Ich wünsche Euch hiermit einige interessante Minuten, die hoffentlich aufgekommene Fragen beantworten und weiterhin zum Nachdenken anregen werden.
Aller Anfang...
Ich weiß, dass das Thema "tägliches Training" in wenigen Mündern, und schon gar nicht in vielen Freizeitrepertoires Platz findet. Diese Art des Trainings sollte viel mehr für diejenigen gelten, die zu wenig und zu leicht trainieren, aber denken, dass sie zu oft und zu hart an die Sache herangehen. Dieser Artikel gilt auch für die Menge an Trainierenden, die es immer noch nicht für möglich halten, obwohl hochfrequentes Training nicht seit gestern existiert. Dies hier umfasst einerseits die Entwicklung Eurer Physis, andererseits auch die Entwicklung Eures Geistes, Eurer Psyche.Es ist Tatsache: Bei der Mehrzahl der Trainierenden in den Weiten der Studiolandschaften kann davon ausgegangen werden, dass sie NICHT hart und oft trainieren, und bei vielen dieser Geschöpfe kann sogar gesagt werden, dass sie nicht einmal trainieren.
Training heißt, dass eine Progression voranschreitet, dass der Athlet zumindest in einer Reihe von Trainingseinheiten sich gewünscht verbessert. Verbesserung gilt hier als Synonym für quantitative Merkmale, was olympisch gedacht soviel wie höher, schneller, weiter oder aber auch mehr beziehungsweise schwerer heißt.
Dies setzt eine regulative Trainingsplanung voraus. Das bedeutet demnach nicht, wie Kollege Schnürschuh in das örtliche Studio rennen und mal ein paar Hanteln schwingen und das ganze dann Bizepscurls schimpfen.
Erst neulich meldeten sich zwei alte Bekannte bei mir im Studio an. Das erste, was sie indoktriniert hervor brachten war *trommelwirbel* Bizepscurls. Erst danach führten sie - hierarchisch angeordnet – Bankdrücken aus.
Zwei Monate später traf ich sie wieder. Alte Leier, altes Lied. Diesmal befand sich in ihrem Trainingscompendium sogar die Latzugmaschine. Ich betone Maschine! Die geführte Version mit einer Bewegungsdimension. Was wurde erprobt? Latreißen in Verbindung mit Dips als Symbiose für Kraft und Muskelmasse.
Ich verurteile hiermit nicht diese zwei Neulinge. Wer war früher anders, wer hatte einen bestialisch-guten Trainer zur Seite? Wohl keiner, oder die wenigsten von uns...
Solchen Menschen empfiehlt es sich rein von der Logik schon nicht, täglich zu trainieren. Obacht! Wenn die Übungen mit einem derart lächerlich geringen Gewicht ausgeführt werden, wie beispielsweise im Gewichtheben Neulinge mit dem Besenstiel an die Übung herangeführt werden, eignet sich dieses koordinativ-motorische Üben bestens für die ersten grobmotorischen Bewegungsabläufe. Von Feinmotorik darf hier aber noch nicht geredet werden.
Also: Wieder ein Pluspunkt fürs tägliche Training!
Ich schätze, dass jeder schon die Position des Trainers im Laufe der Jahre eingenommen hat, und die Erfahrung sammelte, dass sich Neulinge in den ersten Monaten meistens nicht gerne belehren lassen. Deshalb und der Tatsache geschuldet, dass ich die zwei Bekannten nur zwei Mal in der Zeit antraf, habe ich mich noch nicht verpflichtend zwischen Scheibe und Athlet geworfen, um avantgardistisch dem Diskopumpertum den Kampf anzusagen! Ich bitte dies zu entschuldigen.
Für Berufstätige überhaupt umsetzbar?
Wo steckt das Problem? Nur weil ich als Student mir mäßig die Freizeit einteilen kann, gibt mir das nicht das Recht täglich trainieren zu dürfen. Warum, so frage ich mich, haben dann viele Berufstätige überhaupt Zeit sich zum Training zu plagen? Der Tag hat 24 Stunden und ich denke nicht, dass viele Berufstätige sich am Montag, Mittwoch und Freitag extra zwei Stunden früher von der Arbeit verabschieden, damit sie sich – nein nicht das Feierabendbier, sondern die trauten Trainingsstunden genehmigen dürfen. Warum klappt es an den ausgewählten drei bis vier Trainingstagen, aber nicht täglich? Ist es das Ziel nicht wert, lohnt sich der Aufwand nicht? Ich bitte abermals um Entschuldigung, es ist, wie der geneigte Leser erkennt, etwas überspitzt dargestellt.Für viele gehen Familie, Kind, gemeinsames Abendessen, früh ins Bette gehen, 20:15 Uhr–Sendungen, lange Ausschlafen und was weiß ich vor. Dann darf aber auch nicht behauptet werden, dass das Ziel mit 90 bis 100 Prozent verfolgt wird. Ich mache persönlich klare Abstriche bei Familie und Freundin. Ich gebe zu, nicht zu 100 Prozent dem Bodybuilding und Kraftsport verfallen zu sein. Das ist auch nicht meine Aufgabe, mein Unterhalt. Es ist aber meine Passion, die tagtäglich einen Konsens mit anderen Interessen finden muss.
