Diät Psychologie vs. Diät Physiologie
Bevor ich dies tue, muss ich jedoch etwas klarstellen: Die Unterscheidung, die ich zwischen Psychologie und Physiologie mache, erfolgt lediglich aus Gründen der Bequemlichkeit – es handelt sich um keine Unterscheidung, die tatsächlich existiert.
Mit anderen Worten ausgedrückt, beeinflusst die Psychologie die Physiologie und die Physiologie beeinflusst die Psychologie – die Zeiten, während denen man so getan hat, als ob Körper und Geist separate, nicht miteinander interagierende Einheiten wären, sind lange vorüber. Ich mache diese Unterscheidung, wie gesagt, lediglich aus Gründen der Bequemlichkeit – sie wird mir einiges an unnötiger Komplexität in der folgenden Diskussion ersparen. Man sollte jedoch im Hinterkopf behalten, dass es sich um eine künstliche, in der Realität nicht existente Unterscheidung handelt.
Die moderne Wissenschaft erkennt (z.B. im Bereich der Psychoneuroimmunologie), dass sich das Gehirn und der Körper in einem konstanten Zustand der Interaktion befinden und miteinander in Verbindung stehen. Dies ist in gewisser Hinsicht die Basis für die Idee, dass man "sich krank denken kann" oder die Idee, dass Menschen mit einer positiveren Einstellung bestimmte Krankheiten (wie z.B. Krebs) mit höherer Wahrscheinlichkeit überleben. Der Denkprozess kann also Körperfunktionen, wie z.B. die Immunfunktion beeinflussen.
Einfacher ausgedrückt, beeinflusst er, wie der Körper funktioniert und wie der Körper arbeiten kann, wie man denkt oder was man fühlt.
Jedem, der sich für dieses Thema interessiert, kann ich nahezu jedes Buch des wissenschaftlichen Autors Robert Sapolsky empfehlen – insbesondere das Buch "Why Zebras Don’t Get Ulcers" (Warum Zebras keine Magengeschwüre bekommen), in dem dieses Thema etwas detaillierter behandelt wird (primär im Kapitel "Kortisol und Stress"). Dies ist eines meiner Top 5-Bücher aller Zeiten und ich kann es gar nicht oft genug empfehlen. preview
Wie auch immer – während der Leser dasitzt und diesen Artikel liest, möchte ich, dass er an etwas zu denken beginnt, das ihn wirklich wütend macht – Steuern, Benzinpreise, meine Unfähigkeit konsistent zu schreiben – was auch immer. Es ist wichtig, dass man richtig wütend wird. Dann sollte man kurz mit dem Lesen aufhören und auf seinen Körper achten: Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Herzfrequenz gestiegen ist und wenn man den Blutdruck messen würde, dann wäre er erhöht. Man wird vielleicht auch etwas schneller atmen. Ich glaube, der Leser weiß, worauf ich hinaus möchte. Alleine über etwas nachzudenken, das einen aufregt, besitzt einen starken physiologischen Einfluss auf den gesamten Körper.
Hier ist ein anderes Beispiel in die andere Richtung: Jeder weiß, wie lethargisch und faul man wird, wenn man krank ist und unter etwas wie Grippe, einer schweren Erkältung oder was auch immer leidet. Es ist so, als ob der Körper, wenn man krank ist, mit Absicht versucht zu erreichen, dass man den ganzen Tag herumliegt und ruht. Dies ist im Grunde genommen auch der Fall.
Wenn man krank ist, schüttet der Körper kurzlebige Chemikalien aus, die als Zytokine bezeichnet werden und von denen einige entzündungsfördernd wirken. Entzündungsfördernde Zytokine besitzen zusätzlich dazu, dass sie ein Gefühl der Wärme erzeugen, wenn man die Grippe oder etwas Ähnliches hat, einen direkten Einfluss auf das Gehirn und die Motivation sich zu bewegen.
Ich möchte anmerken, dass ähnliche Mechanismen als primäre Ursache des Übertrainings vorgeschlagen wurden. Dies wird als Zytokin Hypothese des Übertrainings (Link) bezeichnet und fügt meiner Meinung nach eine Menge widersprüchlicher Daten zu diesem Thema zusammen. Diese Theorie erklärt Veränderungen bezüglich der Leistungsfähigkeit nebst verhaltenstechnischen Aspekten und fügt die früher angenommene (aber falsche) Unterscheidung zwischen lokalem vs. zentralem Übertraining zusammen. Wie sich herausstellt, handelt es sich um ein und dasselbe und lokale Auswirkungen (Beschädigungen des Gewebes) verursachen zentrale Wirkungen (Veränderung von Verhalten und Motivation).
Im Grunde genommen verursachen konstante/chronische/exzessive lokale Entzündungen (in den Muskeln, die man trainiert) eine Erhöhung der Spiegel entzündungsfördernder Zytokine und diese sind für den Mangel an Trainingsmotivation und die Lethargie verantwortlich, die häufig einsetzen. In Grunde genommen versucht der Körper (die Muskeln) dem Gehirn zu "sagen", dass er Ruhe und eine Auszeit benötigt. Natürlich entscheidet sich der Mensch, hartnäckig und störrisch wie er ist, häufig dafür, diese Signale zu ignorieren und zu übergehen.
Dies besitzt für das Thema des Scheiterns von Diäten, über das ich in folgenden Artikeln sprechen werde, einiges an Relevanz.