Überblick:
• Der erste Verweis auf Cellulite, stammt von Scherwitz und Braun-Falco (1978).
• Cellulite ist ein natürlicher Prozess bei Frauen und wird durch das Hormon Östrogen hervorgerufen.
• Wenn Du Cellulite hast, so haben sich deine Fettzellen losgerissen, vergrößert und begonnen sich zu vervielfältigen.
Cellulite ist eines der "schmutzigen" Worte innerhalb der Fitness-, oder Schönheitsindustrie. Niemand möchte es haben, keiner spricht darüber und diejenigen, die darunter leiden, sind aufgebracht, weil scheinbar niemand anderes dasselbe Problem hat.
Wieso sind einige Frauen stärker betroffen als andere, und wieso bekommen es sogar manche Männer? Dies ist ein recht modernes Phänomen, welches anfänglich scheinbar willkürlich Frauen betrifft und viel seltener auch Männer.(1)
Niemand spricht darüber, weil keiner wirklich weiß was es ist und wie es entsteht. Dies liegt daran, dass die Forschung bis kürzlich nur sehr vage beschreiben konnte, was Cellulite eigentlich ist. Die Forschung, bezüglich der Ursache, ist ebenso unklar. Die neuesten Studien zeigen uns aber endlich was wirklich vor sich geht und was wir dagegen tun können.
Die Geschichte der Cellulite
Der erste Verweis auf Cellulite, stammt von Scherwitz und Braun-Falco (1978).(2)Heute weiß man, dass ihre Untersuchungen der Anatomie der Cellulite an Leichen, einige Fehler enthielten. Da es zu dieser Zeit aber keine ebenbürtige Forschung zu diesem Thema gab, konnten sie nicht allzu viel bewirken, allerdings leiteten sie den Forschungsprozess in die Wege.
Eine visuelle Darstellung dessen, findet man in Abbildung 1, welche anatomische Ungenauigkeiten enthält, die ich aber erklären werde. Die Bündelung der Fettzellen in Richtung der Oberfläche, ist in Abbildung 1 richtig dargestellt, allerdings wird die Haut nicht durch Septae nach unten gezogen, sondern es drücken eher Pfeiler aus Fettzellen nach oben.(3) Achtet daher nicht auf die Septae, sondern vergegenwärtigt Euch, dass einige dieser Pfeiler aus Fettzellen lose und frei werden und einen Wulst im darüber liegenden, weichen Gewebe bewirken. preview
Abbildung 1 ist sehr typisch für heutiges Denken, da die frühere Forschung durch Fehler verzerrt ist und dadurch den Trainern, Fitnessexperten oder den Trainierenden, keine guten Ratschläge angeboten hatte.
Was die Fehler in der Forschung angeht, so kann man Scherwitz & Braun-Falco als Beispiele heranziehen. Sie schlußfolgerten aus ihren frühen Studien an Leichen, dass die Hauteinsenkungen (Dellen, Orangenhaut) eine Besonderheit von Frauen sind, nicht jedoch für Cellulite.(2) Ebenfalls schlußfolgerten sie, dass Männer keine Cellulite bekommen können, da ihre subkutane Hautschicht dünner ist und ein kreuz und quer verlaufendes Septae Muster aufweist, welches die Fettkammern in kleinere polygonale Einheiten unterteilt.(2)
Eine von ihnen erwähnte Information war gut, denn der Kneiftest (Pinch Test) fällt nur bei Männern mit Androgendefizienz positiv aus. Dies ist aber bereits ein guter Indikator, wodurch Cellulite getriggert wird (Hormone). Allerdings wurde das von ihnen und auch anderen Forschern, bis vor kurzem übersehen.
Im Jahre 1986 stellten Markman und Barton viele der oben genannten Fehler von Scherwitz und Braun-Falco richtig, und kamen mit ihrer Schlußfolgerung der Wahrheit einen Schritt näher: Cellulite tritt dann auf, wenn die tieferen Schichten der Dermis zusammenbrechen, und sich das Fett dadurch in Richtung der oberflächlichen Schichte der Haut aufwölben kann.(4) Dies verursacht einen Dellen-Effekt.
Ein bisschen mehr von der Wahrheit, wurde im Jahre 1991 von Lockwood(5) aufgedeckt, als er, mittels seiner Leichen-, und Körperkonturanalyse, zwei verschiedene Cellulose-Typen definierte. Die primäre und sekundäre Cellulite.