Mein Bodybuilding findet einen Konsens mit der Kochleidenschaft meiner Freundin, mit dem Feierabendbier der Familie, mit der Arbeit und den Aufgaben meines Studiums.
Es ist jedem selbst überlassen, inwieweit er seine kostbare Freizeit nach seinen Gesichtspunkten einteilt. Wenn das Training nur an fünfter Stelle Einhalt findet – na dann ist es so. Ich verurteile keinen. Ich möchte hiermit ab er auch aufzeigen, dass es für viele auch mit Familie und Kind möglich ist, sogar zwei Einheiten am Tag zu trainieren, und sei es nur im Heimgym, oder sogar im entfernteren Studio! Ich persönlich bin mir meinem Ziel nicht so sehr verpflichtet, dass ich es regelmäßig zwei Mal am Tag zum Training bringe. Ab und an besuche ich aber mein Homegym und absolviere ein paar Sätze Brust und Rücken. Eine Abhandlung von geschlagenen 5 Minuten.
Ich könnte jetzt für einige meinen Zeitplan darlegen. Dies würde aber in den ersten Gedankenzügen mancher Leser zu erheblichen Konflikten führen: "Du hast kein Kind!", "Dein Studio ist keine 40 km weit entfernt!", "Ich habe kein Homegym!".
Jeder ist seines Glückes Schmied. Jeder kennt dieses Sprichwort, diese Lebensweisheit und Gewohnheitsfloskel. Sie findet auch hier Anwendung.
Ich habe mir für über 1000 Euro ein Homegym von dem lächerlichen Geld eines Studenten gekauft. Ich bin dafür für 5 Euro pro Stunde arbeiten gegangen. Ich bin umgezogen und habe eine Wohnung in der Nähe eines Fitnessstudios ausgesucht, um die Abwechslung zu wahren. Viele meiner Mittrainierenden arbeiten auf den Bau für 8 – 12 Stunden täglich. Sie sind die Leute, denen die größte Wertschätzung zu Teil werden sollte, wenn sie trotz des harten Arbeitstages, der nicht am Schreibtisch verbracht wurde, und trotz Familie und Kind, die Massen an Gewichte beladen und Beugen, Ziehen und Drücken.
Beruflicher Zwang kann und darf nicht die Ausrede sein, dass ein Athlet nicht täglich oder überhaupt trainieren kann.
Ich möchte dennoch darauf hinweisen, dass ich nicht zu sagen beziehungsweise schreiben versuche, dass Ihr Eure Kinder und Frau vernachlässigen oder verlassen sollt, nur um das Training gnadenlos zu verfolgen und ohne Kompromiss zu erledigen. Jeder von uns hat bestimmte Erwartungen an sein Training und an andere Dinge, die als wichtig erachtet werden. Dabei kann nur eine Priorität ganz oben auf der Skala stehen. Für den einen ist es das eigene Kind, für den Kinderlosen die Familie, für den Alleinstehenden das Training. Ich plädiere hiermit nicht auf Erbarmungslosigkeit. Ich plädiere hiermit auf Verhältnismäßigkeit, die Gewichte auf den Waagen in einem gewissen Maß zu halten, die Wogen nicht zu glätten, aber auch nicht ausufern zu lassen – das Verhältnis zu wahren und nicht in eine Maßlosigkeit abzurutschen, die wieder nur auf den engstirnigen, abseitigen Bodybuilder und der dazu gehörigen stereotypen unwirklichen Subkultur abzielt.
Dann hör' ich doch lieber das Argument:
Täglich ZWEI Stunden Training? Bist du des Wahnsinns...
Diese These suggeriert, dass ich behaupten würde, ein anständiges Training müsse zwei Stunden dauern. Nein. Wieder schlägt der Sinn der Verhältnismäßigkeit zu Buche. Man kann, es heißt aber nicht man soll. Es darf zwei Stunden trainiert werden. Als Beispiel angeführt könnten die zwei Stunden wie folgt sich ergeben:- 10 Minuten Warmmachen – erst global dann lokal an der ersten Übung
- 80 Minuten intensives mit mäßigen Umfang gestaltetes Oberkörpertraining
- 20 Minuten Ausdauertraining im 140er Pulsbereich
- 10 Minuten Dehnen und Rotatorentraining
Es wird langsam klar, dass ich hiermit keinen speziellen, für alle Schichten und Subschichten geltenden Plan ausarbeiten kann und darf. Der Plan könnte nur wenigen gerecht werden, er wird aber nie die Fülle an Individualität der Menschen abdecken; welche Lebensumstände den Trainierenden und Athleten ausmachen, ihn Grenzen aufsetzen.
Ich kann immer nur Beispiele aufführen, die gewisse Lebenslagen erörtern und ein spezielles Vorgehen aufweisen. Wenn das Kind krank wird, und der Partner arbeiten ist, so muss sich der Athlet notgedrungen vom Training verabschieden. Oder aber er organisiert ein kleines Bodyworkout. Je nach Gusto, Vorhaben und Zielen des Vaters oder der Mutter.
Mehr zu dem Thema in Kürze beim 2. Teil.