Wer beim Thema Krafttraining keinen Spaß versteht, hört bitte hier auf, zu lesen...Du möchtest mit dem Krafttraining beginnen? Endlich Muskelmasse zulegen und überflüssiges Körperfett verlieren? Aussehen, wie du es dir immer gewünscht hast? Mit einem Sixpack, breiten Schultern und allem drum und dran? Dann ist es zunächst einmal von ungeheurer Bedeutung, dass du das Training aufgrund der richtigen Ziele aufnimmst. Du solltest dich nur dann in das Abenteuer stürzen, wenn du dein Erscheinungsbild auf Drängen anderer Leute hin verändern möchtest. Dein Fußball-Trainer rät dir zu Krafttraining, um auf dem Feld robuster zu sein? Ein Anfang! Deine Freundin möchte, dass du abnimmst? Gut! Zahlreiche deiner Bekannten trainieren seit vielen Jahren und haben dich solange wegen deiner dünnen Arme aufgezogen, bis du breit werden wolltest, um sie alle fertig zu machen? Ausgezeichnet!
Natürlich brauchst du für dein Unterfangen erfahrene Leute, die dir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Glücklicher Weise wirst du schnell feststellen, dass es in deinem Umfeld von kompetenten Leuten nur so wimmelt. Dein fettleibiger Onkel, der erzählt, er habe früher ausgesehen wie Brad Pitt zum Beispiel. Oder ein Bekannter, der angeblich seit Monaten zuhause mit Hanteln trainiert, allerdings leider nach wie vor den Armumfang von der Dicke eines Zahnstochers besitzt. Und was ist mit dem alten Mann aus dem Fitness-Studio, der zwar seine Storchenbeine in eine hautenge Radler zwängt, aber Jeden auf vermeintliche fehlerhafte Übungsausführung anspricht, der nicht bei Drei auf den Bäumen ist? Solchen Menschen solltest du zuhören! Schließlich möchtest du doch später auch einmal aussehen wie sie.
Na gut, dein Erscheinungsbild soll sich schon deutlich von der momentanen Form der Laberköpf... Entschuldigung: Experten unterscheiden. Aber da unsere Gesellschaft im Grunde keine Aufschneider, Lügner oder Realitätsverzerrer beherbergt, hast du keinerlei Grund, jedem noch so dubiosen Fachmann zu misstrauen.
Jetzt geht es an die Studio-Auswahl
Selbstverständlich entscheidest du dich aufgrund deines engen finanziellen Rahmens, den Trainingsgewohnheiten deiner Freunde und der offenkundig keinesfalls irreführender Fernsehwerbung für eine große Studio-Kette. Was wünscht man sich schließlich mehr als fachkundige und allzeit beratend zur Seite stehende Trainer, die auf keinen Fall größtenteils nur eine Reihe kurzer Seminare und eine knappe Einweisung ihres Studio-Leiters als Qualifikation vorzuweisen haben?Gibt es etwas besseres als eine überfüllte Halle voller Tanktop-tragender Teenager, die sich um die Brust- und Bizeps-Geräte drängen, als handle es sich um ein Freibier-ausschenkendes, barbusiges Topmodel am 11.11. auf dem Vorplatz des Kölner Hauptbahnhofs? Und wen stört schon die Tatsache, dass sämtliche Kurzhanteln derart durch die Gegend fliegen, dass es einem Weltwunder gleicht, wenn man mit dem Gewicht trainieren kann, welches einem der Trainingsplan vorschlägt?
Also gut, dein erstes Training steht an
Du musst dir im Vorfeld keine großen Gedanken um einen Plan machen, schneie doch einfach einmal herein und erkundige dich bei den anderen Mitgliedern des Studios nach deren Vorlieben.Probiere alternativ ein paar Übungen auf eigene Faust aus und denke dir nichts großes dabei, wenn dein Rücken beim Langhantel-Rudern im Spiegel betrachtet derart krumm erscheint, dass es niemanden sonderlich überrascht, wenn Marilyn Manson im Anschluss an deinen Satz anruft und dir zu der Tatsache gratuliert, dass du offenkundig gemeinsam mit ihm zur kleinen Gruppe jener Mensch gehörst, die sich selbst einen ...mit dem Mund und dem Glied und so... können.
Nach ein paar Wochen wirst du dann den für dich perfekten Plan ausgemacht haben. Selbstverständlich steht die Brust im Zentrum deiner Aufmerksamkeit. Braucht man nicht eigentlich sowieso nur eine ausgeprägte Brustmuskulatur, um auszusehen wie Chris Hemsworth? Wofür macht man den Rest eigentlich? Ach ja, dicke Arme gehören auch noch dazu. Und ein Sixpack!