Die primäre Cellulite war durch größere oder hypertrophierte oberflächliche Fettzellen gekennzeichnet. Die sekundäre Cellulite war das Resultat einer unelastischen Haut, wahrscheinlich verursacht durch UV-Schäden, Altern oder starken Gewichtsverlust.5 Ähnlich Markman und Barton, glaubte auch Lockwood, dass die Hautschichten selbst den Zusammenhalt verlieren und daher die Fettzellen nicht mehr davon abhalten können, in die Dermis vorzustoßen.
Lockwood schlussfolgerte, dass hauptsächlich die oberflächliche Hautschicht zusammenbricht (und nicht wie von Markman und Barton geschlussfolgert, die tiefere Hautschicht), und dadurch dem Fett das Vorstoßen nach oben ermöglicht, was wiederum die charakteristische Wellenform der Cellulite verursacht.
Diese beiden Theorien sind der Wahrheit sehr nahe, da sehr spezifische Teile der Dermis zusammenbrechen und die Cellulite Dellen auch von hypertrophierenden Fettzellen verursacht wird.(3)
Lockwood's Modell war, bis zu einer kürzlich beschriebenen Entdeckung, die beste verfügbare Interpretation der Cellulite. Neue Forschung jedoch, bietet ganz neue Ansichten zu Cellulite.
Der neueste Stand der Cellulite Forschung
Man glaubt, dass Cellulite (manchmal auch als Gynoide Lipodystrophie bezeichnet) dann entsteht, wenn subkutanes Fettgewebe in die tiefere retikuläre Dermis vorstößt. Hierbei werden an der Oberfläche Unebenheiten hervorgerufen.(1)Die unebene, orangehautähnliche und dellige Hautoberfläche, ist charakteristisch für die Cellulite. Sie kommt laut Berichten bei 85% aller erwachsenen Frauen an den Oberschenkeln, dem Bauch und den Pobacken vor(4). Cellulite hat nichts mit der Cellulitis zu tun, was eine Infektion der Haut und des darunterliegenden Bindegewebes ist.
Zwei Wissenschaftler, Peter Pugliese und GE Pierard, haben vor kurzem die wahren Übeltäter der Celluliteentstehung entdeckt. Cellulite ist eine Wechselwirkung zwischen dem Fettgewebe und Bindegewebe, auf welche die Sexualhormone einwirken.(3)
Pugliese geht noch weiter und sagt, Fett könne als Sexualorgan betrachtet werden, genau wie die Haut als ein solches angesehen wird. Aufgrund der Art der Verwendung des Fetts, sind die Hüften und Oberschenkel die Hauptregionen der Cellulitebildung.
In jedem Teil des Körpers, wird Fett von den metabolischen oder hormonellen Erfordernissen reguliert. Letzteres bestimmt das Auftreten von Cellulite. Die Hüften und Oberschenkel unterliegen bei Frauen einer stärkeren hormonellen Kontrolle, da sie für die Schwangerschaft und Milchbildung reserviert sind.(6) Aus diesem Grund, sind dies bei Frauen genau die Stellen, an denen Cellulite am häufigsten auftritt. Viel seltener tritt es dort bei Männern auf.(3)
Tatsächlich ist Cellulite bei Frauen ein natürlicher Prozess, der von dem Hormon Östrogen eingeleitet wird.(3),(6),(7) Die Hauptfunktion dieses Hormons, ist der Abbau von Kollagen im Cervix während der Entbindung, um so die Passage des Babys zu ermöglichen.
Der Ablauf der Cellulite
Östrogen beginnt mit seiner Tätigkeit während der Pubertät und führt diese bis nach der Menopause aus.(3) Dies passt gut mit der Forschung von Scherwitz & Braun-Falco zusammen, da sie Cellulite bei einem achtjährigen Kind feststellten, und eine fortgeschrittene Ausprägung bei einer 79-jährigen Ur-Großmutter.(2)Dass Frauen wegen des Östrogens an Cellulite leiden, ist bekannt. Männer dagegen leiden selten an Cellulite, weil sie über wenig Östrogen verfügen.(3) Interessanterweise muss man anmerken, dass der durch Östrogen verursachte Kollagenabbau, ein natürlicher Prozess ist. Logisch gedacht würde das bedeuten, dass Frauen mit übermäßiger Cellulite, an einem übermäßigen Kollagenabbau leiden. Die folgenden Schritte legen den vollständigen Ablauf der Cellulite dar.
- Schritt 1: Östrogen wirkt auf Fibroblasten ein.
- Schritt 2: Fibroblasten wirken auf Kollagenase ein.
- Schritt 3: Kollangenase baut das die Fettzellen umgebende Kollagen ab.
