Die Blinden weisen den Willigen den Weg
Der Club war sechs Tage die Woche geöffnet, Dienstag, Donnerstag und Samstag waren die "Männertage", Montag, Mittwoch und Freitag die der Frauen, wobei diese auch von Dienstag und Donnerstag Früh bis Mittags kommen durften. Es war ein nach Geschlechtern getrennter Club, wenn man das so sagen kann, da es männliche und weibliche Mitglieder gab, zu dieser Zeit aber die Meinung herrschte, dass Frauen nicht ordentlich trainieren könnten, wenn Männer zuschauten und zu ihnen hinüber "gafften", wie Männer das nun mal so machen. Also trennten wir auf diesem Wege die männlichen und weiblichen Mitglieder von einander. Erinnert euch noch mal: Der Industrie geht es darum zu verkaufen – so war es und so wird es immer bleiben – also spiegelte unsere Firmenpolitik die damals herrschende Meinung der Kaufleute wieder. Die Zeiten ändern sich ebenso wie die Einstellungen zur Sittsamkeit, sozialem Miteinander und der Einschätzung zu den besten Plätzen die es gibt um flachgelegt zu werden und auch die Kaufleute ändern sich. Die Effizienz der Firmenpolitik wird in der Fitnessindustrie niemals die Funktionalität des Trainings als einen entscheidenden Faktor gelten lassen, das war noch nie der Fall gewesen. Die Wahrnehmung des Trainingsparadigmas wird von denjenigen geprägt, mit denen die Endverbraucher in diesem Kontext am meisten in Kontakt kommen. Drei Tage Training in der Woche waren vollkommen ausreichend für die Männer, da wir ihnen das so suggerierten und schließlich waren wir ja die Experten auf diesem Gebiet. Die Damen brauchen selbstverständlich mehr Tage als die Männer, da ihr Training nicht so anstrengend sein konnte und hauptsächlich aus Stretching und ein wenig Herumlaufen bestand, was in einem klassenverbandähnlichem Umfeld geschah…bla bla bla bla. Es war aber tatsächlich so, dass die Anzahl der weiblichen Mitglieder die der männlichen überstieg, weshalb den weiblichen Mitgliedern ein großzügigerer Zeitrahmen zur Benutzung des Clubs zugestanden wurde. Dieses Geschäftsmodell der Trennung von Männlein und Weiblein sparte dem Club auch einiges an Geld ein, als er damals gebaut wurde, da getrennte Umkleiden, Toiletten und Duschen nicht vonnöten waren.
Wir hatten einen unglaublichen Whirlpool, ein toller Ort an dem man sich nach dem Training entspannen konnte, mit einer großartigen Tanzbar die sich nur ein paar Schritte die Straße hinunter befand. Diejenigen unter euch, die den Film "The Last Picture Show" gesehen haben, haben diesen Ort schon gesehen, da er in dem Film gezeigt wurde. Aber diese Geschichten sollte ich mir für später aufbewahren, wenn ihr mir die Biere zahlt.
Wir hatten zwei getrennte Trainingsflächen, von denen eine mit ausgewählten, alten Maschinen, einem Kniebeugenständer, einer Multipresse, einem Haufen Hanteln und ein paar Flachbänken ausgestattet war. Dazu kamen noch einige von den Maschinen die einen vibrierenden Gürtel haben, den man sich dann um die Hüfte hängen kann um das Fett wegzurütteln. Die waren tatsächlich ganz gut um sich den Rücken massieren zu lassen. Und schließlich war da auch noch meine Wenigkeit. Die andere Trainingsfläche war der Nautilus-Raum, welcher mit all dem ausgestattet war, was damals an allerfeinsten Geräten verfügbar war, und mit Shaddrack Brown, einem großen, einfachen Kerl mit 48er-Armen. Natürlich arbeiteten Shaddrack und ich jeweils auch in dem Bereich des anderen, je nachdem, welche Art von Mitgliedschaft ich an diesem Tag verkauft hatte und was ich denen erzählt hatte. Andersherum waren Shaddracks Schützlinge aufgrund der Aussagen der Büromenschen oft bei mir um das zu machen, was diese ihnen gesagt hatten. Shaddrack war kein Kaufmann und er war selten in den Büros vorne anzutreffen. Aber wenn der Chef einen Mitgliedvertrag abgeschlossen hatte, oder ganz selten auch mal eine von den Kauffrauen, dann bekam Shaddrack normalerweise den Auftrag den Trainingsplan für das neue Mitglied zu erstellen. Den Rest der Zeit verbrachte er damit die Stammmitglieder an den Nautilusmaschinen zu quälen. Shaddrack konnte diese Jungs zu jeder Zeit dazu bringen ihr Mittagessen auszukotzen, wenn er es nur wollte und – damals wie auch heute – gab es viele Leute die dachten, dass Erbrechen der wichtigste Indikator für ein effektives Workout ist.
