, wo man die Pfade unter dem Namen Vita Parcours (Schweiz) und Forstmeile (Österreich) kannte. Mit der Zeit gerieten die Trimm-dich-Pfade aber in Vergessenheit. Das Joggen kam in Mode und spätestens seit den 90er Jahren verwaisten viele der Pfade zunehmend, auch weil es den Kommunen oft an den nötigen Geldern fehlte, sie in Stand zu halten und die Kommunikation mit den lokalen Sportvereinen oft mangelhaft war.

Dennoch haben viele Trimm-dich-Pfade überlebt und warten nur auf Fitnessbegeisterte. 2008 wurde im Rahmen einer Kooperation des Deutschen Olympischen Sportbundes und der Molkerei Müller die Trimm-dich-Bewegung wiederbelebt. Auch wenn die Aktion aufgrund eines veränderten Fokus der Molkerei Müller nach 2010 nicht mehr fortgesetzt wurde, entstanden so in vielen deutschen Großstädten moderne Parcours nach traditionellem Vorbild, insgesamt über 100 Stück bundesweit.

Nun steht der Frühling vor der Tür. Das Wetter wird freundlicher, die Temperaturen milder: der optimale Zeitpunkt, um das Ausdauertraining vom schnöden Indoorgerät raus in die Natur zu verlegen. Wer dabei nicht nur stupide durch die Gegend laufen möchte, dem sei angeraten einmal die nähere Umgebung nach übergebliebenen oder neu gestalteten Trimm-dich-Pfaden abzusuchen. Neben den positiven Auswirkungen auf oft vernachlässigte motorische Fähigkeiten wie Koordination bringen sie vor allem Eines: viel Spaß, vor allem wenn man sie mit dem Partner, der Familie oder Freunden absolviert. Und nebenbei sind sie dem Ziel der optimalen Strandfigur ganz sicher nicht undienlich…

Wer sich nun noch weiter über die Trimm-dich-Pfade und die Entwicklung der dahinterstehenden Kampagne informieren möchte, dem sei an dieser Stelle die Studie der Sporthochschule Köln aus dem Jahr 2005 empfohlen, in der die Autorin Verena Möllath diese intensiv untersucht hat. Die Studie ist im Web frei abrufbar unter Dosb.de.

Hinweis des Autors: Gerne bieten wir auch eine individuell auf euch zugeschnittene Betreuung an. Alle Informationen hierzu findet ihr unter www.ironhealth.de! Ihr habt Fragen? Dann kontaktiert uns doch einfach unter info@ironhealth.de!