- Schritt: 4 Die Kollagenstränge, die Gruppen von Fettzellen umgeben, verfallen.
- Schritt 5: Fettzellen breiten sich nun in Richtung des Weichgewebes der Hautoberfläche aus.
- Schritt 6: Freigewordene Fettzellen vergrößern und vervielfältigen sich nahe der Hautoberfläche, um so das Erscheinungsbild der Cellulite hervorzurufen.
Bisher haben wir fünf Dinge durch diese Erörterung hier gelernt:
- Östrogen stimuliert die Kollagenaseproduktion der Fibroblasten, welche auf Kollagen einwirkt und es abbaut. Dies ist der Beginn der Cellulitebildung.
- Während der Entstehung von Cellulite geht Kollagen verloren.
- Ohne Kollagenfasern können die Fettzellen aus ihrer dicht gepackten Gruppierung entfliehen, entgegen der Hautoberfläche wandern, und ihre volle Größe entwickeln (Hypertrophie).
- Erreichen die Fettzellen ihre volle Größe, so stimulieren sie Vorläuferzellen der Adipocyten (Prä-Adipocyten) zur Bildung von Adipocyten oder Fettzellen.
- Naturgemäß stimuliert Östrogen die Prä-Adipocyten zur Ausbildung neuer Adipocyten. Je mehr Fett Du hast, desto stärker wird die Östrogenproduktion der Ovarien stimuliert.(3)
Dies ist ein Teufelskreis, welcher jedesmal neubeginnt, wenn die Ausbildung neuer Adipocyten oder Fettzellen aktiviert ist. Diese neuen Fettzellen, führen zu höheren Östrogenkonzentrationen im Körper, was wiederum den Neustart des gesamten Prozesses antreibt. Aus diesem Grund, kann die Entstehung der Cellulite außer Kontrolle geraten, was auch vorkommt.
Wieso sind nun manche Frauen stärker von Cellulite und dem erwähnten Teufelskreis betroffen? Manche Frauen regulieren und kontrollieren ihre Östrogenkonzentrationen besser, als ihre weiblichen Kollegen.
Geringere Östrogenkonzentrationen bewirken eine geringere Fibroblastenaktvierung, wodurch weniger oder keine der oben erwähnten Ereignisse stattfinden. Es gibt Berichte über einige Frauen, die überhaupt keine Cellulite aufweisen. Beispielsweise weisen Frauen in asiatischen und östlichen Teilen der Erde, wenig oder keine Cellulite auf.(8)
Fazit
Es ist nicht verwunderlich, wieso das Wort Cellulite in der Industrie so ein unangenehmes Wort ist. Wie wir alle wissen, sieht es nicht sonderlich schön aus. Wir wissen jetzt aber auch, dass sich deine Fettzellen (wenn Du Cellulite hast) losgerissen haben, sich vergrößerten und schließlich vervielfältigten.Dazuhin bist Du hormonell unausgeglichen, deine Kollagenkonzentrationen sind niedrig, und wenn Du nichts unternimmst, so wird Dir dein Körper zeigen, dass es nur noch schlimmer wird!
Im zweiten Teil dieses Artikels, schauen wir uns die Behandlungsmöglichkeiten der Cellulite an, und wir werden besprechen, welche der angewandten Forschungsmethoden nicht funktioniert haben. Ebenfalls werden wir Dir zeigen, welches Ernährungssystem und welche Übungen, eine effektivere Behandlung der Cellulite ermöglichen.
Literaturverzeichnis:
- Pierard, GE et al. Cellulite histopathology and related mechanobiology. Int J Cosmet Sci. 2006 Jun:28(3):207-10
- Braun-Falco, O & Scherwitz, C. So called cellulite. J Dermatol Surg Oncolo. 4:230 (1978)
- Pugliese, PT. Physiology of the skin II. Allured Publishing Corp. 2001
- Markman, B & Barton, FE. Anatomy of the subcutaneous tissues of the trunk and lower extremities. Plastic and Reconstructive Surgery, 248 - 254 (Aug 1987)
- Lockwood, TE. Superficial fascia system (sfs) of the trunk and extremities: a new concept. Plastic and Reconstructive Surgery, 1009-1018 (1991)
- Pierard, GE. Commentary on cellulite: skin mechanobiology and the waist-to-hip ratio. J Cosmet Dermatol. 2005 Sep;4(3):151-2
- Pugliese, P. The pathogenesis of cellulite: a new concept. J Cosmet Dermatol. 2007 Jun;6(2):140-2.
- Anecdotal evidence taken from a conversation between Dr. Peter Pugliese and Dr. Bob Bibb. 2008