Ganz fernab vom Thema ist hier mal eine lustige Geschichte über Shaddrack, die ich jetzt erzählen kann, da ich ihn nun schon über 25 Jahre lang nicht mehr gesehen habe und er mich vermutlich dafür nicht töten wird. Wir hatten einen Abend unter Arbeitskollegen und Elaine, eine der Kauffrauen, brachte ihre Fußhupe, so einen kleinen Hund, mit in den Club. Shih Tzu oder Llasa Apso oder wie diese kleinen knopfäugigen Dinger auch heißen mögen, aber er war niedlich. Wir waren seit ungefähr 30 Minuten im Büro als Bob, der Chef, fragte: "Wo ist Shaddrack? Der sollte doch hier sein." Ich sagte ich würde ihn suchen gehen und lief durch den Club, bis ich schließlich am Nautilusraum ankam. Wir hatten da in der Ecke dieses Raumes eine Massageliege stehen, die für alles benutzt wurde, außer Massage, und Shaddrack stand auf der Liege, presste sich in die Ecke, offensichtlich total verängstigt, und der kleine Hund saß vor ihm auf dem Boden und schaute ihn an. Ich fragte ihn: "Was zur Hölle machst Du da auf der Liege, Shaddrack? Hast Du etwa wirklich Angst vor diesem kleinen, niedlichen Hundchen?" Und Shaddrack antwortete: "Ich…ich…Du….Du, weißt Du, ob der Hund beißt, j-ja?" Ich hob die kleine Hündin hoch und brachte sie zurück zu Elaine und dann musste ich zurück kommen um Shaddrack davon zu überzeugen, dass er von der Liege steigen könne, was er dann auch tat, nachdem ich ihm versichert hatte, dass der Hund nun sicher im Wagen war. Hunde sind doch lustige Tierchen, nicht wahr?
Ich neigte eher dazu mich in dem Raum mit der konventionelleren Freihantelausrüstung aufzuhalten. Ich konnte den Mitgliedern den klassischen Nautilus-Trainingszirkel mit zwölf Stationen beibringen, weil man nur ungefähr zehn Minuten dafür braucht das zu lernen. Ich bevorzugte aber die Freihanteln, da ich den technischen Aspekt der Übungsausführungen mochte, den ich beibringen und trainieren konnte, darüber hinaus war mir die Abwesenheit von Erbrochenem lieber. Ich kann den Geruch nicht ertragen und ich habe eine persönliche Abneigung gegen das Würgen – vom Zeitpunkt des Verfassens dieses Schriftstückes hier ist es sechzehn Jahre her, dass ich gekotzt habe. Und ich versichere Euch, dass dies nicht an mangelnder Intensität beim Training, oder an ausgebliebenen Grippeerkrankungen liegt. 1994 gab es einen Vorfall mit mit Cuervo 1800, einem Tequila, der offensichtlich aus Benzin hergestellt wurde. Ich bin davon überzeugt, dass das Erbrechen in Verbindung mit Training eine erlernte Verhaltensweise ist. Shaddrack brachte es den Leuten bei, ich tat es nicht. Mein Rat an Euch ist, es jetzt sofort zu verlernen.
Die breite Annahme der Arthur Jones Nautilus Geräte in der Industrie, Mitte der 70er, trug auf vielerlei Art zum Wachstum der Fitnessindustrie der kommenden Jahre bei. Ich habe vorher schon über die Behebung der offensichtlichen, logistischen Probleme durch diese Trainingsmethode geschrieben, die in zehn Minuten so einfach zu erlernen ist, dass jeder, dessen Finger geschickt genug sind einen Splint in einen Stapel Gewichtsplatten zu stecken, diese Methode erlernen kann und als Angestellter eines Fitnessstudios durchgehen könnte. Mir ist neulich aber auch zu Bewusstsein gekommen, dass 35 Jahre Fokussierung auf das Maschinentraining auch dazu geführt haben, dass sich ein Wandel im Denken (über die Art des Workouts) derer vollzog, deren Job es ist, Richtlinien für die Effizienz des Maschinentraining aufzustellen und diese zu gewährleisten.