Was? Vom Schultertraining wird man breit? Aber nur von den Drück-Übungen, oder? Und den oberen Rücken braucht man auch, für den V-Körper? Ist das alles kompliziert... Zum Glück kannst du auf das lächerliche und viel zu anstrengende Beintraining verzichten. Schließlich hast du doch bis vor einem Jahr zweimal die Woche Fußball gespielt und mit viel Fantasie erkennt man daher vielleicht sogar noch Spuren von Muskulatur an deinem Unterkörper. Außerdem willst du ja gar nicht so widerlich dicke Stelzen, die in keine Jeans mehr passen. Das geht übrigens sehr schnell, höre dich nur mal um!
Gott scheint gute Gene verteilt zu haben, als es um die Beinmuskulatur ging, nur im Bezug auf den Oberkörper hat er bei allen gegeizt. OK, bei fast allen: Die jungen Leute, die erst seit zwei Jahren vier Mal pro Woche kommen und auch so ein Zeug wie ihre Beine, ihren Rückenstecker, die hinteren Schultern und andere Mädchensachen trainieren, die stellen eine Ausnahme dar. Dabei nehmen diese Glückspilze nicht einmal soviel Gewicht, dass ohne fremde Hilfe und beachtlichem Schwung keine einzige saubere Wiederholung zu bewerkstelligen ist. Und trotzdem sehen die Grünschnäbel von Monat zu Monat besser aus. Bestimmt Stoffen die zusätzlich zu ihrer unverdient guten Veranlagung auch noch.
Die Ernährung
Neben dem Training stellt die Ernährung natürlich auch noch einen eminent wichtigen Baustein dar. Die Bedeutung der Ernährung im Vergleich zu den Aktivitäten im Studio kann man übrigens genauestens in Prozent angeben. Ist jetzt aber nicht so wichtig, eigentlich sollte sich dir nur der Begriff Massephase ins Hirn brennen. Muskulatur besteht aus Proteinen und beim Training werden Kohlenhydrate verbrannt.Kohlenhydrate? Auf gut Deutsch Zucker? Ja. Was musst du demnach aus diesem wissenschaftlichen Fakt schließen? Iss verdammt nochmal soviel du kannst! Die Hauptsache ist, dass du deinem Körper viele Kalorien zuführst, in welcher Form auch immer. Dabei spielt es keine Rolle, ob du als übergewichtiger Kloß oder als magersüchtiges Hemd beginnst, eine Massephase ist immer gut.
Und mache dir keine Sorgen, der bierbäuchige Typ aus deinem Studio sieht zwar aus, als stecke er bereits seit Anbeginn der Zeit in einer solchen Periode des Ansammelns von Körperfett, aber bald wird abgespeckt. Dies nimmt sich der gute Herr auf gar keinen Fall bereits seit über einer Dekade jährlich zum ersten Januar vor, Quatsch! Außerdem stehen Frauen sowieso eher auf dicke Arme als auf einen Sixpack. Und Kraft verliert man im Rahmen einer Diät auch noch. Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt der Transformation, ganz bestimmt!

Viel in dich hinein zustopfen wird allerdings nicht reichen. Du benötigst noch Whey-Protein, Casein, BCAAs, Creatin, Trainings-Booster und vieles mehr. Ja, du brauchst das wirklich alles, sonst kannst du deinen Traum vom athletische Körperbau gleich wieder begraben.
Du musst nicht wissen, was genau das Zeug, welches du löffelweise in deinen Shaker häufst, in deinem Stoffwechsel angeblich für eine Rolle spielen soll... ähm, spielt! Wichtig ist nur, dass dir bewusst ist, dass jedes einzelne Nahrungsergänzungsmittel unverzichtbar, wirklich keineswegs überteuert und praktische eine Garantie für deinen Erfolg ist.
Im Grunde kennst du dich jetzt bestens aus. Na gut, man könnte dich als Anfänger noch darüber informieren, wie es sich mit den potentiell katastrophalen Auswirkungen auf die Proportion und Symmetrie der Muskelpartien zueinander verhält, wenn man kopflos beginnt in sein Verderben zu trainieren. Oder wie genau du eine Übung durchführen musst, um deine Zielmuskulatur optimal zu bearbeiten und gesundheitliche Schäden praktisch auszuschließen. Aber ich merke schon, mit solchem Weichei-Gequatsche bin ich hier Fehl am Platz. Also, worauf wartest du noch? Stürze dich in das Vergnügen!
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