Wenn jemand Erfolg hat, egal in welchem Bereich, neigen die Mitmenschen zu zwei Dingen: Missgunst und der Frage, wie er diesen erreicht hat und was man somit tun müsste, um mit ihm gleich zu ziehen. Dabei vergessen die Fragenden oftmals, dass ein guter Schüler nicht zwangsläufig ein guter Lehrer sein muss und man seine Ratschläge mit Bedacht einholen sollte.

Auf der anderen Seite existieren verschiedene, standardisierte Trainingssysteme, die Teils exotische Namen besitzen und von mehr oder weniger erfolgreichen Athleten-Trainern mit mal mehr, mal weniger durchschaubaren Erläuterungen konstruiert wurden. Gerade ältere Athleten tun sich scheinbar schwer mit solchen Plänen vom Trainingsreißbrett, so dass sich mittelbar die Frage nach Sinn oder Unsinn solcher Konstruktionen stellt.

Was ist Training?

Die Frage, was Training überhaupt bedeutet, werden sich die wenigsten direkt gestellt haben, doch in dem Augenblick, in dem man sich an eine Autorität im Verein oder ihre Vorgabe in Form eines definierten Planes anvertraut, hat man sich zumindest eine Antwort darauf gegeben.

Man will seine eigene Leistung steigern, das Training nicht länger nur als Zeitvertreib verstehen und man will gezielte, optimale Ergebnisse erreichen. Training bedeutet ab dieser Entscheidung zumindest einen gewissen Grad an Begeisterung, Fokussierung, Ehrgeiz und Hingabe, die es tagtäglich erneut zu beweisen gilt.

Und egal ob man sich in die Hände des Zen Meisters oder des Gurus begibt, in beiden Fällen will man eine Reihe von Schritten entlang gelotst werden, deren Zusammenhang oder Reihenfolge einem selbst (noch) nicht deutlich ist. preview

Der Weg zum Erfolg


Ein guter Trainer, so weise wie der Zen Meister

Dass es dabei Dinge gibt, die leichter zu erlernen sind, als andere, steht wohl außer Frage. Während der einfache Curl mit der Langhantel noch ohne große Instruktion selbstständig und intuitiv erlernt werden kann, sind die Übungen des Powerliftings bereits deutlich anspruchsvoller und nur unter großer Anstrengung, Geduld und Selbstkritik eigenständig erlernbar. Geradezu unmöglich wird es wiederum mit noch komplexeren Bewegungen wie dem Gewichtheben.

Je komplexer und undurchdringbarer Bewegungsabläufe und Übungen werden, desto mehr verschiebt sich der Bedarf des Trainierenden vom reinen Erlernen hin zum notwendigen Verstehen und Analysieren. Ein Prozess, der ab einem gewissen Punkt ohne das Wissen von Erfahreneren nicht länger allein bewältigt werden kann.

Darüber hinaus liegt es am Trainer, zu erkennen, wann der nächste Schritt gegangen werden kann. Die Interpretation der Reaktionen und das wohlwollende Bremsen, sollte der eigene Ehrgeiz zu schnell antreiben. Während man Anfangs lernt, um es in der folgenden Stufe als Aktiver durchzuführen, hat der wahre Trainer die latente Grenze durchbrochen, dieses Wissen mit Umsicht zu vermitteln.

Meide den Halo-Effekt

Die Gefahr der Latenz liegt dabei darin, dass nicht derjenige die letzte Stufe erreicht, der erfolgreich die zweite durchlebte, sondern viel mehr der Kreis an Aktiven, der immer wieder bereit ist, sich demütig dem Schülersein hinzugeben. Ein guter Schüler mag nicht zwangsläufig ein guter Lehrer sein, aber ein guter Lehrer ist immer einer der besten Schüler. - Alles dazwischen ist von begrenzter Bedeutung und sollte den nach Antwort Suchenden nicht verblenden.

Der Weg des Gurus

Das symptomatische Gegenbild der postmodernen Gesellschaft ist dagegen das vorgeschriebene Trainingssystem hinter dem mehr oder weniger ein einzelner Schöpfer steht. Getreu dem Motto Nichts muss, alles kann kursieren die unterschiedlichsten Pläne, die allesamt eines gemeinsam haben: Das Versprechen des Erfolges.

Eine standardisierte Abfolge von Übungen und vorgegebene Zyklen nehmen die Rolle des Trainers ein und übertragen durch Erläuterungen zum Vorgehen die Aufgabe des Interpretierens auf den Schüler. Die Flexibilität der selbständigen Durchführung wird mit einem Maß an Eigenständigkeit und Selbstreflektion bezahlt, zu dem nicht jeder gleichermaßen bereit oder fähig ist.

Und so ist der größte Vorteil gleichzeitig auch der vermeintlich größte Nachteil: Durch die gleichmachende Herangehensweise gehen individuelle Bedürfnisse und Zeitpunkte für den nächsten Schritt verloren und werden möglicherweise mit einer Stagnation bezahlt, die sich, um so beständiger ein Schüler trainiert, jedoch relativiert. Bis zu einem bestimmten Leistungsniveau könnte man genauso gut den ganzen Tag Pferdemist schaufeln und würde zu fast den gleichen Ergebnissen kommen, wenn die restlichen Faktoren stimmen. Der mögliche Vorzug des Lehrers liegt vielmehr in einer antreibenden Motivation, als einem Vorsprung an Wissen.

Habe einen offenen Geist und bleibe dennoch kritisch

Gerade wenn man vollkommen unbefleckt bemüht ist, sich neues Wissen anzueignen und dieses umzusetzen, ist die Wahl der richtigen Waffe nicht ohne weiteres zu bewältigen.

Doch beide hier beschriebenen Wege stellen nicht etwa die Pole einer langen Linie dar, sondern sind vielmehr die zwei Klingen eines Dolches. Ein schlechtes System macht diesen genauso stumpf, wie ein Lehrer, der nicht bereit ist, sich mit solchen auseinander zu setzen.

Nur der ewige Schüler kann der wahre Meister werden und dies stellt den wahren Weg zum Erfolg dar.