Wenn Du von Beruf Trainer werden möchtest, wirst Du im Umfeld der kommerziellen Fitnessindustrie funktionieren müssen, denn da kommen die Geräte nun mal her. Wenn Du nicht absolut vollends ernst machst und für teures Geld Dein eigenes Studio baust – und Dich damit erheblichen finanziellen Gefahren aussetzt – wirst Du immer in einem Gebäude trainieren müssen, welches bereits einem anderen gehört. Das bedeutet gewöhnlich, dass es sich um ein privates oder um ein Gemeinschaftsobjekt handelt, welches nach den gängigen Industriestandards ausgestattet ist, denn genau das bringt das Geld rein. Die Mitglieder dieses Clubs werden einen Vertrag unterschrieben haben der eine Laufzeit von 12-24 Monaten hat und einen tatsächlichen Wert von ungefähr $300-$600 haben wird. Dieser wird dann gewöhnlicher Weise zu 70-80% des normalen Werts an ein Finanzunternehmen verkauft, und diese dritte Partei streicht dann auch das Geld ein. Nach dieser ganzen Aktion besteht der Wert des Mitglieds für den Club nunmehr darin, dass das Mitglied weitere potentielle Mitglieder heranschafft, worauf es dann auch regelmäßig angesprochen wird. Oder Du bekommst einen Job in einem Rehabetrieb der hauptsächlich von einer dritten Partei (Versicherungen) finanziert wird. In diesem Fall ist die Atmosphäre eine andere, das benutze Gerät bleibt aber dasselbe.
Die Trainingsfläche dieser Lokalität wird dann zu 50-60% aus Cardiogeräten wie Laufbändern, Crosstrainern und Steppern bestehen, die so hingestellt wurden, dass die Mitglieder fernsehen können, während sie ihr langsames Langstreckentraining runterspulen und sich dabei nicht draußen sondern drinnen (verkaufsteigernd!) aufhalten. Der Rest der Trainingsfläche wird Geräten gewidmet, die pro Stück zwischen $3000 und $6000 kosten und jeweils (mit sehr wenigen Ausnahmen) die Ausführung von nur einer bestimmten Bewegung zulassen. Die Theorie dahinter ist, dass Du den Mitgliedern ein "komplettes Workout" bieten kannst, das irgendwann mal alle Muskeln des Körpers trainiert hat, wenn Du nur genug Maschinen gekauft hast. Dies ignoriert natürlich die Natur der menschlichen Bewegungsabläufe und damit kommen wir auch zu unserem Problem: Wir wissen warum die Industrie so funktioniert wie sie es tut. Aber warum hat sich die akademische Gemeinschaft der Trainingswissenschaften auf die Seite der Industrie geschlagen, der es doch offensichtlich egal ist, dass sie die natürliche Anpassung des Menschen an Gewichtsübungen ignoriert?
Sie tat es weil sie es musste. Die Gemeinschaft hat nicht wirklich eine Chance, wenn man mal berücksichtigt, dass ihre fertig ausgebildeten Mitglieder abhängig sind von Stellen und Umgebungen, in denen sie auch sinnvoll arbeiten können. Unter den zigtausend Gesundheitsclubs, kommerziellen Fitnessstudios, Rehaeinrichtungen die Mitgliedschaften verkaufen, Wellnesszentren, industriellen Sutdios, Hotels und Residenzen und jedem anderen Ort, an dem jemand mit einem Trainerschein arbeiten könnte, haben mehr als 95% der Einrichtungen den Industriestandard von 55% Cardio und 45% Maschinen übernommen. Jedes Studium welches von sich behauptet den Studenten für mehr als nur einen Studienabschluss innerhalb desselben Fachbereiches vorzubereiten, muss kommerzielle Interessen verfolgen und dies ist schon aus der Broschüre ersichtlich. Es ist also nicht so verwunderlich, dass maschinenorientiertes Isolationstraining in den Schulen gelehrt wird, dass Fragen hierzu in den Schulen abgefragt werden und dass die NSCA/ACSM/AFAA/IDEA/ACE usw. Zertifikate für diese Sache ausstellen. Darum glaubt man, dass so schon alles okay sein wird.
(Fairerweise muss hier gesagt werden, dass die meisten dieser Clubs schon irgendwo ein paar Hanteln rumliegen haben und dass man irgendwo auch Klimmzüge machen kann. Diese Sachen sind da, um den geringen Prozentsatz an Mitgliedern zufrieden zu stellen der danach verlangt. Ein Blick in das Studio um sechs Uhr abends zeigt uns aber, dass diese Leute nicht gerade einen großen Teil des Geschäfts ausmachen. Der einzige Grund warum man sich hier anpasst ist der, dass dieses Equipment günstig im Einkauf und leicht zu pflegen ist, es nimmt kaum Platz weg und beschwichtigt die notorischen Eisenbieger, damit diese nach ihrem Eintritt in den Club den Ball flach halten. Außerdem muss man sich immer ein paar dieser Jungs auf Halde halten, damit der Club so rüberkommt, wie er sich nach außen darstellen möchte.)
Aber es gibt noch andere Erkenntnisse die sich logisch von der Beobachtung ableiten lassen, dass 35 Jahre des Nachdenkens in der Industrie ihre eigenen Erklärungsansätze für die Rechtfertigung des maschinenbasierten Isolationstrainings, als die bevorzugte Art und Weise des Trainings, hervorbrachten. Das Interesse an der Trainingswissenschaft als einem akademischen Fach wird dadurch ausgelöst, dass man dem Training selbst ausgeliefert ist. Und dies wird in den meisten Fällen in einem Studio stattfinden, welches dem Industriestandard folgt. Wenn eine junge Person das Training aufnimmt, ohne überhaupt mit dem Hanteltraining in Kontakt kommen zu können, kann sie den Wert dieser Trainingsmethode nicht erkennen. Dies limitiert wiederum den Kontakt zu anderen, noch effektiveren Trainingsmethoden, da alle, die Professoren, die Absolventen, und die die noch studieren, alle in einem Boot sitzen und alle den selben, beschränkten Wissensstand haben, der nie etwas anderes als das Training mit dem Industriestandard kennen gelernt hat – die Industrie änderte sich Mitte der 70er und die Profs sind heute ungefähr so alt wie ich. Diese 35 Jahre des Momentums für die Fitnessindustrie wurden in den vom ACSM herausgegebenen Empfehlungen verankert, indem dazu geraten wird 8-10 Übungen zu je 4-5 Sätzen á 8-12 Wiederholungen bei moderater Intensität zu absolvieren. Eine typische maschinenorientierte Vorgehensweise, wie sie in keinem effektivem Freihantelprogramm jemals vorkommen würde. Diese formelhafte Anhäufung von Regeln wurde so eifrig übernommen, dass die Trainingswissenschaft sich häufig darauf beschränkt diese Richtlinie wieder auszupacken und darauf zu verweisen, wobei sie weiterhin versichern, dass die akademische Gemeinschaft der Trainingswissenschaftler von der Sicherheit und Effizienz dieses Schemas überzeugt ist und dieses Schema allen anderen vorzuziehen sei.
Jetzt, da ein Trainingsparadigma etabliert ist, welches aus sich selbst heraus nicht in der Lage ist ausreichend Belastungsreize für eine signifikante Adaption des Körpers zu liefern, stehen wir da mit zwei oder drei Generationen von Trainern, denen gar nicht bewusst ist, dass es nicht so kommen muss. Eben weil sie sich gar nicht bewusst sind, dass es noch andere Möglichkeiten gibt, forschen sie auch nicht weiter in diese Richtung der erfolgversprechenderen Trainingsmethoden und deren Bewegungsabläufe. Da ein Großteil der Trainer und der trainierenden Bevölkerung nun mal in einem Umfeld aufgewachsen sind, in dem niemand große Fortschritte macht, wird dies als normal angesehen.
Sie wissen nichts von dem "Anfänger Effekt", da keiner ihrer Schützlinge ausreichend gequält wurde um eine schnelle Adaption des Körpers zu gewährleisten. Es wird also in den akademischen Kreisen mit aller Härte behauptet, dass es diesen Effekt überhaupt nicht geben kann. Die Limits der Leistungsfähigkeit des Anfängers werden also nie erreicht und deshalb müssen auch keine Trainingsmethoden erforscht und entwickelt werden, die sich genau diesem Problem stellen müssten. Im Gegensatz hierzu haben einige Trainer und Akademiker festgestellt, dass die fortgeschrittenen Athleten ja auch irgendwo herkommen müssen, was wiederum die Notwenigkeit unterstreicht Übermäßiges zu leisten um schließlich auch übermäßig gut in seinem Sport zu werden und zwar mit Hilfe eines fortgeschrittenen, periodisierten Trainingsplans. Dabei bleibt aber dennoch unberücksichtigt, dass dies nicht für Einsteiger gilt, die sich viel schneller an neue Reize gewöhnen, als sie (die Reize) von einem periodisierten Trainingsplan neu gesetzt werden können. Diese Denkweise ist ein direktes Resultat der Tatsache, dass die meisten Trainer niemals schnellen Fortschritt bei Anfängern gesehen haben, der durch auf Anfänger zugeschnittene Trainingspläne erzielt werden konnte. Ihre Standard-Trainingspläne können damit nicht dienen, darum haben sie noch nie in ihrem Leben schnellen Fortschritt gesehen. Wenn Du noch nie gesehen hast, wie sich ein normaler Anfänger beim Freihanteltraining stetig verbessert, dann kannst Du diesen Fortschritt auch nicht reproduzieren. Außerdem wirst Du nie eine Studie durchführen, die diese Effekte untersucht, denn Du weißt ja nicht einmal dass sie existieren. Schlussendlich ist es also so, dass man kein von der Empirie gestütztes Freihantel-Trainingsprogramm entwickeln kann, wenn es an Leuten mangelt, die die Fragen stellen, die es zu beantworten gilt. Daraus ergibt sich dann auch, dass das Freihanteltraining in absehbarer Zukunft weiter in den Händen von einigen wenigen Praktizierenden liegen wird, die in einigen wenigen Studios arbeiten die sich nicht dem Industriestandard gebeugt haben und die von Akademikern und der Industrie, sowie von den Neunmalklugen wegen ihrer ach so offensichtlich unwissenschaftlichen und daher uneffektiven Art zu trainieren, kritisiert werden.
Es ist aber noch absurder gekommen: Aus akademischen Kreisen hört man nun, dass Freihanteltraining sogar gefährlich sei. Diese Behauptung wird selbstverständlich in einem kurzen Gespräch von irgendwelchen Physiotherapeuten, die allesamt selbstverständlich auch Experten im Bereich des Krafttrainings sind, untermauert. Diese Behauptung stärkt dann wieder dem maschinenorientierten Training den Rücken, weil man Vorbehalte gegen die eigentlich gesündere Variante des Trainings schürt. Wenn Schulterdrücken Deine Schultern ruiniert, wenn Kniebeugen über den vollen Bewegungsumfang Deine Kniescheiben nach vorne aus den Gelenken sprengen, wenn Kreuzheben Deinem Rücken endgültig den Rest gibt und wenn olympisches Gewichtheben so fortgeschritten ist, dass nur Wettkämpfer es überhaupt irgendwie schaffen können, natürlich viel unsicherer als an den hässlichen Hinterlassenschaften von Arthur Jones, wenn maschinenorientiertes Training sicher ist und Freihanteltraining unverantwortlich und gefährlich, dann sag ich Dir was mein Freund, dann mal los!
Es gibt Hoffnung. Die schnelle Verbreitung von CrossFit und anderen ähnlichen Institutionen, wo es um "Old-School"-Training geht, machte die Sache immer populärer. Es gibt Studios mit Stangen, Bumper Plates, Kettlebells, Kletterseilen, Ringen und dort ist die Atmosphäre von Schweiß und harter Arbeit geprägt. Diese Studios haben tausende weitere Plätze geliefert, die das Potential haben das effektive Freihanteltraining weiter nach vorn zu bringen. Diese Studios gab es vor fünf Jahren noch nicht und gerade sie könnten der Weg aus dieser Misere sein, die von der Fitnessindustrie innerhalb der letzten 35 Jahre herbeigeführt wurde und auch der Weg aus der Misere in der die Trainingswissenschaft steckt, der es nur noch darum geht ihre eigenen akademischen Hirngespinste zu rechtfertigen.
Shaddrack verließ die Stadt um einen Monat Urlaub zu machen, in Maine - als könnte man woanders nicht besser die Zeit verbringen – und einige seiner Jungs fragten mich, ob ich sie während seiner Abwesenheit trainieren könnte. Ich zeigte ihnen wie man Kniebeugen machte, Bankdrücken ausführte und wie Kreuzheben funktionierte. Ich hatte das damals selbst erst seit einiger Zeit gemacht und selbst mit meinen damals eher beschränkten Fähigkeiten als Trainer legte jeder einzelne dieser Jungs innerhalb dieses einen Monats an Gewicht zu, während sie in zwei Jahren Nautilustraining nicht ein einziges Pfund zugenommen hatten. Ich mein ja nur….